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BERTHOLD VON REGENSBURG.
VOLLSTÄNDIGE AUSGABE
SEINER DEUTSCHEN PREDIGTEN
MIT
EINLEITUNGEN UND ANMERKUNGEN
VON
D* FRANZ PFEIFFER
WEIL O. Ö. PROFESSOR DBS DEUTSCHEN 8PBACHE UND LITTERATUR AN DER UNIVERSITÄT ZU WIEN.
ZWEITEE BAND.
ENTH.: PREDIGTEN XXXVII— LXXI NEBST EINLEITUNG, LESARTEN
UND ANMERKUNGEN
VON
D8 JOSEPH STROBL
O. Ö. PROFESSOR DER DEUTSCHEN SPRACHE UND LITTERATUR AN DER FRANZ JOSEPHS- UNIVERSITÄT IN CZERNOWITZ.
WIEN, 1880.
WILHELM BRAUMÜLLER
K. K. HOF- UND UNI VERSITÄ TSDUCHHÄNDLER.
MEINEM VEKEHßTEN FKEUNDE
UND COLLEGEN
FERDINAND ZIEGLAUER VON BLUME NTHAL.
VORREDE.
j\\a ich im Jahre 1868 — nach Franz Pfeiffers Tode — es übernahm, den zweiten Band seiner Ausgabe der deutschen Predigten Bertholds zu vollenden, war ich mir der Schwierigkeiten meiner Aufgabe wenig bewust. Pfeiffer hatte ja in seiner Widmung an J. Grimm ver- sprochen, dass dieser zweite Band 'übers Jahr' gedruckt vorliegen werde. Ich muste daher erwarten, wenigstens das Materiale zur Fortsetzung vollständig vorhanden zu finden. Dies war indes nicht so. Es fanden sich im Nach- lasse: 1. eine Abschrift der Heidelberger Handschrift Nr. 24; 2. eine solche der Heidelberger Handschrift Nr. 35; 3. Abschriften der in den Münchener Hand- schriften enthaltenen Predigten. Alle diese von Pfeiffer' s Hand; 4. eine Abschrift der Klosterneuburger Hand- schrift von H. F. Massmann, im Jahre 1839 angefertigt;
5. ein Wörterverzeichnis zum ersten Bande in einem Zettelcatalog, angelegt von Zuhörern Franz Pfeiffer's;
6. eine ebenfalls von einem Zuhörer Franz Pfeiffers
VI . Vorred«.
unter Beisetzung der Interpunction verfasste Umschreibung der Heidelberger Handschrift ins mittelhochdeutsche. Somit fehlten die wichtige Brüsseler und Donaueschinger Handschrift. Dass unter dem Mangel der ersten die Aus- gaben im ersten Bande litten, werden die Anmerkungen dartun, dass ohne Kenntnis der zweiten kein einiger Massen klares Bild über die Überlieferung der in diesem Bande gedruckten Predigten zu gewinnen war, wird sich aus dem folgenden gleichfalls ergeben. Die Donau- eschinger fand sich zwar bei Pfeiffer's Tode in dessen Hause vor, doch zeigte sich keine Spur ihrer Benutzung. Ich glaube daher in der Unvollständigkeit der Vor- arbeiten den Grund zu finden für den Umstand, dass Pfeiffer seinen Plan allzurasch durch andere Unter- nehmungen in den Hintergrund treten liess. Im Novem- ber 1862 war ihm ja, wie K. Bartsch in seiner Biographie Franz Pfeiffer's LXXVI berichtet, der Plan zur Aus- gabe der Deutschen Classiker des Mittelalters nahegetreten. Was Pfeiffer versäumt hatte, war daher nachzu- holen, die Brüsseler Handschrift ward verglichen, das führte auf das Bedürfnis auch die grosse Heidelberger Handschrift selbst mit dem Drucke zu vergleichen. Ferner wurden die Donaueschinger Handschrift und eben alle Handschriften mit Ausnahme der Münchener neu ver- glichen, so dass unter dieser genannten Einschränkung, die Lesarten und der von mir gebotene Text vollkommen auf meine Verantwortung fallen. Diese nötigen Vor- arbeiten haben neben meinen Berufsgeschäften die Aus- gabe verzögert.
Vorrede. VII
In zwei Puncten biete ich weniger als Pfeiffer versprochen. Nach I, VII sollte dieser Band 'eine erschöpfende Characteristik Bertholds und seiner Bered- samkeit geben, die das in den Predigten zerstreute zu einem Gesammtbilde zusammenfassen sollte'. Ich bringe in der Einleitung zu diesem Bande und in den Anmer- kungen nur Bruchstücke zu diesem * Gesammtbilde'. Ich habe schon unten gesagt, wie es ohne die lateinischen Predigten heranzuziehen, nicht möglich sei, Pfeiffer's Vorhaben auszuführen. Die Quellenuntersuchung, die wich- tige Vorarbeit für ein solches ' Gesammtbild ' kann sich ebenfalls nicht auf die deutschen Predigten einschränken. Ein anderes ist, dass die Predigten des Mittelalters in französischer und englischer Sprache heranzuziehen sind. Ich kenne leider noch zu wenig von diesen, um einen Einfluss auf die deutschen Predigten ausser Zweifel setzen zu können. Aber nicht allein das Verhältnis eines Teiles unserer Profanlitteratur zur französischen berechtigt, ja verpflichtet uns, diese Frage zu tun. Wenn sich nämlich auch keine Beeinflussung von einer Seite ergeben und das gemeinsame nur auf Einfluss der lateinischen Predigt beruhen sollte, so gibt es doch Einstimmungen, die ihren Grund in dem Wesen der Predigt, in dem gesprochenen Worte, in dem Verhältnis des Predigers zur Gemeinde und sonstigen gemeinsamen Bedingungen haben. Wie vieler oder weniger solcher ähnlichen Mittel sich ein Prediger bedient, wo und wann er dies tut oder unterlässt, muss genau untersucht werden, wenn das 'Gesammtbild' nicht Lücken haben soll. Auch was als Ergänzung der äusseren
VTII Vorrede.
«
Lebensumrisse Bertholds zu bringen ist, wird mit Vorteil erst am Schlüsse der Untersuchung über die lateinischen Predigten gegeben werden können. Eine Kritik der histori- schen Zeugnisse wird dabei nicht zu umgehen sein. Vor- läufig haben diese eine wesentliche Ergänzung erfahren durch die Nachrichten Roger Bacon's und Salimbene's, welche K. Hoff mann beigebracht hat in den Sitzungs- berichten der k. bair. Akademie der Wissenschaften 1867, II, 314. Ich kann leider die Ausgabe von J. S. Brewer hier nicht einsehen und daher auch nicht sagen, wie weit etwa Roger' s Bemerkungen über die rechte Art zu predigen Kenntnis von Bertholds Kanzelreden zeigen. Salimbene nennt ausser der Auslegung der Apoca- lypse, zwei lateinische Predigten Bertholds, die uns er- halten sind.
Pfeiffer hatte S. VII ein Glossar versprochen, auch dies biete ich nicht. Sollte das Glossar wissenschaftlichen Wert haben, so müste es ein vollständiges Specialwörter- buch zu den Predigten werden. Ich glaube nicht, dass heute ein Bedürfnis zu einem solchen für Berthold vor- handen ist. Wer aber ausserhalb des Kreises der deut- schen Philologen Berthold lesen will, muss sich eben die Mühe nehmen, unsere bekannten Wörterbücher zu Rathe zu ziehen, vor allem das Handwörterbuch von M. Lex er, der auch den Wortschatz dieses Bandes bereits verzeichnet. So sind denn auch die Anmerkungen etwas anderes ge- worden, als sie Pfeiffer sich vorstellte, der versprach, dass sie 'soweit es nötig scheint', einen Commentar bringen sollten.
Vorrede. IX
Einen altdeutschen Autor commentieren ist heute nach den Proben Germania XXIV, 9 f. schwerer als je. Denn die nun landläufige Art von Erklärungen hat eine Gedankenlosigkeit erzeugt, vor der man erschrickt, und ein vernichtenderes Urteil über sie als jener Aufsatz hat noch kein Gegner der commentierten Ausgaben gesprochen. Was ich demnach unterlassen habe, gereicht hoffentlich nicht zum Schaden meiner Arbeit und gewis nicht zum Schaden meiner Leser.
Zum Schlüsse gedenke ich des Mannes, dessen Namen ich meinem Buche vorgesetzt habe. Solche Leser wie ihn wünsche ich meinem Berthold ausserhalb des engern Fach- kreises. Dem Freunde aber sei dies Buch ein dauerndes Denkmal gemeinsamer Arbeit, gemeinsamer Gesinnung. Dass es ein so schön ausgestattetes ist, dankt er mit mir und den Lesern dem trefflichen Verleger.
Czernowitz, 29. Juli 1879.
J. St
EINLEITUNG.
Der zweite Band der Predigten Bertholds von Regen 8 bürg enthält zunächst als XXXVII. und XXXVIII. Predigt die der Heidelberger 24 fehlenden zwei Predigten der Brüsseler Handschrift, vgl. unten S. 277. Auf die zweite derselben wird auch hingewiesen I, 9, 26. Die folgenden Predigten repräsentieren vier verschiedene Sammlungen, so dass unsere Überlieferung der Bertholdischen Pre- digten, die im ersten Bande mit eingerechnet, auf fünf grössere Predigtsammlungen zurückgeht.
I. Die Sammlung der, wie ich vermute (sieh zu 25, 35. 33, 8. 71, 30 dieses Bandes), in den Jahren 1261, 1262, 1263 in Oster- reich und Mähren gehaltenen Predigten. Sie sind in folgenden sechs Handschriften erhalten:
H. Die Heidelbergische Handschrift Nr. 35, Wilken S. 323, J. Grimm's kleiner Schriften IV, 354, aus dem Jahre 1439, wie die Schlussbemerkung sagt: Das ist geschriben nach liechmesz Im xxxviiij Jar konrat hug. Sie bietet zwanzig Predigten; wenn im ersten Bande S. VII von neunzehn Predigten die Rede ist, so ist übersehen, dass die achtzehnte Predigt in zwei zerlegt werden muss, s. Anmerkungen zu LVI und LVII. Die Sammlung ist zu prac- tischem Gebrauche angelegt, was H noch erkennen lässt 101, 16. 216, 21, und geht, wie 232, 16 lehrt, auf Predigtconcepte, die aus der Erinnerung ergänzt sind, zurück, ebenso wie für die Sammlung des ersten Bandes unten S. 299 vermutet ward. Die Sprache der Handschrift ist die bairisch- österreichische Mundart, nicht ohne Anklänge an das schwäbische, wie das nicht seltene au für a, die nasalierte 2. plur. der Zeitwörter dartun. Das wird auf eine Augs- burger Vorlage fuhren. Diese selbst mag auch Spuren vom mittel- deutschen aufgewiesen haben. Nicht blos pantlöse 213, 21 fuhrt
XII Einleitung.
mich darauf. Es wird sich unten ergeben, dass mit H noch eine zweite Handschrift, die Donau eschinger, freilich durch Vermittelung eines Zwischengliedes auf dieselbe Vorlage zurückgeht. Vergleichung beider Handschriften in folgenden Fällen ergibt: 41, 15 Ja ist manic heilige die hoch ze himel ist H der gar h6ch z. h. i. D. 115, 7 Da von ist dem (HD) wisheit michel ncßter, die der sele arzete sint, der Relativsatz heisst in D der der sele arzet ist. Ferners 209, 21 umb iuwern wirt, die so gar herte sint, vgl. dazu im ersten Band 2, 31 So dunket sich maniger wise die einen buochstaben niht gelesen kan. Vorurteilslose Prüfung der Überlieferung führt auch hier auf die Form die für der. Auch bezüglich dieser Handschrift gilt der Dank, den ich unten S. 277 ausgesprochen habe.
2>. Die Donaueschinger 292 (Barack 235) ist für ein Francis- canerkloster bestimmt gewesen, 166, 15. 186, 2. 281, 20, was auch erklärt, dass in der Predigt von den siben arzenien die Reinheit, die der ausspendende Priester haben soll, gegen H und die andern Hss. so betont wird, z. B. 88, 17. 29; 92, 1; 116, 39 uö. Sie wahrt mit H 201, 16 die Erinnerung an die Absicht des Sammlers und weist, wie in der Anmerkung zu II, 239, 43 entwickelt wird, auf eine Vorlage kleinsten Formates zurück, deren äusseres also wieder durch den practischen Zweck der leichtern Tragbarkeit bestimmt war. Es lassen sich drei Hände unterscheiden, worauf freilich die Schriftzüge nicht so leicht geführt hätten, die wenigstens &ne Schreiberschule verraten, als vielmehr die Beobachtung der Inter- punction. Der erste Schreiber bis 86b kennt gar keine Unter- scheidungszeichen, denn die zwei einzigen Punkte (64, 38. 240, 30 = 70b und 21b) sind kaum zu rechnen. Der zweite bis 158b trennt richtig und sorgfältig durch Punkte. Der dritte, auch sonst nach- lässiger als seine Vorgänger, unterscheidet weniger und oft fehler- haft, er hat offenbar erst vom zweiten gelernt. Die Handschrift bricht plötzlich mit der noch ganz beschriebenen Seite 170b (= 256, 22) ab. Als Ergänzung zur Beschreibung von Barack bemerke ich, dass als Vorsatzblatt vom Buchbinder eine Urkunde eines Passauer Bürgers Peter Fronauer an die erbern purger zech datz sand Merten zu Newnburg, wie zu Falzen Stücke ähnlicher Urkunden benutzt sind. Auf der rückwärtigen leeren Seite des Vorsetzblattes steht von einer Hand des 16. Jahrhunderts : Disz puch gehört in daz kloster . . . ingen prediger ordens. Ich weiss nicht, warum ihrer Pfeiffer in seiner Aufzählung der Handschriften (I, VII) nicht gedenkt.
Einfettung XIII
Durch die rühmenswerte Gefälligkeit des Herrn Bibliothekars Dr. S. Riezler konnte ich sie hier mit Masse benutzen.
K. Die Klosterneuburger 886 Perg. 145 BU in kl. 4°. Die Klosterneuburger Handschrift 585 (Serapeum 1850, 103) enthält zum SchluBS eine Abschrift des Anfanges von K.
W. Die Wiener 2829; ich danke die Möglichkeit ihrer Benutzung der Güte des Herrn Hofrathes Dr. Birk. Sie stimmt im wesentlichen zu K und ich teile ihre Lesarten, aus denen für den Text nichts zu lernen ist, um Raum zu sparen, nicht mit.
M. Die Münchener Cgm. 1119.
m. Die zweite Münchener Cgm. 632.
Schon in der Anzahl der überlieferten Predigten trennt sich H von den übrigen Handschriften. Diese schliessen mit der 17. Predigt (= LV), es fehlen ihnen die 12. und 14. Predigt (= L und LH) ; nur W trägt diese am Schlüsse ihrer Sammlung, u. zw. hinter unechtem nach, nebst der letzten Predigt von H in der Reihenfolge 20. 12. 14. In den genannten Handschriften DKWMm geht unserer Sammlung eine voran (II), wie ihr eine dritte
folgt (in).
IL LIX — LXII, vier Predigten, welche in DKWMm der Gruppe I vorangehen. Dass sie ursprünglich von I getrennt waren, zeigt, dass hinter ihnen, wie dies am Schluss von Sammlungen und Handschriften auch sonst üblich ist, herrenloses, Berthold nicht zu- gehöriges Gut erscheint. Darunter auch die als echt beglaubigte, oft handschriftlich erscheinende, aber immer schlecht überlieferte Predigt von den Bezeichnungen der Messe. Ich habe sie von ihrer Umgebung nicht trennen wollen und so erscheint hier alles, was zwischen LXII und der Gruppe I in unsern Handschriften steht, als Anhang A.
HI. LXIII — LXV folgen in den Handschriften auf Gruppe I. Nach LXV bringen sie LVII (= H 19), zwei weitere Predigten bringt der Anhang B.
IV. LVI — LXX1, sechs in einem Frauenkloster (259, 35 f. 262, 18 f. 265, 15. 266, 20 f.) der Franciscaner (260, 24. 262, 21) gehaltene Predigten, u. zw. wol in der Klosterkirche, nach den gemalten Fensterscheiben 270, 9 zu schliessen, und in Baiern, denn es wird ein Herzog genannt 263, 28. Sie sind überliefert in W, ferner* in
XIV Einleitung.
J5. Münchener Handschrift Cod. Eram. m. 5 (= A im ersten Bande der Mystiker XXXII).
e. Münchener Cgm. 210. Beide Handschriften benutze ich in Abschriften Pfeiffer's.
Anhang C bringt, was in E den Klosterpredigten voran geht.
Die Handschriften KW überliefern eine gute Anzahl anderer Predigtbruchstticke , geistlicher Lehren, Gebete usw., die ich in diesen Band nicht aufgenommen habe. Sie mitzuteilen wird sich ein andermal Gelegenheit finden: ich furchte nicht, dass ich durch mein Vorgehen Bertholdisches Eigenthum ausgeschlossen habe. Was in den Anhängen gedruckt ist, habe ich nur zu dem Zwecke aufgenommen, um ein Bild von den einzelnen Predigtsammlungen, soweit diese erreichbar sind, zu geben. Deutlich hebt sich H von I als ursprünglich besondere Sammlung ab durch den Anhang A, Anhang B muss zu ni gehört haben, wie C zu IV. Die Sonder- stellung, die wir H gegenüber den andern Handschriften einnehmen sahen, wird bestätigt durch die weitere Untersuchung des Hand- schriftenverhältnisses .
Ich beschränke mich hier bei der Fülle der Belege, welche die Varianten bringen, auf einige wenige. Ich fasse, der Unter- suchung vorgreifend, die Gruppe DKWMm unter dem Buchstaben y zusammen, y hat nun gegenüber H: a) gemeinsame Auslassungen von Sätzen wie Worten, ß) gemeinsame Zusätze, y) gemeinsame Änderungen.
a) Es fehlen in y: 37, 18 und alle bis 20 Sünden. 37, 37 en- dürfen bis 38 tuon. 37. 38 selbe. 38, 18 niht bis 20 tohter. 39, 7 nü bis 11 aphel. 41, 22 alle. 41, 36 market, sieh Anmerkung. 44, 14 er.
45, 37 mengen siechtuom und. siechen. 46, 24 in den munt.
46, 35 Wagent bis todes. 47, 5 Nu seht bis 9 todes, wo eine Eigentümlichkeit Bertholdischen Stiles getilgt ist. 48, 38 Sich bis 39 frouwen. 53, 2 la die zweifboten hungern. 55, 32 sie. 56, 39 danne. 59, 37 in bis 38 heizet. 59, 38 ir. 60, 14 allen usw.
ß) Gemeinsame Zusätze in y : 38, 25 den linden wec. 46, 8 sich des. 46, 13 sin. 46, 23, wo KM gegen D leise ändern. 47, 5. 51, 29 ie. 52, 29. 59, 32. 76, 3 usw.
Y) Gemeinsame Änderungen in y: 38, 14 hinz daz er ein frouwen sach ze einem male H = untz (und KMm) ze einem mal ein hausfrawn (an KMm) sach y. 39, 15 Also wart diu eine sünde
Einleitung. XV
gebüezet and enmohte doch niht gebüezet werden H. Da wart alles die ain sünd gepuezzt und si mochten in doch nie gepuezzen D. Abgesehen davon, dass KMm den ersten Satz nicht verstehen und die Negation einsetzen, wie von kleinen Änderungen im zweiten Satze, ergibt sich als die Grundlage von y der zweite Satz im Activum gegen die passive Construction in H. 41, 30 zwaierlai. 42, 23. 42, 36. 45, 11, sieh Anmerkung. 46, 4. 47, 15. 47, 16. 47, 37. 51, 30. 52, 16 dise y gegen die H usw.
Dass y aber nicht = D ist, dass also nicht etwa D Quelle von KMm ist, geht schon aus einigen der angeführten Belege her- vor, wie z. B. 38, 14. 39, 15. 51, 29, wo das in D aus ie verlesene le (an sünde angehängt) in KMm richtig steht, kann aber noch des nähern erwiesen werden.
Zunächst stimmen KMm mit H in Stellen, welche D auslässt. 47, 30 übeliu und fehlen in D, erhalten in HKMm. 48, 19 eht bis zabeln fehlen in D, erhalten in HKMm, ebenso 48, 35 Bruoder bis 37 geben. 49, 34 in. 52, 12. 56, 17 Also bis 18 lagen. 72, 7. 80, 18 usw.
Änderungen in D gegen HKMm: 42, 38. 45, 20, in HKMm das pronomen possessivum, in D der Artikel. Wichtig ist ins- besondere 46, 14. Ein besser enruochet waz siechtuomes er hat, daz eht er im pfenning gebe H. D ändert den ganzen Gedanken. Ein poser underbindet sich aines was siechtums er hat, daz er im ot sein pfenning geit. K bewahrt enruochet, daz M in acht nit ändert, KM haben wieder sein vor pfenning. Also in einem Falle stimmen die Handschriften zu H7 und zeigen im andern Falle doch Ver- wandtschaft mit D. 72, 1 morder im Singular D9 im Plural HKM. und seinen morthakchen D gegen und also maniger mortaxt HKM. 76, 14 we dem D dem ergaz got HKM usw.
KMm führen also nicht unmittelbar auf D zurück, sondern auf eine mit dieser gemeinsame Quelle, die ich oben vorgreifend y genannt habe ; dieses geht aber eben so wenig auf H, vielmehr mit diesem auf &nen Archetypus, so dass wir zunächst unser Hand- schriftenverhältnis folgender Massen versinnlichen können:
X
/\ H y
\ D
XVI Einleitung.
Etwas verwickelt wird der Fall durch die Beobachtung, dass von KM einigemale eine zu H gegen D stimmt, oder umgekehrt während die andere mit der zweiten übereinkommt. 45, 3 bekom HK gegen kom DM. 47, 39 alle tage fehlen DM. 60, 24 haben wil HK gegen wil haben DM. 44, 22 ir friunden HM irer muter DK 47, 13 stimmen HM gegen DK in der fehlerhaften Wieder- holung von schelleclich scheid eichen. Ausserdem spricht die Stelle fiir eine gemeinsame Quelle von DKM, wie die Worte und deinen nachtpauren hörst du gerne übel reden in D mit ihren Varianten in KM beweisen. Reicheres Materiale würde also das Handschriften- verhältnis etwas genauer feststellen. Dagegen lässt sich von KMm aus nachweisen, dass sie nicht unmittelbar auf eine mit D gemein- same Quelle zurückgehen, sondern eine Zwischenstufe, die ich y4 nenne, führe. Vgl. 39, 15, sieh oben f. 46, 23 daz ist auch ain zaichen KM gegen D7 die vielen KM gemeinsamen Auslassungen erweisen diese Gruppe als eine für sich selbständige. Es lässt sich also in unsern Handschriften eine dreifache Stufe der Entwickelung nachweisen: H} y, y*.
Durch das gesagte bestimmt sich die Aufgabe der Kritik von selbst. Es war für Gruppe I nur in den seitesten Fällen von H abzuweichen, da eine Übereinstimmung der übrigen Handschriften zunächst nur die Gewähr für das gab, was in y stand. Wo eine der Handschriften der andern Gruppe mit H stimmt, haben wir wol eine willkommene Bestätigung dieser Lesart: notwendig ist eine solche Hilfe nicht. Ich habe auch, wo H einen Fehler hat, erst gefragt, ob wir in y nicht blos eine Conjectur zur Besserung des Fehlers vor uns haben und in solchen Fällen nicht ohne weiters zu y gegriffen.
Anders steht es bei Gruppe H und IH. Hier wäre y das einzig erreichbare, oder genauer, da eine so wichtige Probe für die Richtigkeit der Lesarten von D fehlt, wie wir sie für I in H haben, tritt D an die Stelle von y. Die übrigen Handschriften dürfen nur im äussersten Notfalle herangezogen werden, wenn auch sicher ist, dass sie manches aus y bewahrt haben, was D schon ändert: wie es auch in I der Fall ist. Ich habe hier lange geschwankt was zu tun sei. Endlich habe ich mich zu folgendem entschlossen. Da y nicht zu gewinnen war, D aus den Lesarten deutlich genug er- scheint, die Stufe y' aber aus den Lesarten nicht ohne Schwierig- keiten zu erkennen ist, so habe ich y' herzustellen gesucht.
Einleitung. XVII
Je grösser die Entfernung vom Archetypus, desto geringer wird der Wertunterschied der einzelnen Überlieferungen. Wenn ich durch die Herstellung eines Textes von geringerem Werte also ge- winne, dass die Stufen der Textentwickelungen deutlicher werden, so meine ich, ist dieser Gewinn um den kleinen Fehler nicht zu teuer erkauft. Die Geschichte des Textes zu kennen, kann unter Umständen wertvoller sein, als die Herstellung eines dem echten möglicherweise um ein weniges näher stehenden und doch nicht überall sicheren Textes. Ich habe die Lesarten von K nur fär die ersteren Predigten angegeben, in Bezug auf die Orthographie be- merke ich, dass diese immer nur für die erste der angeführten Handschriften gilt.
Für die Gruppe IV habe ich mich hauptsächlich an die im allgemeinen bessere Handschrift e gehalten, und habe sie auch in allen zweifelhaften Fällen bevorzugt, wo möglicher Weise E das richtige haben konnte.
Es muss die Frage erhoben werden, ob wir nicht durch irgend welche Mittel der Kritik noch über X hinaus können, um die Ent- stehung dieses Archetypus zu erklären. Die Predigten sind sowol de sanctis wie de tempore. Die XXXIX. ist gehalten am Alexius- tage 17. Juli 1261, XL am Mauriciustage 22. September 1262,*) XLI an Maria Geburt 8. September. Die XLU. Predigt ist mir anbestimmbar, einen Tag Cyprian und Lucia finde ich nicht; ist gemeint Cyprian und Justina, dann gehört sie auf den 26. Sep- tember. XLHI an Maria Magdalena 1263, einem Sonntage; die folgende für denselben Tag. XLV ist eine Predigt zu Pauli con- versio 25. Januar; XLVI, XLVII stehen neben einander, wie im 1. Bande XIII, XIV. Sie sind, alles wol erwogen, am Aposteltage gehalten, 15. Juli. Der Bibeltext in XIV und XLVII gehört auf diesen Tag, XIII erwähnt namentlich den Apostel Bartholomäus. (Weiter stimmt A nicht, denn die XV. gehört auf Petri vincula, 1. August.) XLVIII am Ulrichstage 4. Juli. XLIX nach dem Texte 1, Petri 3, 11 am sechsten Sonntag nach Pfingsten (Anzeiger f.
*) Die Conjectur 33, 8 am dunrestage halte ich zwar noch für richtig, ver- stehe die Lesart aber nicht, denn der daraus in der Anmerkung gezogene Schluss beruht auf einem mir unbegreiflichen Irrthum meinerseits. Die XL III. Predigt be- trankt die Berechnung auf die sechziger Jahre, denn sonst könnte man auch an die fünfziger denken, in denen nach Ottaker Berthold in Osterreich war. Über diese Stelle urtheilt J. Grimm 298 richtiger als Pfeiffer S. XXIV. PFRIFFER-STROBL. Barth, t. Regensburg Predigten II. b
XVIII Einleitung.
D. A. II, 230), inhaltlich stimmt sie zur XVII. Predigt, die am Pfingstsonntage gehalten ist. L nach XXVI und Inhalt an dem Tag der Märtyrer. LI ist ftir den neunzehnten Sonntag nach Pfingsten nach der Bibelstelle Matthäus XXII, 36, ebenso LIII, LV, LVII, letztere beiden nach der Epistel Eph. 4, 1, die zugleich mit dem angezogenen Evangelium gelesen wird. LIV am Tage der Engel 29. September. Die Anordnung der Predigten fuhrt also nicht weiter.
Da ist es denn vor allem als ein für die Geschichte der Über- lieferung Berthold ischer Predigten wertvoller Umstand zu bezeichnen, dass uns mehrere Predigten in verschiedener Ausfuhrung vorliegen. Ich bespreche die XX. und XLV., ferners die XXXII. und XLI., erhalten in der Heidelberger 24 (/?), die XXXII. auch in der Brüs- seler, und ferner in X.
XX. XLV. Beide beginnen mit der gleichen Bibelstelle. Ab- gesehen von Einleitung und Gebet, die X fehlen, bringt dieses in einigen Worten die Beziehung auf das Fest Pauli conversio, 25. Januar. Wie Paulus hat er auch uns dieselbe Gnade verliehen, da seit der Erbsünde durch funfzighundert Jahre das Paradies ver- schlossen war. Guten und bösen war das Paradies verschlossen (so H} X sagt, sie mußten in die Hölle, was dem Folgenden einigermassen widerspricht). Die bösen kamen in die Hölle, die guten ins Fegfeuer, und wenn sie hier ihre Sünde abgebüsst hatten, in die Vorhölle. (H 290, 2 Beziehung auf Augsburg, weitere Aus- führung des Seins in der Vorhölle, Deutung auf den zweimal in jeder Messe zu singenden introitus.) 290, 34 = 82, 21. Ihr bitten und weinen hilft nichts bis ein Mensch geboren ward, der seine Bitten mit den ihren vereint. Das war Maria, die war so rein und vollkommen, dass Gott aus ihr geboren wollte werden. (Die Für- bitterrolle der Maria in H weiter ausgeführt durch die Erbsünde. Adam und Eva verschlangen ein Gift, das uns todtkrank machte an Leib und Seele. Von diesem Siechtum erlöst uns der Herr durch seine Arznei H. — X fahrt an obiges anschliessend ohne diesen Übergang fort: Wir wären verloren gewesen, hätte uns Gott nicht eine Arznei gegeben.) Sie kostet ihn mehr als Silber und Gold, als Sonne, Mond und Sterne, als Berg, Tal, Laub und Gras nach H, mehr als güldene Berge, als Edelsteine, Silber und Gold, mehr als Sonne, Mond und Sterne, mehr als Himmel und Erde nach X. Sie kostet ihm sein Leben (fehlt //). Er vertraute die
Einleitung. XIX
Arznei keinem Engel an (ein Gedanke, den X erst 83, 23 bringt). Er sitzt dreiunddreissig Jahre über der Arznei, wären die neun Chöre der Engel (vierhundert Jahre X, dreissighundert, hundert- tausend H) darüber gesessen, sie hätten sie nicht vollbracht. Er litt viel dabei, darumb ward aber die Arznei so kräftig. (Da sie so edel war, teilt sie Gott in sieben Stücke.) Trotz seines schweren Leidens gibt er uns die Arznei umsonst. (Wieder betont H hier die Gnade Gottes und gibt als Grund an, dass die Arznei niemand nach ihrem Werte zu bezalen im Stande wäre.) 83, 11 bis 84, 8 finden sich in H in ihren Hauptgedanken ebenfalls, u. zw. in der gleichen Reihenfolge. 1. Man soll die Arznei nicht verkaufen = 293, 20. 35. 2. Ohne sie kann niemand gerettet werden = 294, 1 (293, 10). 3. Man muss an die Arznei glauben 294, 2 (83, 39 = 298, 3). Während X nur diesen letzten Gedanken in ganz Berthol- discher Weise ausfuhrt, benutzt H die Gedanken nur als Gerüste zu weit greifender Ausführung. — 84, 3 — 6 = 297, 2 — 7 geben das Thema des folgenden an. — 84, 9 bis 85, 11 = 297, 7—38 zählen die Kräfte der Arzneien auf, in teilweise wörtlicher Übereinstimmung, nur dass X schon hier bemerkt, wie oft ein jedes Sacrament em- pfangen werden könne, was H hier nur bei der ersten tut. (84, 26 als ofte wirt man sterker in allen tugenden gen der sele und aller meiste an der minne gotes = 297, 19 und wirt als oft gesterket an allen tugenden der sele und allermeiste an gotes minne. 84, 34 als ofte vergit im got alle sine schulde und sünde = 297, 23 als ofte vergit im got alle sine sünde. Der Übergang von den fünf notwendigen Sacramenten zu Priesterweihe und Ehe 84, 38 = 297, 26, wo X misversteht, denn es ist statt des über- lieferten € fünfte ' wol 'funve' zu lesen.) In der folgenden Auf- zählung der Sacramente erwähnt H jedesmal insbesondere wie oft ein jedes empfangen werden kann. Sonst müssen beide Über- lieferungen eine sehr verwandte Quelle gehabt haben, nur fehlte H die Ausführung des vierten Sacramentes und ist es bei der Be- sprechung der Ehe weitläuftiger.
XXXII. XLI. Beide behandeln die Zeichen des Todes am Leibe als Sinnbilder für die Zeichen des Todes der Seele. H zu- nächst beginnt mit dem Zuge der Israeliten, wie sie Gott leitete Tag und Nacht. So leitet er auch jetzt die Menschen, er hat ihnen zwei Bücher gegeben, das alte und das neue Testament, Nacht und
Tag. Den Laien hat er als Bücher Himmel und Erde gegeben.
b*
XX Einleitung.
Heute sollt ihr an der Erde lernen, an euch. Berth. spricht nun von der Erbsünde, von der Erlösung, vom Nutzen der Krankheit, um rasch, fast unvermittelt zum Thema selbst überzugehen 509, 26, bringt die Geschichte von Ochosias 512, 20. X erzählt die Ge- schichte von Ochosiaz nach IV, Reg. 1. Er fiel von seinem Palast und kam in grossen Siechtum. Das Menschengeschlecht fiel vom Paradies gleichfalls in Siechtum. Ich habe viele solche sieche vor mir. Seht wie der Arzt die Kranken prüft, ob sie genesen können. In der Aufzählung der Zeichen des Todes ist manche Verschieden- heit. Hierauf folgt in X die Ausdeutung, in H findet sich 510, 18 bis 513, 37 noch ein längerer Einschub. In der Auslegung zeigen weder H noch X besondere Schärfe und Consequenz. Ein paarmal stimmen sie in der Deutung. 515, 9 = 47, 31 das Aufziehen der Lippe als Zeichen der Trägheit im Gebet. 515, 20 bis 48, 3 die Zunge gedeutet auf Lüge und Trug. Es gibt aber auch Krank- heiten, die kein Arzt heilen kann, Mieselsucht, Aussatz der Ketzer, in X ausführlicher. (Fallende Sucht in H neben Aussatz auf den Ketzer gedeutet.) Todschlaf (H), fallende Sucht (X), kalte geist- liche Leute, Sünder wider den heiligen Geist; bleiben sie lange in Sünden, so sind sie eben so wenig zu bekehren, als der Krystall wieder zu Wasser gemacht werden kann. Die dritte verwäzene sünde fehlt in H, beide Überlieferungen handeln aber zum Schluss vom gitigen und führen das Beispiel von Judas aus.
Wir finden also Abweichungen in der Ausfuhrung, aber Fest- halten an dem leitenden Gedanken, ja teilweise wörtliches Anfuhren derselben. In X sehen wir diese leitenden Gedanken oft schärfer fest gehalten. Wie erklärt sich diese Einstimmung neben den Ab- weichungen ? Wenn sich Berthold in den ihm geläufigen Gedanken wiederholt, so ist das etwas anderes als wenn Predigten verschie- dener Ausführung sich an ein Schema halten, ja in den Gedanken, die das Gerippe bilden, wörtlich stimmen. Wir müssen daher an- nehmen, dass Berthold sich Entwürfe für seine Predigten anlegte, die er bei verschiedener Gelegenheit verschieden ausführte. Ich glaube wir haben einen solchen Bertholdischen Entwurf erhalten in der LVI. Predigt. Sie handelt wie die XIX. von den zehn Geboten unsers Herrn und soll nun besprochen werden.
198, 1—7 = 264, 1-8, 198, 7—14 (tuon) = 264, 8—16. (264, 16 als die zoubraerinne bis 265, 7 Ausführung in H.) 198, 14 (Daz) bis 17 (seit) = 265, 7 (Daz) bis 10 (seit). (265, 10—35 Aus-
Einltitnng. XXI
fuhrung in ff. 198, 17 Des tuont niht die Juden noch die ketzer deutet eine andere Ausführung an.) 198, 18 — 19 = 265, 35 — 37. 198, 20—23 (swern) = 265, 38 bis 266, 3 (solt). (266, 3 [noch urabe sus] bis 33 weitere Ausführung in ff.) 198, 24 — 27 (naht) = 266, 34—37. (236, 38 bis 267, 38 [nest] Ausführung in H.) 198, 27 Umbe disen bis 28 gerihtet = 267, 38 Umbe disen bis 39 gerihtet.
198, 29—32 (msentage) = 268, 1-5 (mäntage). (268, 5 bis 271, 19 Ausfuhrung in H.) 198, 32 (Daz ander) bis 199, 1 geschaffen hat = 271, 19—21. 271, 21 bis 274, 14 Ausführung in H teilweise nach dem in X gegebenen Schema: Der mensche zestoeret des herzen ruowetac, der herzen wunne oder freude oder ruowe gert wan got, ez si guot, ere, wip, kint. Nur ere fehlt, von guot handelt 271, 21 bis 272, 33, von wip, kint 273, 12 bis 274, 14. 199, 3—274, 14-16. (274, 16 bis 275, 18 bilden in ff den Übergang von den drei Geboten, die Gott selbst angehen, zu den folgenden.) 199, 4 — 9 =
275, 19-27. (275, 27—33 Ausführung in ff.) 199, 9-11 = 275, 33-35. (275, 35 bis 276, 8 Ausführung in ff.) 199, 11—14 =
276, 9—10 (priester). 24 (Ir) bis 25 kristenheit. 10 (wan die) bis 11 (menschen). (276, 11—24. 26—28 weitere Ausführung.) 199, 15-20 bis 276, 29—35. (276, 35 bis 277, 2 weitere Ausführung.)
199, 20—21 = 277, 2—3. (277, 3—29 weitere Ausführung.) 199, 21—24 = 277, 29—34. (277, 34 bis 278, 4 Ausführung.) 199, 24 bis 26 = 278, 5. 199, 26—30 = 278, 6—10. (276, 10 bis 279, 29 Ausführung.) 199, 30-32 = 279, 29-31 (ohne Ausführung). 199, 33—35 = 279, 32-35. (279, 36 bis 280, 31 Ausführung.) 199, 36—37 = 280, 31—33. (280, 33 bis 282, 1 Ausführung.) 199, 37. 38 = 282, 2. (282, 2. 3 Ausführung.) 199, 39—42 = 282, 4—8. (282, 8 bis 283, 28 Ausführung.) 199, 42 bis 200, 18 = 283, 28 bis 285, 34. (Die Aufzählung der acht Gattungen der Lüge ist in H teilweise ausgeführter, systematischer ist sie in X. Fünf Arten von Lüge sind Todsünden, drei lässliche, beginnen beide Über- lieferungen, ff fügt gleich den Schlussgedanken von X hier an, die Aufzählung gehe von der grössten zur leichtesten herab [200, 17 = 283, 31]. 199, 44-47 = 283,32—37. Die Einteilungsgründe, dass die eine Lüge einem schade, doch niemand nütze, oder einem schade und einem andern nütze, oder endlich dass sie niemand schade aber einem nütze, sind in ff verschwiegen. Die zweite Lüge hat eine kurze Ausführung [284, 1 — 7] gefunden. Die dritte und vierte haben in ff ihre Stellen gewechselt und sind weiter ausgeführt.
XXII Einleitung.
Die fünfte und die folgenden drei, von denen die zwei letzten wiederum ihre Plätze getauscht haben, sind ohne Ausführung ge- blieben.) 200, 19. 20 = 285, 35. 36. 200, 20—23 = 285, 37 bis 286, 10 (in weiterer Ausführung), 200, 23-26 = 286,' 11. 200,27 bis 31 = 286, 16—20 (286, 20-29 Ausführung). 200, 31. 32 = 286, 29-31. (286, 32 bis zum Schluss ist Ausführung in H.)
Bei der Frage nach der Bildung Bertholds werden wir zwei Elemente scharf aus einander zu halten haben, ein volkstümliches und ein durch seine geistliche Bildung bedingtes geistliches Element. Als drittes, was von beiden unabhängig ist, kommt dazu die Wärme, mit der er seinem Gegenstande gegenüber steht, auf der im wesent- lichen die Wahl der Mittel beruht, welche ihm die Sprache bietet.
Die Frage nach dem volkstümlichen in Berthold führt zunächst auf die nicht seltene Verwendung des Sprichwortes, deren eines er mit dem technischen Ausdruck des deutschen Mittelalters 'bispel' einführt 2, 144, 20. Es ist öfter gereimt, Swes daz kint gewont daz selbe im nach dont 1, 34, 37. Zu fühlen ist noch der Reim 1, 207, 16 Wan der da verhilt der ist ein dieb als wol als jener der da stilt, vgl. Freid. 46, 23. Ferner 1, 85, 6 als die katzen üz kument so richsent die miuse 2, 143, 1 ein gelichez vindet ein gelfchez.
Ein bispel ist auch 1, 6, 11 Du solt ouch niht tuon, als jener, daz ein sieche den andern frage umb erzenie, wände er späte ge- sunt werden mac swer den siechen arzät fraget umbe gesuntheit. Hieher lassen sich wol am besten stellen Ausdrücke wie 2, 39, 38 breiten riemen sniden uz fremedem leder und 2, 40, 1 heft und klingen wider geben. 2, 139, 11 daz golt zimt wol bei der waete. Dem entspricht manches drastische Gleichnis, das uns bei Berthold begegnet, wie dies von den zwei langen Hosen, die Gott haben müsste 1, 402, 2. Kenntnis des Volksepos lässt sich bei unserm Prediger nicht nachweisen, wol aber könnte auf Bekanntschaft mit einer volkstümlichen Strophe zurückzufuhren sein 1, 26, 1, sieh Anmerkung zu der Stelle.
Der volkstümliche Redner zeigt sich auch in der heutigen Verwendung der Diminutiva, in den Substantivbildungen auf -ach, -ech, worüber J. Grimm handelt aaO. 347 f. Die Kenntnis des Volksglaubens, des Zaubers, brauchte zwar nicht aus dem Verkehr mit dem Volke selbst entnommen zu sein, dagegen fuhrt auf einen solchen die genaue Vertrautheit mit dem Leben des Volkes. Er
Einleiten*. XXIII
weiss, dass beim Landvolk ein Dienstbot zu Hause zu bleiben hat, um daheim zu goumen. Noch heute wird im Salzburgischen der- selbe Ausdruck für dieselbe Sache verwendet. Er kennt alle die Schliche ungetreuer Dienstboten, die sich des Morgens heimlich eine Schüssel Brot mit Fett begiessen, und so statt ihr Pater noster zu beten stehlen 1, 85, 22. Lebendig schildert er den Betrüger, der vorgibt, in die Hölle zu fahren, und sich anbietet, einen Rock, Schuhe oder etwas Geld für den Todten da in der Hölle mitzu- nehmen, um sein Loos in etwas zu erleichtern 2, 18. 34. 44. Nicht minder ist er eingeweiht in die Kunstgriffe der Handwerker und Händler, die er höchst anschaulich darstellt I, 16 ff. Wie er aber hier tadelt, nimmt er sich anderseits kräftig der Armen gegen Be- drückung an, z. B. 1, 58, 20.
Der volkstümliche Prediger zeigt sich, wann er sich und seine Zuhörer in Beziehung zur Umgebung setzt. 1, 310, 29 Und ssshet ihr guldine vögele obe iu fliegen, ir soltet doch niwan für iueh sehen. 2, 32, 25 als da ein vogel fliuget in den lüften, der hat ob im luft und unter im und enneben im und vor im und hinter im, und ist alumbe und umb in niht wan luft. Vgl. auch Wackernagers altd. Predigten 362. Heufig holt er seine Bilder daher aus dem Anschauungskreise des Volkes, wie jenes von der Sonne 1, 26, 25. II, 30, 12.
Als Kenner des Volkes weiss sich auch Berthold am richtigen Platze jener Mittel zu bedienen, welche die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer erhalten und die etwa gesunkene wieder erwecken. Ich führe jene rhetorischen Mittel an, die Berthold offenbar aus der ihm bekannten Litteratur entlehnt. Zu diesen rechne ich 1. den Dialog, 2. die Spannung, die dadurch entsteht, dass Berthold das Wort, auf das es ankommt, erst in verschiedenen Umschreibungen an- deutet, bevor er es nennt, und endlich 3. die Ankündigung der folgenden Erzählung (Iwein 3474). Dialog 1, 81, 6. 2, 163, 6. 189, 18. 265, 26, insbesondere 2, 247, 11. Spannung 1, 96, 3. 2, 152, 11. 162, 31. Ankündigung 209, 13.
Die Frage, ob Berthold Kenntnis der deutschen Dichtung zeigt, darf aufgeworfen werden. Ich halte es für gar nicht unwahrschein- lich, dass Berthold, der auch seiner biblischen Erzählung durch einige zugesetzte Striche Lebhaftigkeit, Volkstümlichkeit verleiht (1, 37, 22), die getadelte Verwechselung Alexanders mit Antiochus aus dem Grunde vornimmt, weil Alexander ein volkstümlicher Held ist. Aus
XXIV Einleitung.
dem Umstände, dass 1, 271, 3 ab erzürnen nur noch bei Wolfram Parz. 463, 1. 798, 3 nachgewiesen ist, wie aus den verwandten Aus- drücken 2, 41, 36 wan ir envindet niender der buoze market (1, 76, 14) und Wolfram Parz. 358, 14 er sol mins Jones market han ziehe ich keine Schlüsse. Anders steht es vielleicht mit Frei- dank und gewis mit dem jüngeren Titurel.
Freidank 27, 15 des wuochers phluoc ist so geriht, er slaphet und enviret niht, er gewinnet nahtes also vil so tages, der ez merken wil . . . Sin gewin allez für sich gat s6 al diu werlt ruowe hat. Auf die Verwendung des Wortes phluoc für das Gewerbe des Wucherers hat Wilhelm Grimm in der Anmerkung zur Stelle schon hingewiesen (1, 271, 24. 244, 33). Namentlich die erste Stelle zeigt nahe Beziehung: So alliu diu werlt hat ruowe, so gellt din pfluoc niemer: der gewinnet niemer deheine ruowe weder tac noch naht. Weiters vergleicht sich 2, 131, 10 f. Ir andern sünder, ir lät doch got etewenne geruowen doch die wile ir släfent .... So länt dise gitigen wuocherer dem almehtigen gote keine frist am heiligen tage ze wihnahten, am heiligen karfritage. Die Zusammenstellung der Tugenden und Laster 29, 2 Dem tiuvel nie niht liebers wart danne nit, huor und hochvart : so ist des tiuvels herzeleit dSmuot triuwe gedulticheit ist wie Berth. 104 f. hochvart, demuot, 101. 529 zorn, gedultikeit 105. 526 unkiuschc, kiusche.
Die Bekanntschaft Bertholds mit dem jüngeren Titurel ist schon lange bekannt, wenn ich nicht irre, hat W. Wackernagel der erste darauf hingewiesen, dass Berthold 1, 157 (Kling 162) Verse aus dem jüngeren Titurel (Hahn 6182) in eine seiner Predigten ein- flicht. Wir wissen über die Composition dieses umfangreichen Ge- dichtes noch gar nichts, nach Strophe 5986 (Lachmann über Singen und Sagen 18) brauchte Berthold nicht einmal den ganzen jüngeren Titurel zu kennen, um diese Verse beizubringen. Für andere Über- einstimmungen konnte leicht eine gemeinsame Quelle vermutet werden, sieh J. Grimm aaO. 339. Doch wörtliches Zusammentreffen an Stellen, die sich gewis nicht zum Gesänge eignen, tut deutlich dar, dass Berthold den jüngeren Titurel gekannt haben muss. Die An- merkungen bringen Beispiele von Übereinstimmungen leichterer Art, aber auch einige Abweichungen werden angeführt. Zwei wichtige Stellen habe ich besprochen in der Jenaer Literaturzeitung 1877. 656 f. Berthold 1, 525, 14 wird der trächeit an gotes dienste gegenübergestellt snellekeit an gotes dienste, daz ir gar snellecliche
Einleitung.
XXV
und willecliche gote dienen sult, wie im Marienlob 31 (Zarncke, GraJtempel 512) got dienen willecliche der träkeit an gotes werken. Zorn und gedultikeit, Gedicht 33 (Zarncke 512), Berth. 1, 101. 524. Xit und haz und wäre minne Gedicht 34, Berth. 1, 100 (haz unde nit, wie das Gedicht) 522, Gitekeit und miltekeit 1, 107, 28. 108, 28, womit zu vergleichen 1, 529, 25, wo miltekeit und gerehtekeit gegen die gitekeit stehen, und Gedicht 29 (Zarncke 511).
In dem Teile des Gedichtes, den Zarncke Auslegung nennt, stimmen folgende Strophen zu Berthold. Ich setze sie der leichteren Vergleichung halber neben einander:
10 Zwo tür an allen koeren sint wol zu rechte wesende . . diu eine was geheret, von smacke irdischer wunne ein überkrone. Ein ember rieh von golde, darüz der smack so drsehet: durch recht daz wesen solde, wan drinne was daz himelzierde wsehet mitwerdic- beit, und bi der andern porte der selben wirde riche kein lip ent- sebete niht gein einem worte.
Berth. 2, 35, 14 [Da giengen zwo türlin in, diu wären von golde und öleboume und bi der einen tür da was ein (III Reg. VI, 31) alter (aaO. VI, 22), da brunnen vierleie würze, da von gienc so süezer smac und also linder smac und senfte als die rosen, und bi der andern tür was des niht.]
12 Si was noch me gezieret, diu eine port so tiure, von gold rieh geflörieret, zwen engel gröz mit flügen breit gehiure : von engein unser köre sint gerichet, der heilicheit des brötes mit werdicheit der gräl sich wol ge- lichet. Wan do si in der wüste, di Israhelen wären . . .
und dar nach wären zw£n engel von golde rehte als si lebeten, den giengen die vettachen von einer müre zuo der andern (VI, 27), und danne furbaz alhinder, da stuont ein eimber, da was des brötes innen daz von himele regente und daz smacte so wol, daz dem niht gelich was
Der Titurel hat in 11, 1 einen alten Fehler, der vielleicht zu erklären ist durch Contamination der Schilderung im III Reg. VI mit der im Hebräerbrief IX, 3. 4, wo ebenfalls die urna vor den Engeln genannt wird. In Strophe 12 bringen einige Handschriften das richtige emper. Die zwei Thüren werden auf die zwei Wege gedeutet, die in den Himmel fuhren. Berthold hatte die Schilderung
XXVI Einleitung.
schon mit III Reg. VI, 3 begonnen, daher greift auch seine Aus- legung weiter.
16 Diu eine heizt unschulde: 37, 15 Der linde wec süeze, der sich von houbetschulden be- den gent die unschuldigen, die hat . . daz ist der sanfte wek so got noch nie beswaerten mit toet- reine. liehen Sünden.
17 Swer aber sich gesellet 38, 25 S6 ir sünder den mit einer houbetsünde, di suze linden wec verlorn habet, so wil im gar enpfellet, di herte straze ich iu raten, daz ir doch den muz 4m werden künde: ob er herten get. *Nü wie?' Da sult ir dem himeltröne wil genahen, so in die buoze gen und büezen. ge di herten sträze, daz ist er sol
die rechten b&z enphähen.
Dem Dichter des jüngeren Titurel und Berthold muss hier dieselbe Quelle vorgelegen haben, gekannt hat aber Berthold die Darstellung im Gedichte jedesfalls.
Die Aufzählung der vier Tugenden Graltempel 532 recht geloube, minne, gedinge, staete stimmt zu Berthold 1, 63 f. kristengeloube, gedinge, minne, staete, ohne dass sich hier eine nähere Beziehung als die Annahme einer gemeinsamen Quelle be- haupten läset.
Die Frage nach Bertholds gelehrter Bildung könnte hier bei der Ausgabe seiner deutschen Predigten nicht anders als unvoll- ständig beantwortet werden. Sie bleibt also der zukünftigen Aus- gabe der lateinischen Predigten vorbehalten. Auch in den An- merkungen habe ich nur bei ein paar Gelegenheiten Bertholds Quellen angezogen, wo sie zum Verständnis' des Autors dienten, das Register fuhrt sie unter Augustinus Beda Gregorius Hraban M. an. Ich muss aber jetzt schon sagen, dass mir beim Auffinden dieser Quellen der Minorit Wolfhart, der Rubricator der Brüsseler Hand- schrift (sieh unten 282), eine nicht unbedeutende Hilfe gewährt hat. Auch L. Rockinger hat in seiner Abhandlung Berthold von Regensburg und Raimund von Peniafort, im sogenannten Schwaben- spiegel, Abhandlungen der hist. Cl. der k. bair. Akad. d. Wiss. XIII. Bd. III. Abth. S. 165 — 253, einen Weg gewiesen, den zu verfolgen sich gelohnt hat.
Einleitnng. XXVII
Bertholds Kenntnisse im deutschen Recht haben schon von mehreren Seiten Untersuchungen erfahren, ja einige Male hat man in ihm den Verfasser des sogenannten Schwabenspiegels vermutet. Über diese Frage orientieren kurz die beiden Abhandlungen Richard Schröder's, Die neuesten Untersuchungen über die Abfassungszeit des Schwabenspiegels , Zeitschrift für deutsche Philologie 1, 273, und Das Alter des Schwabenspiegels, ebenda 418. Die Abhand- lung von J. Ficker über die Entstehungszeit des Schwabenspiegels in den Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. d. kais. Akad. d. Wissensch. 77. 795 ff. hat die Frage zum Abschlüsse gebracht. Rockinger hat in seiner oben angezogenen Abhandlung mit grosser Vollständigkeit die Stellen gesammelt, welche Berthold dem Spiegel deutscher Leute entlehnt, wie jene Ausführungen aus Bertholds Predigten, welche in den Schwabenspiegel übergegangen sind. So ferne dies Rechts- bestimmungen sind, sind es solche, welche Berthold aus dem canonischen Rechte geholt hat. Mit der Nennung des Spiegels deutscher Leute sind die Quellen für Bertholds Kenntnis des deutschen Rechts nicht erschöpft, er weiss, dass die Fürsten das Recht haben, vor allen als Kläger von dem König gehört zu werden \, 88, 4, er ist bewandert im Stadtrecht 1, 86, 25, vgl. ausserdem 1, 90, 33. 116, 8. 217, 1. Die Strafe, welche das weltliche Gericht über den Gotteslästerer verhängen soll 1, 207, 17, finde ich in unseren Quellen nicht, die letzte Forderung, dass er mit Pfenningen büssen könne, steht auch Wasserschieben Bussordnungen 709. Den Ausdruck geschribenez reht kennt Berthold, wenn ich nichts über- vhen habe, nur mit Rücksicht auf das geistliche Recht 2, 253, 22 Und brennet ir ein kirchen abe man git in funfzehen jär, daz ist geschribenez reht Wasserschieben 709. Was die Kenntnis des geist- liehen Rechtes anlangt, so kann auch darüber erschöpfend erst bei den lateinischen Predigten gehandelt werden.
Auch die Darstellung der formellen Eigentümlichkeiten der Bertholdischen Rede muss aus demselben Grunde verschoben werden. Einiges, was namentlich vom Gesichtspunkte des volkstümlichen Redners wichtig ist, und auch für die Wärme zeugt, mit der er seinem Gegenstande gegenübersteht, brachte ich oben, sofern es an ähnliches in der deutschen Litteratur erinnert, anderes bringen die Anmerkungen, wo es für das Verständnis des Textes notwendig war. Reicher übersehen wir Bertholds Art an der Hand der lateinischen Predigten, von den ersten schülerhaften Versuchen bis
XX VIH Eialeitnng.
zu den vollendeten Mustern seiner Rede. Es wird dann auch Davids Bedeutung für ihn deutlicher werden. Es werden sich auch aus dem Gegensatze lateinischer und deutscher Rede die Eigentüm- lichkeiten einer jeden schärfer abheben.
INHALT DES ZWEITEN BANDES.
xxxvn.
xxxvm.
xxxix.
XL.
XLI.
XLII.
XLIII.
XLIV.
XLV.
XL VI.
XL VII.
pi XLVIII.
XLIX.
L.
LI.
LH.
LIII.
LIV.
-LV\
-LVI.
LVIL
LVIII.
LDC.
LX.
LXI.
LXII.
^LXUI.
LXIV.
Seite
Von D&vides drien buozen 1
Wie man vasten sol 14
Wie man widerreiten sol 24
Von dem tempel hern Salomöns . * 33
Von der sele siech tnom 44
Von den drfen haoten 54
Von den sehs mordern 66
Von den vier orten des krinzes 74
Von den siben erzenien 81
Von den siben volken 94
Von den die got frö machent und den tiuvel 104 »
Von der üzsetzikeit 114
Von dem fride 124
Von den vier stricken 137
Von den dienern des tiuvels 145
Von dem wege der erbarmherzikeit 154
Von gotes minne 165 *
Von den engein 174
Von den drien fürstenamten 185
Von den zeben geboten nnsers herren 198
Von den fünf schedelichen sünden 201
Von den zwelf sündern 211
Von blhte and buoze 221
Von drier hande marter 226
Von den siben pl&neteu 233
Von den drien müren 228
Von der Wirtschaft in der himelischen Jerusalem 242
Von den drien tageweiden 246
XXX Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
LXV. Wie man gote leit und allerleideste tuo 251
LVI— LXXI. Klosterpredigten 258
Lesarten und Anmerkungen 275
Zum ersten Band 277
Zum zweiten Band 559
Anhang 670
Register 695
PREDIGTEN
XXXVIL
VON DAViDES DütEN BUOZEN.
UEr lön nach den Sünden, daz ist der tot, aber diugenäde gotes ist daz ewige leben.' Also spricht sant Pauls in siner episteln. Nu seht, ir herschaft, welhez iuch waeger dunke, der ewige tot oder daz ewige leben? Wanne der zweier muoz ie einez sin. Die den Bünden dienent den git man ze löne den 5 ewigen tot, und alle die da gote dienent den wirt daz ewige leben. Und darumbe rate ich iu, daz ir iuch vor allen totlichen Bünden hüetet, wanne iu ist niht schedelichers. Sie sint vil schedelicher, wanne wolfe oder natern oder kroten oder sust rouber, mortbrenner oder sust kein ander dinc, swie vergiftic 10 oder schedelich ez üf ertrich ist. Die sint vil schedelicher wanne der gffihe tot oder ander unrehte töde, sie sint vil schedelicher wanne diu helle und alle tiufel. 'Bruoder Bertholt, nü ist doch niht wirsers noch boesers wanne der tiufel und diu helle!' Die tiufel die sint gar und gar boese und übel, aber alliu diu bös- 15 heit, die sie habent, diu kan noch mac dir niht geschaden als wenic als umbe ein här, so du äne tötstinde bist. Dö sant Mertin sterben wolte, dö was der tiufel da und wartet ob im diu s&le iht werden möhte. Dö sprach sant Mertin: 'var hin, bluotigez tier, ez ist allez mit einander gebüezet.' Und haete er 20 ein tötlich sünde üf im gehabt, diu waere im vil schedelicher gewesen, wan alle tiufel. Dö er denne keine üf im hete, dö mohten im weder die tiufel noch niht geschaden. Herre, sand Nicoläüs, swie übel der tiufel und diu helle sin, so mohten si dir doch keinen schaden getuon, weder kleine noch gröz. Und 25 haetest du e*in tötlich sünde üf dir gehabt an dinem tot, du müestc8t in die helle sin, als wol als Kathö. Der was gar ein
PFElFF£K-STROBL. Bertk. v. ttegensbarg Predigten II. 1
ixxyh.
guoter, slehter, gerehter man und muoz doch Swiclich in der helle sin, von einer sünde wegen, die er üf im hete, daz ist, daz er des geloubens niht enhete, und daz ist diu aller schede- lichste sünde. Und da von so schadent iu die totlichen sünde 5 vil mere, wan allez daz gesin mac, helle und alle tiufel. Darumbe so hüetet iuch vor totlichen sünden, wanne ir Ion ist der ewige tot. Und wie maniger hant todes der sünder muoz ersterben daz spricht sand Johannes in apocalipsim. Der sach siben engel, die heten siben ampeln in der hant. Do sprach
10 unser lieber herre zuo dem ersten engel: 'giuz üz! giuz üz minen zorn üf den sünder und giuz in die sunnen, daz der sünder als gar man igen tot lide und so maniges todes sterben muoz, als stoubes in der sunnen si, und wenne daz ein ende habe, daz denne sin tot und marter aller erste an vahe.' Do
15 sprach er zuo dem andern engel: 'giuz üz üf den sünder minen zorn und giuz in daz mere, also daz der sünder als man igen tot muoz liden, als maniger tropfe in dem mere si, und wenne daz geschehe, daz denne sin tot, pin und marter aller erste an vähen sulle.' Nu sich, armer sünder,. wie schedelich dir die
20 sünde sin. Also hiez unser lieber herre die andern ampelen alle ouch üz giezen üf den sünder. Nil seht, wie möhte man geschriben und merken der sünder tot, die wile man umb ein einic tötsünde so vil töde und marter liden muoz. Nu prüefet, wie gar manigen tot denne der liden muoz, der drizic oder
25 vierzic tötsünde üf im hat. Ich spriche mere, ich hän eteliche vor mir, die fünfhundert tötsünde üf in habent. Nu seht, wie da ein marter werde! Da von spricht Paulus: 'der Ion nach den sünden ist der tot.7 'Bruoder Bertholt, du machst uns den wec gar enge zuo dem himelriche und gar hart und gar
30 sorclich.' Seht, ich machez anders niht, wanne als im ist und dennoch niht gar. Welt ir mir nü volgen, so wil ich iu einen guoten rät geben. Ez ist doch bezzer kämpf, wanne hals ab. Ez ist vil bezzer, ir büezet die sünde hie üf ertriche, wanne daz ir mit dem tiufel ewielichen brinnet.
35 Ich hän iu gesagt von grözen sünden, von kleinen sünden,
von fremeden und von eigen sünden. Nü wil ich iu sagen mit weihen dingen man die sünde büezen süle, daz ist iu ein gar und gar nütze lere und daz beste daz ir denne gelernen müget Und wie man die sünde büezen sol, daz hat uns der almehtige
Von D&tfde* dritn buozen. 3
got erzeict in der alten e. Wanne swaz uns cristenmenschen künftic was in der niuwen e an der sele daz bat er uns er- zeict an der Hute leben in der alten e. Ez bete künic Davit zwei künicriche, Jerusalem und Bersabee, da von gewan er ein gröze höchvart, daz er ie wizzen wolte, wie vil er stritbserez 5 volk gehaben mühte in den zwein künicrichen. Den hete der almehtige got von dem vibe genomen an dem velde und hete in ze einem künige gemacht, und der hiez daz volk zelen von rehter höchvart wegen. Er hete einen marschalk, der hiez Jöäb, zuo dem sprach er: 'var hin und besieh mir, wie vil 10 ich stritbseres Volkes in minen künicrichen habe und zele mir daz allez mit einander/ Der marschalk was ein gewizzen man und weste wol daz er got da mit erzürnende würde und sprach 'nein, herre, du solt daz volk niht zelen; daz ir da st, daz si und sie müezen sich meren und niht minnern.7 Do 15 sprach der künic, er wolte sfn niht enbern, er wolte sin ie wizzen, wie vil er stritbseres volkes hsete. Do zelet der mar- schalk daz volk mit einander und sagte dö dem künige, der waeren hundert tüsent und ahtzic tüsent. Darumbe zürnte der almehtige got als sere, daz er im enböt bi einem wissagen, der 20 hiez Gad, der sprach 'David, du hast gesundet an got, darumbe so muost du büezen und unter drien buozen muost du ie eine üf nemen und des mac kein rät gesin.' Der künic sprach 'herre gen ade, ich wil ez nimmer mere getuon.7 'Nein, nein/ sprach der wissage, 'du muost ie der drier buoze eine üf nemen. Sich, 25 du muost ze buoze nemen, daz siben jär gar grözer hunger si in allem dinem lande oder daz dri mänöt gröz manslaht und kriec in dinem lande si, daz dins volkes vil erslagen werde oder daz dri tage ein grözer liutsterbe si in dinem lande, der drier muost du ie einez üf nemen, du tuost ez gerne oder niht/ 30 4Owe, herre, genäde, mac ich sin nimmer wider komen ze gotea genäden und ze sinen hulden?' 'Niht, genade ist üz, got vi] es niht enbern, ez muoz ie sin!7 Dö sprach der künic als ein wiser man und sprach im selber 'nim ich nü diu siben huDgerjär, so stirbet mir allez min volk, die sint ze male 35 nnschuldic an miner Sünde. Wes solten sie engelten? Ich wil der buoze niht. Ich gewunne wol, daz ich genuoc hsete, so stürbe mir sust allez min volk.7 Und sprach 'herre, din barm-
berzikeit teile mir mit! Nim ich denne, daz dri manöt urliuge
l*
4 xxxvii.
in minem lande si, daz ist gar ein swaere und ein müelich dinc. Ich kaeme etewie davon. Ich han starkiu mül und snelliu pfert, so blibe ich wol in minen slozzen, ich han guote vesten und bürge, Syön und Jericho, ich gensese wol vor minen vin- 5 den, aber allez min volk wurde mir erslagen, die sint doch an miner sünde gar unschuldic. Ich wil die dritten buoze nemen, der liute sterben dri tage, herre, so triffest du mich und min- iu lieben kint und ander die mir liep sint als schiere als die fremeden. Wanne ich bin der, der die sünde getan hat, lieber
10 herre, und die räche solt du über mich läzen gen.* Und dö der tac kam, als diu rachunge sin solte, dö legte er sich in dem tempel an sin venje und ruofte got an und sprach 'herre, genäde! erbarme dich über min volk, wann ez ist unschuldic an min er sünde und läz die rachunge über mich gen.1 Nu seht,
15 wie gar ein tugendhafter man und wie gar ein reinez gebet und wie getriuwe und gereht sin herze und muot was ! Do der almehtige got sin gröz riuwe und tugent ersach und daz er- kante er ouch an Dävides herze vil wol und tete als genaedic- lichen und als tugentlichen, und also tuot er noch hiute disse
20 tages, und liez die dri tage noch ab, an ein kurze stunde. Und als der liutsterbe an vienc, dö stuont ein engel in den lüften und het ein swert in einer hant von gotes zorne und swelhen enden er daz swert kcrte, da viel daz volk allez hin und was ze stunt tot. Und dö David als grdz riuwe hete und daz unser
25 herre erkante und sach, dö erbarmte er sich über in und erhörte sin gebet, und diu räche, diu da dri tage solte sin, diu werte niur von priraezit hin ze terzezit. Dö liez der almehtige got sinen zorn ab und hiez die engel üf hoeren. Nu seht, ir her- schaft, daz hat iu der almehtige got äne sache niht getan. Ze
30 gelicher wise muoz ein ieclich cristemnensche ouch unter drin buozen eine üf nemen, ist daz ez gesundet hat, und daz mac nieman überhaben sin. So verre und ir nü groezer sünde getan habet, wan David an dem daz er sin volk zeln hiez, so tuot ouch als er und erweit iu darunter die aller nutzlichesten und
35 die besten und die ringsten. Nü erzeiget hiute, daz manic wiser man und manic wisiu frouwe vor minen ougen ist und tuot hiute als wislichen, daz ir ewiclichen davon erfröuwet werdet. Wanne David ist nü alle zit ein höher künic in dem himel- riche, darumbe daz er daz waegeste und daz beste üf nam.
Von Davide» dritm buoxen. Ö
Und tuot ouch also und vertiliget und stillet den räch und den zorn unsers Heben herren. Wanne dise dri rächunge oder buoze die sint als gar ungeliche, daz halt kein dinc nie so un- gelichez wart. Diu eine ist unmäzen bitter und scharpf, swaere, lanc, griulich und als gar clegelich und jämmerlich, daz 5 daz nieman volsagen mac und dennoch so hilfet sie nihtsnit und ist ze nihte guot. Diu ander ist ouch swaere und herte und ist niur ze einem dinge guot. Diu dritte ist kurz, senfte und guot und gemechlich und ist ze zwein dingen guot. Diu erste buoze ist bezeichent mit den siben hungerigen jären und 10 bediutet die bittern helle und die süren und engestlichen und jämmerlichen marter, diu darinnen ist und niemer kein ende nimt, gelicher wise als ein hungerjär ze male lanc ist und dunket, daz ez nimmer ende nemen welle. So ir denne vil sin, wie wellen denne diu iemer ende nemen? Wanne nü der mar- 15 ter kein ende ist in der helle, so helfe mir der almehtige got, daz ir sie nimmer üf nemet und iuch da vor behüetet. Wanne so ir ie lenger brinnet und sit in fiure und in starker buoze, so iuwer hofnunge ie minner ist, daz ir immer erlöst müget werden, da von so ist sie ze nihte guot noch nütze. Diu siben 20 hungerjär diu bezeichent sibenerleie hunger, die die ewiclichen haben und liden müezen, die denne die selben buoze üf nement. Wanne alle die in tötlichen sünden von diser weit scheident, die müezen alle in die helle und in die hellische buoze, da sie die siben hunger ewiclichen liden müezen an endelöse 25 marter. Den ersten hunger den sie habent, daz ist riuwe und hungert die verdamten so sere dar nach, daz alle weit und allez vihe üf ertrichen nie so sere gehungert nach keiner spise. Und diu selbe spise diu dühte sie hie üf ertriche nihtsnit wert, sie dühte sie gar bitter und gar süre sin und hantic und sie 30 was in gar widerzseme. Da hungert sie nü also sere nach, daz sie üf ertriche nach keinem dinge so s&re ie gehungerte. Wanne sie wizzen nü daz wol, hseten sie wäre riuwe üf ertriche gehabt, daz sie also niht verlorn waeren worden, wanne haßten sie die spise liep gehabt, so waeren sie also niht verdampt. 35 Ir verdampten, daz iuch denne noch serer darnach hungert, so mac sie iu doch niht werden, wanne ir habet sie versmaeht in dirre weit, da von so muoz iuch iemer darnach hungeren und mac sie iu doch niht werden. Ir habet nü bitter riuwe und
XXXVII.
tregt iuch nihtsnit für; hsetet ir der daz hundertst teil üf ertriche gehabt, so waeret ir dirre not und jaemerlicher pin aller überhaben. Und iwer ist maniger in der helle, den ich daz allez vor gesaget han als wol als disen, die iezuo vor mir 5 sitzent und sie habent sieh davor niht gemietet, daz riuwet sie iezuo vil sere und clagent clegeliche, daz sie mir niht gevolget haben. Diu ander spise, da sie ouch so sere nach hungert, daz ist lüter bihte. Ez bthtent manic tüsent und bihtent niht lüter- lichen und genzlichen und also varent sie in die helle mit
10 bihte und mit alle. Und davon hungert sie immer mer ewic- lichen nach der lütern bihte, daz sie üf ertriche wolten sin unz daz sie gebihten, lüterlichen und durnehticlichen. Diu dritte spise, darnach sie ouch hungert, diu heizet buoze. Wanne sie wizzen daz vil wol, der swseren buoze, die sie da lident,
15 daz sie der niemer bezzer werden t, wanne diu selbe buoze tregt sie nimmer nihtsnit für, weder deine noch gröz. Dar zuo wirt ir nimmer ende und davon hungert und jamert sie so sere nach der buoze üf ertriche, die die priester gebent und setzent für die sünde. Sie wolten allez daz gerne leisten und halten,
20 daz man in denne vor gezelen oder üf gesetzen möhte, und vasten und hungeric sin, als Hell äs tet, und alle die buoze, ob sie ez erliden mühten an den tot, die diu weit ie erleit, die wolten sie gern erliden, und alle die marter, die alle die mar- terer erliten. Sie wolten gerne ein krote unter einem züne
25 gesin unz an den jungesten tac. Ez mac aber niht gesin, sie müezen ie brinnen und braten in der helle. Diu vi erde spise, da sie ouch als sere nach hungert, daz sie üf ertriche nie nach keiner spise so sere gehungerte, diu selbe spise ist der wirsten spise einiu, die diu weit ie gewan, sie ist unreiner
30 wanne kroten und bceser wanne träkengalle, sie ist wirser wanne allez daz übel daz üf ertriche ie zuo übele wart an daz ein, da sie so sere nach hungert. Und diu selbe spise heizet der tot. Nu seht, wie gar ein griulich spise, wie gar bitter und wie gar süre sie ist! Alliu dise weit fürhtet den tot, alliu tier,
35 sie sin wilde oder zam. Seht, daz dunket die diu aller beste spise, diu üf ertriche ie wart, sie dunket sie bezzer sin, wanne honic oder denne kein dinc, daz ie üf ertlichen wart. Wanne möhten sie ersterben so haeten sie die marter alle überwunden, die sie immer ewiclichen liden müezen. Wanne sie müezen
Von Davide« drfen buozen. 7
manic tusent marter und tödc erliden und hebet sich ir marter denne allererste an. Die vier spise dunkent uns gar bitter und süre sin und sie hungert darnach daz sie nie so sere gehungert nach keinem dinge üf ertriche. Die andern dri spise, die sint unmazen süeze, da sie ouch nach hungert. Sie sint siiezer wanne 5 honic oder zucker oder kein dinc daz diu weit ie gewan und ist einiu süezer und bezzer wanne die andern. Und die erste unter disen drien spisen, da die verdamten so sere nach hun- gert, ist gar ein edeliu frouwenspise und hat unsegelich fröude. Sie heizet gemeinschaft aller gotes heiligen. Seht, da hungert 10 sie also s&re nach, wanne sie wizzen wol, daz sie fürbaz nim- mer mere kein hofnunge darnach gehaben mügen, wanne ir aller fröude habent sie von ir sünden wegen verlorn. Die sehsten spise da ist in ouch we nach, wanne möhten sie die selben spise gehaben, so westen sie daz wol, daz aller der 15 zorn gestillet gegen in waere, den sie über got verdienet habent and alliu ir marter und not müeste ein ende haben, daz sie sust immer fewiclichen liden müezen. Und nach der selben spise so hungert sie unmäzen s&re, diu heizet barmherzikeit unsere herren und siner küniclichen muoter Marien, wanne sie 20 wizzen nü daz wol, und waere ir sünde und missetat noch tüsentstunt als vil als ir ist, so wurde fride und suone zwischen in und got. Wanne swenne diu künicliche muoter Maria stet für ir liebez kint und ermant in muoterlicher triuwen, so en- kan noch enmac er ir niht versagen. Und so stet denne der 25 sun für den vater und bitt in, daz er sich über den sünder erbarme, den er mit sinem töde hart erarnet hat. Und darumbe, ir sünder, so möhtet ir gerne unser liebe frouwen an ruofen, daz sie sich über iuch erbarmt, und wenne ir daz mit rehter riuwe und mit lüterm herzen begert und ganzen willen habet, daz ir 30 nimmer mere kein tötsünde getuon wellet, so wirt aller zorn ab genomen und wirt fride und suone zwischen iu und gote. Daz wizzen die verdamten gar wol daz disiu spise so nütze und so guot ist und möhten sie niur als lange gehaben, biz daz man ein pater noster gesprechen möhte. Weiz got, ir ver- 35 damten, ir habet die spise verlorn, sie mac iu niht wider werden. Die wile ir üf ertriche w&ret, da w«ret ir der spise gar wol bekomen, da leite man sie iu alle tage für. Dö woltet ir ir niht und heten kein ahte darüf und liezen ez also hin
8 xxxvn.
g£n einen tac nach dem andern und schubet ez allez üf. Wanne daz bcßste, daz unter allen dingen gesin mac, daz ist ver- ziehnüsse der waren riuwe und der buoze. Daz ez also möhte gesin, daz ich wider die gereden möhte, die da den boesten 5 teil üf genomen habent, möhten sie mir denne geantwurten, so sprachen sie 'Bruoder Bertholt, wir haben des alle guoten willen gehabt, so hat uns anders niht darzuo bräht, betrogen, wan daz wir daz allez verzogen und uf geschoben haben. Nu ist ez leider uns ze späte/ We, der ist gar vil, den ich daz ge-
10 sagt und geprediget hän, und hat sie leider niht geholfen, sie haben daz boeste erweit. Darumbe so hüetet iuch und sehet für iuch, daz iu ouch iht geschehe als jenen, wanne ir ist gar vil in der helle, die kein sorge heten und niht meinten, daz sie iht s6 kurzlichen in diser weit stürben und in die fewigen
1 5 verdampnüsse ksemen, da sie iezuo innen sint. Und sie clagent vil sere, daz sie mir niht volgeten. Und darumb durch den almehtigen got so hüetet iuch, ir wizzet niht wie gar nähen ez iuwer etelichem lit und ist. Da uns Alle got für behüete, so ist etelichez vor minen ougen, daz inner zehen wochen oder
20 in einem halben järe in die Ewigen verdampnüsse, pin und marter kumt, davon ich iezuo sage, und sprseche ich noch in kurzer frist, so möht ez dennoch wol geschehen. So sint ouch eteliche vor mir, die ob got wil in der selben frist bi unserm lieben herren in sinen fröuden sint. O wol in wart, daz sie
25 ir muoter ie getruoc an dise weit! W& sitzet ir vor minen ougen, ir himelische kinder? Wenne ir zuo den fröuden kumet, so bittet den almehtigen got für mich! Aber, ir verdampten, wfe iu, daz ir ie geborn wurden, daz iuch die wolfe niht zer- zerret habent an iurre muoter brüst, daz du zuo den noeten
30 und engesten der helle niht komen soltest. Diu sibente spise, diu ist also, daz aller der hunger, den alliu weit ie gewan, der möhte disem hunger niht geliehen, den sie nach der siben- den spise habent. Diu selbe spise ist aller spise ein überkraft, diu ie wart, und sie heizet daz wunnecliche antlütze unsers
35 lieben herren. Daz sie daz unmäzen gerne ssehen, darnach hungert sie s£re, daz nie kein hunger so gröz wart. Alle die fröude, die alle engel und heiligen habent, daz habent sie von dem wunneclichen antlütze unsers lieben herren. Und ich wil ein gröz dinc sprechen, waere ein dinc mügelich, daz man iezuo
Von Däyides drien buoien. 9
spräche wider ein mensche, daz vor gote iezuo ist 'nü tuo
Mute einigen ougenblic von gote, niur als lanc, als man ein
hant wol balde zuo getuon mac und sich in alsbalden wider
an, und sich in immer ewiclichen an unterlaz1 ich sage iu
wsrlichen, daz er des niht entete. Und hsete er zehen kint üf 5
ertliche, die liez er immer mere nach dem almuosen gen, 6 daz
er einen ougenblic von dem antlütze unsers herren tuon wolte.
Wsenet ir, daz im also si, als hie üf ertriche, da ein mensche daz
ander liep hat? Geloube mir, ez wart nie kint sfner muoter
so liep und saehe sie ez dri tage an, sie aeze an dem vierd<v. tO
tage gerner. Und ich wil ein gröz dinc sprechen, ob et denne
also waere, — daz denne doch nimmer geschehen kan noch
mac, wan daz ich ez also spriche, ob ez gesin möhte — daz
ich iezuo den verdampten in der helle ein geteiltez gaebe und
Sprache also 'ir verdampten, wederz waere iu lieber, ob ir in 15
der helle immer solten sin, als ir doch sin müezet und daz ir
alle die marter und alle die not liden soltet, die ir sust iezuo
habet und daz ir daz antlütze unsers lieben herren gesehen
soltet oder weit ir in dem himelriche sin, da die heiligen und
engel inne sint und daz ir gotes antlütze nimmer gesehen 20
soltet,1 seht, der sie also welen lieze, so wolten sie lul lieber
sin in der helle in der pln und marter, da sie iezuo inne sint,
und daz sie gotes antlütze sehen solten, wanne daz sie in dem
himelriche solten sin und gotes antlütze niht sehen solten.
Wanne swenne sie gotes antlütze an saehen, so möhte in kein 25
marter niht geschaden, allez daz krouwen und brennen, sieden,
braten, daz die tiufel immer mere getuon künnen oder mügen,
und daz man sie mit glüenden spizzen durchstieze, seht daz
möhte in allez niht geschaden, swanne sie gotes antlütze saehen;
in waere vil baz, wan daz sie in dem himelriche waeren und 30
gotes antlütze niht saehen. Und da von hungert sie nach der
spise also säre, daz daz niht ze sagen ist. Ir unsaeligen in der
helle, iueh muoz immer mere hungern nach den siben spisen
und mügen iu doch niht werden, wanne ir habet den boesten
teil üf genomen, der unter den drien buozen ist und ist iu 35
doch weder nütze noch guot. Darumbe, ir herschaft, durch den
almehtigen got so hüetet iueh vor disen siben jären. Diu ander
buoze, die ouch David niht enwolte, diu ist in guoter wise
ouch müglichen herte, strenge, sür und bitter und ist niur ze
10 xxxvn.
einem dinge guot. Diu selbe buoze heizet daz vegefiur. Die pin und marter mac nieman volsagen und ist niur ze einem dinge guot. Daz ist daz, swer in daz vegefiur kumt, der wirt der helle überic. Darzuo ist ez im guot, daz er der stinkenden helle 5 überic wirt, er lidet aber sust s6 gar unsegelich, pinlich marter daz im w§ wart, daz in sin muoter ie getruoc. Doch nach un- genauen so ist ez guot. Mir ist vil lieber daz du zehen jär oder drizec jär oder hundert jär brinnest in dem vegefiure, denne immer in den verfluochten abgrunden der helle. David
10 der wolte doch daz niht üf nemen, daz dri mänöde strite in sinem lande wreren. Diu dri dinc bezeichent daz vegefiur. Wanne darinnen krieget man mit der armen sele mit manigcr- leie marter und pin, die man an sie leget, alle, die da ze lüter bihte und ze wärer riuwe komen sint und also mit ir sünden
15 doch sterbent, e denne sie die buoze geleisten, die sie ze rehte geleist solten haben nach genäden. Wanne nach reht möhte alliu weit dine sünde niht gebüezen und swaz der mensche üf ertriche gebüezet hat daz büezet er in dem vegefiure niht. Wanne wenne er darinnen gebrinnet als lanc, unz er alle sine
20 sünde gebüezet hat, so vert er denne zuo den genäden gotes. Und darumbe durch den almehtigen got, so haltet und habet iuch an die selben buoze, alsbalden ir die sünde getuot, so sult ir alsbalden ze stunt wäre riuwe gewinnen, als liep iu daz himelriche si und als liep iu daz si, daz ir niht immer in der
25 ewigen pin und marter sin sult, da ir solichen durst haben müezet, den die verdampten da ewiclichen habent in der hun- gerigen helle. Wenne ir in tötlichen sünden sit so wizzet ir niht ob ir als lanc geleben müget, unz daz man ein pater noster gesprechen möhte. Wilt du denne ein ander sünde zuo der
30 ersten tuon und die dritten üf die zwu und die vierden üf die dritten, unz daz ir wol zwenzic werden oder hundert oder tüsent, so kumest du denne der sünden in ein gewonheit und veraltest darinnen, daz sie dich denne betragen und beswsören ze bihten und mäht denne kein wäre riuwe gewinnen. AIbo
35 verhörtest du in den sünden. Darumbe so ist dir niht ab schade als diu sünde. Got behüete mich vor allen sünden, ich wolte Wunsches gewalt darumbe niht nemen, daz ich niur ein einigen naht ein tötsünde üf mir wizzen wolte. Wie getarst du den tac immer geleben daz du ein wile in tötsünden bist.
Von D&vfdes drien bnozeo. 11
Nu weist du doch niht wcnne der tot kumt und wie er kumt und dich hinwec zücket, daz du daz antlütze unsers liehen herren nimmer beschouwest und da von ist dir niht als schede- lich als diu sünde. Also werdent manic tüsent sele verlorn, die alle gedenkent, sie wellen die sünde büezen. Ir seht vil sün- 5 der, ir seht aber wenic, die ir sünde nü buozten. Und da von, die der siben hungerigen jare überhaben wellen sin, die sin da bi gewarnet, swenne sie ein tötsünde getuon, daz sie denne ze stunt wäre riuwe darüber gewinnen und die lüterlichen bihten und buoze enphähen nach den genäden gotes und nach ir 10 staten. Die ouch also sterbent, daz sie gerne bihten und zuo der bihte niht komen mügen noch ze buoze, und gewinnent sie w4re riuwe und verheizent dem almehtigen gote bezzerunge, sterbent die also in der riuwe und in dem guoten willen, die kument niur ouch in daz vegeüur und büezen da als lanc unz 1 5 daz sich got über sie erbarmt. Daz ist diu ander buoze diu ze male bitter und herte ist und ist niur zuo dem einigen dinge guot, ez ist doch daz beste unter allen dingen, daz ir der ewigen marter über sit. Nü müget ir wol ein vil bezzerz und ein vil waegerz tuon, als der edel David tete. Also sult ir ouch 20 hiute daz beste üf nemen. Die dri manöde, die Davit niht enwolte, daz sint drierleie schaden, die du daran nimest, ob du in daz vegefiur kumest. Der eine, daz ist groz marter, darinne du liden muost, die an alle erbermde sint von hitze und von marter, daz daz nieman volsagen mac, als sand Augu- 25 stin spricht 'Unser fiur daz ist gegen dem vegetiure als da ein fiur an einer want gemälet stßt.' Der ander schade ist, daz dir der jämer als we* tuot, daz du der marter so gar sanfte über- haben wserest gewesen an zwein enden. Daz ein, daz du wol weist, daz du die sünde tüsent stunt senfter haetest gebüezet 30 üf ertriche, denne in dem vegefiure. Daz ander, daz du die sünde hundert tüsent stunt baz vermiten hastest, wanne daz du sie also büezen muost. Der dritte schade, den du in dem vegefiure nimst, daz din Ion in dem himelriche niht dester greezer wirt, swie vil du der marter lidest, als ob du die sünde 35 vermiten haetest. Alle die wile und du in tätlichen sünden bist an riuwe und an bihte, swaz du in der wile guoter dinge ge- tuon mäht mit gebet, mit almuosen oder mit andern dingen, darumbe git dir got keinen 16n in dem himelriche und daz
12 xxxvn.
ist der drite schade, der daran lit. Wanne du also in dem vege- fiure gebrinnest, daz sich got über dich erbarmen wil, daz du ze himele verst, so wirt dir der aller niderste lon7 den ieman in dem himelriche hat. Daz minst ave Maria, daz minst 5 almuosen, daz du iemer geben oder getuon mäht mit Worten oder mit werken, da git dir got Ion umbe in dem himelriche, alle die wile du an tötsünde bist. Und davon sult ir tuon als David der nam daz beste und daz nutzlicheste unter sinen drien buozen, er nam die dri tage. Er wolte der siben hunger-
10 järe niht, er wolte ouch der drier mänöde liiht, er nam daz beste: dri tage sterben.
Die dri tage liutsterben, die bezeichent die buoze, da- mit man den lip toten sol für die sünde. Diu selbe buoze ist tüsentstunt kürzer gegen der endclösen inarter, die ir ewiclichen
15 liden müezet, davon ist diu selbe buoze als gar kurz geinezzen, dri tage gegen siben hungerjären. Unser lieber herre der tuot dir dennoch genäde an der selben buoze, als er Daviden tete. Daz dri tage solte haben gewert, daz werte niur von primezit biz tertiezit. Seht, wie er im ab sluoc und waz gen ade n er
20 im tete. Also tuot der almehtige got hiute disse tages. Swer die buoze hie üf ertliche nimt, diu da der siben heilikeite ciniu ist, so ist der almehtige got als gar genaedic, daz er iu die selben dri tage ringer und senfter macht an dem vasten und an dem heiligen antläze. Daz man iu antläz git üf kirch-
25 wihen oder ouch sust, wie daz denne bestätiget ist von unsern heiligen vetern, den hat iu got ze genäden gegeben üf ertliche allen den die nü hie buozen wellen. Und denselben antläz nimt man von den heiligen menschen, die man in kintwesen in clöster tuot und die also an alle sünde lebent und alle tage
30 dem alinehtigen gote mit ganzem ernest dienent und nie sünde getäten und ganzen willen habent, daz sie nimmer kein sünde getuon wellen unz an ir tot. Wanne die selben nü mere guotes tuont wan übeles, davon nimt man den antläz, den wir iu da geben von predigen und ze kirchwihen. We, pfennineprediger,
35 wie stet ez umbe dinen abläz, damit du alle tage die weit betriugest, mit diner valschen zungen und mit dinen valschen predigen und mit diner valschen ablaeze da mit bevilhest und gist du dem tiufel manic tüsent seie. Nü seht, ir herschaft, die den rehten antläz verdienen wellen, die sullen an alle
Von D&vides drfen buozen. 13
totsünde sin und in einen guoten fürsatz und willen haben, nie kein tcetlich sünde nimmer mere ze tuon. Den wirt der antläz, und ir buoze wirt in geringet und gekürzet als Daviden, wanne daz sint die selben, die da die dri tage nement. Daz ist diu ringeste buoze. Nu seht, ir herschaft, wie kurz und 5 wie ringe iu der almehtige got die buoze machet. Und waere, daz du der grasten sünder einer wserest, den diu weit ie ge- wan und wilt du die dritten buoze an grifen und lüterlichen bihten und hast den ganzen willen, daz du ez nimmer mere getuon wellest und stirbest du also, so bist du der helle überic 10 und verst in daz vegefiur und got erbarmet sich über dich, daz du behalten bist. Und tretest du daz niht, so wserest du immer ewiclichen verlorn. Du mäht soliche riuwe hie üf ertriche haben, daz du in einem tage hie mer gebüezen möhtest, wanne dort in einem halben järe. Ich spriche mere, du mäht die hei- 15 ligen buoze so ernestlichen angrifen, daz du in einem tage wol büezen möhtest, darumbe du dort zehen jär brinnen und braten müestest. Ich spriche m£re, du mäht so starke riuwe haben, daz dir got alle din sünde vergit, als sand Marien Magdalenen. Da von durch den almehtigen got, ir herschaft, 20 so tuot als wislichen als David und nein et daz beste und daz nutzeste iurre s&le und gewinnet soliche riuwe hie üf ertriche. Wanne da sint sie iu nütze, daz iu alle iuwer sünde vergeben werden t. Daz uns daz allen wider var, daz helfe uns etc. —
XXXVIII.
WIE MAN VASTEN SOL.
Wir begen hiute die höchzit der heiligen goltvasten. Etewä heizet sie quatember. Sie heizet wol diu goltvaste, wanne sie ist bezzer wan golt und silber und edel gesteine. Sie heizet ouch quatember, daz sie in daz jär ze vier ziten geteilt sint. 5 Diu selbe vaste was vor ze zwelf ziten geteilt, daz man in iedem mänöde einen tac vastet. So haben wir sie nü gelegt ze vier ziten in daz jär, ie dri tage, und daz ist an sache niht geschehen. Swaz wir durch daz jär vasten, daz geschult an sache niht. Wir vasten dise goltvasten darumbe, daz wir im lip
10 und sele damit verzehenden. Wanne er wil niht enbern, man enmiieze im verzehenden allez daz, daz uns denne wehset und s wer sinen zehenden an alle gevaerde niht git, der wirt verstözen des ewigen lebens. Wanne ez ist gar vil menschen, die sich an dem zehenden verwürkent ir heil ze libe und ze
15 sele. Unser lieber herre der bricht uns den ertwuocher darumbe ab und daz ertriche wirt deste unfruhtbaerre. Wanne ir setzet iu einz für und daz tuont niur die gar unversunnen menschen und gedenkent 'wer haete bezzer reht darzuo, wan ich? ich hän ez harte erarbeit, die pfaffen habent sust genuoc. Sie sagen t
20 von grözem grüsen darumbe daz in dester mere werde und gar werde, daz wir denne erarbeiten.' Daz ist ein gar totlich gedanc, wan gsebe man ez den pfaffen niht, so müeste man ez üf dem velde verbrennen. Diu cristenheit hat daz geboten, daz man den pfaffen den zehenden geben sulle und daz ist vil bezzer
25 er kumt der weit ze nutze, wan daz man in verbrennet. Darumbe sult ir in dester gerner und dester getriulicher geben, wanne diu cristenheit bedarf die pfaffeheit gar wol, man git
Wie man rasten sol. 15
in ouch daz sie damit lernen sullen, daz sie unz fürbaz wisen und geleren mügen. Wanne nü uns der almehtige got von siner genade wegen des wunneclichen himelriches und siner unsege- lichen fröuden teilhaftic gemacht hat, so wil er niht enbern, wir ensullen im seie und lip ouch verzehenden. Der lip ist von 5 vier stucken gemacht, von fiure, von wazzer, von lüfte und von erden. So ist diu sele von drien himelischen kreften ge- macht, und davon hat man die zwelf ze vier ziten geteilt in daz j&r, daz wir da bi bekennen sullen, wie uns got geschaffen hat und wie er uns lip und sele gegeben hat. Und darumbe 10 salt ir got mit rehter andäht an ruofen in der goltvasten, daz er iu lip und s&le beschirme, daz der leidige tiufel nimmer an uns gefröuwet werde und daz wir sie im wider antwurten, daz er damit gelobet werde und allez himelesche her gefröuwet. Unser lieber herre der wil ouch niht enbern, so wir im guot, 15 lip und sele verzehenden, daz wir im die zit denne ouch ver- zehenden sullen, die er uns ze leben gegeben hat. Wanne wenne man daz jar gezelt, so sint ez vierdehalp hundert tage und funfzehen tage, davon so vasten wir die vierzic tage vor Ostern und unserm herren geben wir die vier tage zuo, wann ez waere 20 sust niur sehs und drizic tage und ein halber. Damit ver- zehenden wir unserm herren die zit und also sult ir fürbaz unz an iweren tot wizzen warumbe ir ein iegliche vasten vastet. So vasten wir die heiligen fritage ze lobe und ze fcren, als unser lieber herre die jämmerliche marter und den bittern tot 25 von unser wegen geliten hat. Er leit ouch des selben tages jrrözen durst, er hete allez sin bluot als gar vergozzen und verreret', daz ein einiger zäher bluotes noch ein tropfelin keiner fiuhtikeit in allem sinem libe niendert was und er hsete die weit mit einem zäher bluotes wol erlöst und der waere 30 dannoch vil kostlicher gewesen wan allez himelriche und ert- riche. Er tete ez darumbe daz der mensche s«he und bekante sin gröze triuwe und liebe und minne, die er zuo im hat, daz in der mensche hin wider ouch von ganzem herzen vor allen dingen minnen und liep haben solte. Und davon sprach er 35 'sicio, mich durstet.' Da meinte er den durst den er nach dem sünder hete. Darumbe so solten wir im des mit guoter andäht immer danken mit weinen, mit gebete mit almuosen und mit allen guoten dingen und sunderlich sullen wir in bitten und
16 xxxviii.
manen des bittern durstes, den er des selben tages leit, daz uns also nach im durste und daz wir in also liep haben, daz wir fcwiclichen von im nimmer gescheiden werden. Pß, ir trinker und ir frezzer, die ir also gar bediet in dem luoder und in 5 der fräzheit sint, ez waer iu waeger, ir sczet ein stucke fleisch, wanne daz ir iuch also überfüllet mit win an dem fritage oder an andern tagen, so man bi dem banne gebiutet ze vasten. Du trinker und du fraz, wie dankest du dem almehtigen gote siner marter und sins todes und sunder sins durstes, den er
10 durch dich erliten hat, daz du in gar so wSnic erest mit hunger oder mit durste. Des tuot er dir ouch weder hie noch dort weder eren noch sselden. Woltest du unsern lieben herren nach slner marter damit niht eren, so möhtest du dich doch selben ftren und daz durch dlns libes nutz willen tuon. Unmäze des
15 mundes hat die bosheit an ir, an daz daz sie des menschen sele verdampt so tuot sie dem menschen zwen der grasten schaden, die iendert gesin mügen daz ist an gesuntheit und lancleben. Ez nimt dir ouch guot und ere und alle din ge- wizzen, daz du und diniu kint alwegen dester swecher und
20 dester unsseliger müezet sin, ez bringt manigen darzuo daz er stilt oder roubet und denne erhangen oder ertrenkt wirt. Seht wie manigerlei verdampnüsse und schaden an fräzheit ltt. So vasten wir die samztage unser lieben frouwen ze lobe und ze eren. Wanne do die Juden unsern lieben herren so
25 jsemerclichen handelten und marterten, dö gefluhen und ver- zwt velten sie alle, dö bestuont unser liebe frouwe und der ge- loube bleip aleine in ir herzen den 8 am z tag, als unser herre in dem grabe ruowet. Und darumbe eret man sie billichen mit vasten, mit beten und mit dem heiligen ampte an dem
30 samztage. So vasten wir der zweifboten und etelicher heiliger marterer äbent, als sand Laurenzen etc., daz wir sie damit feren als sie manic gröz pin und marter durch die minne und liebe unsers lieben herren erliten haben und umbe den rehten gelouben, daz sie unsern herren für uns bitten, daz wir an
35 dem rehten gelouben funden werden und daz wir ze bihte, ze riuwe und ze buoze komen aller unser sünde und als sie ein reinz, sseligez ende genomen haben und die Ewigen fröude enphangen haben, daz sie ouch unsern herren bitten und in ir marter manen, daz er uns ouch ein guot, vernunftigez ende
Wie man rasten sol. 17
verlihe und uns gebe nach disera leben daz öwigc leben. So vasten wir sand Markestac und die dri tage vor unsers herren uffarttage. Die vier vasten wir darumbe, daz uns got die fruht niere und beschirme, und den ertwuocher behüete, er si im kästen oder üf dem velde. Unser lieber herre wil, daz wir in 5 ze keiner andern zlt umbe irdischiu guot bitten, wan üf die selben zit, so man diu criuze tregt, wanne ez ist alse gar un- gelich daz ewig guot und daz zergenclich guot, daz unser herre niht wil wan daz wir in umbe daz ewige guot bitten suln, an zun der zit so erloubet er uns umbe irdischiu guot ze bitten 10 und umbe des libes nötdurft, ze andern ziten sol man bitten umbe der s&le sselekeit. Darzuo nement in die menschen maoigerleie vasten von in selben. Eteliche fcrent sand Niclausen an der mitwochen oder ander heiligen. Swaz man guoter dinge tuot, daz ist allez guot. Ez sint aber etelich menschen, den 15 ratet der tiufel, daz sie ze vil gevasten und gebeten unz an die zit daz sie den sin verwandeint. Und daz tuot er darumbe, daz ir Ion dester minner si und daz tuot er d6n menschen allermeiste, die er sust ze Sünden niht bringen mac. So er anders niht geschaffen mac, so tuot er als die lockspiezen, ' 20 wanne den niht anders werden mac, so luckent sie den spiez. Also tuot der tiufel, so er an guoten menschen niht anders geschicken mac, so kumt er zuo in, als ob er ein engel si und git in solichen rät, daz sie den lip ze sere an grifen mit vasten, wazzer und brot und mit andern dingen, die über des menschen 25 kraft sint. So verre sol sich nieman an grifen. Also begen wir hiute die höchzit der heiligen golt vasten. So sprechent etelich ' menschen, die niht bezzers wizzen, unser lieber herre der sitze an dem gerihte an dem samztage in der goltvasten und man urteile einem ieclichen menschen, waz im in dem järe ge- 30 schehen süle, ez si ze übele oder ze guote. Daz ist ein rehtiu lugen und ein grözer ungeloube. Got hat dem menschen frie willekür gegeben, daz er mac tuon swaz er wil, ez si übel oder guot. Darumbe ist ez ein rehter ungeloube daz man iemanne urteile ze keiner zit. Eteliche sprechent unser 35 lieber herre der sitze an sand Thomastage ze gerihte und er erteil einem ieclichen menschen waz im daz jär geschehen sulle. Daz ist aber ein ungeloube und ein ketzerte. Sich du mäht hiute ein guoter, reiner, tugenthafter mensche sin,
PFEIFFEB-STROBL. Berth. y. Begenabnrg Predigten. IL 2
18 xxxviii.
du mäht in einem tage oder in einer wochen in gröze tot- Sünde Valien. Sich, daz tuost du und din frie willekür, wanne ez ist swaerlich und groplich wider got wanne der mensche sündet. Gedenkest du denne, daz er dir sünde erahte? 5 Waz boesen gedanc hast du? Sich, du mäht hiute ein grözer sünder sin, du mäht soliche riuwe darüber gewinnen und haben, daz du an daz lebendige buoch geschriben wirst. Etelich sint ouch rehte trügener und lieger und sprechent sie varn in die helle und sehen aldä wie ez umbe den menschen ste.
10 Ow6, wie du liugest. Weiher tiufel hat den von dannan ge- holfen? Sich, daz ist ein rehtiu wärheit, swer in die helle kunit, der kan noch enmac niemer von dannen kumen. Sie gent zuo den einvaltigen menschen und sprechent 'seht, liebe frouwe, iwer wirt oder iwer vater oder iwer muoter, die sint
15 in der helle, ir möhtet in gar wol gehelfen mit lihten dingen von dannen, mit fünf schillinc pfenninge oder mit einem rocke oder mit zwein schuon.' Pfi, du rehter trügener und valscher gotes und der weit, du bist in der helle niht gewesen, du kumst aber vil ze zite dar, vil e, denne dir liep ist. Mit diner
20 grözen trügenheit wilt du dich des an nemen daz alle heiligen niht getuon mügent. Geloube mir, swer in die helle kumt den mügen alle pfenninge von dannen niht gehelfen, die ie geslagen wurden, noch alle guldin berge, die in Indiä sint, noch alliu diu closter,. diu ie gestift wurden und waeren diu alliu' von
25 sinen wegen gestift. Allez daz bluot unsers lieben herren, daz er ie vergozzen hat, möhte einen menschen üz der helle niht gekesen. Nu sich, du leicher und trieger, wes nimst du dich denne an? Ir arbeitenten menschen, iwer wirt gar vil behalten, wan daz ir ze vil ungelouben habt, da get allez mit umbe,
30 da sit ir alle mit verlorn, ob iuch der tot da mit begrifet an riuwe und an bihte. Und mit zouber wirt iwer manic tüsent menschen verlorn. Ir man, ez ist wunder, daz ir niht unsinnic werdet von grözem zouber, den iuch die frouwen an legent, und damit sie sich selbe verdampnent. Darumbe ist
35 kein mensche, daz anders ze sinen tagen komen ist und nach dem toufe gesundet hat totlichen, ez si arm oder rieh, jener oder diser, geloubic oder ungeloubic, die müezen alle griu- licher gerihte dri liden. Diu sint als gar sorclich, daz ez alliu weit niht volsagen kan. Ich sage dir niht von dlnen gerihten,
Wie man Tasten pol. 19
da du von sagest in der goltvasten und an sand Thomas äbent.
Ich wil dir von drien gerillten sagen. Und da htiete dich
vor, als liep dir daz himelriche si und schicke dich also, daz
din reht da guot werde, anders du muost jtemerlichen dannen
scheiden aller gen&den an. Daz erst gerihte da müezen wir 5
alle gemeinlich für und daz mac kein rät gesin. Der rihter ist
scharpf, er siht weder an friunde noch an niäge, an miete
noch an dienest, heizet der tot. Wanne ez darzuo kumt, daz
ir weder hinter iuch noch für iuch müget, so rihtet der tot
denne über iu. Er rihtet über houbet, über ougen, über zun gen 10
swaerlichen, über hant — swaz danne an iwerm libe ist, ez s!
deine oder gröz, daz bat allez angest und not und zittert allez iur
gesder in iwerm libe gegen dem engestllchen gerihte des todes.
Und waere daz, daz ir nimmer noch nimmer kein ander sorge
gewönnet oder hsetet, so hsetet ir got genuoc ze bitten, daz er 15
in ein vernunftigez ende gebe und einen gensedigen tot, wanne
er ist einem menschen zehen stunt herter, wanne dem andern.
Darumbe sult ir got alle zit an ruofen umb ein vernunftigez,
redelichez ende, daz ir mit rehtem gelouben und mit wärer
riuwe und bihte und mit hoffenunge des Ewigen lebens von 20
hinnen scheident. Wanne der tiufel ist des gar flizic, wie er
dem menschen sfnen gelouben und sine hofnung an gewinne.
Und darumbe sult ir von iwern kintlichen tagen vesten gelouben
haben, wanne swer ein hüs üf eine guote gruntveste büwet,
daz stet wol sicher vor wind und vor regen und vor anderm 25
ungewitter. Also stfet ez umbe den rehten gelouben, den sol
aller menglich wol kunnen, die gelerten in latine, die unge-
l^rten in diutsche. Und den sol man alwegen sprechen des
morgens, des man üf stöt und des nahtes, so man nider get.
^0 gewinnet ir des gelouben ein guote gruntveste in iurem 30
herzen. Swenne denne der tot kumet, so müget ir in dester
minner Verliesen, so mügen iu die tiuvel den niht an gewinnen.
Darumbe so ist er ouch dem menschen als gar v«ric. Wanne
er weiz wol daz der mensche mit so grözen noeten bekumbert
ist. daz er lihte sin gewizzen Verliesen mac, beide an dem ge- 35
louben und an der hoffenunge und darumbe sult ir keinen un-
gelouben haben noch an wärsagen, noch nach nihtsnit fragen,
wie jenem oder disem si. Welt ir ieclichem in den munt sehen,
s6 möhtet ir wol ze ketzern werden, und weit iur gedanken
2*
20 ixxvin.
l&zen fliegen, also daz ir gedenket; wie ir gerne wizzen woltet, welhez der beste geloube waere unter cristen, Juden oder heiden, so werdet ir sigelös. Und waere daz ir unter wilden waeret, so sol iwer geloube so veste und stark sin, daz ir iuch 5 hundertstunt e woltet l&zen treten, wan daz ir iuch von gelouben weit läzen wisen. Die tiufel, die sint ouch als gar boese und listic, swenne du in ob list und an gesigest an dem gelouben vor dem rihter, so versuochent sie ez dennoch vil und vil baz und legent allen ir fliz daran, wie sie dich von diner guoten
10 hoffenunge bringen möhten und daz du verzwiveltest an der grözen barmberzikeit unsers lieben herren und fiierent dir vor diu ougen alle die Sünde, die du ie getan hast und der du denne niht gebiht und gebuozet hetest. Sie varent scherzende vor dir als diu kelber und grisegrament und grient, so sie aller
15 meiste mügen, daz du dester e verzagest und verzwivelest. Und darumbe sult ir üf den rihter sorge haben und von iuwern kintlichen tagen sult ir des guoten vil tuon und des boesen w&nic, daz der hüfe der guottaete groezer si wanne der übeltsete, so müget ir niht verzwiveln. Wanne wenne die tiufel die sünde
20 und daz übel dar bringent, so bringent die lieben engel die guottaete ouch dar. Ist aber der hüfe der übeltsete und der sünden groezer wanne der guottaete, dennoch sult ir niht verzwiveln, ir sult got vaste an ruofen, daz er sich über iuch erbarme. Und meget ir mit dem munde niht gereden, so gedenket daz mit dem
25 herzen, daz hoeret unser lieber herre als wol, als ob ir gar lüte schriet. Er hörte Möysen gedanc, er gedähte niur in dem herzen und tete den munt niht üf, wie er daz volk durch das röte mere fueren wolte und er wart des gewert und fuorte daz volc an schaden durch daz wüetende mere. Also sult ir ouch got an
30 ruofen mit innerclichem herzen, swie gröz iwer not vor dem rihter ist. Wanne ist iwer hüfe der guottaete ze deine und der übeltsete ze gröz, so leget der almehtige got sin bluot und sin märter darzuo, wenne ir vesten gelouben habet, daz iwer hoffenunge gesterket wirt, daz ir niht gezwiveln müget. Und
35 darumbe sult ir immer sorge haben üf daz sorclich und jaemer- lich gerihte des tödes. Daz ander gerihte, daz ist auch gar ein engestlich gerihte, daz ist daz gerihte, daz unser lieber herre mit der sele haben wil, alsbalden swenne sie niur von dem munde scheidet, so wil er wizzen wä hin sie gehcere, in daz himelriche
Wie man rufen sol. 21
oder in daz fegefiur oder in die helle. Daz ist aber schiere er- gangen. Daz daz war si, daz hat uns got erzeict in der alten 5. Wanne swaz uns an unser sele künftic ist, daz hat uns got erzeict in der alten e. Do Jerusalem gewunnen wart, swaz des volkes dö gevangen wart, daz wart in dri teil geteilt. Man fuorte 5 eteliche in ein stat, diu heizet Masnät, eteliche fuorte man gegen Babilöne, eteliche liez man ze Jerusalem. Also gelicher wise tuot unser lieber herre, swenne diu söle von dem libe scheidet so wil er wizzen ob sie wider gegen Jerusalem gehöre oder gen Masnät oder gen Babilönje. Alle die gen Jerusalem 10 gehörent, daz sint alle die, die an alle sünde sint, sie sin tege- lich oder tötlich, die lat unser herre zuo Jerusalem, daz ist in daz himelriche. Ist aber daz sie gesundet haben, ez si tege- lieh oder totlich und haben daz genzlich gebiht und gebüezet nach genäden — wanne nach reht mac nieman gebüezen, — 15 die blibent da, wanne diu genäde unsers lieben herren ist als gar gröz, daz vil manic mensche wol hie gebüezet, daz sie nimmer in kein fegefiur komen. So sprecht ir einvaltigen menschen, ez wurde nie kein mensche so guot, ern müeste in daz fegefiur, und des ist niht. Also sand Mertin sprach, dö 20 er ouch an dem gerihte was, dö hseten in die tiufel ouch gerne gehabt, dö sprach er 'var hin, du bluotigez tier, ez ist allez gebüezet, ez si deine oder gröz*. Also mac ein mensche wol hie büezen, daz ez nimmer in kein fegefiur kumt. Die andern die fuorte man gen Masnät, daz sint alle die, die tegeliche 25 sünde üf in haben t, die müezen in daz fegefiur, unz daz diu tegeliche sünde von in gebrinnet, so varnt sie denne üz dem fegefiure in daz himelriche. Und alle die tötliche sünde üf in habent und wäre riuwe darüber gehabt habent und die gebiht and buoze darüber enphangen habent, die füeret man ouch 30 gen Masnät in daz fegefiur und lset sie da büezen nach reht, wanne bö vil und man in guotez tuot in der heiligen cristen- heit, daz sieht in unser lieber herre ab. Die dritten füeret man gen Babilönje, da beschirme uns der almehtige got vor, daz wir nimmer dar komen. Daz sint alle die, die mit tötlichen 35 Bänden begriffen sint und also von diser weit scheident, daz sie niht wäre riuwe gewinnent darüber und der niht ze bihte und ze buoze komen sint, als sie solten, die werdent gefuort gen Babilönje, daz ist in die helle, in die öwigen verdampnüsse.
22 xxxyiu.
Die tiufel geben t rät ze allen ziten. Der erste rat ist daz man sünde tuo. Der ander daz man kein riuwe darüber haben süle. Der dritte daz man die nibt bihten noch büezen süle. Vor disen drien raten hüete sich alliu weit. Ist aber, daz ir in 5 totlichen sünden sit, so gewinnet wäre riuwe darüber und kumt ze bihte und ze buoze, wenne ir vor dem rihter stät daz diu schult denne nicht iuwer si. Swie lihte ir der ringesten bösheit erziuget werdet, so mac iuch nieman üf ertlichen erwern, ir müezet in die ewigen verdampnüsse, da iwer nimmer inerc rät
10 wirt. Vor demselben gerihte mac nieman niht verbergen, weder deine noch gröz. Bihte und riuwe ist vor gote ein tötez dinc und riuwe an bihte daz selbe, ez si denne an der not, daz ein mensche niht lenger geleben mac, gewinnet ez denne wäre riuwe und den willen in sinem herzen, daz ez gerne lüter bihte
15 tsete, ob ez möhte und hat denne den willen genzlichen und vestielichen in sinem herzen, ob , er hundert jär leben solte, daz er durch alle die weit nimmer kein totsünde tuon welle und hat ouch willen, daz er gerne bezzern und büezen wolte unserm herren allez swaz er wider in ie getan hat, wanne
20 anders wsere diu riuwe niht ganz, die mühten wol in daz fegefiur gewiset werden. Ez geschiht aber selten oder nimmer, daz kein spsetiu riuwe ze nutze und zuo der sele heile immer kom, darumbe sol nieman sin riuwe und sin bihte verziehen, wanne verziechnüsse der bihte, daz ist daz aller schedelicheste
25 dinc, daz üf ertliche gesin mac. Das dritte gerihte daz wil got haben mit dem übe und mit der sele an dem jungesten tage. Daz wirt aller erste ein griulich gerihte, swer aber von dem andern gerihte kumt, daz er niht ken Babilönje gefuort wirt, der kumt ouch von dem dritten gerihte gar fr 6 liehen.
30 Wanne daz dritte gerihte daz get über nieman, wanne über die, die üz der helle für gerihte gefuort werdent. Daz selbe gerihte mac nieman versitzen, ez müezen alle engel und heiligen dar, alle Juden, heiden, ketzer, alle die ie geborn wurden. Alle ungeloubigen menschen, Juden, heiden, ketzer, als balde sie für
35 gerihte komen, so verdampt sie der tiufel und werdent wider in die helle gestözen an allez urteil. Den cristen tuot daz unser herre ze eren, daz er sie mit urteile verdampt. Die werdent denne verurteilt mit Übe und mit sele in die Ewigen marter. Wanne ein ieclich sele muoz wider zuo dem Übe komen.
Wie man vaiien sol. 23
Ist abe, daz dinen lip die vogel habent frezzen oder die vische vor sehs tusent jaren oder ist er ze bulver verbrunnen, daz ein teil bi dem andern niht enist, so muoz ez doch allez wider zesamen körnen, wanne der almehtige got hat in vor üz nihte gemacht, der mac ouch daz nü wol getuon, daz sele und lip 5 wider zuo ein ander komen. Swelhe denne zuo dem himel- riche gehorent, von den wirt ein solichiu fröude und ein jubilieren, daz da von nieman gesagen mac. Die aber in die helle gehorent, von den wirt ein solicher j&mer, clagen, schrien und weinen, daz ouch unsegelichen ist. Da wirt ouch diu marter zwivalt, 10 wanne diu sele hat vor aleine geliten, so muoz denne sele und lip mit ein ander liden. Sie wirt ouch hundert tusent stunt swaerlicher, herter, pinlicher und jaemerlicher wanne vor. Gelicher wise als ob unser einz uz einem küelen touwe in den groesten berc »liefen solte und müeste, der iendert in der weit ist und 15 der itel fiurin und glüejendic waerc, seht daz w«re gar ein swaere und ein herte dinc, noch hundert tusent stunt swserer und herter ist der sele, wanne sie nach dem jungesten gerihte wider in die helle muoz. Wanne die pin und die marter die siht sie denne vil groezer sin wanne vor. Darumbe ist in, wie 20 sie üz einem touwe in einen fiurigen berc aller ferste fliehen müesten. Darumbe wirt ze in gesprochen 'g£t hin, ir verfluoch- ten, mit den tiufeln in daz ewige fiur.' Der almehtige got verlihe uns allen mit einander die gen ade, daz wir die sin, die da sten sullen zuo der siner rehten hant und zuo den er sprichet 'kumet her, ir min üzerwelten, in daz riche mins vater, daz iu sit anegenge der weit bereit ist.' Daz uns daz allen widervar etc.
XXXIX.
[WIE MAN WIDER REITEN SOL.]
Hin herre enpfalch einer knehte einem fünf pfunt. Der fuor d& mit üz und gewan an den fünf pfunden, daz ir zeheniu wurden. Und d6 er kom und sinein herren wider reite, und dö der herre sach, daz er so wol gewunnen hsete, dö sprach 5 er: 'nü hab danc, getriuwer kneht! du bist getriuwe gewesen über ein wenic guotes: nü wil ich dich setzen über allez min guot. Nu bis frö, getriuwer kneht; gang in die freude dines herren!' Und ez was ouch jenes pfundes vil m§ danne hie ze lande eines pfundes ist: ez wären gröziu pfunt; niht ein pfunt
10 von zweinzic Schillingen, als hie ze lande: ez was eins pfundes zwei und sibenzic pfunt oder zeheniu und hundert pfunt und diu geltchnüsse ist äne sache niht nach geistlicher bediutunge. Von disen Worten hän ich willen ze sprechen, als ich gester sprach. Uns hat unser herre gar vil buoch gegeben und sunder-
15 liehen zwei gröziu buoch: einez von der alten 6 und einez von der niuwen &. Und ir leien habt ouch zwei gröziu buoch, den himel und die erde, dar an ir gar vil guoter dinge und nützer dinge lernen und lesen sult. So lange ir niht lesen künnet an unsern buochen, so möhtet ir gar vil nützer dinge lernen an
20 dem himel, und möhten wir den himel gesehen, den uns got behalten hat, wir würden der werlte niemer holt. Nu lßrt ich iueh gester ein leccien an dem himel, nü ist ir noch ein michel teil, die gar nütze sint und wsere daz irz erkantent . . . Nü künnet ir niht lesen an dem gestirne und halt an der erden
25 da hat iu der almehtige got gar vil Wunders an geschriben, daz ir dar an leset und lernet daz iu nütze st an lfbe und an sele. Und halt an iu selben müget ir lesen und lernen alle die
Wie man wider reiten eol. 25
s»lde die got ouch an iuch geschriben hat, wie ir zuo dem himel komen sult. Ich lÄrte iuch gester an dem himel lesen ein leccien, nü wil ich iuch hiute ein leccien lernen an der erden, und die sult ir an iu selben lesen, wan ir sit der erden ein kleinez stücke. Unser herre nam einen kleinen kloz der 5 erde und machte uns dar üz: darumbe so müezen wir alle wider zuo erde werden. (Hseten wir die sünde vermiten, wir enwseren niemer wider zuo der erden komen!) Und daz wir gar ein kleinez stücke der erden sin, daz mac man wol sehen, swä ein mensche erfület ist, so ist gar w£nic erden üz im 10 worden, wan ez was ein kleinez stücke der erden, da uns got selbe üz machet. Wan er uns anders hat geschaffen danne die wolfe und danne die vögele und danne daz viech und danne ander kreatiure, wan wir haben fünf vinger an der gerehten hant und haben fünf vinger an der linken hant und an den 15 fuezen fünf z£hen und din houbet ist von fünf stücken, diniu oogen von fünf stücken, din nase von fünf stücken, wan wer eins toten houbet siht daz erfület ist, der siht wol daz diu nase von fünf beinen ist gewesen. Nü seht, also ist ez allez von flinf stücken, daz got an dich geschriben hat, wan er hat uns 20 allen fünf pfunt behalten, uns gewahsenen liuten, wan des wil ouch unser herre von nieman enbern, äne diu kleinen kint, ez si rieh oder arm, geleret oder ungeleret. So müezen wir alliu fünf pfunt wider reiten an dem jungesten tage , und der ouch danne gewunnen hat an sinen fünf pfunden, wol im wart, wan 25 so sprichet unser herre: 'Nü habe danc, getriuwer kneht, du bist getriu gewesen über ein wfenic guotes üf ertriche, nü wil ich dich setzen über allez min guot. Nü bis fro, getriuwer kneht, gang in die freude dines herrenT Daz iu daz widervar und uns allen samt des Ersten an der sfele und an dem jungesten 30 geriht an übe und an sele, des helfe uns got, als dem guoten sant Alexien geschach. Der was ein getriuwer kneht unserin herren und hat an sinen fünf pfunden wol gewunnen und er hat in gesetzet über allez sin guot. Daz geschach im als man hiute las, erst an der s£le und an dem jungesten gerihte geschiht 35 ez im an llbe und an sele. Bi disen fünf pfunden da bezeichenet uns unser herre bi, daz er uns allen bevolhen hat fünf dinc. Ez bi frouwe oder man, dierne oder kneht, diser oder der: so mac des reht nieman über werden, er enmüeze got an dem
J
26 xxxix.
jungesten geriht von fünf dingen wider reiten, und wer ouch danne wider reitet, also daz er gewunnen hat, den setzet er über allez sin guot und sprichet als ich 6 sprach. Wan er h&t sie uns darumbe bevolhen daz wir dar an gewinnen sullen (got 5 helfe mir daz uns iht gebreste); und darumbe hat er uns diu selben fünf pfunt geschribqn an uns selben, und an unseriu gelider, daz wir niht vergezzen und alle tage lesen an uns selben, so wir hende und fueze an sehen, an den henden fünf vinger und an den fuezen fünf zehen. Swar ir sehet, so sehet
10 ir daz ez allez von fünfen ist und hat daz &ot allez darumbe getan, daz ez niemer von iuren herzen kome, als ir iueh selbe an sehet, daz ir da bi gedenket der fünf pfunde. Und also hat uns got unseriu gelider ze nutze geschaffen, einhalp zuo dem lip und anderhalp zuo der sele. Nu wil ich iu für legen
15 welhez diu fünf dinc sint und wie sie iu got bevolhen hat und wie ir got da von wider reiten sult.
Daz erste da wir got von wider reiten müezcn, daz ist von uns selben, von unserm libe, daz ander ist von unserm ampte , daz dritte von unserm guote , daz vierde von unser
20 zit, daz fünfte von unserm ebenkristen, und müezen von ir iegelichem zwivalt wider reiten. Nu heeret alle samt. Daz erste da von wir got zwivalt wider reiten sullen daz sult ir lesen an dem dümen, der ist der erste an der hant. Seht, so ir den an seht, so sult ir an daz erste pfunt gedenken, an
25 iueh selben, wan unser herre wil daz ir im also von iu selben wider reitet zwivalt. Ir sult zem Ersten wider reiten von iu selben, daz ist, daz wir uns üeben sullen in uns selben gen der sele, da sullen wir uns üeben mit guotem willen und mit guoten gedanken und mit guoter andäht und mit guoter be-
30 gerunge und mit allen guoten dingen: da sullen wir uns an üeben innen gen der sele, als sant Alexie und ander heiligen taten, die vor uns ze himele sint. Nu seht, ob ir daz tuon weit oder niht, daz stet an iuwer frier willekür, die dö nieman mac betwingen wan ir selbe.
35 So müezen wir zuo dem andern male von unserm libe
wider reiten, daz ist daz wir uns uzen an uns selben üeben sullen mit guoten werken an unsern gelidern, diu uns got ze nutze hat geschaffen, einhalp zuo dem libe und anderhalp zuo der sele. Unde darumbe sult ir diu selben gelider üeben an
Wie man wid«r r«t*n toi. 27
unseres faerren dienste. Mit den ougen fliehen da von ir ge- bessert möhtet werden, und üf sehen zuo unserm herren und vaste weinen, als sant Franciscus, der weinete, daz er nach erblindet was; und mit dem munde vil gebeten und gerne bibten und niht unnützes reden und swigen durch unsern 5 herren (wan daz ist im ouch liep), und gerne lernen guotiu dioc und predigen lesen und singen und gerne vasten, daz sullen wir alle üeben mit dem munde, und mit den ören gerne hoeren guote lere und predige und messe, wan daz sol kein kristenmensche lazen, ez enheere alle tage eine messe (ez 1 0 eowende dan ehaftiu not): und mit den henden guotiu werk würken, iueh selbe villen und slahen an heimlichen steten, und mit den fuezen gerne gen ze kirchen, ze antläzen und ze predige und venjen vallen: und ze allen guoten dingen sol der fuoz gar snelle sin, und alliu unserin glider, diu sullen 15 wir also üeben daz got da von gelobet werde und wir geseligöt. Nu seht, ob ir daz tuon weit oder niht: weit ir also gewinnen an iuwerm ersten pfunde, so werdent ir froelichen wider reiten and habent wol gewunnen an dem ersten pfunde. [Diu rede geheeret nach ieglichem pfunde.] 20
Von dem andern pfunde müezen wir ouch zwivalt wider reiten, daz ist von unserm ampt, wan ez enist nieman er enhabe ein ampt, aber niht als wir selbe wellen, wir haben ampt als unser herre wil. Er wil, daz der ein ritter si, der ein pfaffe, der ein koufman, der ein rihter, der ein gebür, der ein smit, 25 der ein schuoster, der ein weber, der ein snider. Also ist nieman, er habe ein ampt, er sl rieh oder arm, edel oder unedel. So müezen wir alle ampt hän, aber niht, als wir selbe wellen, sander als unser herre wil: wan du woltest lihte gerne ein grave sin, so muostü ein schuoster sin; und unser ampt si nider 30 oder hoch, so müezen wir alle zwivalt da von wider reiten. Daz erste ist, wir sullen daz ampt, daz uns got verlihen hat, daz sullen wir durch got üeben. Die pfennineprediger und die trüllerinne und die würfeler und die mezzer da slahent, and der ist gar vil die ir ampt von dem tiufel habent, wan 35 sie hänt es von got niht und mügent ouch sin durch got niht gxtaben, sie üeben ez durch den tiuvel, der sol ouch in des vil wol Ionen: alle die ampt von got habent, die suln sie ouch durch got üeben. 'We, bruoder Berhtolt, wes suln ich und
28 xxxix.
rainiu kint danne leben, so ich min arapt durch got sol üeben !' Sich, also meinte sin got niht, ir verstet unsers herren wisheit niht. Swaz man dir git von dreschen, von msejen, von zimmern, von disem oder von jenem, des gan dir unser herre gar wol: 5 git man dir einen schillinc, den soltü nemen, git man dir ein halp pfunt, daz soltü nemen, git man dir drizec schillinc, die soltü nemen. Ich spriche me: grabe man dir drizec pfunt von einem tagewerc, er h«te dir dannoch ze rehte niht gelönet. Wan du bist als edel, als er, dem du da dienest, wan du solt
10 noch die kröne vor dem almehtigen got tragen. Nu sich, umbe den Ion soltü din ampt üeben. Lid eht du ez güetliche: so du schuochwerc wtirkest, so soltü sprechen: 'herre, allez in dinem namen.' Du dierne, so du den haven waschest, so sprich : 'herre daz si allez in dinem namen.' Also sult ir alle iuriu ampt durch
15 got üeben, ez si hoch oder nider, jenez oder ditz. Wan lönet man ju hie niht, so git iu got vil höhen lön in jener werltc. Ir herren, ir priester, ir sult ouch durch got iuriu ampt üeben, ir ritter, ir sult durch got iuriu ampt ouch üeben. Ir habt ein schoene ampt von got, daz sult ir ouch durch got üeben, daz
20 ir witewen und weisen schirmet, niht durch unrehte stiure noch durch unreht gelt noch durch unrehte zolle. Ir rihter, ir sult ouch iuwer ampt durch got üeben, niht durch miete noch durch liebe noch durch vorhte noch durch kein dinc wan durch got. Zuo dem andern male müeze wir ouch von unserm ampte
25 wider reiten, daz wir unser ampt mit triuwen üeben sullen. Ez si hoch oder nider, so sul wir ez mit triuwen üeben äne valsch. Pfi, trügener an dinem hantwerc, waz sprichestü dar zuo? An dime koufe gibest du ein muoterin vleisch für berginez : er mac den grimmen tot daran ezzen, daz du schuldic an im bist.
30 Etelicher giuzet wazzer in win: pfi, trügener aller der werlte! So leit einer füle epfel under guote. So leit einer krunibez holz unden in den wagen und rogelt daz sieht dar üf, so waent jener, ez si allez holz, so ist ez niur ein trügenheit. Pfi, trüge- ner, verkoufestü den luft für holz ! Füert er ein fuoder höuwes,
35 er tuot daz selbe. Ir herschaft allesamt, ir sult iur ampt mit triuwen üeben. Ir ritter, ir sult witewen und weisen mit triuwen schirmen, niht rouben und brennen noch vahen noch Stummeln noch unrehte n gewalt an legen. Ir rihter, ir sult ouch iuwer ampt mit triuwen üeben, niht durch friunde noch durch gäbe
Wie man wider reiten vol. 29
daz gerehte krümmen noch daz krumbe slihten, wan reht dem armen als dem riehen, dem fremeden als dem nächgebüren, allez nach reht. Ir vorsprechen, ir sult iuwer ampt mit triuwen iieben, armen Hüten wort sprechen. Iuwer ampt si hoch oder • nider, ir sult alle iuwer ampt mit triuwen üeben, kneht und 5 dierne iuwer herschaft getriulichen dienen, niht stein noch un- triulichen würken noch unwilliclichen, und so ez weder herre noch frouwe siht, so sult ir als vaste dienen als ob sie ez ssehen. Ir priester, pfleget dirre Hute mit triuwen, an bihte und swa in iuwer not geschiht, so sult ir g&hende in der 10 naht üf sten. Uebet alle iuwer ampt mit triuwen durch den almehtigen got.
Daz dritte pfunt müeze wir ouch wider reiten an dem jungesten gerihte. Daz ist von unser zit, die gab uns ouch unser herre durch zwei dinc: daz ein ist, wir sullen unser 15 zit nützlichen an legen, niht vertanzen noch mit unnützelfchen dingen äne werden, noch boeslichen äne werden, wan unser herre wil die minneste zit niht übersehen von der wile daz wir geborn wurden, biz daz ein brä an die andern kumt, hinz an unsern tot: so w&iic er des kleinesten hares vergezzen wil, swie wir 20 ez verlorn haben. Darumbe ir hdrschaft alle samt durch den almehtigen got, leget iuwer zit nützlichen an. Wir komen alle niulichen her und müezen alle schiere von hinnen. Zuo dem andern male sullen wir wider reiten von unser zit, daz ist daz wir alle unser zit stete an got beliben sullen 25 und niemer von got gescheiden wellen durch keiner slahte guot noch durch friunt noch durch vorhte, noch durch iht üf aller der erde, wan daz wir steten willen haben bi got ze bliben.
Daz vierde pfunt daz uns ouch unser herre bevolhen hat 30 durch zwei dinc, und müezen ouch zwivalt wider reiten von dem selben pfunde, daz ist irdisch guot. Da von sult ir zuo dem ersten wider reiten, daz ir kint und hüsfrouwen und iueh Beiben davon besehen sult an spise und an gewande die not* dürft, und ouch iuwer gesinde und sult des andern ein teil 35 durch got geben und niht durch ere noch durch ruom noch durch güften noch durch loben, weder gumpelvolke noch spil- mannen noch nieman wan durch got. So sullen wir danne an- der stunt wider reiten von unserm guote. Swaz uns über wirt
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über unser nötdurft, daz sullen wir lihen durch got armen Hüten üf guotiu pfant. Daz ist an sünde daz ir üf guotiu pfant lihet wan ez ist nü so vil trügenheit in dem lande, daz man * ez nie m er mac ze sicher inachen, davon ist ez an sünde, daz 5 ir guotiu pfant nement und sult aber nihtes niht darum be nemen weder vor, noch nach, weder pfenninc noch kleinät, noch ditz noch jenez, noch dein noch gröz, wan gotes Ion. Nü seht, ich wsere reht ein tör, ob ich gotes hulde wol erwerben möhte an aller slahte kumber und an arbeit und an aller slahte schaden ....
10 Also müget ir gotes hulde erwerben an aller slahte ungemach, niur daz ir lihet durch got und daz ir niemer deste ermer werdet. Wan daz man lfhet, dem ist reht als dem sunnen schine: swie vil uns diu sunne ir liehtes lihet, so hat sie sin niht deste minner, wan sie nimt ez ie des nahtes wider zuo ir
15 und schinet aber des andern tages also vil so da vor. Und darumbe daz uns diu sunne ir lieht lfhet bt dem tage, so wil sie unser herre vil schcener machen an dem jungesten tage, dan sie iezund ist und wil den mänen ganz machen darumbe daz er uns sin lieht lihet etwan ein wenic bi der
20 naht: also wil iuch der almehtige got gar schoene machen, die also wider reitent, daz sie durch got lihent und gebent. Pft rouber, waz lihet ir disen gotes kindern, diu hie sitzent vor mlnen ougen! Und ir gewaltiger und du gitiger, wie widerreitestü an dem jungesten tage, und ir frouwen, die de
25 gewandes über einander legent, daz ez erfüllet und daz reht diu stange nider bresten möhte. So mantel und mantel, so röckelin und röckelin, so badelachen und badelachen, so ftirspange und fürspange, des ist also vil des eteliche über einander legent, und ist manic armer mensche der reht
30 erfriesen mac da bi. 'Bruoder Berhtolt, da welle wirz durch unser sele willen geben, so wir an unserm töde ligen. So ge- turren wir vor unsern wirten niht anders geben wan unser gewant'. Vil wunderlichen balde hin, gebent ez umbe pfenninc, wan des ir ze not bedürfet: so gebent daz ander hin umbe
35 pfenninc, und lihent armen liuten durch got. Ja helfent etewenne sehs pfenninc also wol, der sie im lihet als der sie im umbe sust gaebe. Dar umbe, ir herschaft, durch den ahnen- tigen got werbent also umbe gotes hulde, und dazz iu doch an schaden st.
Wie man wider reiten sol. 31
Daz fünfte pfunt, da wir gote von wider reiten müezen an dem jungesten tage, daz ist von unserm ebenkristen: da von müezen wir ouch zwivalt wider reiten. Zuo dem ersten, du solt dinen ebenkristen liep haben, daz dir leit si swaz im werre, und ob er baz mac wan du des soltü in niht niden, ob er 5 dir niht liebes hat getan, so soltü in durch got liep haben, und durch reht weder nit noch haz tragen. Hat er dir aber leide getan, so soltü in durch got liep haben. Ist ieman hie, der vintschaft habe und slnem ebenkristen nit und haz trage, der sol daz hiute gote ergeben, den Worten daz iu der almeh- 10 tige got alle iur sünde vergebe, wan ir müezent von dem fünften pfunt als wol wider reiten, als von dem Ersten und von dem andern, und von dem dritten als wol als von dem vierden und von dem fünften. Darum be ir h&rschaft allesamt durch den almehtigen got habent iuren ebenkristen liep durch 1 5 got, ob er ez umbe dich verdient. Hat er dir dinen vater erslagen oder dinen bruoder oder bi dlner swester gelegen oder din niftelin enteret oder din hüsfrouwen oder swaz er dir ze leide getan hat, daz soltü im allez durch got vergeben, daz dir got alle dine sünde vergebe. Zuo dem andern male sult ir 20 iuwern ebenkristen liep haben in got. Nu seht, daz ist also: din ebenkristen der dir niht entuot, dem soltü weder nit noch haz tragen durch got, und dem der dir leit hat getan, und der dir danne liep hat getan, daz du den in got liep habest, also daz du in niemer also liep habest daz du iemer me tost- 25 liehe sünde tuost durch sinen willen: ez si kint oder vater, oder neve oder bruoder, noch kein mensche sol dir niemer als liep werden daz du toetliche sünde tuost durch sinen willen, wan daz ist unrehtiu liebe. Swer durch sinen friunt toetliche sünde tuot als Judas, der wart gitic durch siner kinde willen, 30 da hüete sich reht alliu diu werlt vor. Lät iu nieman ze liep sin, als Judas, daz ir unreht guot gewinnent durch hüsfrouwen oder durch kint oder durch iueh selbe, noch meinswern, noch nieman Blähen durch keinen iuwern friunt, noch keiner slahte toetliche sünde sult ir tuon durch iemen; daz ist iu got. Ir 35 sult ouch nieman vint sin, der iu halt leit hat getan: daz ist durch got
Also lernet wider reiten und seht alle tage an hende und an füeze, wie ir diu fünf pfunt wider reiten sult. Wan
32 XXXIX. Wie man wider reiten sol.
daz hat iu got an iuwer hende und an iuwer füeze geschriben, darumbe sult ir lesen und lernen alle tage. Leset an den ge- lidern, daz ir gote schuldic ze widerreiten sit fünf pfunt. Und swer diu also wider reitet, als ich iu han für geleit, dem ge- 5 schach wol, daz er ie geborn wart, wan der stet fröliche an der reitunge und swer ouch niht also wider reiten wil, der sol hende noch füeze niemer mer an gesehen. Pfi, gitiger, wie reitestü wider an dem junges teil tage? Dir gebristet an diner reitunge, du enwoltest danne gelten und wider geben, oder
10 iemer mit dem tiufel brinnen. Ir herschaft alle samt, nü seht, ob ir also wider reiten weit oder niht, daz stet an iur frien kür, die nieman mac betwingen, dan ir selbe. Und ewa ir iuch dk her versümet habent, daz ir iuch also niht geüebet habent zem ersten male an iuwerm Übe und an iuwerm amte
15 und an iuwerem guote und an iuwer zit und an iuwerem eben- kristen, so gewinnet wäre riuwe und komt ze lüterre bihte und enpfahent buoze nach gotes genäden und nach iuwern s taten, und nement iuch an hinnen für hinz an iuwern tot, daz ir wol wider künnent reiten und daz ir wol gewunnen
20 habent an iuwern fünf pfunden. Wan so sprichet unser herre: 'habe dank, getriuwer kneht, du bist getriuwe gewesen über ein wdnic guotes üf ertliche. Nü wil ich dich setzen über allez min guot: wis frö, getriuwer kneht, gang in die freude dines herren.' So kument ir in die ewigen freude, da ez allez ein
25 freude ist, als da ein vogel fliuget in den lüften, der hat ob im luft und unter im und enneben im und vor im und hinter im, und ist alumbe und umb in niht wan luft. Nu seht, also stet ez in den ewigen freuden: da ist ez allez samt ein freude, swaz man sihet da ist freude, swä man ist in himelriche, da
30 siht man anders niht wan daz ez allez ein freude ist genzlichen. Daz uns diu allen widervar, daz verlihe uns der vater und der sun und der heilige geist. Amen.
XL.
[VON DEM TEMPEL HERN SALOMÖNS.]
Wir begen hiute zwo groze höchzite: Sant Mauricien tac und die goltvasten; etewä heizet man sie die quatember: sÖ heizet man sie etewä die goltvasten. Sie mac wol diu goltvaste heizen, wan sie ist goldes wert. Wir haben wol fünfer leie vasten in dem järe, äne die die liute selbe nement. Etewä 5 rastet man den mäntac, etewä die mittichen, ie als des landes gewonheit and site ist. Aber gewonlichen vasten wir den fritac, darumbe daz unser herre tälanc erstarp. An dem dunrestage, so man diu kriuze treit, so vasten wir für den Schelmen und fär den gsehen tot und für hungerjär und für bisez. Und der 10 zweifboten äbent und der marterer äbent, die vasten wir durch die gehügnüsse ir marter, und die zwen und vierzic tage vor Ostern die vasten wir daz wir da mite verzollenden die zit die wir von gote hän, wan wir allez daz verzehenden müezen daz wir von gote haben. Swaz wehset üf der erde und swaz wehset in 15 der erde, golt, silber, isen und vische, wazzer und allez daz wir von gote haben, daz müezen wir allez gote verzehenden. Diu niuniu sint unser lehen von gote, daz zehent teil wil er selbe haben, und darumbe so müeze wir die zit verzehenden mit den zwein und vierzic tagen die wir dö vasten vor Ostern, 20 wan die zit haben wir ouch von gote; und also vasten wir die goltvasten, daz wir lip und sele verzehenden da mite, wan unser herre hat unsern lip von vier stücken gemachet, und unser sele von drien kreften. Welhez diu vier stücke sin des libes und die krefte der sele, da wil ich ietzunt niht von reden. 25 Und also vasten wir die quotember, daz sint dristunt vier tage und vierstunt dri tage, und also verzehenden wir diu vier
WEIFFEB-STROBL. Berth. ▼. Regensbnrg Predigten II. 3
34 xl.
stücke des lfbes und die dri krefte der sele, und in der alten e, dö vaste man die selben tage, ie in dem mänöde einen tac. Nu habe wirs in vier in daz jär geteilet, ie dri. Nu wellen eteliche Hute wsenen, des niht ist, und sprechent, an 5 dem samztage in der quotember so sitze got ze gerihte und rihte, swaz geschehen sülle hinz an die andern quotember. Swer des ie gejach oder der sin noch waenen wil, der sol ez bihten, wan es ist niht. Wan unser herre rihtet swenne daz mensche stirbet: da ist im ein tac als der ander zuo, und
10 darumbe sol daz nieman reden für war, noch sol sin nieman waenen, und man sol ouch den niht gelouben, die da jehent, daz sei ze himel varn oder ze helle, und sagent iu, wie iuwer vater oder iuwer muoter da müge und wie man in gehelfen müge : den sult ir niht gelouben weder kleine noch gröz durch
15 den almehtigen got und sult in ouch niht gelouben, wan sie sint trügener und wellent iuch also betriegen oder sie be- triuget der tiuvel, wan der muoz eintwederz sin, daz sie trü- gener sin oder sie triege der tiufel. Wan er giht des: 'Ich was zer helle und sach dinen vater oder din muoter und man
20 hülfe in wol mit zwein schuohen', geloube mir, man hülfe in mit allen den schuohen niht, die diu werlt ie gewan. Ich spriche mere, swer da ze helle ist, im möhten alle die messe von helle niht gehelfen, die ie gesungen wurden. Ich spriche mere: im möhte allez daz bluot, daz got an dem karfrltage vergöz, daz
25 möhte im von der helle niht gehelfen. Nu seht, ob er danne niht ein trügener si, oder daz in der tiufel triege, so einer sprichet, man helfe in wol mit zwein schuohen von helle. Ez sprichet sant Pauls an der heiligen episteln hiute von dem tabernaculo, daz got den zwelf geslehten da bereiten hiez und
30 disiu wort hänt gröze bediutunge nach den buochstaben, wan ez sprach sanctus Paulus: 'Ich mac sin niht allez geschriben.' Daz gezelt, daz man dö sach in der alten e daz bediutet den tempel, den her Davit unserem herren ze lobe wolte machen, wan er het in ze einem künege gemachet. Darumbe gedahte
35 er ein hüs ze machen ze lobe unserm herren, da von diu werlt ze sagenne hsete. Do zeicte im unser herre, wie erz machen solte sus und so. Dö Davit an dem töde lac, do sprach er: 'Sun, mach ein hüs gote, da von diu werlt sage' und zeicte im wie erz machen solte und wie er im darumbe erspart hsete
Von <Um tempel hern Salomdns. 35
manic tüsent mark goldes und gesteine and isen und swaz man darzuo bedorfte. Und also machte ez Salomön. Zem ersten vier frithove, die wären gar wit, vor an dem berge hin üf, und daz tempel wart gemachet, daz man da nie gehorte axt- slac noch nebeger noch iaenslac. Nu seht, ob ieman ein gotes- 5 hus also gemachen müge. Innen was ez rehte von lüterem golde allez samt, daz man sich darinnen ersehen mohte und uzen von marmelstein und da zwischen von holz. Und also hiez ez got hern Däviten machen. Uzen machet er ez, daz er einist in der wochen gröze Wirtschaft da hsete und machte einez 10 hinden daran, als die kcere, die an den kirchen sint, und vor dem tempel stuont ein schaf mit wazzer. Und so man in den tempel kumt, daz hiez diu vorder heilikeit, und darnach einez daz hiez diu inner heilikeit. Da giengen zwei türlin in, diu wären von golde und von ölboume, und bf der einen tür, da, 15 was ein alter, da brunnen vierleie würze, da von gienc so süezer smac und also linder smac und senfte als die rösen, und bi der andern tür was des niht, und darnach wären zwen enge] von golde rehte als sie lebeten, den giengen die vettachen von einer müre zuo der andern, und danne fürbaz alhinder, 20 da stuont ein eimber, da was des brötes innen daz von himele regente, und daz smacte also wol, daz dem niht gelich was, and diu e, die got satzte in dem paradise. Nu waz bediutet got da mite? Daz wil ich iü sagen. In den ersten frithof kumt ein michel teil liute und in den andern, und in den dritten 25 und in den vierden und in die vordem heilikeit kumt ouch vil liute in und in die innern gar wenic. In den Ersten frithof kument Juden, in den andern heiden, in den dritten ketzer, in den vierden bennic liute, die in dem höhen banne vervarnt, als die da kirchen brennent oder brechent und die klöster 30 roubent und alle die geistliche liute slahent oder vähent und alle die des bäbestes brieve velschent als die pfennincprediger und alle di bi nunnen ligent, die orden habent in kloestern, die sint alle in dem höhen banne und alle die sie beschirment, die kument alle in den vierden frithof: buoze nime ich üz. 35 Wer sint, die in den tempel gent? Daz sint kristenliute. Der tempel ist diu kristenheit. Dar kumt Juden und heiden niht. Und dannoch stät ein schaf vor dem tempel und swer in daz tempel wolte, der muoste hende und füeze schöne waschen,
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36 iL.
wan ez mac nieraan in die kristenheit, er müeze gewaschen werden üz dem heiligen toufe. Wir kristenliute nü sin wir in den tempel konien, in die vordem heilikeit: wie kumen wir in die innern heilikeit? Owe, der ist gar wenic. Diu innre heilikeit 5 ist daz himelriche, und darumbe, ir leien, ir sult niemer in den kör komen, noch nieman, wan die der engele genöz da sint, die da zem auite helfen mliezen. Wanne ir sit in der vordem heilikeit, so mugent ir niemer in die inren komen, ir müezet e durch ein tuoch, daz hanget vor der innern heili-
10 keit, komen: also müezen wir alle sterben, e wir ze himele komen. Got helfe mir, daz wir dannoch dar komen. Nü seht, ir herschaft; alle samt, daz wedere türlin ir in wellent, wan ez get rehte kein ander wec dar, wan die selben zwen, die gent von kristenliuten dar von der vordem heilikeit. Sie gent beide
1 5 gen dem himelriche rehte nach der snüere und gent ze grozem löne und sint doch gar ungelich, wan der ein ist senfte und linde als pfeller und rösen smac und süeze als honic und ist als gar und gar überguot, daz rehte nihtesniht ungemaches dar an ist, weder kleine noch gröz. Media caritate constravit
20 sibi. Also stet da: 'ez ist bestreut mit minnen,' wan im ist niht gelich an süezikeit und an genuocsame. So get der ander wec ouch zem himelriche, ze grozem löne und ist aber gar und gar herte und griulich scharpf und unmügelich herte und bitter, und ist gar kumberlich und unsenfte und ist rehte
25 niendert gemechelich und get doch rehte gen himele, ze grozen freuden und ze grozem löne und leitet iuch in alle saelde und ist doch gar und gar wehse und scharpf. Ir herschaft alle samt, nü trabtet vor, weihen wec ir wellent, wan swer der zweier wege einen niht enget, der get niht gen himele. Sie
30 get ouch nieman wan kristenliute üz der vordem heilikeit. Nü, ze swederm türlin ir in weit üz der vordem heilikeit in die innern, daz ist üz der kristenheit in daz himelriche, da helfe uns got allen hin. Nü ist der türlin zwei und wellen wir zem himelriche, so müezen wir durch ir eintwederez. Ir seht,
35 swa kirchen sint, da gent allez zwei türlin in den kor, als zuo der innern heilikeit. Und was bi dem einen gar guot gesmae, bi dem andern was des niht. Da bi bezeichnöt unser herre die zwen wege zem himelriche, wan swaz uns endehafter dinge künftic was in der niuwen e, daz erzeicte got in der alten e.
Von dein tempel bern Salomöns. 37
Also erzeicte er dise wege anderstunt in der alten e. D6 fnorte unser herre ze einen ziten fünf hundert tüsent Volkes durch daz bitter mer, daz gesalzen mer, einen bittern wec und einen gar übel wec, daz sie alle stürben. Als dö ein ander volk gewuohs, die fuorte er einen linden wec durch ein süezez 5 wazzer, daz heizet der Jordan (und get von zwein brunnen, der heizet einer Jor, der ander Dan) der tet sich vor in üf, daz sie trucken durch giengen und daz in niht geschach. Daz sint die zw§n wege. Nu seht, wedern ir wellet, wan swer der zweier wege niht einen get, der gH in die helle und des mac \q rehte nieman überic werden, er si rieh oder arm, gelSret oder ungelSret, junc oder alt. Nu wil ich iu die wege nennen, den worten daz ir eintwedern kurat, ob ir niht üf den linden kumt, daz ir iedoch üf den herten kument, wan so kumt ir ouch zem himelriche. Nu seht, ich wils iu nennen kurzlichen. Der linde 15 wec, süeze, der aller dö bestreut ist mit minnen, den gent die unschuldigen, innocentes, die got noch nie beswaerten mit tätlichen sünden, und alle, die got beswaeret hänt, die kument niemer üf ddn wec. Ich hän, ob got wil, manigen menschen hie, der got noch nie beswserte mit teetlichen sünden. Eia, wol 20 dich wart, daz dich din muoter ie getruoc, wie sselic du bist geborn! Darumbe, ir jungen Hute, die noch nie tcetlfche sünde begiengen, die hüeten sich und behalten unserem herren und unser frouwen ir reinikeit, die sie von ir muoter Übe und üz dem heiligen toufe braht habent. Die kiusche sult ir behalten 2ö biz an iuwern tot, s6 gßt ir den linden wec, den min frouwe sant Maria gienc und unser herre Jesus Eristus und sant Uolrich und sant Martin und sant Niclaüs und der andern ein michel teil. Manie tüsent heiligen sint üf dem selben wege g§n himel komen und darumbe sprichet unser frouwe selbe: 'wol her üf 30 minen wec, der ist süeze als honic und linde als pfeller und ist gar vol freuden und aller saelden', und ladet iueh üf ir wec. So ladet iueh der almehtige got anderhalp ouch üf den selben wec, der so vol ist aller genäden. Nu beeret wie linde und waz sselikeit an dem selben wege lit und wie senfte! Sie 35 endürfen so vil niht gevasten, noch gewachen noch gebeten, noch endürfen so vil niht villät geneinen, die den linden wec gent, sie enwellen dan selbe guot tuon, swaz aber sie des ge- front, daz get in allez samt ze nutze. So gät ez jenem niur
38 xl.
für sin sünde und stet dannoch an gotes erbermede ob er ge- büezet. Des sint diu sseligen gotes kinder alles überic, diu an textliche sünde sint und also blibent biz an ir tot. Eiä, wol dich wart, und hsetestü niht mere saelden, wan daz du grözer 5 schänden überic wirst in der bihte, du hsetest sselden genuoc. Darumbe sprach der wissage Davit : 'Ich wil üf den wec der unschuldigen, wan die sint des himelriches sicher.' Nu seht, also süeze ist der wec, daz sie des himelriches rehte sicher sint. Waz woltent ir, her sünder, darumbe geben, daz ir des
10 himelriches sicher waerent? Owe sich lieze etelicher toten. Ich h&n manigen vor mir, dem daz türlin zuo getan ist der un- schuldigen. Wä von? Da h&t ez der verworht mit unS, der mit ebrechen, der mit disem, der mit jenem. Unser herre hete einen friunt, der was im gar liep, binz daz er ein frouwen
15 sach ze einem male, der wart er also holt, daz er bi ir lac, aber mit ir willen, und schuof, daz man ir man ermordete. Do sprach unser herre: 'Ja hastü mir daz getan, nü hüete dich also daz niemer mere swert uz dinem hüse kume.1 Niht mir, 'min zarte tobter.' Do weinet er also lange, hinz im
20 rehte got vergap. Als hüetent iueh rehte alsamt, wan als der mensche die sünde getan hat, sä ze hant 'fride üz' niht 'min zarte tohter.' So vint ist der almehtige got den sündern. Er zerbreche e himel und erde, e er einen menschen behielte mit einer tcetlichen sünde, ir enkument dan üf den herten wec dar.
25 So ir sünder den linden verlorn habet, so wil ich iu raten, daz ir doch den herten get. 'Nü wie?' Da sult ir in die buoze gen und büezen, daz ist noch bezzer, dan mit dem tiuvel brinnen iemer mer da ze helle; wan ez sprichet Sanctus Gre- gor ius: 'S wer gesundet nach dem toufe toetliche sünde, der
30 mac niemer ze himele komen an gröze arbeit.' Ir enwellet oder wellet, ir müezent die sünde büezen oder iemer ewielichen mit dem tiuvel brinnen in der helle. 'Wie sol man büezen?" Nü seht, man muoz an zwein enden büezen: unserm herren nach genäden, und dem menschen nach rehte. Iu ist ouch got
35 herter an der buoze, die ir dem menschen sult und schuldic sit, dan an der buoze, die ir gote schuldic sit, wan solte man gote nach rehte büezen, daz möhte nieman getuon. So sprichet etelicher: 'Bruoder Bertholt, gebt mir buoze nach rehte für alle mine sünde und swaz ir mir gebt, daz wil ich gerne leisten.
Ton dem tempel hern Saloraön«. 39
Nü hoere, wie du dan büezen solt, ob du nach rehte büezen wilt, daz du niur ze einem male bi einem wibe zer une list. Daz dir alliu diu werlt biz an den junges ten tac hülfe büezen und vasten, und swaz du dan selbe gebüezen mühtest, du hastest dannoch die sünde niht nach rehte gebüezet. Daz 5 niüget ir dar an sehen, dö Adam und Eva ein obz stälen in dem paradise. Ir heizet ez einen apfel. Nü si ein vige oder ein apfel. Ez was ein obz, daz Adam und Eva dö Stilen. Ist ieman hie, der ie kein sünde als gröz begienc? Nü seht, niur umbe die einen sünde was Adam niun hundert jär, daz fleisch 10 noch win dewederz under sinen mimt kom, und buozte und weinte und enmohte sie doch nie gebüezen in niun hundert jären, und im hülfen alle die büezen die da lebendic waren bi sinen ziten. Im hülfen ouch alle die büezen, die nach sinen ziten wären. Also wart diu eine sünde gebüezet und enmohte 15 doch niht gebüezet werden in fünf tüsent jären und in zwein hundert jären an ein jär, und daz in der selben wile kein mensche nie ze himele komen mohte, allez umbe die einen sünde, hinze daz got selbe mensche wart, der half dri und drizec jar büezen und starp eines bittern tödes an dem kriuze. Dö 20 wart aller erste diu sünde gebüezet, daz Adam üz der helle kom. Nü seht, also vint ist der almehtige got den sündern. Daz du daz niemer tarst geleben, daz du dime got ungehorsam bist, dem alliu kreatüre ist undertän, wan der übel mensche, dem höhen herren, der hirael und erden von nihte machte. 25 Jedoch so lanc ir nü den linden wec verlorn habent, so ver- zwivelt niht und get doch üf den her ten. Ir müezent haberströ ze gelte nemen und büezent nach genäden unserm herren, und iuwerm ebenkristen nach rehte, daz ist gelten und wider geben dineni ebenkristen. Swaz du des sinen ze unrehte hast, daz 30 muostü im gelten und wider geben drierleie. Zuo dem ersten du solt genzlichen gelten. Daz ist, ob du einem zehen pfunt sott, so gibst du im zwei, daz er dir daz ander vergebe. So weiz jener wol waz du wilt, wan du hast hefteshalp und ge- denket er: 'mir ist bezzer ein wenic dan niht' und vergit 35 dir daz ander. Er naeme ez vil gerne gar, so weiz er wol daz du imz niht gibst und stest also gen im und dingest mit im umbe sin eigen guot, als ez din si, und wilt breiten riemen sniden üz fremedem leder. Du hast im niht vergolten, du muost
40 xl.
im heft und klingen wider geben. Gibstü im zehen pfunt sin einen schillinc, du hast im allez niht genzlichen vergolten. Du muost genzlichen gelten und wider geben, pfunt für pfunt, marc für marc, schillinc für schillinc, pfenninc für pfenninc, vierlinc 5 für vierlinc, also verre, so du ez geleisten mäht und gistü aber zehen pfunt gar und gar, sprichet er danne mit guotem willen: 'Ich wil der zehen pfunt niht, ich wil niur zwei, got gesegen dir daz ander/ daz häetti mit rehte. Also sult ir gelten und wider geben. Requiem omnium. Also sprichet got selbe: amen
10 dico tibi. Ir müezent genzlichen gelten. Daz nimt dir weder buoze ab noch kriuze noch mervart noch Priuzenvart, noch niht in aller der werlte. Ir müezent ie genzlichen gelten und widergeben oder iemermer brinnen, daz allez daz fiur ist, daz an dir ist: din vel, diniu ougen und aller din üb ist aller ein
15 fiur, als isen in der esse, daz da glüet. 'Owe, bruoder Berhtolt, sit ez also darumbe stet, so wil ich gelten und widergeben.' Nu, sag an, wie? 'Da, wil ich im hiure ein wfenic geben und vürwert aber ein wenic, und wil im von jar ze j&r ie ein wenic geben, hinz ich im vergüte. Bruoder Berhtolt, des helfent mir,
20 daz er ie ein wenic neme. So wil ich im gerne gelten und widergeben/ Se, wel der tiuvel hat mir den gewalt verlihen über sin guot? Des gewaltes hat der habest niht noch nieman in der werlte. Du muost schiere gelten, also stet da: zem ersten genzlichen gelten und wider geben, zuo dem andern male schiere,
25 zuo dem dritten male froelichen und rinclichen und darumbe soltü schiere gelten. Mit wiu hat er daz verworht, daz du im sin guot über sinen willen vor hast? Zuo dem dritten male, du solt frilichen und froelichen gelten, daz ist, daz ir rincliche ein wenic guotes läzen sult durch den der iu lip und seie ge-
30 geben hat und hohe sinne, und daz ir wol gewahsen Hute sit und schcene liute. Nu lceset mit eime wenic guotes ein michel teil, zuo dem fersten iuwer selbes seie und iuwer kinde sele und alle die sele die von iu komen sullen hinz an daz zehende geslehte. Den ir daz unreht guot lat und sie wizzentlichen nach
35 iu erbent, die sult ir alle samt loesen und lat rinclich und froe- llche daz unreht guot. Iu gibt doch got iemer iuwer nötdurft wol. 'Bruoder Berhtolt, dos hän ich mich noch niht betrahtet' Sich, so hat sich got betrahtet, daz du also lange b rinnest ze helle, so got in dem himel ist. So sprichet einer, so ich von
Von dem tomp«t hern Salomöna. 41
anrehtem guote reden: 'Owe, bruoder Berhtolt, du machest daz ich verzwiveln mac' Du ensolt des keinen zwivel hän, lsestü unrehtez guot, dir gebe doch der almehtige got din lipnarunge wol. Wiltü aber des niht tuon, so soltü weder sust noch so keinen zwivel daran haben, daz diner sele niemer rät wirt. Da 5 soltü niht an zwiveln, mir werde halt vil leit daz du des iemer keinen zwivel gewännest. Ir andern sünder, ir sult alle wider keren üf den herten wec, in den wec der buoze, wan swer zuo mir spreche, ob ich einen tac gerner wolte sin an einer heizen sonnen oder zehen tage in einem glüenden oven, seht so naeme 10 ich daz wseger. £z ist verre bezzer ein tac an einer heizen sonnen, dan zehen in einem glüenden oven. Nu seht, ir h&r- schaft, also stet ez umbe iuch und umbe die buoze hie üf ertriche und in jener werlte. Darumbe, ir herschaft, durch den almehtigen got, get doch üf den herten wec. Ja ist manic 15 heilige, die hoch ze himele sint und die gröze fursten sint in himelriche und giengen üf dem herten wege dar, als der guote sant P&ter und sant Paul und sant Maria Magdalena und sant Afrä und als her Davit und ander manic heiligen. Die sint alle ze himele komen üf dem herten wege und darumbe 20 get frcelichen üf dem herten wege in die heiligen buoze. Ge- winnent alle wäre riuwe umb allez daz da ir got ie mit be- swsertent. Tuot als sant Pßter und her Davit, die weinten gar griulichen unz daz sich got über sie erbarmete. Also gewinnet alle wäre riuwe und enphähent buoze nach genäden. Pfi, gitiger, 25 sich, dir git nieman buoze nach genäden. Du hast allenthalben daz unwseger. Ir andern sUnder, enpfähent alle buoze nach genäden. Gitiger, du muost zwivalt büezen: unserm herren nach genäden, dinem ebenkristen nach rehte. Ja wären diu türlin zweier hande, von ölboume und von golde . . . und da von, du 30 gitiger mensche, du kumst niemer mer üf den linden wec. Pfi, gitiger, nü wiltü ouch üf den herten wec niht. Her zwiveler an aller gotes erbermede, wie griulich iuwer marter wirt. Ir andern sünder, verzwivelt niht und verzaget niht als die gitigen und enpfähent buoze, die wile ir üf ertliche sit, wan ir envindct 35 niendert der buoze market, dan üf ertriche, diu nütze si. Ze himele ist niht buoze, da ist niht wan freude. Ze helle ist ouch niht buoze, diu für trage. Swie vil priester ze helle si, so git iu keiner buoze da ze helle. Man vindet ouch bischove da und
42 xl.
ebbete und probeste, die vindet man alle ze helle, und mac iu doch ir keiner buoze da gegeben. Darumbe nemt die buoze an iuch, die wile ir lebent, wan diu buoze ist gewaltiger vor got, dan die engel und die heiligen und dan allez daz üf ertriche 5 ist und dan allez daz in dem himele ist, wan daz möhte iu allez niht gehelfen ane buoze. Nu seht, ir herschaft alle samt, wie gar nütze! Seht, sie ist also nütze, daz sie alle tage manic hundert sele gen himele bringet, der niemer rät wurde biz an den jungesten tac. Noch danne wurde ir niht rät, wan buoze. Diu ist dem
10 almehtigen gote als liep, daz er ir niemer niht verseit, und darumbe mir wsere diu buoze lieber min vorspreche vor gote, dan alle die heiligen und alle die engel, die in dem himele sint. Ich spriche mere. Sie waere mir lieber ze vorsprechen, dan die heiligen zwelf boten, oder min frouwe sant Maria.
15 Also liep ist gote diu buoze und als nütze und als gewaltic vor gote. Swie gröz eins menschen schulde sin und sprichet vor gote diu Buoze: 'Herre, ich was im heimlich üf dem ertriche/ der almehtige got ist sä ze hant sin friunt. Diu buoze tuot alliu dinc wol, wan vier dinc. Ist ir iht m&r, der hän ich niht
20 gelesen. Also gewaltic ist diu buoze wol, daz sie alliu dinc wol tuot, dan vier dinc. Daz ein ist, sie mac nieman von der helle erlossen, swer dar kumt. Daz ander ist, daz ouch diu buoze niht getuon mac, swer sin zit, die er gelebt hat, unnütz- lich verliuset und unnützlichen an leit, die mac diu buoze
25 niemer mer gewinnen. Daz dritte ist, swer sinen magettuom verliuset, den kan ouch die buoze niemer mer wider gewinnen. Daz vierde ist, swaz der mensche guotes tuot, die wile er in tetlichen Sünden ist, daz ez niemer ze staten komet. Nu seht, swie gewaltic diu buoze ist, so mac sie doch der vier dinge
30 deheinez tuon. Jedoch so tuot sie wol vier dinc, diu sint disen vieren nähent glich. Daz eine ist, daz diu buoze wol tuot, sie mac nieman von der helle bringen, Bie brenget aber wol einen menschen von der helle porten. Daz ist, so sie den menschen von tetlichen sünden bringet. Wan, swer in tetlichen sünden
35 ist, der ist rehte an der helle porten. Daz ander ist, sie mac die überigen zit niht wider gewinnen. Sie erwirbet aber daz wol, daz du die sünde gote bezzerst mit der buoze, da mit du din zit unnützlich verlorn hast. Daz dritte ist, sie mac dir den magettuom niht wider gewinnen, sie hilfet dir aber wol,
Von dem tempel hörn 8alom6ns. 43
daz du die sünde gebüezest, da du den magettuom mit verlüre. Daz vierde ist, daz sie dir die guottsete niht wider mac ge- winnen, die du in toetlichen sünden tote. Sie gewinnet dir aber wol, swaz du guotes begienge, & du in tätliche sünde viele, daz dir daz wol ze staten kumt. — Nu seht also nütze ist diu 5 buoze und darumbe verzaget niht durch den almehtigen got und gewinnent alle samt wäre riuwe und komt ze lüterre bihte, und enpfähet buoze, die wile ir lebet, so lange sie also nütze ist. So enpfähet die buoze nach gotes genäden und nach gotes erbermede und nach iuwern staten und habet des ganzen willen, 10 daz ir niemer tcetliche sünde getuon wellent, und wol dan alle zem himelriche. Pfi, gitiger, wie st§t ez umbe din buoze? Du muost gelten und widergeben, daz ist din buoze, der wiltü ouch niht leisten, du wilt e iemer mit dem tiuvel brinnen. Owö des! Ir andern sünder, wol dan alle zem himelriche, zem ersten 15 an der sele und am jungesten tage an übe und an sele. Amen.
XLL
[VON DER SELE SIECHTÜOM.]
Wir lesen nach pfingesten an vier buochen, diu heizent der künige buoch. Da lesen wir von zweier Blähte künigen, der waren die einen von Israh&l, von Samariä, die andern von Jerusalem. Die von Samariä, die wären alle übel, die von 5 Jerusalem, der wären dri gar guot und dri ein wfenic guot. Man nennet sie alle, so unser frouwen tac ist, als sie geborn wart, in dem ewangelio Über generationis. Wan sie wären alle unser frouwen neven und ir ist doch etelicher da ze helle, wan unser herre siht weder an niftel noch an neven nach geistlicher
10 bediutunge. Wie ez den liuten sol ergen in der niuwen e, daz erzeicte got allez in der alten §, da an der Hute leben. Die künige von Israhel von Samariä wären alle gar übel. Ezn wart halt nie keiner guot. Der selben künige einer hiez Osochias, der viel von sinem palas, und er wart gar siech von dem valle.
15 Do was ein abgot ze Accarön, ir heizet ez Akers, der hiez Beizenbug. Da sante Osochias einen boten hin, ob er genesen möhte und liez unsern herren sus. Also tuont noch eteliche, die sendent hin ze wärsagen und hin ze wärsage rinnen. Also seit man mir von eime, der nimt sich ouch wissagens an, ich
20 enweiz wä iezuo er die Hute triuget, und sagt den liuten, er var gen helle. So loufent eteliche toren und teerinne dar und frägent von ir vater und von ir friunden, und frägent also den trügener, disen zouberer und wellent waenen, er var gen helle. Geloube mir, swer einest ze helle komet, der körnet
25 niemer mer von dannen. Ez sprichet sanetus Augustinus: 'Und wäre min vater da ze helle, ich gebsete got als wenic umb in als umbe den tiuvel. Wan ez hülfe als wönic als ob ich unibe
Von d«r §51e niecbtuom. 45
den tiuvel bsete.' Also tet jener, der sante hin ze Beizbob und liez den almehtigen got sus. Daz geviel ouch unserm herren gar übel, und dö sine boten üf dem wege wären, da bekom in Elias, der wissage und sprach: ' Saget iuwerm herren, daz er ursern herren hat versmseht und daz er hin ze Belzabob gesendet 5 hat, darumbe muoz er sterben des todes.' Und also seiten sie ir herren. Dö sprach er: 'Wer was der man, der iu daz sagte?1 Do sprächen die boten: 'Herre, ez was gar ein wunder- lich man mit rühem gewande und truoc einen ruhen gürtel umbe.' Dö sprach er: 'Daz ist Elias, der wissage/ und sante 10 ze hant nach im einen herren mit fünfzehen mannen. Dö was Elias üf einen berc komen. Da funden in dise boten und ruoften im hin üf also: 'Gotes man, gotes mensche, du solt hin ze unserm herren, daz du im sagest, ob er genesen müge.' Dö sprach Elias: 'Sit ich gotes mensche bin, so kum ein fiur 15 und verbrenne iuch allesamt.' Also geschach ez. Er sante eht aber einen dar mit fünfzehen mannen. Den geschach als den ersten. Zem dritten male sante er aber einen dar mit fünfzehen mannen. Der was gar ein guot man. Der gienc hin üf den berc zuo Eliam und viel für in nider an siniu knie 20 und sprach: 'Herre, erbarme dich über mich. Du hast minem herren vil Hute verbrant. Nu hat mich min herre her gesant, daz du hin zuo im körnest und im sagest, ob er genesen müge. Elias, der kam dar und sprach also: 'Osochias, dir hat unser herre enboten, daz du zem ersten santest ze Beizebub, darumbe 25 muostü sterben des todes.' Nu seht, also geschach im. Däbi bezeichnöt unser herre: Osochias, der ab sinem palas viel, von siner wir tschefte kom er in grözen siechtuom. Daz ist, daz des menschen künne viel von dem paradise in den siechtuom der Bünden, von der grözen wirtschefte. Daz ist diu Wirtschaft, 30 die wir verlurn in dem paradise, wan da ist gar übergröze wünne und maniger hant genuocsame inne. Da stät ein boum inne, und b&te Adam niur ze einem male des selben boumes obz gaz, wir wseren allesamt noch iemer mer deste gesunder und lebeten ouch deste lenger. Der boum heizet der boum des 35 lebens. Also viel des menschen künne ab sinem palas in grözen siechtuom. Nu hän ich mengen siechtuom und manigen siechen vor minen ougen, der gar siech ist an siner sele. Nu seht, ob ir senden wellent ze Belzabob oder ze unserm herren, ob ir
46 xli.
genesen mügent oder sterben. Welt ir mir nü volgen, so wolte ich iuch allesamt leren, daz ir wol wizzent, ob ir genesen mügent oder sterben an der sele. Nü lernet allesamt.
Nü seht, swenne ein sieche lit in grözem siechtuome, ist 5 danne der sieche rieh, so sendet er nach dem arzte und ist gar frö, wenne der arzt kamt, und ist der arzt danne ein wiser meister, so nimt er drier dinge war an dem menschen, e daz er sich des siechen under winde. Daz ein ist, ob er den siechtuom hat, den man niemer gebüezen mac. Daz ander, ob
10 er den siechtuom hat, den man im gebüezen mac. Daz dritte, ob er sterben wil. Wan wil er sterben, oder hat er den siech- tuom, den er noch kein arzt niemer mac gebüezen, so unter- windet er sich sin fürnames niht, ob er ein guot meister ist. Ein boeser enruochet, waz siechtuomes er hat, daz eht er im
15 pfenninge gebe. Des tuot ein wiser meister niht, der lset ez durch einer eren willen. Nü merket allesamt, wie der wise meister des war nimt, ob der sieche sterben wil. Zem Ersten grifet er im an die ougbrän: rüeret sich diu niht, daz sie stille lft, daz ist ein zeichen, daz er sterben wil. So siht er im under
20 diu ougen. Hat sich sin antlütze verkeret an der varwe und an der gestalt, daz ist ein zeichen daz er sterben wil. Fliuhet der sieche die Hute mit den ougen und daz lieht, daz ist ein zeichen des tödes. Er nimt sin örsmer und heizet ez ein kint in den munt nemen an die zungen : daz tuot wol ein kint sinera
25 vater. Ist danne daz örsmer süeze, daz ist ein zeichen des tödes. Wan daz örsmer ist gar bitter und sol bitter sin. So nimt er ein niesewurz und blaset im daz in die nasen. Ist daz er niht niuset, daz ist ein zeichen des tödes. Daz sol aber nieman tuon. Daz verbiute ich gar und gar, daz nieman dem
30 andern niesewurz in die näsen blase. Daz verbiute ich rehte gar und gar, daz ez ieman an einem siechen versuoche, wan ir möhtent schuld ic an im werden. Da von daz sol nieman tuon, dan ein meister, der damit kan. Kürzet im der munt die lefse üf gen der nasen, daz ist ein zeichen des tödes.
35 Wagen t im die zene, daz ist ein zeichen des tödes. Ist im ein pl&ter an der zungen, daz ist ein zeichen des tödes. Stinket im der Atem, als der mist oder als der füle visebe hat g&z. daz ist ein zeichen des tödes. Sint im die hende siech und die vinger kalt und swarz, daz ist ein zeichen des tödes. So
Ton der ■£]« sieehtnom. 47
8prichet der arzt: 'Mügt ir niht släfen?' so sprichet der sieche dan: 'Nein ich/ daz ist ein zeichen des tödes. Wirfet er daz houbet, da die fiieze ligen sullen, daz er keine ruowe haben mac, daz ist ein zeichen des tödes. Switzet er kaltez tou, daz ist ein zeichen des tödes. 5
Nu seht, ir herschaft allesamt, disiu toetliche zeichen siht der wise meister alle an dem llbe. Daz ist uns allez samt bezeichenet innen gen der sele.
Dem daz örsmer süeze ist, daz ist ein zeichen des tödes diner sele, wan du gerne beerest boese rede. Diu ist dir gar 10 süeze in den ören, und beerest daz nütze gar ungerne, und dinem nächbüren dem hoerestü gerne nach reden und schelten, und beerest dich selben gerne loben und schelleclichiu wort. Die sint alle tot an der s&le, und ungehorsam in geistlichem lebene, daz ist allez samt ein zeichen des tödes der sfele, dem 15 daz boese süeze in den ören ist.
Die danne daz lieht und die liute niht gesehen mügen an dem töde, daz bezeichent die vor nide ir ebenkristen niht an gesehen mügen, ob er iht baz mac wan du. Daz ist ein rehtez zeichen des tödes diner sele, wan du windest rehte diu 20 oogen ab im, so du sihest, daz er baz mac, wan du, oder ob im sin dinc baz g&t dan dir. Du bist döt an der sele. Buoze ist alle zit vor üz genomen.
Dem die zene wagent an dem töde, daz bezeichenet die gerne boesiu wort und übeliu wort sprechent mit schelten und 25 mit fluochen. Die sint tot an der sele, wan ez ist allezft niur grinen und zannen umbe sie. Frouwe oder man, kneht oder dierne, junc oder alt, alle die mit schentlichen Worten und mit schentlichen dingen und mit übellichen dingen und mit übel- lichem schelten und fluochen umbe gent, oder swie man übeliu 30 und beesiu wort sprichet, die sint alle tot an der sele. Dem diu lefse kürzet an dem töde, daz bezeichenet die ungerne den lefse und den munt rüerent zuo dem dienste unseres herren, daz sie ungerne pater norter sprechent oder avö Maria oder keiner slahte gebet selten iemer in ir munt kumt, sie en sprechen 35 dan, so sie des morgens üf Stent: (Nü beschirme mich got vor houbethaften Sünden und vor werltlichen schänden:' so wellent sie gar vil gebetet hän und sprichet etelichez des niht. Ja solte ein ieglich kristenmensche alle tage sehs und sibenzic pater
48 xli.
noster sprechen, daz ist sin rehtiu tagezit, der niht mer sprechen wil. Nu seht, ob ir daz tuon weit oder niht.
Der eine pläter an der zungen hat, so er an dem tode lit, daz bezeichnot lügener und trügener, die meineide swernt 5 und vil geswernt unnützelichen. Daz ist gar ein übeliu pläter an der zungen, wan sie ist ein zeichen des todes diner sele. Dem der ätem smecket an dem tode als der mist, und der füle vische hat gäz, daz bezeichnöt die vol steck ent nides und hazzes. Die sint alle tot an der sele, wan etelicher stecket
10 nides und hazzes also vol, daz er sfnen ebenkristen gerne wolte ermordet hän. Daz ist ein gar griulich zeichen des todes diner sele.
Der da switzet kalten sweiz, daz bezeichnöt geistliche Hute, die kalt und trage sint an gotes dienste und also über-
15 windlingen gote dienent. PfT, daz ist gar ein tot der sele!
Die niht släfen mügent an dem tode und niht ruowe haben mügen, daz sie daz houbet werfent, da die ftieze ligen solten, daz bezeichnöt die niemer keine ruowe gehaben mügen vor würken noch vor zabeln, eht dar und dar zabeln und wür-
20 ken den sameztac hinz in die naht, und an dem heiligen sun- tage und an der z weif boten tage, so üf den market mit schuohen, so mit wegen, so mit karren, so vihe triben, nü daz, nü daz, so hin, so her, daz eht du niemer keinen tac ze rehte virest, den du viren sottest. Du bist rehte tot an der sele,
2f> wan du sottest viren. Sich, nü bistü doch niht ein jüde, noch ein beiden, noch ein ketzer, noch ein tiuvel. Ja bistü ein kristenmensche. Ez ist ein zeichen des todes diner sele.
Dem die vinger siech sint am tode und die hende swarz und kalt, daz bezeichnet, daz du gar ungerne almuosen gist
30 und gar ungerne giltest und wider gibest. Pfi, gitiger, daz tuostü aber gar ungerne, wan allez daz man disen gitigen tuon hieze, daz tete er allez samt, wan gelten und wider geben. ' Bruoder Berhtolt, ich wolte mich bihten und wolte niemer mer unreht guot gewinnen/ Nü bihte und bihte, du muost gelten
35 und wider geben. 'Bruoder Berhtolt, ich wolte die sameztage vasten unserre frouwen.' Sich, du muost gelten und wider geben. 'Bruoder Berhtolt, ich wolte die sehs wochen vasten vor winahten.' Sich, nü vaste vor winahten und die samez- tage unserre frouwen, nü vaste nü vaste, nü bihte nü bihte:
Ton der sele siechtuom. 49
sich, so muostü gelten und widergeben (wie lange sol ich dir daz sagen), oder du muost mit vasten und mit bihten, mit allem hin ze helle. 'Ich wolte über mer varn.' Sich, du muost gelten und widergeben. Wie lange sol ich daz mit dir triben? Wan des enmöhten dir alle die bihte noch alle die vasten noch 5 alle die merverte noch alle die Romverte niht gehelfen noch alliu diu kloster, diu diu werlt ie gewan, überhebent dich niht, du enmüezest gelten und widergeben, als verre du ez geleisten mäht, oder du muost iemer mit dem sihtigen tiuvel da ze helle brinnen ewiclichen. 10
Ow£ des, owe wie maniger hande siechtuom und manic siechiu sele mir hiute da her br&ht ist, die noch wol genesen möhten vor dem ewigen töde, wolten sie mir volgen, und die doch des ewigen tödes zeichen hänt. Ir h&rschaft alle samt, nü seht, ob ir sterben weit des tödes, oder ob ir genesen weit, 15 wan ich han der noch ein michel teil die wol genesen möhten. Nu waz? Der wise ineister, der arzet, siht er, daz der sieche niht mac genesen, so underwindet er sich sin niht. Hat er onch den siechtuom, den er niht gebüezen mac, er underwindet sich sin aber niht, wan etelicher siechtuom ist ouch, den 20 niemer kein arzet gebüezen mac, als die lange ungeredet und ungesprseche sint gewesen, als altstumben: daz ist der siech- tnome einer die enbor oder niemer kein arzet gebüezen mac, der ander der lange ungehoerende ist gewesen, der dritte ist, »wer die vallenden suht hat über fünf und zweinzic jar, der 25 vierde ist alter siechtuom in den lenden, noch die alten misel- suht, noch den alten harnstein.
Nü seht, so getanen siechtuom enmac borwol ieman ge- büezen und sint ouch alle bezeichent bi den Sünden die nieman enbor wol niemer mac bekeren. Nü seht maniger hande 30 siechtuom, der hat got aller an uns verhenget durch unser manicvaltige sünde, daz die da bi bezeichent sint. Unser herre beschirme uns alle vor den Sünden, die nieman da bekeren mac. Nü wil ich iu sie nennen, den Worten daz ir iuch da vor hüetent, wan sie sint gar griulichen. Nü hoerent alle samt. 35 Dia altiu miselsuht, daz ist ein siechtuom, den niemer kein arzitt mac gebüezen, und lebete halt noch her Ypocras, der höhesten arzete einer von der werlte, noch her Constantinus, noch her QaUenus,. noch her Avincennä — die wären alle die
miTFEB-STBOBL. Berti», y. Begenebnrg Predigten II. 4
50 xli.
höhesten meister von erzenie — ir keiner nseme sich des an, daz er die alten miselsuht iemer niöhte gebüezen. Seht, da ist einiu der groesten Sünden bi bezeichnot von der werlte. Da beschirme got alle die werlt vor: daz ist der ketzer. Wan den 5 kan nieman bekeren, er waere danne niulichen dar in komen so bekeret man in lihte. Ist er aber lanc dar innen gewesen, so endarf des nieman muoten, daz er dar üz kome. Ez sol ouch nieman vil an in versuochen, wan daz spricht sanetus Augustinus: 'den ketzer sol nieman ze vil versuochen, danne
10 mit Einern worte oder mit zwein, wan so man in ie mer ver- suochet, so er ie boeser ist, und so er ie raer predige heeret, so er ie boeser ist.' Wan g6t er und beeret die predige, so w»re er mir lieber da heime, wan er g§t durch kein guot her, niur durch gelichsenüsse, oder ob er mir iht verlernen möge.
15 Pöverlewe, Ringler, Ortlieber, bist du iendert hie? Seht, waere er halt hie, so bezzerte er sich doch niht; als wenic so sich der tiuvel iemer beköret, als wenic bekeret sich der ketzer. Man büezte der miselsühte noch e, wan got trete ein zeichen wol, wolte er ez tuon, so daz ein üzsetzel gesunt wurde. So
20 hilfet an dem ketzer weder zeichen noch predige noch erzenie, noch kein dinc als wenic, als an Judas, da half weder predige noch erzenie noch zeichen.
Swer die vallenden suht hat über fünf und zweinzic jär, des neme sich ouch kein arzät an, daz ern iemer gesunt
25 mache. Und so er lit und gevallen ist und rüeret weder vinger noch houbet, so sol im nieman daz houbet haben. Der imz aber haben welle, der habe sich verre hin dan, wan sin ätem ist so griulichen, kumt er etewanne in ein mensche, ez gewinnet den selben siechtuom. Diu vallende suht ist gröziu
30 trakeit an gotes dienste. Kalte geistliche, msersager und vil küme dienen unserm herren, daz ist ein griulich siechtuom. Diu alte lemde, daz ist alter stumbe wider den heiligen geist, daz ist ein sünde, die got niemer vergeben wil. Iedoch so getet nie mensche so übele, ez enpfahe got, wil ez sich wider keren.
35 Also sult irz niht versten, daz got ieman sin genade versage, die selben mac aber enbor wol iemen bekeren. Judas was in der selben sünde einer; den künde nieman bek&ren, er enwolte sich ouch selbe niht bekeren. Als sanetus Augustinus sprach: 'Im was gaeher zem galgen, danne daz er sich beköret hsete.'
Von der solo siechtoom. 51
Nü seht, rehte als der k ristalle: der ist von wazzer körnen, den möhte aber nieman wider ze wazzer bringen.
Diu dritte verw&zene diu bezeichnot ein sünde: die sint oucb fremede geste in dem himelrfche: die sint ouch rehte bezeichent bi der dritten verwäzenen. Wan die selben sünde 5 rerwäzent alle andern sünde und hazzent alle sünde. Alle andern sünde verw&zent die selben sünde und hazzent die selben sünde vor allen den Sünden, die diu werlt ie begienc und sie hazzet got selbe als griulichen, daz er ein lant ver- derben liez, da diu selbe sünde zem ersten geschach. Ir seht 10 wol, ez wehset in d<£m lande körn. So wehset in d£m lande win, da ditz, da jenez. Niur da diu verwäzene sünde geschach, da gewuchs niemer m6r weder ditz noch genez. 'Bruoder Berhtolt, wir enwizzen, waz du meinest/ Sich, daz ist mir daz allerliebeste. 'Ob wirs nü gerne buozten, so enwizzen wir 15 es niht ob wirs getan haben.' So habe dir den schaden. Ein schalkhaft herze verstat mich wol. Wan diu selbe hant solte niemer mer weder brot anrüeren noch ezzen, noch trinken, noch kein guot dinc. Ich spriche m£re. Sie wsere halt des niht wirdic, daz sie den galgen iemer an gereichen 20 solten, noch natern noch kroten. Pfi, wsL sitzestü, verwäzen vor allen Sünden? Der werdent ouch niemer deheine bekeret, ob sie dar inne blibent, ich weiz wol wie manic jär. 'Bruoder Berhtolt, sage uns, welhez ist diu sünde, die du so gar griulich machest.' Niht, niht: ich wil die engel niht von iu triben. 25 Jedoch daz ir iht gar verzwivelt, so wil ich iu ir ein wenic sagen, oben über hin: der da verste, der versteh Der niht versteh, daz ist mir daz aller liebeste. Nü gedenke im ein ieclich mensche in sinem herzen, ob ez ie kein sünde begienc, die ez noch nie durchnehticliche torste gebihten. Nü sich, daz 30 ist ez, s waz daz ist, daz du dich nie getorstest gebihten vor schäme. Vil wunderlichen balde in starke buoze, die niulichen darin sint komen, wan werdent sie drinnen alt, so kunnent sie küme oder niemer da von komen.
Der alte harnstein bezeichnot ouch einer leie sünder, die 35 selten bekeret mügen werden, er enmüeze ein guot meister sin, der den alten harnstein büezen möhte, und müeste ouch ein guot teil erzente versuochen und sniden. Da reden wir priester niht von: wir priester sullen von sniden niht reden.
4*
52 xli.
Sich, gitiger, daz bistü. Ez mac nieman den alten harnstein von dir bringen, daz unreht guot. Von sniden sol ich niht reden. Bistü niülich drin komen und hast sin danne wenic, so möhte man dich wol von dem unrehten guote bringen. 5 Sistü aber lanc darinne gewesen und hast sin danne vil, so tuo sich des aller menneclich ab, daz dich ieman da von bringen müge. Man buozte aller der siecheit also sanfte die diu werlt ie gewan, der alten lemde, der drier verw&zenen, der vallenden suht, der möhte man aller noch ö gebüezen, e
10 des siech tuomes, der da heizet gitikeit. Die lanc mit unrehtem guote eint gewesen und sin danne vil hänt, da hilfst weder predige an, noch erzenie, noch zeichen, als wenic als an Judas half; der got selben hörte predigen und sach in zeichen tuon und wart nie deste bezzer. Ir tiuvel, ir habent manige
15 guote predige gehoeret und hceret ouch mich iezuo wol: ir wurdet nie deste bezzer. Nu seht, wie die gitigen aitzent. Sie tuont also wenic dem gelich, daz sie sich bekeren wellent von dem unrehten guote, als Judas, an dem ouch noch nie kein predige, noch zeichen, noch erzenie gehalf. Owe, ir gitigen
20 Hute, daz ir niur ein erzenie nemen woltet, seht, so möhtet ir gar wol genesen vor dem öwigen töde. Nu seht, ir herschaft, die selben erzenie die mügen wir sie niht üf gebinden, wir geben in guoten tröst oder niht. So kunnen wir die selben erzenie niemer genoeten, wan als wir in die selben
25 bieten, so grinent sie der gegen und zannent der gegen und bellent als die hunde, so wir sie in bieten, und alle die buoze und allez daz man sie tuon hieze, daz tseten sie allez samt, daz man sie niur einer erzenie über hüebe, diu heizet gelten und wider geben. Etelicher versuochet ob in iergent kein
30 ander erzenie gehelfen möhte und spricht also: 'Bruoder Berhtolt, ich wolte ein klöster machen, da man iemer mer gote diente.' Sich, du muost gelten und widergeben. 'Bruoder Berhtolt, ich wolte daz kriuze nemen und über mer varn oder g&n Rome oder ze sant Jacobe/ Du muost gelten und wider
3f> geben. 'Bruoder Berhtolt, ich wolte in ein klöster varn, gotes dienst alle tage hoeren und wolte da hin geben, daz man win von mir hsete etewenne in dem järe und daz ein lieht brunne von mir durch daz jär/ Sich, du muost gelten und wider geben — wie lange sol ich dir daz sagen — und 1& klöster
Von der alle siechtuom. 53
äne win und äne lieht. Ich spriche mer. Sihestü, daz halt die zweifboten hungeric vor dir ssezen und min frouwe sant Maria: lä Maria hungern, lä die zweifboten hungern, und gip ez dem du ez durch reht solt, wan des enmöhten dich alle baebeste niht überheben, noch alle patriarchen, noch alle pro- 5 pbeten, noch alle . . . die diu werlt hat. Du muost gelten und wider geben oder iemer mit dem tiuvel brinnen. Ir andern sünder, ich wil iu einen tröst und einen rät geben, als sant Peter einer frouwen ze einem male, der tet ein brüstelin w6, und do sie zuo sant Peter kam, do sprach er: 'Ich sihe wol, 10 daz du wol genesen mäht.' Also mac ich sprechen. Ir andern sünder7 gewinnet wäre riuwe und komet ze lüterre bihte und enpfahet buoze nach gotes genäden und nach iuwern staten. So hän ich daz ersehen, daz ir wol genesen mügent vor dem ewigen töde. Des helfe mir und iu der vater und der sun 15 und der heilige geist. Amen.
XLII.
[VON DEN DRtEN HUOTEN.]
Wir begen hiute zweier grozer heiligen höchzft, san Cypriänen und sant Lucien. Und dö sie in dirre werlte waren und lebten, dö leite in der tiuvel gröze läge, ob sie im werden niöhten, und von den genauen gotes entrunnen sie dem 5 tiuvel, wan der tiuvel läget ze allen ziten der werlte, fruo und spate, tac und naht. So keret er sinen fliz dar an ze allen ziten, wie sie uns die sünde geraten, wan sie trahtent weder umbe spise, noch umbe gewant, noch umbe daz himelriche, noch umbe ditz, noch umbe jenez, wan wie er uns gevähe mit
10 den sünden. Uns ratet der tiuvel eteliche sünde, so tuon wir eteliche selbe, und sprechent eteliche in der bihte: 'Mir riet ez der tiuvel und bihtent für den tiuvel. Warumbe laestü den tiuvel niht selben bihten, ob er bihten wolte? Ob dir der tiuvel toetliche sünde ratet, so soltü im niht volgen, wan wir alle
15 wol wizzen, daz er uns vint ist offenliche und ist uns halt also vint, daz er iemer deste groezer marter wolte liden, den worten daz er uns mit im ze helle möhte bringen. Und darumbe so ratet er die sünde so gerne, wan er keinen gewalt hat über die sele. Wan haete er gewalt über die sele, so lieze er nienian
20 genesen. Nu hat nieman gewalt über die sele, wan got aleine. Der hat uns ouch die genade erzeiget damite daz er uns die sinne hat verlihen, daz wir wol ir rate widersten mügen, swie vil sie uns geraten, wan wir wol versten übel und guot, und den worten daz wir uns vor in hüeten sullen, daz sie
25 uns niht bringen in die ewigen marter, der nieman da gewonen mac, wan ez mac der marter in helleriche nieman gewonen, swie lanc einer da gewesen si. Nu tuot diu helle hiute als we,
Von den drien hnoten. 55
als des ersten tages. Welt ir mir nü volgen, ich riete iu wol, daz sie iu niemer keinen schaden getuon möhten. Daz ist gar nütze, und des ist iu ouch gar not, wan sie iuwer lägent tac und naht. So swigent sie, daz ir einer ein wort niht sprichet. Nü seht, wie stille sie swigent und ir ist doch ein michel teil 5 hie. Ir tiuvel se, warumbe swigent ir so stille, daz ir niht sprehent? Nü hoeret ir mich doch gar wol. Seht, wie stille sie swigent. Daz tuont sie allez, daz ir iuch vor in niht hüetent, wan, s wenn e ein mensche toetliche sünde tuon wil, horte er danne den tiuvel, der im die sünde riet, er lieze die sünde 10 bliben. Da von so swigent sie so stille. Und darumbe ir h&r- schaft alle samt, durch den almehtigen got, so hüetent iuch vor tötsünden. So sie iu der tiuvel raet, so sult ir im niht volgen, so lange und uns die tiuvel vint sint, daz sie uns also fliziclichen lägent und also mengen enden, und aber sunder- 15 liehen mit drin lägen, die legent sie uns kristenliuten ze allen ziten. Da vor wil ich iuch hiute warnen, gibet mir got die genäde und weit ir mir volgen. Ich warne iuch wol, daz ir in engent. Des helfe mir got von iu allen samt, wan ez ist nieman, er si junc oder alt, arm oder rieh, geleret oder un- 20 geleret, sie legent im die läge alle dri. Ich spriche mere. Sie wolten halt sant Peter hin hän in der selben läge einer. Also fliziclichen hüetent sie unser in den selben drin lägen. Ich spriche mere. Sie versuochten halt, ob sie got selben hin möhten hän gefüeret in der selben huote einer. Nü seht, also 25 vint ist uns der tiuvel. Also gar fliziclichen lägent sie uns allez swigende mit disen drin huoten, und wie daz war si, daz erzeicte unser herre in der alten e, in der rihter buochen. Da liset man also. Ez kam ein michel volk für ein stat, diu hiez Qabä. Da leiten sie sich für, daz sie nieman mohte ge- 30 sehen, und lageten also heimlichen ir vinden. Und die in der stat, die körnen her üz under sie, und striten sie mit in, und körnen in äne schaden. Zem andern male striten sie aber mit in. Aber die in der stat, die körnen aber äne schaden von disen. Zem dritten male dö karten die vor der stat. Do 35 lagen alle ir sinne dar an, wie sie in möhten werden, die in der stat, wan sie heten des gesworn, daz sie sie alle verderben wolten, und dö den in der stat zwir also wol gelungen was, des wurden sie balt und fuoren aber küenlichen üz. Die vor
56 xlii.
der stat, die lagen eht in ir huote und sie sach eht nie man. Do die in der stat aber mit in striten wolten, dö heten sie in also geläget, daz sie sie alle samt ersluogen, wan sehs hundert frumer man, die entrunnen. Von der eines gesiebte wart sant 5 Paulus sit geborn, und hseten sie die selben gevangen, sie hseten alle samt erslagen. Da bi sint uns bezeichent dri läge, die uns der tiuvel lcit, und da uns der tiuvel inne hüetet, wie er uns gevähen müge und ertasten des ewigen tödes, als die vor der stat ir vfnden täten. Nu seht für iueh, ir kristen-
10 Hute, wanne jene vor der stat, die wurden ir vinden nie so vint, uns ensin die tiuvel michel vinder.
Diu erste huote, da unser die tiuvel inne lägent, daz ist so wir in die werlt komen und aller erste in die werlt varn. So lägent sie uns mit zwein dingen in der selben huote, zuo
15 dem andern male zer andern huote aber mit zwein lägen, daz ist so wir durch die werlt varn. In der dritten huote so legent sie uns aber zwo läge, daz ist so wir üz der werlte varn. Also lägent sie uns in ieclicher huote mit zwein lägen, und vor den lägen wil ich iueh warnen, den tiuveln ze leide und ze
20 laster und iu ze sselden an libe und an sele.
Diu erste huote ist, so wir in die werlt varn. So legent uns die tiuvel zwo läge, der ist einiu vor dem toufe, diu ander nach dem toufe. An der ersten läge so legent die tiuvel allen ir fliz dar an, daz diu kint niht getoufet werden, wan als
25 sie dem kinde die toufe wernt, so wizzen sie wol, daz ez gotes antlütze niemer mer gesiht, daz sie da verworht hänt, und dar umbe so rätent sie den frouwen, daz sie diu kint Ver- liesen, wan wir haben unter allen dingen kein so gröz dinc, daz so schiere erwendet si. Ich wil so verre drumbe niht
30 reden. Ich hän eteliche vor mir, die an vier menschen schuldic sint. We dir, daz du dem tiuvel des gevolget hast. Darumbe wirt ouch din niemer rät. Du bist ir gote schuldic ze büezen mit starker buoze oder in die helle. Eteliche frouwen wizzent darumbe niht, niur die mit lüppelach umbe gent und ir
35 willen haben wellent und der erbeit wellent über sin. Vil wunderlichen balde in starke buoze. Du weist selbe niht, an wie maniger sele du schuldic bist. Daz ratet allez der tiuvel) 6 daz kint lebendic wirt. So ez danne lebende wirt, so keret er dannoch allen sinen fliz dar an, und schündet und raet, wie
Von den diien huoten. 57
diu muoter daz kint verderben müge in ir libe, dankes oder Undankes. Er ratet ir eht, daz sie tanze oder daz sie ringe oder hüpfe und ungewar trete oder valle, oder daz sie sich harte über ein kisten neige, oder daz sie der wirt slahe. Ir Herren, daz iu got lone, schönet der frouwen gar wol, so sie 5 der kinde gröz sint. Ir frouwen, schonet ouch iuwer selbe gar flizicliche vor springen und vor schimpfe und vor tanzen. Daz ist iu halt ze andern ziten guot. Seht, also vint ist uns der tiuvel mit also maniger hande läge. Nu seht, ob ir iuch da- vor hüeten weit oder niht. So danne daz kint geborn wirt, 10 dannoch keret er allen sinen fliz dar an und alle sin sinne, wie daz kint an toufe sterbe, und darumbe so raetet er daz man den touf üf schiebe, so durch gevetride so durch etouf. So wil man des und des biten, und daz man vil gevatern habe, die ein kint heben. Seht, so wsere sin an einem gevatern 15 iemer genuoc. Ist ir aber zwei, so ist ir gar vil, wie an drin rehte übrigez. Nihtes niht bedarf man ir mer, die einem kinde der sele helfen sullent. So raetet er daz man ez üf schiebe biz zuo einer £toufe, daz man ez eht üf schiebe und eht daz kint an toufe sterbe. Und so man ez aber zuo dem toufe 20 bringet, dannoch irret er den touf, so er aller meiste mac und darumbe seht ir wol, wie der priester stöt ob dem toufe und wie flizicliche er liset und liset: daz ist allez darumbe, daz er den tiuvel da mite beswert, daz er den touf iht irre, und dan- noch, so man toufende wirt, dannoch irret er, daz man diu 25 wort niht rehte spreche, daz eht daz kint niht rehte getoufet werde. Nu hoeret alle, wie rehte vint uns der tiuvel ist und daz ist diu ein läge, die uns der tiuvel leit in der ersten huote vor dem toufe.
Zem andern male nach dem toufe. Wanne als ein kint 30 geborn wirt, so werfent die tiuvel einen üz in, der niemer mär von im kome und im eht rate, daz ez übel tuo, daz ez grine und weine, übellichen schelte und fluoche und boesiu wort spreche, und daz ez mit andern kinden ab wege sliefe mit boesen gebaerden und mit schelklichen griffen. 'Bruoder 35 Berhtolt, nü mügent doch kleiniu kint niht toetlicher sünde began. Warumbe rsetet in danne der tiuvel also fliziclichen boesiu dinc?' Hoeret, daz wil ich iu sagen. Daz tuot der tiuvel durch zwei dinc. Daz ein ist, daz sie sin gewonent in der
58 xlii.
jagende: wanne swes daz kint gewonet in der jugende7 daz banget im vil gerne iemer mere an, ez si übel oder guot, wanne gewonheit ist wol halbiu nätüre. Swaz zuo dem ersten in den haven kumt — daz ist den frouwen kunt — daz si ezzich 5 oder swaz ez also ist, da smecket er vil gerne iemer mer nach. Nu seht, ir tiuvel, darumbe ratet ir den kleinen kinden boßsiu dinc, daz sie sin gewonen, wan ir wizzet vil wol, daz ez vaste an in hanget, swaz kint in gewonheit bringen. Daz ist einez. Zuo dem andern male daz vater und muoter marter
10 lident darumbe daz sie den kindern boesiu dinc vertragen t, und ist halt niur ir spil, und sprechent: 'Sich, slach den, schilt den!1 So wsenet ez, ez tuo gar rehte, so man sin also lachet, und gewonet sin also da von, daz ez im iemer schade ist und wirt so schalkhaft, daz ez ie ein bosserz tuot, danne
15 daz ander, und so ez ie kündiger wirt und ist, so ez ie groezer sünde tuot. 'Bruoder Berhtolt, wie alt sol ein kint sin, daz ez toetliche sünde tuot?' Oeloube mir, des kan ich dir niht gesagen. Wan ie dar nach daz ez die witze hat, ez ist einez ouch kündiger, und hat einez mer witze, daz aht jär alt ist,
20 danne etelichez, daz zwelf jär alt ist. Da von mac nieman ge- wizzen, wanne ez toetliche sünde tuot, in welchem alter, wan ie darnach, als ez witze hat. Und darumbe wirt vil vater und muoter verlorn, daz sie den kinden niht bceser dinge wernt, und aber aller meiste ir frouwen, die ir töhterlin so zite zuo
25 der höchverte wisent und ziehent, wan so sie michel werdent, so hänt sie es gewonet und volget im iemer mer nach. Ir soltent sie ziehen in durchnehtiger wise und soltet sie daz pater noster und daz ave Maria und den gelouben leren und soltent in bcßsiu dinc wem mit einem kleinen rise, daz ez im
30 ftirhte. Ir sult ez niht mit stecken slahen, noch mit der hant umbe daz houbet, oder iendert, da ez iht lam oder ze einem tören werde, niur mit einem kleinen ruotelin. Daz sol ze allen ziten ob iu stecken. Und leret iuwer kint guotiu dinc, daz sie sin gewonen und wert in daz boese dinc, wanne swä ir des
35 niht tuot, da müezent ir gote darumbe antwurten an dem jungesten tage, als ein abbet für sine klösterliute und als ein bischof für sine priester und als ein pfarrer für sine pfarrliute. 'Ow6, bruoder Berhtolt, ja wil mir min kint niht volgen.' Sich, so bistü unschuldig wenne du imz gewerst, als verre so
Von den drfeu booten. 59
du mäht, so bistü gar unschuldic. Wan her Abraham hete einen sun und künde in nie geziehen, und er was doch selbe ein heilige man. Daz selbe spriche ich hin zuo herreu lsaac und herren Davit. Die waren heilige Hute, und mohten eteliche ir sun niht geziehen. Nü h&n ich iu für geleit, wie man sich 5 hüeten sol an der ersten huote, so wir in die werlt varn.
Nü sin wir alle, wir gewahsen Hute, durch die ersten huote körnen, und ist uns aller Srste not, daz wir uns hüeten in der andern huote. Da legent uns die tiuvel als zwo huote, daz ist, so wir durch die werlt varn. Da gen wir iezuo durch. 10 Ir tiuvel, wellent mir dise kristenliute nü hiute volgen, ich wil sie hiute leren, daz iu diser kristenliute rehte einer niht wirt. Pfi, ir tiuvel, ez ist iu gar leit, daz ich dise kristenliute iezuo warne, iu ze laster und disen liuten ze sselden. Des helfe mir der almehtige got. Zuo der andern huote, so wir durch die 15 werlt varn, so legent uns die tiuvel zwo läge, der heizet einiu : unrehtiu vorhte, diu ander: unrehtiu liebe, und an den zwein hangent alle sünde. Darumbe habent sie uns die selben zwo geleit, so wir durch die werlt varn.
Diu erste heizet unrehtiu vorhte. Da hangent vil sünden 20 an, da mite vahet ir tiuvel gar vil Hute in der läge, diu da heizet unrehtiu vorhte. Gar vil liute ksemen ze himele, wan anrehtiu vorhte. Wanne ez furhtet einer spot, so furhtet einer armuot, so furhtet einer drö, so furhtet der daz, der daz. Nü so ratet der herre sinem knehte toetliche sünde. So furhtet 25 der kneht den herren. Daz ist allez unrehtiu vorhte. Und ein frouwe furhtet ir wirt und volget im eines niuwen. Ein schalkhaft herze weiz wol, waz ich meine. Daz ist allez unrehtiu vorhte. Ir sult durch keiner slahte vorhte toetliche sünde tuon. Lat iu e den lip nemen und daz guot. Ez ist bezzer, daz du 30 dir lip und guot läzest nemen, danne daz dich der tiuvel fiiere zuo dem ewigen töde. Sie wolten halt sant Petern hin haben. Der gewan ouch unrehte vorhte, und enhaete er niht starke riuwe gewunnen, sie haeten in hin gezogen. Also hüete sich diu werlt in der läge der unrehten vorhte. 35
Dannoch so rätent sie iu an unrehte liebe. Da sult ir iuch gar fliziclichen vor hüeten. Daz ist diu ander läge in der andern huote, diu da heizet unrehtiu liebe. So legent sie iu drierleie huote, allez heimlichen, daz ir einer ein wort
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niht sprichet, daz ir iuch deste minner vor in hüetent. Da hüeten sich rehte junc und alt, arm und rieh, geleret und ungeleret, wan sie habent manige sele gevangen mit unrehter Hebe, mit drier hande unrehter liebe. 5 Diu ärste: unrehtiu liebe des fleisches. Nu seht, in der
selben läge hseten sie hern Davit nähen hin zuo aller wisheit der er wielt, und sinen sun, hern Salomön. Der hete mer wisheit, danne daz mer griez, und den brähte unrehtiu liebe des fleischs dar zuo, daz er in totliche sünde viel. Ob er
10 gebüezet hat, daz bevelhen wir gote. Daz spriche ich von Sampsöne, der grözer Sterke pflac, und brähte in doch dar zuo, daz er verraten wart. Darumbe so hüetent iuch vor unrehter liebe des fleisches. Sie hänt manic sele gevangen da mite. Lät niht dem fleische allen sinen willen mit ezzen oder mit
15 trinken, mit une oder mit e brechen. Da mite hseten sie herren Daviden nähe hin, h«te er niht gebüezet freeliche mit wärer riuwe. Und darumbe, als liep iu daz himelriche si, so hüetent iuch vor unrehter liebe des fleisches und hengent niht dem fleische nach, als ez ger, wan iu ratet der tiuvel gar flizielichen
20 an unrehte liebe des fleisches. Welt ir iuch da vor niht hüeten, so fueret iuch der tiuvel hin. Nu seht wederm ir volgen weit, mir oder dem tiuvel.
Diu ander läge der unrehten liebe, daz ist unrehtiu liebe der feren, daz einer vil mer eren haben wil, danne der ander
25 an friunden oder aber an andern dingen. Ir tiuvel, da mite habet ir ouch manic sele gevangen, der niemer m6r rät wirt, in der selben läge, und aller meiste der frouwen, wan die gent mit nihte umbe dan mit tuochlachen. Swie ir im tuot, ir frouwen, so ist ez niur ein tuochlach, da iuwer der tiuvel
30 aller meiste mite vähet, so mit gelbem gebende, so mit sieiger, so ist ez niur ein tuochelach, da ir mite umbe g&t, und da ir daz himelriche mite Verliesen mügent durch ein klein §rlin, daz man iuch deste baz habe und iuch deste baz ere und deste baz gevallent, daz man iuch lobe: 'Owe, wie schoene!' Nu
35 weder waenet ir, daz man iuch deste edeler habe, oder deste schoener? Geloubet mir, nieman. Man hat iuch deste toerehter und sit dem tiuvel vil deste lieber.
Diu dritte läge der unrehten liebe, da beschirme uns alle vor der vater und der sun und der heilige geist. Da tuot alle
Von den diten hvoton. 61
daz kriuze für iuch, wan daz ist der griulichsten läge einiu, die diu werlt ie gewan, oder iemer mer gewinnen sol. Nu seht, wie griulich sie ist. Die tiuvel wolten got selben hin hän in der selben huote. Pfi, ir tiuvel, des was iu gar ze vil, daz ir daz ie getorstent geleben. Des wirt iuwer niemer mer 5 rät Diu selbe läge heizet unrehtiu liebe des guotes. Der ist gar vil, die unrehte liebe zuo dem guote bänt, der mit trügen- heit an sinem hantwerke, mit trügenheit an koufe, mit wuocher, mit satzunge, mit diupstäle: des un Volkes ist also vil, daz unrehte liebe zuo dem guote hat, daz der tiuvel got selben versuochte 10 mit unrehter liebe des guotes. Ze einem male kam unser herre üf einen berc und der tiuvel kom für in und der tiuvel gedähte gegen unserem herren also (ja im ist so w&, wie er vil seien gewinnen müge:) 'Ich wil im guot geheizen/ so ge- denket er im: 'da gewinne ich vil seien mite/ und der boese *5 wiht wolte wsenen, daz er got selben also betriegen mühte. Do sprach der tiuvel also hin zuo unserm herren: 'Nu sich, al umbe diu lant und diu künicriche sint alliu min: diu wil ich dir geben, daz du mich an betest' Do sprach unser herre: *Var hin, du Sathanas. Man sol dich niht anbeten. Man sol 20 rainen vater an beten/ und in lset der tiuvel, daz er niendert einen heller geleisten mohte. Pfi, ir tiuvel, schämt ir iuch des niht, daz ir also liegent, daz ir pfenninge habent? Geloubet mir, ir herschaft, der tiuvel ist rehte ein dürftiger armer: er enmac einen helbelinc niht geleisten. Pfi, ir tiuvel, und 25 möhtent ir pfenninge haben, so möhte iu ein sele niht. Pfi, gitiger, so würdestü aber des tiuvels gar und gar eigen, möhte er dir pfenninge geben nach dinem willen, wan du wilt umb ein wenic guotlachs iemer brinnen, du und diniu kint und alle dine nächkomen, die daz unrehte guot wizzentlichen von dir 30 erbeut Owfe, zwiveler an aller gotes erbermede, du wilt dich den tiuvel hin läzen fueren in der selben huote. Ir tiuvel, wie manic sftle habet ir gevangen in der selben läge. Ich hän menige vor mir. Ir verlieset iuwer läge niht an im umbe tüsent marc, (wan die wider kerent,) und vert er £ g6n helle. — 35 und swer sich niht also hüeten wil vor unrehter vorhte, und vor drierleie unrehter liebe: diu Ärste unrehtiu liebe des fleißches, diu ander der $ren, diu dritte des guotes, weit ir iuch da vor niht hüeten, so füeret iuch der tiuvel in der andern
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huote enwec gen helle zuo der ewigen marter, der nieman da gewonen mac.
Ist aber, daz ir durch die andern koment, als durch die Ersten, so legent sie iu aber zwo läge in der dritten 5 huote, so wir üz der weite varn. Und daz ist, so wir an dem töte ligen. So wirt uns aller erste not, daz wir hüeten, wan in der selben huote versuochten sie aber got, ob sie in möhten hän gevangen. Und daz wiste unser herre vor wol, wan er sprach ze sinen Jüngern an der naht, dö er des morgens
10 den tot liden solte: 'Morgen komet aber der fürste von der helle zuo mir und wil mich versuochen. Er schaffet rehte nihtes niht. Er envindet niht an mir/ Also kam der tiuvel des morgens an dem karfritage ze gote selben an daz kriuze und versuochte, ob im diu sele werden möhte. Nu seht, ir hSr-
15 schaft, so lange des got selbe niht über wart, so hüetet iuch gar fliziclichen durch den almehtigen got, wan also w6nic mac sin nieman überic werden, er si übel oder guot, an diu kleinen kint, gelSret oder ungeleret, rieh oder arm. Sie legent im in der dritten huote ouch zwo läge, wie sie uns zwo tilgende an
20 gewinnen mügen. So wir an dem töde ligen, da kerent sie allen ir fliz an und alle ir sinne, wie sie uns der zweier tugende eine abe gewinnent am töde, dannoch fuerent sie uns hin. Da beschirme uns got vor. Davon versuochten sie sant Martinen ouch in der selben huote und manigen grözen heiligen.
25 Nu enkan ich den tiuveln niht leiders getuon, dan daz ich iuch kristenliute warne, disen tiuveln ze schaden und iu kristen- liuten ze saelden, als got darum be gelobt werde und die tiuvel geschendet, die uns da so vint sint, daz sie iemer deste groezer marter liden wellent, den Worten daz wir mit in ze helle brinnen
30 solten. Unser herre müeze mir helfen durch aller siner güete willen, daz wir aller ir huote engSn. — Diu 6rste tugent, die sie uns dö so gerne abe gewinnent, so wir üz der werlte varn, diu heizet kristengeloube. Pfi, ir tiuvel, wie gerne ir den menschen von der tugende bringent an dem töde. Ir herschaft,
35 wizzet ir warumbe? Seht, da habent die tiuvel alle ir 6re verlorn von kristenlichem gelouben. Da mite haben wir in alle ir ere benoraen, wan man erte ir etelichen gar hoch in der alten £ mit opfer. Die 6re hat in kristengeloube gar benonien. Da von nement sie uns kristengelouben also gerne/ Owe,
Von den drSto hvoten. 63
bruoder Berhtolt, wie sullen wir uns da, vor hüeten?' Nu seht, weit ir mir du volgen, ich gibe iu einen rät, daz der bähest einen bezzern niht gegeben mac, noch engel, noch bischof, noch priester; niemen in aller der werlte möhte einen bezzern rät niht vinden. Nu seht, ob ir mir volgen weit oder niht. Swer 5 rehten gelouben niht Verliesen wil an sinem jungesten ende, der sol gar veste und stete sin an rehtem kristengelouben, und sol bessern gelouben niht nach gen. Swer also gedenken wil: 'Ich enweiz wer reht hat, jüden oder heiden oder ketzer,' den habet ir tiuvel gar schiere von sinem gelouben bräht. Iuwer 10 geloube sol veste sin, rehte als ein stein, daz er lange stet. Se, swer ein hüs zimbert üf guote gruntvesten, daz stet eht veste vor winde und vor regen: swer danne üf sant zimbert, den hat der wint und der regen schiere undergraben, wan diu gruntveste ist boese üf dem sande. Die tiuvel, daz ist der 15 vint, so ist regen und guz der £ndekrist, und dar umbe ir herschaft alle samt durch den got, der iuch geschaffen hat, und als liep iu daz himelriche si, so sit gar stete an rehtem ge- louben, und so sie die gruntveste von sande undergraben wellent, so keret iuch daran niht und sit eht veste und stete, und so 20 die tiuvel zuo blasen als der wint, so sit veste, und ob halt der Endekrist kome mit gewalte sam regens guz, daz iuwer gruntveste also stete si. Ir sullet iuch e läzen toten, & daz ir von iuwerm gelouben koment, und waere ez von tüsent liben iuwer kint, daz von jener werlte koeme und wolte iuch 25 von iuwerm rehten kristengelouben wlsen : ir sult iuch dar an niht keren und also sult ir die gruntveste gar stete machen vor dem tude, daz sie an dem ende niht gewichen müge, und dar umbe so sol ein ieclich kristenmensche den gelouben alle tage zwir sprechen: des morgens, so ez üf stät, und des nahtes, so ez nider 30 gat, und irungelertenliuteir sult in niurin tiutsche sprechen. Allez darumbe, daz eht iuwer geloube stete si an dem tode. Und die leien wsenent eteliche, daz gesanc si durch ein gestüppe erdäht
Nu biten wir den heilegen geist
umbe den rehten glouben, aller meist, 35
daz er uns behüete wol am ende,
so wir heim suln varn von disem eilende.
Kyrie eleyson; des helfe uns der vater und der sun und der heilige geist.
64 xlii.
Nü seht, daz sult ir gar andsehticlichen singen und gar lüte hin ze gote ze allen ziten, daz iuch der tiuvel des rehten gelouben iht geirren müge am tode. Und darumbe so seht ir wol, da zetelichen klöstern, so einez an dem töde lit, so 5 loufet allez daz in dem klöster ist für ez und sprechent im den gelouben vor, daz ez der tiuvel deste minner irre. Dar- umbe so habet eht starken gelouben, rehte als ein stein. Da tretet ir den tiuvel genzlichen mite.
Der andern tilgende sult ir ouch gar fliziclichen hüeten
10 an dem tode, wan in der selben läge fuorten sie der höhesten manne einen hin, den got iendert hete. Seht, er predigete und tet zeichen: also heilic was er, wan er was rehte sant Paters genöz, und man müeste noch sinen tac viren neben sant Peters tage, und hseten im die tiuvel die selben tugent niht abe ge-
15 wunnen: er hiez Judas. Do der got verkoufte, dö stuonden die tiuvel für in und machten im so grözen grüsen vor. Unser herre ist so guot, er h»te im ez vergeben, wan daz in die tiuvel dar zuo brähten, daz er die tugent verlos, diu da heizet: gedinge. Wan sie sprächen: {Owe, waz hästü getan! W§ dir,
20 daz du ie gebom wurde/ und machten also da mite daz er verzwivelte. Do sprach er: 'Ich hän daz rehte bluot verkoufet/ da mite lief er und hienc sich selbe. Also tuont uns die tiuvel an dem tode ze allen den noeten, die wir haben. So tragent sie zuo und füerent zuo fremede sünde und eigene sünde,
25 vergezzen sünde, wan sie hänt sie alle an geschriben, daz einer niht vergezzen wirt. Die legent sie alle ze einem hüfen und machent den grüsen und angest also gröz und als griulichen dem menschen, daz ez erschricket und rehte verzwiveln mac. Wan die tiuvel machent die angest also gröz, daz iu des gar
30 not ist, swie gröz iuwer gedinge wirt, daz ir iht verzwivelt. Wan also hüetet iuch. Wie ir verzwivelt, so sit ir verlorn. Ow§, bruoder Berhtolt, wie sullen wir uns da vor hüeten?' Owe, weit ir mir nü volgen, da künde ich den besten rät für, den diu werlt ie gewan, oder iemer mer gewinnen sol. Iu
35 mühten halt die engel von himelriche einen bezzern rät niht gegeben noch heiligen, noch gräwe münich noch swarze, noch nieman den diu werlt hat. Nü seht, ob ir mir volgen wellent oder niht. Nü merket alle samt, den Worten daz die tiuvel alle ir läge Verliesen an iu. Des helfe uns der almehtige got. Nü
Von den drten huoten. 65
beeret welch einen guoten rät. Ir sult den hüfen der Übeltat miimem ie von tage ze tage. So sult ir iuch des hiute an nemen und tribent daz hintz an iuwern tot, daz ir alle tage den hüfen der Übeltat minnert mit wdrer riuwe und mit lüter bihte und mit buoze nach gotes genäden und nach iuwern 5 staten, und sult den hüfen der guottsete meren, Swenne die tiuvel die Übeltat b ringen t, so süment sich die engel ouch niht und legent die guottsete ouch üf die wäge. Und also daz danne der mensche siht, daz die engel ouch zuo füerent almuosen und gebet und vasten und maniger hande guottsete, da ir den 10 hüfen mit sult meren, so wirt der mensche frö und verzwivelt niht. Ist halt der hüfe der übeltsete merer danne der guottsete, dannoch sult ir niht verzwiveln, wan so leit der almehtige got sin bluot und sin marter ouch üf die wäge, wan er hat iuch vil harte erarnet. Gewinnent wäre riuwe und hüetent iuch 15 also in der ersten läge und in der andern und in der dritten, daz der engel hüfe groezer si dan der tiuvel, als dem künige Karol geschach. Do sie des lägeten am tode, dö was der hüfe so groz vor almuosen und vor andern guottseten, daz die tiuvel alle üf höher muosten sten. Daz selbe geschach dem 20 bischove Turpine und dem guoten sant Martin 6. Dö dem der tiuvel ouch lägete am töde, dö sprach er: 'Du bluotigez tier, du vindest rehte nihtes niht. £z ist allez samt gebüezet.' Daz iu daz wider var und mir einen menschen, daz • verlihe uns allen samt unser herre Jesus Kristus, der meide sun. Amen.
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PFEIFFEB-STBOBL. Berth. ▼. Regensburg Predigten II.
XLIIL
[VON DEN SEHS MORDERN.]
-LfEr sünden ende ist der tot nach menschlichem siech- tuome.' Als ir iuwer gelider erbietent den sünden, also sult ir iuwer gelider erbieten dem dienste unsers herren. Des tete sant Maria Magdalena niht: der was vil ernster zuo dem dienste 5 unsers herren, dan ir zuo den sünden was gewesen. Ez sint zweierleie sünde, da diu werlt mite sündet. Der heizet einz tegeliche sünde, daz ander heizent houbetsünde, und die da tegeliche sünde heizent, die heizent niht dar umbe tegeliche sünde, daz man sie alle tage tuon sulle. Nu welhez sint tegeliche
10 sünde? Seht, der mac nieman ze ende kumen, wan ir ist also vil, so daz stüppe in der sunnen, und da von sprichet sant Jacob: 'Wer ist der mensche, der ä,ne sünde ist?' Ez wart nie mensche so guoter uf ertriche, der gar ane sünde wsere, wan unser frouwe und unser herre. Etelich geistlich mensche
15 möhte so guot sin, daz ez sich da vor eteliche wile behüete. Der ist aber gar wenic, die sich vor tegelichen sünden mugen behüeten. Aber ein ieglich mensche mac sich wol behüeten vor toetlichen sünden, und darumbe, swer also sprichet, ez müge nieman an tetliche sünde sin, daz ist rehte ein ketzerie, wan
20 ez ist rehte nieman so getaner, er müge wol ane toetliche sünde gesin, und swer ouch tcetliche sünde tuot, der vert in die ewigen marter. Umbe tegeliche sünde vert man in daz vegefiur. Jedoch so ist daz gar guot, daz man sich da vor hüete, swä man ez getuon mac. Doch vert nieman dar umbe ze helle. Wan haste
25 ich alle tegeliche sünde üf mir, ich liiere doch darumbe ze helle niht, und begienge ich niur eine toetliche sünde, darumbe müeste ich ze helle. Nu welhez sint toetliche sünde? Des mac
Von den ?ehs mordern. 67
ich oiht gesagen in fünf predigen, daz ich anders niht taete, dan daz ich sprseche: 'daz ist ein toetliche sünde und daz einiu, und daz einiu.' Ich möhte sie iu vil lihte in fünf predigen niht genennen alle. Ich wil der tegelichen sünden geswigen, wan der ist also vil, als stoup in der sunnen. So lange und ich 5 niht mac sagen, welhez allez toetliche sünde si, so wil ich doch '.-in teil sagen von den die uns gemeiniclichen den aller groesten schaden tuont in der werlte, und der sint sehs. Die tuont uns den aller groesten schaden von der werlte, wan sie habent vil manic tüsent ze helle bräht in die ewigen marter und sie 10 hezeichente unser herre in der alten e an einem wissagen, der hiez Ezechiel. Der hete wize wsete an. Den hiez unser herre : 'Ganc hin/ sprach er, l Ezechiel und swer min volle si, dem strick ein kriuze an daz houbet vor an die stirnen., Do sach unser herre sehs morder mit sehs mortlichen exten, und die lß hiez unser herre nach dem wissagen gen und sprach unser herre zuo den mordern: 'Nu ermordet mir <