Sandwörterbud

der

veutiben Sprade

mit Hinficht auf

RE FERN Abftammung und Bildung, Biegung und Fügung der Wörter, fo wie auf deren Sinnverwandtfchaft.

Nach den Grundfägen feiner Spradlehre angelegt von Dr. Joh. Ehrift, Aug, Heyſe, weil. Schuldireetor in Magdeburg; ausgeführt von Dr. K. W. L. Heyſe,

außerord. Profeſſor an der Univerſität Berlin.

Zweiten Theiles erſte Abtheilung: L vis Steg. Te Magdeburg, bei Wilhelm Heinrihshofen. 1849,

Drud: Haenel'ſche Hofbuchdfuderei in Magdeburg.

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Vorwort.

Durch mehrfache litterariſche Arbeiten, deren Foͤrderung gleich dringend iſt, faſt uͤber meine Kraͤfte beſchaͤftigt, ſehe ich mich fuͤr jetzt leider außer Stande, dieſes Woͤrterbuch ſo ſchnell zu Ende zu fuͤhren, als es den geehrten Intereſſenten, der Verlagshandlung und vor Allen mir ſelbſt wuͤnſchenswerth fein muſs. Um nun unter ſolchen Umſtaͤnden die Geduld des Publicums nicht zu miſsbrauchen, habe ich mich gern dem Wunſche des Herrn Verlegers gefuͤgt, die Fortſetzungen kuͤnftig nach der jetzt uͤblichen und beliebten Weiſe in Lieferungen von geringerem Umfange auszugeben. Die gegenwaͤrtigen zehn Bogen moͤgen zum Beweiſe dienen, daſs das Werk, wenn auch nicht ſchnell, doch ſicher und mit gleichmaͤßiger Sorgfalt und Gewiſſenhaftigkeit fortgefuͤhrt wird. Hoffentlich wird— das naͤchſte Heft von gleicher Stärke bald nachfolgen und in nicht allzu langer Zeit unter günftigeren Umftänden eine tafchere Förderung und baldige Vollendung des Ganzen mög- lich werden. Berlin, im Sanuar 1835.

Dr. K. Heyſe.

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L, der zwölfte Buchftabe ded ABC, ein Mitl,, u. zwar der Zungen- Yaut unter den flüffigen oder ſchmelzenden Mitlauten (I, m, n, r), durch Anftemmung der Zunge gegen die obere Zahnreihe hervorgebracht, indem zugleich dem Lufthauch ein freier Ausweg neben den angeftemmten Theilen bleibt; ver: wandt mit r, voelches in verwandten Spraden, Mundarten, od, unvolllommner Ausfprache häufig mit [ wechfelt (4. B. Pilger, Pflaume v. peregrinus, pru- num ; Kilche, ſchweiz. f. Kirche) 5 verdoppelt nach gefhärften Selbftlauten (z. B. Tall, Stille, wollen).

Lab oder Raab, ſ., Jes, 0, M, (gem, oberd. Lupp, Lüppe; niederd. Laff, Lebbe; dan, lobe, ſchwed. löpe; verw, mit Leber, liefern), was einen flüfjis gen Körper gerinnen machtz insbeſ. die fauer gewordene und geronnene Milch im vierten Magen junger faugender wiederfäuender Thiere, mit welder man füße Mil) gerinnen macht; landſch. auch diefer Magen felbft, der Lab— magenz laben, 3w,, 1) ziel., gerinnen machen, bef, mittelft des Labes (die Milch); 2) rückz. ſich —, f. gerinnen; das Labfraut, ein Pflanzenge- fchlecht, deffen Kraut und Wurzel vermöge einer zufammenziehenden Kraft die Milch) laben, Meger- od, Meierfraut, Waldftroh 2c, (Galium verum L,).

lab, Bw,, bſtr. f. lau, ſchlaff, abgeſchmackt.

Labbe, w., M. -n-(lat, labium; vergl, Flabbe, Schlabbe), gem,, bef, niederd, f. Lippez ein dicklippiger Fifh: Großlabbe; labben, Zw., (lat, lambo, franz, laper) niederd, f. lecken; labbern, Zw., gem, f. ſaugen; al= bern ſchwatzen, vergl. ſchlabbern, plappern,

laben, 3m, 1, |. Lab; 2, ziel, Zw. (altd, labon, laben; niederd. lawen), einen entfräfteten Körper erquicken, erfrifchen, bef. durch Speife u. Trank; uneig. durch angenehme Gefühle erfreuen, beleben, ftärfen (das Herz ; ſich an etwas —)3 3fes, der Labetrank, =trunf, wein u, dgl,; der Labe— becher, Becher, der einen Labetrank enthält; die Labung, dad Laben; aud f. v. w. dad Labfal, -ed, M.-e, mas labt, erquict, ftärft, beruhigt; alt und dicht, auch die Rabe (altd, laba),

Labfraut, Labmagen, f. Lab,

labfalben, ziel, Zw., Schiff., mit Theer befchmieren, antheeren,

lachbar, Lachbaum, f. unter laden 2,

Lache, 1., w., M. -n, (altd, lacha, oberd, Laden, nieberd, Lakez vergl. d, griech, Auzxog, lat, lacus, franz. lac; ſchwed. lag, ſchott. loch), ſtehen— des truͤbes Waſſer, Sumpf, Pfüse, Pfuhl (Mift:, Kothlache 26); Lache 2, und 3, f. unter laden 1, und 2,

lachen 1. ziellof, zw. mit haben (goth, hlahjan, altd, hlahan, Impf, hluoh; altnord, hlacka, laden und Elingenz engl, laugh; vergl. d, griech. ye)co), dad Gefühl der Luft ſichtbar durch Verziehung der Geſichtsmus— Feln und Erweiterung der Mund» Öffnung und hörbar durch einen eigene

Heyfe’s Handwörterb. d. deutfhen Spr. 2. Theil. 1

2 lachen Lachs

thuͤmlichen fchittternden Schall äußern (laut lachen; Über etwas od. einen lachen; fi) fatt, krank, todt lachen 20.5 ſprichw. am vielen Lachen erkennt man den Narren); aud) vom bloß fichtbaren Lachen, ald Ausdruck der Heiterkeit, Freude, Freundlichkeit, des Wohlwollens zc, (etwas mit lachendem Munde, mit lachender Miene ſagen; einem lachen, d. i. ihn freundlid,, wohlwollend anz fehen ; auch wohl ziel. einem Beifall lachen); uneig. über. f. ſich freuen, fröhz Yich fein (lachende Erben; ins Fäuſtchen laden, d. i. ſich heimlich freuen, bef. ſchadenfroh fein) 5 mit d. Gem f. fpotten, verachten (ich lade der Thoren) ; mit d. Dat. f. ginftig, gewogen fein (des Glück lacht ihm nicht); ferner auch von Sachen: durch angenehme außere Erfcheinung gefallen, einen erheiternden Anblick gewähren (die reifen Früchte lachenz eine lachende Gegend; fprichw. bares Geld lacht) 3fek. die Lahluft; lachluftig, Bw. ; die Lachmus— keln, beim Lachen. thätige Geſichtsmuskelnz die Lachtaube, eine Taubenart, deren Stimme dem Lachen eines Menfchen ähnlich ifts die Kachweihe, der Mauer: od. Thurmfalk; der Lachzahn, Vorder: oder Schneidezahn; Ableit. die Lache, 0. M., gem., das laute Lachen, ſinnv. Gelächter (eine helle Lache auffchlagen); auch die Art u. Weife, wie man lacht; der Lacher, -8, die Lacherinn, M. -en, wer gern und häufig lacht; lächeln, zielloſ. Zw. m, Haben, das verkl. lachen; ein wenig, fanft u, nicht laut lachen, bef. als Ausdruck der Freundlichkeit, der Zuneigung 2c, (einem lächeln, d. i. ihn lächelnd anfehen), doc) aud) des Spottes und der Verachtung (köhnifch lächeln); auch un eig. wie lachen (das Gtüd lächelt ihm; das Lächeln des Morgens u. dgl.) 3 der Küchler, - 8, die Lächlerinn, M. -en, wer lächelt; lächern, ziel. Zw. 1) zum Lachen reizen (ex od. die Sache lächert mich); 2) unp. ed lachert mich, d. i. ich empfinde Neigung zum Lachen; lächerlich, Bw., 1) zum Sachen geneigt (mir ift lächerlich); 2) zum Laden veizend, Lachen erregend, (lächjerlihe Geberden); werth belacht od. verlacht zu werden aus Spott od. Beratung (ein lächerlicher Stolz, ſich lächerlich machen)z die Kächerlichkeit, das Kächerlichfein, die laͤcherliche Befchaffenheitz auch eine lächerliche Handlung oder Sache (M. Lächerlichkeiten).

lachen 2. ziel. Zw. (oberd. laden; fehwed. blecka; vergl. Leck, Loch, Lüde, u. d. griech. Adore, Auzls) Korftw., f. hauen und dadurch zeichnen (einen Baum; einen Wald —, durd) eingehauene Zeichen abgrenzen); durch Hauen der Rinde berauben (die Harzbäume); die Lache, M;-n, ein in einen Baum gehauened Zeichen z eine von Rinde entblößte Stelle; auch f. v. w. der Lachbaum, ein gelachter Baum, bef, ein bezeichneter Grenzbaum; u, f. dv. m. der Kachfteig, ein durch Buſchholz gehauener Steig; der Lachring, ein eiſerner King als Map der lachbaren Bäume; der Lachſtein, landſch. f. Grenzftein, Megeftein, lachbar, Bw., fühig gelacht zu werden (ein lachbarer Harzbaum).

Lachs, m, - 86, M. - (niederd, Lafs, ital. laccia dan. u. ſchwed. lax;

wahrſch. v. Läden, goth. laikan, fpringen), ein ſchmackhafter Seefifch, der im Sommer in die Flüffe tritt (Rhein-, Elbe, Wefer : Lachs 2c.) ; landſch. gem. f. eine Eoftbare, angenehme Sache (das ift der wahre Lachs) ; auch f. Schlägez Danziger Lachs, ein feiner Branntwein; der Lachsfang, ſ. Fangz die Lachsfiſcherei; die Lachsforelle, eine Art großer lachsähnlicher Forellen, in großen Seen und Flüſſen lebend; der Lahswurm, ein Wurm, der an den Kiemen des Lachfes lebt; die Lachszunge, eine Art breiter, dicker, grau ger fledter Lachſe.

a, Laden 3

Lachter, m.,-8, M. w. E., in Hamburg cin Baͤckerknecht, welcher das Getreide und Mehl zu beforgen hat.

Lachter, f, -8, M. w. &,, n. A. w., M. -n (SKlafter 2. f. d.), ein Längennraß von 7 bis 8 Fuß, def. im Bergbau üblich ; daher die Lachter- fette, eine Meßkette, 5 bis 6 Lachter lang; der Lachterftab, ein Mefsftab, Lachter lang.

Lad, m., - ed, M. (von mehren Arten) - (arab. lach, perſ. lac; mittl. lat. Yan franz. laque), ein oſtind. braunrothes Planzenharz, von einer Art Feigenbäume gewonnen (au Gummilad); daraus bereiteter Firnifs, Lackfirniſs; aud aus anderen Stoffen bereiteter Firniſs; Siegellack, f. d. (in diefer Bed, gew. das Lad), und in weiterer Bed. auch Mundlack, f. d.; Mal., verfchiedene aus Pflanzenfäften gezogene Farben (gelber, layer, und bef. rother Lad) ; eine gelbe wohlriehende Blume, Goldlack, die Lackviole; die Lackfarbe, jeder an einen erdigen Körper gebundene Fächeftof ; das Lad holz, Holz der Xipenkiefer od. des Krummpolzbaumes (weil es Häufig zu Dingen verarbeitet wird, die ladirt werden follen); das Lackmus, zes, o. M,, blaue Farbe aus dem Safte ber Ladmuspflanze, (Croton tinctorium L.) in Süds Europa u. Afien einheimifch 5 die Lackpfirſich, eine vorzügliche Pfirficd = Art; Ableit. laden, od, gew, mit fremdartiger Endung ladiren, ziel, 3w., mit Lack oder Lackfirniſs beftreichen, Überziehenz der Ladirer, - 8, M, w. E., wer dies verrichtet,

läden, r. als lecken, ziellof. Zw. (goth, laikan; ſchwed. lacka, Yaufenz grich, Aurultew; vergl, frohlocken) vlt, f. fpringen, huͤpfen; mit den Füßen hinten audfchlagen (bibl, wider den Stachel Läden); laufen; daher der Lafei, -en, M. -en (zunächſt von dem franz. laquais entlehnt, aber deutſchen Urs ſprungs; dän. lakke; ſchwed, lackere, Bote), ein Livree= Bedienter, der vorzüglich zum Verſchicken gebrauc)t wird,

Lackfarbe, ⸗-firniſs; ladiren, Lackmus ıc, ſ. Lad,

Lade, w., M. -u, Verkl. das Laͤdchen, (altd. lade, oberd, Lad, poln. lada; verw. mit Laden, Lied f. Deckel, ſchließen, lat, claudo ꝛc.), überh, ein Behaͤltniſs, Geſtell od. Geruͤſt, etwas aufzunehmen, z. B. das Geſtell eines Ackerhakens; der Weberahmen; vergl, Heft-, Bett-, Kinnlade; bef, ein hoͤl— zerner Kaſten, z. B. Bundeslade, ſ. d.z die Lade der Handwerker, d, i, der Kaſten, in welchem fie ihre Urkunden, Freſheitsbriefe, Gelder ꝛc. verwahren; uneig, aud) die Zufammenkunft der Zunft: Vorftcher od, der Gefellenz niederb, f. Kaffe, Kaften (Armen :, Kirchen-, Wittwenlade); in engfter Bed. ein vier= eifiger, mit einem verſchließbaren, gew. flachen Deckel verfehener Kaſten, worin Leute niederen Standes ihre Habfeligfeiten verwahren, finnv, Truhe, Koffer, Kiſtez der Ladengefell, Handw,, der Gefel, welcher die Aufficht über die Lade führt; der Ladenmeifter, der Meifter, welcher im Namen der ganzen Bunft.der Verſammlung der Gefellen beiwohnt.

Laden, m, -8, Laden und Lädenz Verkl. dad Lädchen, Lade), alt und noch ER f. Brett, Bohle. (vergl, Latte); gew, 1) die bret⸗ terne Bederfung der Gladfenfter oder Fenfter : Öffnungen, Fenſterladen (in diefer Bed, gero. M, Laden); 2) ein eingefchloföner Raum, ein Gemach, worin Waaren zum VBerfauf ausgelegt find, ein Kauf:, Kram-, Bud)-, Zucladen 2c,, finnv, Bude, Gewölbe, (in diefer Bed, gew. M. Läden); daher:

der Ladendiener, im Laden befchäftigter Kaufmannsdiener, gem, verädtl, La:

1*

Be laden Rage

denſchwengelz die Ladenjungfer od, das Ladenmädchen; der Laden- huͤter, uneig. eine Waare, die lange im Laden liegen bleibt, Teinen Abgang findet; das Ladenfenfter, die Ladenthür, der Ladentiſch zc,

Yaden 1. ziel, Zw. (altd, hladan, laden; Impf. luod; Mw, geladen; engl, load, ſchwed. lada), ablaut.: dur ladeft, er ladet gem, auch lädſt, Lädt; Smpf, lud, Conj. luͤde (für beides auch: Ladete); Mw. geladen; ſchwere Körper zur Fortfchaffung auf einen andern Körper niederlegen, ſinnv. packen (Waaren, Holz, Steine 2c. auf den Wagen, in das Schiff); auch f. beladen, mit einer Ladung verfehen (den Wagen); uneig. einen od. ſich den Wirkungen einer läftigen Sache ausſetzen (einem eine Arbeit auf den Hals Laden; Jemands Haſs auf fi laden) 3 in weiterer Bed, f. anfuͤllen (fih den Magen voll laden; eine Pfeife laden, f. v. w. ftopfen), bef. ein Schießge— wehr —, mit Schießbedarf füllen (ein geladenes Gewehr; ſcharf —, d, i, mit Pulver und Bleiz blind —, blog mit Pulver); 3fes. die Kadefchaufel, Schaufel zum Laden einer Kanone; der Ladeſtock, ein Stab zum Feſtſtoßen der Ladung Eleinerer Feuergemwehre; das Ladezeug, alles Geräth zum Laden ber Kanonen; Ableit, der Zader, -8, 1) wer Waaren ꝛc. auf ein Fuhrwerk od, in ein Fahrzeug ladet; 2) wer ein Schießgewehr ladet, bef, auf Kriegs: Schiffen beim Laden der Kanonen behilflich iftz Die Ladung, m. - en, 1) die Handlung des Ladens in allen Bed, ; 2) was geladen wird oder ift: Laften, Güter, Waaren, finnv, Fracht (volle Ladung haben); in weiterer Bed, die Füllung, 3. B. an Erzen, Kohlen zc, in den hohen Ofen; bef, was auf ein= mal in ein Feuergewehr geladen wird od. ift, der Schufs (eine Ladung Pul- ver); der Ladungsplatz, Pag, wo Fuhrwerk und bef, Schiffe beladen und ausgeladen werden.

laden 2. ziel. Zw. (goth. lathon ; altd. ladon, Impf. ladota, Mw. ge- ladoı; doch fehon mittelhochd. auch luod, geladen) ablaut. ladelt, ladet; Impf. lud, Conj. lüde, (felten: ladet); Mw., geladen; urfpr. rufen; jest nur: einen auffordern zu erfcheinen: vor Gericht —, vorladen (fr. citiren) z zu Gafte, zu Tifche ꝛc. —, einladen, bitten (fr. invitiren) z auch uneig. zum Genufs reizen und ermuntern; die Ladung, M, -en, die Handlung ded Vorladens (Gitation), oder Einladens,

laff, Bw. (gem. au) Lapp), landſch. f. fchlaff ; Fraftlos von Geſchmack, unſchmackhaft; abgeſchmackt, albernz daher: der Laffe, -n, M,-n, Verkl. das Laͤffchen, (niederd. Laffertz vergl. Lapp, läppiſch, u. das engl. lob), gem., ein alberner und dabei eingebildeter junger Menfch, finnv. Get; laffenmäßig, Bw., gedenhaft.

Laffe, w., M.-n, landſch. f. Löffel; daher: der Laffenhändler, in Nuernberg: wer eiferne Löffel verkauft. *

Lage, w., M. -n (von liegen, lag) 1) die Art und Weiſe, wie ein Ger genitand liegt, bef. in Beziehung auf das örtliche Verhältniſs feiner Theile zu einander (einer Sache die rechte Lage geben), oder, des Gegenftandes felbft zu feinen Umgebungen : örtliche Befchaffenheit (eine Stadt hat eine gute, günftige, gefunde 2c. Lage) ; uneig. der aus der Befchaffenheit der Umjtände entjtehende Zuftand, finnv. Verhättnifs, Stand, Zuftand (ſich in einer glücklichen, mifsli- hen zc. Lage befinden; bei diejer Lage der Dinge ꝛc.)3 2) eine Neihe mehrer auf oder neben einander liegenden gleichartigen Dinge oder Beftandtheile, finnv. Schicht (eine Lage Steine, Stroh, Sand u. dgl.; die rohen Bücher be:

Laͤgel Lager | | 5

ftehen aus einzelnen Sagen von Drudbogen), bef. niederd. eine Reihe von Bie- nenftöden, fo viele ein Mann abwarten kann (Bienenlage)z; auf Schiffen: die auf einer Seite befindliche Kanonen: Reihe, und deren Abfeuerung 3 3) ehem. f. Nachftellung, (altd. laga; lagon, nachſtellen).

Laͤgel, fe, -8, M. w. E. (eig. das Läglein, Verkl. v. dem noch oberd. die Lagen; altd. an, lagella; griech. A&ynvos, lat. lagena), ein runs des hölgerned Fäfschen, mehr weit als hoch, zur Fortſchaffung von Flüffig: Zeiten und nderen Dingen (Milch-, Wagenſchmier-, Fiſch-, Salzlägel), bef. aud von Stahl= und Eifenwaaren, melde nad) Lägeln gemeffen werden (ein Lägel Stahl in öſtreich 125 Pfund) 5 den Landleuten auch als Trinkgeſchirr dienendz; Schiff, kurze Stüce von Tauen.

lager, Bw. (iöländ. lagr, niedrig), Landw. dad Getreide wird lager, d.i. es Lagert fich, geht zu Lagerz Schiff. nicht lager! ein Befehl an die Steuerer, das Schiff nicht weiter abhalten zu laffen, entg. nicht höher.

Lager, fe, —s, M. Lager und (von einem Feldlager auch) Laͤger, (von liegen; altd. laeger; oberd. Läger, Geläger) 1) der Zuſtand des Liegens, z. B. eines bettlägerigen Kranken (das Krankenlager); Fechtk. die Lage oder Stellung eines Fechters; das Getreide geht zu Lager, wenn es durch die Schwere der Ähren, od. durch Regen ꝛc. ſich niederſenktz 2) der Ort, wo ein Körper liegt od. gelegen hat, 3. B. die Grube, in welcher ein Grenz: ftein liegt; die erhöheten Bäume in einem Seller, auf welchen Faͤſſer ıc. liegen (Wein, Bier auf dem Lager haben, ſ. Lagerbier); der Ort, wo Hana delswaaren vorräthig liegen, auch der Waaren-Vorrath felbft (Waarenlas ger); 3) def. der Ort, wo Menjchen und Thiere fich zur Ruhe niederlegen (ein hartes, bequemes 2c, Lager), oft f. Bett; Jäg., der Ort, wo milde Thiere fih aufhalten und ruhen (das Lager der Bären, Füchſe, Wölfe, Hafen 2c.) 5 auch der Aufenthaltsort mehrer zufammengehörigen Menfchen, 3 B. Hoflager, f. d.5 insbef. der Ort unter freiem Himmel, wo ein Kriegs— heer fich unter Zelten aufhält, u. die ſaͤmmtlichen zu dem Ende errichteten Zelte (ein Feld-, Kriegslager ; ein Lager auffchlagen, abbrechen 2c.); 4) mehre neben oder über einander befindliche gleichartige Dinge oder Beftandtheile, f.v. w. eine Lage (ein Erd-, Steinlager 2.); der Bodenſatz des Weines, Bieres, Dles ꝛc., ſ. v. w. Hd, Mutter; 3 ſetz. der Lagerbalfen, Sohträger an einer Brüde; das Lagerbier, ftarfes Bier, welches man auf dem Lager im Keller alt werden läfitz das Laherbuch, Verzeichniſs der Felder u. liegenden Gründe eines Ortes, Flur-, Markungsbuchz Rechnungsbuch über die Vorräthe eines Waarenlagers; das Lagerfaſs ein großes, beſtändig auf dem Lager im Keller liegendes Faſs; das Lagerfieber, im Feldlager herrſchen— des hitziges Fieber; das Lagergeld, Abgabe f. die Freigeit, Bier od. Wein auf das Lager zu legen; aud) der Bing für die Miethe eines Waarenlagers, od. für die Auftewahrung von Waaren, f. v. w. der Lagerzins; dad Lagerhaus, f. v. w. Waarenlagerz bef. ein zur Aufbewahrung von Gütern und Waaren beftimmtes Öffentliches Gebäudes dad Lagerholz, Forftw., vom Winde umge: worfene Bäume; dad Lagerkorn, Korn, welches ſich gelagert hat; der Lager— meifter, ehem. ſ. v. w. Quartiermeifter; das Lagerobſt, Dauer- od. Winter: obſt, z. B. Kageräpfel, -birnen; die Lagerrebe, eine Art Weinftöde, deren Reben an der Erde fortkriechen 5 das Lagerfcheit, Forftw., aus den Baum: ſtämmen geſchlagene Scheite, Kernfcheite; die Lagerfitt -ftätte, der Lager-

J

6 ES Laͤgler Laich

platz; die Lagerwand, Bergw., feſtes Geſtein, bei welchem Feine Zimmerung nöthig z aud) der Grund, worauf die Zimmerhölzer gelegt werden; der Lager— wein, Wein, welcher ſich halt u. auf das Lager gelegt wird; der Lagerwuchs, zu üppiger Wuchs der Feldfrüchte, welcher verurfacht, dafs fie ſich Lagern; Ableit, lagerhaft, Bw., oberd, f, bettlägerig; lagern, Zw. 1) ziellos m, haben, liegen, gelegt fein (das Vieh lagerte im Freien umher), im Lager fein (das Heer lagert); auch ein Lager auffchlagenz 2) ziel. u, rückz., nie— derlegen, auf den Boden od, auf ein Lager legen (der Regen hat das Getreide gelagert; wir lagerten uns ing Gras); ein Heer—, ihm ein Feldlager bereis ten und anweiſen; ein Heer lagert fich, d. i. ſchlägt ein Lager auf u, bezicht es; uneig. ſich —, f. ſich irgendwo niederlaffen od. ausbreiten (die Schatten der Gebirge lagerten fich über die Eden); etwas —, f. gründen (Gott hat die Erde auf Ziefen gelagert).

Laͤgler, m., -8, eine Weintraubenart mit länglichen Beeren,

lahm, Bw, (altd, u, ſchwed. Jam, engl. lame; von dem altnord. lama, böhm, lamati, brechen, ſchwächen), der gehörigen Beweglichkeit, Gelenkig— feit u, Kraft ermangelnd, bef. von den Gliedern des menſchl. u, thier, Körpers (ein lahmer Fuß, eine lahme Hand, lahm gehen), in engerer Bed, fußlahm, finnv, hinfend (ein Lahmer); in weiterer Bed, auch von kuͤnſtlich zuſammen— geſetzten Dingen, die ihren feiten Zufammenhang oder ihre Spannfraft verlorem haben (eine Schraube, ein Mefjer ift Lahm) ; uneig, f. ſchwach, Fraft= los, ungruͤndlich, nichtig (ein lahmer Beweis, eine lahme Entihuldigung) 5 lahmlendig, Bw., f. v, w. lendenlahm; die Lahmheit, das Lahmſein, eig. u, uneig.5 die Laͤhme (niederd. Lämde; oberd. Lem, jeder unheilbare Schaden), dad Lahmſein z. B. eines Gliedes; landſch. beſ. f. Schlag, Gicht; lahmen, zielloſ. Zw. m. Haben, lahm fein, hinken, eig. u, uneig.; laͤhmen, ziel. Zw., (altd. lemian) lahm machen (einem Thiere den Fuß, den Flügel; der Schlagfluſs hat ihm die Zunge gelähmt); insbeſ. eine Art des Wallachens; uneig. überh. der Kraft berauben, unwirkſam machen; der Kihmer, -6, ein Ruͤſſelkaͤfer, welcher den Pferden eine Lühmung verurfachen follz die Laͤh— mung, das Lähmenz das. Lahmfein, f. v. w. Laͤhme.

Lahn, m., Ses, M. (von mehren Arten) -e, (wahrſch. verw. mit dem angelf, hlaene; engl, lean, niederd, Leen, dünn, mager; vergl. Elein), breit gequetſchter Gold= oder Silberdrath (Gold-, Silberlahn); der Lahnftein, bei Bortenwirkern, ein mit Lahn überzogener Zierrath am Hute; die Lahn— treffe, aus Lahn gewirkte Treſſe.

Laib, m., es, M.-e, n. % Leib; Verkl. das Laibchen, oberd, Laib- lein; (goth. hlaibs, hlaifs, Brod, Biſſen; altd. hleib; poln, chleb; angelſ. hlaf, engl, loaf, ſchwed. lef; vergl. das lat, gleba, libum; u, kleben), urſpr. überh, eine zufammenhängende Maffe, ein Stuͤck, daher noch Bergw. ein Klumpen geſchmelzten Erzes (andſch. Luppe); insbeſ. oberd. eine runde oder laͤngliche Brodmaſſe, ein Brod (ein Laib Brod, oder bloß: ein Laib).

Laich, n. A. Leich, m. oder ſ. —es, o. M. (niederd. Look; wahrſch. v. dem goth. laikan, altd. Läden, ſpringen; daher laichen od, leichen, alt u. oberd. für ſpielen, ſich begatten; La ich, oberd. f. Begattung beſ. der Fiſche), die in zaͤhen Schleim eingehuͤllten, befruchteten Eier der Fiſche, Froͤſche und anderer Waſſerthiere; wenn ſie dieſelben ſchon von ſich gelaſſen haben,

Late Samm 1

verſch. Rogen, (Fiſch-, Froſchlaich); laichen, zielloſ. Zw, mit haben (niederd. löfen, ſchwed. leka), von Fiſchen und Fröſchen, den Samen od. die Eier abſetzen, ſtreichen; die Laiche, die Laichzeit und das Laichen ſelbſt; der Laichkarpfen, ein zur Fortpflanzung in den Streichteich geſetzter Karpfen, auch Streichkarpfen, Laicher.

Laie, m., -n, M.-n, (alt, laihman, laige, leie, leige; engl, lay; v. d. griech. Juiros, lat, laicus), ein Nichtgeiftlicher, eine weltliche Perfon in der rom, Kirche ; in weiterer Bed, ein Uneingeweihter, Ungelehrter, Uner— fahrener in einer Kunft od, Wiffenihaft; der Kaienbruder, die Laienſchwe— ſter, ‚weltliche Perfonen in Klöftern zur Bedienung der Mönde und Nonnen; der Laienprieſter,

Laimer, m., —s, M. w. E., landſch. ein Fiſch; ſ. v. w. Karauſchen⸗ karpfen.

Lake, w., M.-n (eig. das niederd, Lache, ſ. d.z ſchwed. laka), Salze waſſer, bef, die falzige Brühe von eingefalzenen Fiſchen (Häringstake).

Laken, f., -8, M. w. ©. (altd, lahhan, lachen; oberd. Lachen, Lach; ſchwed. 2 din. lagen ; vergl, d. griech, Auzis), bef, niederd.. Tuch, ſowohl MWollentuch als Leinentuch (Tiſch-, Bettlaken); insbef, f. Betttuch.

Lakritze, w., M. -n, od, der Lakritzenbaum, (verderbt aus d. mittl, lat, liquiritia), landſch. & Süßholzbaum (glycirrhiza L.); daher dad Lakritzen⸗ holz; der Lakritzenſaft.

lallen, zielloſ. u. ziel. Zw. (vergl. d. lat. lallare; griech. Audeiv), unvoll- fommen fprechen, def. mit fehlerhafter Einmifhung des I (ein Lallendes Kind) z überh. unvernehmlich und mit fchwerer Zunge reden, ſinnv. ſtammeln (ein Betrunkener Lallt) ; auch f. lullen, ſ. d.; uneig. feine Gedanken oder Gefühle unvollkommen ausdruͤcken, vergl. ftammeln.

Lambele, w., M.-n, ein Flufsfifhz der Bitterling,

Lamberts = oder Lampertsnuſs, w. (d. i. Lombardifhe Nuſs ; Lamparter, Lamperter alt u. oberd. f. Lombarde), eine vorzuͤgliche, große Haſelnuſs-Art, Bart-, Ruhrnuſs.

Lamm, ſ., -5, M. Laͤmmer, Verkl. dad Laͤmmchen, M. gem. Lämmerchen, (goth., ſchwed. u. engl. lamb; altd. lamp, daher noch oberd. das Lümplein; die Lampen f. das Mutterſchaf), ein junges, noch nicht ein— jaͤhriges Schaf; Bocklamm, wenn es männlich, Mutterlamm, wenn es weiblich iſt; oft als Bild der Unſchuld, Geduld und Sanftmuth (das Lamm Gottes, bibl. f. Chriſtus); doch auch mit Lan Nebenbegriff zur Be— zeichnung 5 Sqmache; uneig. Volksſpr. Laͤmmerchen für die

Kaͤtzchen der Weiden, Haſelſtauden ꝛc.; auch f. feine, weiße, flockige Wolken (kämmerwolken); 3fes. die Lammbirn, eine Art Winter: birnen der Lamımbraten ; dad Lammfell; lammfromm, Bw., fromm, d. i. fanft u. geduldig, wie ein Lamm; fo auch lammherzig; die Laͤmmer⸗ blume, das Feine Schölfraut, Zeigmwargenkraut; der Lämmergeier, die größte Geier: Art u. überhaupt der größte Vogel in Europa, weldyer in ben Alpen lebt und Lümmer, Ziegen 2c. raubt; der Laͤmmerhirt; der Laͤmmer—⸗ junge oder = Fnecht, in Schäfereien, wer die Lämmer weidet; das Laͤmmer— rauf, Flachskraut; Gänfefuß, Allgut, aud) Lämmerohren genannt; der Cimmerfalat ob. zlattich, Feldrapunzel; das Laͤmmerſchwaͤnzchen, Schaf: Bw der Laͤmmerſtall; die Cämmerwolle ꝛc.; Ableit, lammen,

8 Lammel Land

ziellof. 3, mit Haben (andſch. auh Lämmern; oberd, lämpeln), ein Lamm werfen oder gebärenz daher die Lammzeit, die Zeit, in welcher die Schafe lammen; laͤmmern, Bw, (altd, lembrin), oberd, f. vom Lamme (lammernes Fleiſch f. Sammfleif).

Lammel, m., -8, landſch. gem, f. Kothfaum an einem Kleide (vergl, Hammel), 2

Lammer, w., M. -n, aud) der Lammer= od. Laͤmmerbraten (wahrſch. verw. mit d, lat, lumbus od, aus Zend: Mehrbraten verderbt), Jäg., die langen, fhmalen Fleiſchſtücke, welche unter dem Rüdgrat des Wildbrets inmwen- big herauögefchnitten werden, fenft Lenden=, Mör= od, Mehrbraten genannt,

Lampe, m., -n, (vielleiht von dem ober, Lampen, fchlaff herunterhangen, 3. B. lampende Ohren) alte ſcherzh. Benennung des Hafen in der <hierfabel,

Lampe, m, -n, M.-n, Verkl. dad Laͤmpchen, (gried, u. lat, lampas, böym, lampa, franz, lampe, engl, amp), ein Gefäß od. Geräth zur Erleuchtung vermittelt eined mit ÖL getränften Dochtes (3. B. Hange: od, Schwebelampe, Arbeitslampe), aud) vermittelft des brennbaren Gafes (Gas: lampe); 3fes. das Rampenlicht, der Lampenfchein, -glanz, = ſchim⸗ mer ꝛc.; lampenhell, Bw., durch Lampen erhellt; der Lampenmann, spußer, =wärter, wer die Straßenlampen beforgt; der Lampenofen, eine Lampe der Scheidekünftler mit mehren Dochten; das Lampenſchwarz, .».w, der Lampenruß.

Lamprete, w., M.-n (engl, lamprey, franz. lamproie; v. dem mittl, lat. lampetra), der Steinfauger, eine Art eföbarer Sinorpelfifche, wozu die Neunaugen oder Briden gehören; in engerer Bed, die größte u, koͤſtlichſte Gattung diefer Si

Land, fa, - es, M. Lande u, gew. Länder (ſ. u.,)5 Verkl. das Laͤndchen, M. in der Volksſpr. Eänd erchen, (goth., ſchwed., engl, land; ltd, lant, M. lande) 1) ale Stoffnamen 0, M, überh, der felte Theil de Erdbodens, entg, dem Waffer, bei. dem Meere (zu Waſſer und zu Lande reifen; das’ fefte Land; ein Schiff ans Land ziehen; Land fehen 2c,); in engerer Bed, die ebene Erdfläche, entg. den Gebirgen (das flache od, platte Land; von den Bergen ins Land gehen), bef, fofern fie zum Feldbau dient, tragbarer angebauter Erd— boden., finnv, Feld, Boden, Ader (fruchtbares, fandiges, fleiniges Land ꝛc.5 Ader:, Garten-, Weizenland 2c,)5 ferner der Stadt entg. dad ganze dem Feldbau gewidmete, von Landbauern bewohnte Gebiet (lieber auf dem Lande, als in der Stadt leben; auf das Land ziehen; über Land gehen, reifen 2c,)5 2) mit M, überh, ein abgegrenzter Theil der Erdfläche ; insbef, ein begrenztes Stuͤck Feld, Acker- od. Öartenland (M. Länder, z. B. Garten, Brad) länder; landſch. aud-f. ein Gartenbeet) 5; ein von einer ganzen Völkerſchaft bermohnter Theil der Erdfläche (das Land der Deutfchen, Deutſchland, Ruſs— ‚Sand, Griechenland), bef. hinfichtlich feiner ruumlichen Ausdehnung, feiner Grenzen u, feiner Bevblkerung; verfh, von Staat, weldes auf Regierungs- u, Berfaffungs : Einheit geht (3. B. der öſtreichiſche Staat begreift mehre Länder in ſichz das beutfche Land befteht aus mehren Staaten; einen aus dem Lande jagen, des Landes verweifen) ; uneig, auch f. die Cinwohnerfchaft eines Landes (ein Land unterjohenz das ganze Land trauert um feinen Fürften); in weiterer Bed. f. Gegend, Aufenthaltd= od. Wohnort (Hier zu Lande, d, i, in hiefiger Gegend; das Land der Seligen ꝛc.); die Mehrh, lautet alt u, oberd, durch

Land Bw,

gangig Lande; in der herefchenden Schriftfpr, hingegen gew, Länder; Lande nur in der höheren Schreibart, bef, zur Bezeihnung unbeftimmter Gegenden (bibl, alle Lande find feiner Ehre voll; er hat in fernen Landen viel erfahren), und zur Bezeichnung der verſchiedenen Gebietstheile eines Staates, fofern diefel- ben zu einer Einheit verbunden gedacht werden, dahingegen die. M. Länder vereinzelnd ift (3. B. die Königlic, Preußiſchen Lande; die Niederlande; aber: die Länder Europa’s), In 3 ſetz. hat Land gew, die unter 1), Landes und Lands oder (wo mehre bezeichnet werden follen) Länder die unter 2) ange: führten Bedeutungen, (vergl. z. B. Landmann, Landadel, Landſchule mit Landsmann, Landesadel, Landesſchule; Landeskunde und Länderkunde 26); Bfes, mit Land: der Landadel, auf dem Lande wohnender Adel, entg. Stadt: adel ; der Kandammann, ſchweiz. f. Candamtmann, Vorfteher einer Landfhaft od, Landgemeinde; der Landbär, auf dem Lande lebender Bär, entg. See- od, Eisbär; der Landbau, Anbau des Landes, Feld-, Aderbauz der Land» bauer, —s, M. w. E. (vergl. Bauer 2.), wer das Land baut, Aderbauerz der Landbaumeifter, wer dem Bauweſen auf dem Lande vorgefest iſt, entg. Stadtbaumeiſter; aud) (mit dem Hauptton auf der 2ten Silbe) ein Vorgefester über das Bauwefen im ganzen Lande (r. Landesbaumeifter)z; der Landbewoh⸗ ner, entg. Stadtbewohner; der Landbifchof, in der röm. Kirche ein Bifchof, der fein Amt nur auf dem Lande verwaltet, Chorbiſchef; der Landbote, ehem. in Polen, ein zum Reichstag abgeorbneter Bevollmächtigter; landſch. f. Land: Enecht, Büttel; das Landbuch, Verzeichnifs der Landgüter, Ritterſchaftsbuch; der Kanddienft, Kriegsdienft auf dem feiten Lande, entg. Seedienſt; der Land— droſt, j. Droft; der Landedelmann, auf dem Lande Iebender Edelmann, Landjunker; der Landeigenthlimer, Eigenthümer einer Länderei, eines Land: gutes; die Landenge, f. Erdenge; der Landfahn, bair. u. bſtr. ehem. f. Lands wehr; daher der Landfähnler, Landwehrmann; das Landfaſs, landſch., ein Map f. Flüſſigkeiten, in Bern = 24 Eimer; die Landflagge, eine Flagge, die auf Schiffen aufgezogen wird, wenn man Land ſieht; landflüchtig, Bw., aus dem Lande entfliehend od. entflohen (r. Landesflüchtig); die Landflüch- tigkeit; der Landforftmeifter, oberfter Forftmeifter (f. d.) einer Landſchaft od. ‚eines ganzen Landes, auch Oberlandforftmeifter; die Kandfracht, zu Lande fortgefhaffte Laft, und das Frachtgeld dafür; der Landfrieden, Bffentliche Sicherheit in einem Sande, und ein Vertrag od. eine Verordnung zu deren Er- haltung, bef. dad 1495 zu Worms gegebene Reichsgeſetzz der Landfrofch, entg. Waſſerfroſchz die Landfuhre, Fuhre zu Lande od. über Land; land- gäangig, Bw., durd’s ganze Land gehend od. geltend (Münze); der Rande geiftliche, entg. Stadtgeifttihes die Landgeiftlichfeit; das Landgericht, Gericht über einen Bezirk des flachen Landes, entg. Stadtgeriht; auch ein höheres Gericht über ein ganzes Land, x. Landesgerichtz der Lands gerichtöherr, =rath ꝛe.; der Landgraf, ehem. ein Eaiferliher Statthalter über ein ganzes Land (3. B. die Landgrafen von Thüringen; vergl. Graf); landſch. f. Vorfiger eines Landgerichts, Landrihters die Landgräfinn; die Landgrafſchaft; landgräflih, Bw.; das Landgut, Verl. -gütchen, eine ländliche Befigung, bef. fofern der Befiger nicht zum Bauernftande gehört (vergl. Gut); der Landhandel, entg. Scehandel; der. Landhafe, gemeine Feldhaſe, entg. Berg:, Holz-, Sumpfhafe; dad Landhaus, Wohn: oder Luſthaus auf dem Lande; auch f. Landſchaftshaus, f. d.; das Landheer, entg.

10 Land r Schiffsheer, Flotte; die Landhufe, eine Hufe auf feſtem Lande; aud eine befondere Art Hufen, in Pommern = 30 Morgen ; der Landjaͤgermeiſter, Vorgefegte über das Jagdweſen eines Landes, gew, dem Landforftmeifter unter: geordnet; die Landjugend, junges Landvolk; der Landjunfer, der junge Sohn eines Landedelmanns; auch verächtl. f, Landedelmann ; die Landkarte, f. Karte; in engerer Bed. entg, der Seekarte; die Landfartenfchnede, eine lichtgelbe Porzellanſchnecke mit dunkeln Sieden u, gebogenen Strichen, aud) bloß Landkarte; der Landknecht, landſch., ein Gerichtediener auf dem Lande; der Landkrebs, eine Art Krebfe, die ſich meift auf dem Lande aufhalten, entg. Fluſs-, Seekrebs; der Landfrieg, entg. Seekrieg; landkundig, od, =Füns dig, Bw., im ganzen Lande kund od, bekannt, landrüchtigz verſch. landes— kundig; die Landkutſche, einer Privatperfon gehörende Frachtkutſche, die durch ein ganzes Land geht; der Landkutſcher, Eigenthümer od. Fuhrmann einer Landkutſche; der Kandläufer, ſ. v. w. Landſtreicher; landlaͤufig, Bw., im Lande umherſtreifend; auch f. landgüngig⸗landüblichz; das Landleben, Leben auf dem Lande, entg. Stadtleben; die Landmacht, das Kriegsheer zu Lande, entg. Seemacht; auch ein Reich, das vorzugsweiſe zu Lande mächtig iſt; das Landmädchen, ein auf dem Lande geborenes und erzogenes Mädchen; der Landmann, 1) M.=leute, ein Landbewohner, der Landbau treibt, edler als Bauer, entg. Städter; 2)M, Landmänner, oberd, ein im Lande anfaffiger Ritter, Landſtandz ſchweiz., der Beifiger eined Landgerichts; die Landmarf, die Grenze eines Landes oder Landgerichtes, und die Grenzzeichen; die Landmarke, Schiff., jedes Kennzeichen am Lande, weldes dem Schiffe zur Richtung dientz der Landmarfchall, der Marſchall (f. d.) eines Landes sd, einer Landſchaft; der Landmeſſer, ſ. v. m. Teldmeffer, bef. wenn er fein Amt in einer ganzen Landſchaft ausübt; die Landmeſſung,-meſskunſt; die Land» münze, im Lande felbft gepränte, aangbare Münze, r. Landesmünzez die Landpfarre, Pfarre auf dem Lande, Dorfpfarte; der Landpfarrer od. eprediger, entg. Stadtpredigerz der Landpfennig, landſch. f. Landeöfteuer, bef, von Grundſtücken; der Kandpfleger, alt u, oberd. Vorgefeste und Ber: walter einer Landſchaft, Statthalter‘, Landvogt; die Kandplage, ein großes Übel, welches ein ganzes Land drüdtz der Landrath, in Preußen eine obrig: keitliche Perfon, weldye auf dem Lande die Polizei handhabt u, ſowohl die Befchfe der Landesregierung vollzieht, als aud) die Rechte der Landbewohner vertritt; in andern Gegenden: ein adeliger Landſtandz ſchweiz. die Rathsverfammlung eines Cantons; landräthlich, Bw., einem Landrath gehörig, zukommend 2c,5 das Landrecht, der Inbegriff der in einem Lande oder einer Landſchaft üblichen bürgerlichen Rechte (3.8, das preußifche Landrecht) 5 fchiveiz. die auf dem platten Lande geltenden Rechte, entg. Stadtrecht; oberd, f. Landgerichts landrechtlich, Bw., zum Landrecht gehörig, demfelben gemäß; der Kandregen, anhaltender, über ein ganzes Land ausgedehnter Regen; die Kandreife, entg, Seereifez der Zandreiter, ein Polizei = Bedienter, welcher die Landſtraßen bereitet; die Lands reiterei, deffen Amt u, Bezirk; der Landrentmeifter, f. Rentmeifterz der Landrichter, Mitglied eines Landgerichts; Richter auf dem Lande, entg, Stadt: rihterz landrüchtig, Bw., f. v. w. landkundig; die Landrüchtigkeitz die Landruthe, landſch., ein auf dem Lande ubliches Lüngenmaß, entg, Stadtruthe, (in Nürnberg = 16 Schuh; die Stadtenthe = 10 od, 12 Schuh) ; der Land ſaſs, -en, überh, ein anfäfjiger Einwohner, bei, ein Landbewohner ; gew, der

Land 11

Beſitzer eines freien Landgutes Centg. Reichsſaſs), bef. fofern er Sit v, Stimme

auf dem Landtage hat; landfallig, Bw., die Eigenfhaft eines Landfaffen habend, u, in diefer Eigenſchaft gegründet; die Landfaffigkeit; die Land— ſcheide, Landesgrenze; der Kandfcheider, ein verpflichteter Grenz-Aufſeher; dad Landſchloſs, Schlofs auf dem Landes; die Kandfchnede , entg. Waſſer—

ſchnecke; der Kandfchreiber, Schreiber bei einem Landgerichte; die Landſchule,

Schule auf dem Lande, Dorfſchule, entg. Stadtſchule; der Landſchullehrer od, ⸗meiſter; die Landfchwalbe, Haus:, Dorfſchwalbe; der Kandfee, ein See (ſ. d.) im feften Lande, entg, die See od, das Meer; dad Landſeil, ein Feld: maß in Böhmen = 52 Prager Ellen; dad Landfiedel, landſch. fr Landfis, «gut, bef. ein Zins- od. Meiergutz der Landſiedler, Befiser eines folhen Gutes; der Landſitz, Wohnfig, Sommerhaus auf dem Lande ; der Landſoldat, entg. Seeſoldat; die Landſpitze, ein ins Meer hineinragenter ſpitz zulauferder . Theil des feiten Landes; die Landſtadt, eine kleinere Stadt in einer Landfchaft (fr, Provinzialftadt), entg, Hauptſtadt; auch eine Stadt im feften Lande, entg, Seeftadt; der Landfland, Stand (f. d.) eines Landes oder einer Landſchaft, welcher auf Landtagen eine Stimme hat: landftandifch, Bw, ; die Landſtand⸗ ſchaft, Eigenſchaft und Würde eines Landſtandes; auch die Gefammtheit der Sandftändez die Landſteuer, Steuer von Ländereien, oder vom flachen Lande entrichtet; die Kandftraße, breite Hauptftraße durd) das Land, Heerſtraße; der Kandftreicher, die Landftreicherinn, das Land durchftreifende Müßig: sänger, Gaunerz landſch. Landläufer, fahrer, -ſtbrzerec.; die Landftreicherei; Tandftreicherifch, Bw.z der Landſtrich, ein fi in die Länge erftrediender Theil des feiten Landes; auch f. Erd- oder Himmelsfteich (ſ. d,)5 die Landfiube, Verfammlungszimmer der Landftände, od, eines Land: gerichts; der Kandflurm, 1) ein Sturm zu Lande, entg, Seefturm; 2) ein Aufgebot fümmtliher waffenfähigen Einwohner bis zum 60ſten Jahre zur Ab: wehrfeines eindeingenden Beindes, vergl, Landwehr; die Kandtafel, ehem, f. Landkarte; auch der Urkundenfchag eines Landes, der Landftände, oder eines Landgerichts; der Landtag, Verfammlung der Landſtändez auch die verfam: melten Landſtände ſelbſt; landtagen, untrb. ziellof. 3w,, einen Landtag halten; dad Kandthier, entg. Waffertgier; Iandüblich, Bw,, in einem Lande üblich, auh: landesüblichz der Landvogt, Xorgefeste eines Landes oder einer Landfchaft, Statthalter, Landpfleger; die Landvogtei, deffen Amt, Würde, und Bezirk; dad Landvolk, Landteute; landwärts, Nw., nad dem feften Lande zu (3. B. fhiffen); die Landwehr, eine Wehr Kr. d,) zur Vertheidigung der Landesgrenzen, z. B. Wülle, Gräben, Verhaue; bef. eine Volksbewaffnung, aus den jüngeren Männern vom 17ten bis 45ſten Jahre beftehend, zunächft zur Vertkeidigung des eigenen Bodens, landſch. der Landfrieden, die Heim: ſchaar 2c. genannt; der Landwehrmann, wer unter der Landwehr dient; der Landwein, einheimifher, im Lande felbft gebauter Wein; der Landwirth,

Hauswirth auf dem Lande, beſ. ſofern er Landbau treibt (fr, Skonom); die

Landwirthinn; landwirthlich, Bw., zum Landwirth gehörig, denſelben an— gehend; die Laudwirthſchaft, Wirthſchaft auf dem Lande; beſ. der Betrieb

und se Wiſſenſchaft des Landhaus (fr, DEonomie) ; landwirthfchaftlich, Bw.,

Landwirthſchaft betreffend, dazu gehörig; die Landzunge, ſ. Erdzunge; Zſetz. mit Landesod, Lands: der Landesadel, der mittelbare, dem Lan: desheren unterworfene Adel, entg, Reichsadel ; verſch. Landadel; die Landesart,

12 s Land

Sebräudhe u. Sitten eines Landes; auch die natuͤrliche Befchaffenheit eines Lan des nad) Boden, Witterung zc. 5 die Landesbefchaffenheit; das Landeser- zeugnifs, (fe. - product) ; die Landesflagge, eigentyümliche Flagge der Schiffe eines Landes, verſch. Landflagge; landesflüchtig, Bw., f. Iandflüchtigs der Landesfürft, die Landesfürftinn, f. Fürſt; landesfürftlich, Bw.; der Landesgebrauch oder brauch; das Landesgericht, höchſtes Geriht eines ganzen Landes oder einer Landfchaft (3. B. die Oberlandeögerichte in Preußen), verfch. Landgericht; die Kandesgefchichte; das Landesgeſetz; die Landes— grenze; der Landeshauptmann, Vorgeſetzter einer Landfhaft, Landvogt; die Kandeshauptmannfchaft, defien Amt u. Gebiet; der Landesherr, Ober: herr (fr. Regent) eines Landes; landesherrlich, Bw., dem Landeöheren ge: hörig, gebührend, in deffen Würde gegründet; die Kandesherrlichkeit, Würde u. Recht des Landesberrn; die Kandesherrfihaft, die höchſte Gewalt in einem Landes; auch der Landesherr u. deffen Familie, (vergl. Herrfhaft) ; die Landes— hoheit, Obergewalt über ein Land (fr. Souveränität); die Landeskaſſe, die Landeskenntniſs od. » Funde; landesfundig, Bw.; das Landesfind od. Landskind, eingeborener Untertyan eines Landes; die Landeskirche, die herr: ſchende Kirche, d. i. Glaubensform, eines Landes; verfch. Landkirche; Die Lan desmutter, f. Landesvaterz die Landesobrigkeit; die Kandesordnung, lan⸗ desherrliche Verordnungz die Landesregierung; die Landesfache, das ganze Land betreffende Angelegenheit; die Landesſchuld; die Kandesichule, Hauxt: ſchule eines Landes od. einer Landfchaft, verſch. Landſchule; die Landesſitte; die Landesſprache; die Landestracht; landesuͤblich, Bw., ſ. landüblichz der Landesvater, der Landesherr, als Vater ſeiner Unterthanen betrachtet; deſſen Gemahlinn oder auch eine ſelbſt regierende Fürſtinn: Landesmutter; landesvaͤterlich, Bw.z die Landesverfaſſung; der Landesverrath, -ver— raͤther; landesverraͤtheriſch, Bw.; die Landesverwaltung; die Landes— verweiſung; der Landesverwieſene, ſ. verweiſen; der Landsknecht (nicht Lanzknechtz denn nur die Ritter führten Lanzen; franz. verberbt: lansquenet), ehem. ein gemeiner Fuß: Soldat im Dienft eines Landesfürſtenz aud) ein Kartenfpiel; der Landsmann, die Landsmaͤnninn, M. Landsleute, Eingeborene desjelben Landes, Landesgenoffenz verfch. Landmann 2c.; lands⸗ männifch, Bw., dem Landsmann gehörig, gebührend, in defjen Verhältnifs gegründet; die Landsmannfchaft, das Verhältnifs der Landsleute; die Ge— fammtheit od. eine gefchlofjene Gefellichaft von Landsleuten (auf Univerfitäten) 5 3fes. mit Länder: der Länderbefchreiber ; die Landerbefchreibung z laͤndergewaltig, Bw. ; die Landerkarte ; die Länderfenntnifs od. = Funde; laͤnderkundig, Bw.; der Kanderräuber, = verwüfter u. dgl.; die Laͤnder— fucht, aud der Laͤnderdurſt; länderfüchtig, -durſtig, Bw.; der Laͤnder— tauſch; die Kändertheilung u. dgl. m. Ableit. von Land: landen, Zw. (altd. u, oberd. lenden; ſchwed. landa, engl. land) 1) ziellos m. fein, an dad Land fahren und ausſteigen; 2) ziel. and Land fegen, ausſchiffen (3. B. Truppen); landſch. auch: Ländereien mit Grenzfteinen bezeichnen, gew. ländenz die Landung, das Landenz daher der Landungsplatz, landſch. aud die Kände, (oberd. Lend) ; die Laͤnderei, angebautss Land, Grund— ſtuͤcke, als Sammelw., od. gem. in der Mebrh. Ländereien; ländlich, Bw, 1) f. landuͤblich, nur noch in dem Sprichw. ländlich, ſittlichz 2) gem. dem Lande, im Gegenſatz der Stadt, gemäß oder eigen, auf dem Lande

Landauer lang 13

uͤblich, entg. ſtäbtiſch (ländliche Sitten, ein Ländliches Feft 2c.) 5 dad Landleben betreffend (ein ländliches Gedicht) 5 einfach, ungefünftelt (ein Ländliches Mahl); die Kandlichkeitz die Landfchaft, M. -en, 1) eine Abtheilung oder ein Bezirk eined Landes (fr. Provinz); 2) die Gefammtheit der Landftände eines Landes oder Bezirkes, aud deren Berfammlungshauß, Landſchaftshaus; 3) eine laͤndliche Gegend, und ein Gemaͤlde, weldhed eine ſolche daritelltz daher der Landfchaftmaler, aud: der Landſchafter; die Landfchafts malerei; landſchaftlich, Bw., einer Landfchaft, d. i. einem Landesbezirk, eigen od. gehörig, darin einheimifch, fr. provinziell (das landſchaftliche Recht; die landſchaftliche Sprache; ein landfhaftlihes Wort, fr. Provinzialismus) 5 die Landftände betreffend oder ihnen gehörig; Landſchaften, d. i. ländliche Gegenden u. deren Darſtellung, betreffend, od. dazu gehörig.

Landauer, m., —s, M. w. E, (v. der Statt Landan), ein vierfißiger Kutſchwagen, deffen See fi in der Mitte theilen u. auseinanderfchlagen läſſt.

Lander, w., M.-n (v. Ichnen, oberd. auch Iendenz daher Geländer), Landfch. f. eine Zaunftange, Latte; auch f. Stangenzaun, Geländer; daher landern od. ändern, ziel. Zw., f. mit einem Geländer od, Gehege verfehen.

ländern, r. wohl ländlern (d. i. ländlich tanzen), ziellof. Bw. m. haben, landſch., fich langſam drehend im SKreife herumtanzen, verſch. v. dem ra⸗ ſcheren Walzen und Schleifen; der Laͤndler, -8, ein folder Tanz, auch länderifcher Tanz.

lang, Bw., Comp. länger, Sup. längft, der laͤngſte 2% (goth. langs, altd, lang, lanc; engl. long; lat. longus) bezeichnet eig. 1) räumliche Aus— dehmung nad) einer Richtung und dient überh. a) zur Maßbeftimmung diefer Ausdehnung mit dem Acc, alt u. oberd, auch mit d. Gen. (einen Fuß od, eines Fußes lang; der Weg ift zwei Meilen lang 2.53 uf. hoch, z. B. N. ift fo lang, wie fein Bruder); bei Flächen od. Körpern, die nad) verſchie— denen Richtungen ausgedehnt find, bezeichnet lang die Richtung, welche die größte Ausdehnung hat, entg. breit (z. B. der Garten ift 100 Fuß Yang u. 50 breit); b) von verhältnifemäßig beträchtlicher Ausdehnung in diefer Richtung, entg. kur z (eine lange Straße, lange Haare, ein langer Hals, Lange Armel, ein langer Menſch, d. i. ein großerz ſprichw. etwas auf die lange Bank fchieben ; lange Finger machen; f, Banf, Fingerz ein Langes und Breites ſchwatzen u. dgl., d. i. ſehr umſtändlich); uneig. f. dünn, wäfferig (eine lange Brühe; vergl. kurz); auch f. zähe (der Wein wird lang, wenn er dick 2) zeitliche Ausdehnung, Zeitdauer, u. zwar überh. maßbeſtimmend G. B eine zwei Stunden lange Mufif) ; insbef, von verhältnifsmäßig beträchticher Dauer, lange während, entg. Eurz (3. B. eine lange Silbe, d. i. eine ge- dehnte, in der Silbenmeffung S 2 kurzen; eine lange Rede, ein langer Briefz ein langes Leben; die langen Winternächtez der längfte Tag; die lange Nacht, das große Verfühnungsfeft der Juden um Michaelis; die Zeit wird mir langz lange Weile (r. als Langeweile) Haben od. empfinden, d. i. das un angenehme Gefühl der leeren Zeitdauer; etwas für dielange Weile thun, d. i. zum Zeitvertreib, daher auch: etwas Unnüses, Überflüffiges; überfurgz od. lang, f. kurz; vor langen Sahren, d, i. vor vielen Sahren)5; als Nw. oder vielmehr Bw. fteht lang (verfchieden v. lange, f. u.) nad} einem Acc. od. bisweilen Gen. 1) räumlich, landſch. gem. f. entlang, längs G. 8. die Straße lang, den Flufs lang gehen, x. entlang; der Länge lang hinfallen,

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x, der Länge nah); 2) gew. zeitlich zur Bezeichnung einer Dauer während eined bemerften Zeitraumes, finnv, durch, hindurch (3. B. eine Stunde lang, zwei Zage lang, Jahre lang abmwefend fein 20,5; eine Bett Lang f, Zeit; mein Leben lang, gem, aud mein Lebelang, f. Leben; Lebens lang, gew, lebenslangs fo aud) fundenlang 2c,)5 3fes. der Langarm, wer lange Arme hat; langarmig, Bw, (3. B. der langarmige Affe); langath- mig, Bw., einen langen Uthem habend, oder erfordernd; der Langbart, Mensch od, Thier mit langem Barte, bef. eine Art Wels; das Langbeil, ein langes, fpis auslaufendes Beil der Stellmacher; das, od, von einer männl, Perfon auch der Langbein; langbeinig, Bw.; die Langbeinigkeitz die Langespe, (gemeine Espe); die Rangeweile, r. lange Weile (f. o,) od, Langweile (vergl, Kurzweil); langfingerig, Bw; der Langfuß, ein langer Fuß; ein Geſchöpf mit langen Füßen, bef. eine Art Infecten, und eine Urt Regenpfeiferz Steljentäufer, Dünnbein ꝛc.; langfüßig, Bw.; langge= gliedert, =gehalfet, =gelodt, =geöhrt, -geſchwaͤnzt = gefpist u. dat, Bw,, mit langen Gtiedern, langem Halfe 2c, verfehen; langhaarig, Bw.; der Langhals, ein Menſch od. Thier mit langem Halfe, 3. B. eine Art aus: ländiſcher Baumkletten; eine Art Enten; der Schlangenvogel zc,; langhaljig, Bw.; langhäandig, Bw.; langhin, Nw,, in die Länge fi) erſtreckend, finnv, weithin ; langjährig, Bw., lange, d, i, viele Jahre begreifend, viele Jahre "dauernd (Langjährige Erfahrung); der Langkreis, länglihe Kreislinie oder :flähe, Eirund; langlebig, Bw., lange lebend; langrund, Bw,, länglich rund, eirundz; die Langmuth (vergl. Muth), nachfichtsvolle, huldende Sefin: nung, ſinnv. Geduld; langmüthia, Bw., Langmuth befigend, beweifend; das Langohr, ein Thier mit langen Ohren, bef, der Efel; langöhrig, Bw.5 langfchattig, Bw., einen langen Schatten werfend (langfdattige Völ— ker, in ben Ealten Erdſtrichen); der Kangfchläfer, die Langfchläferinn, wer Lange in ben Zag hinein ſchläft; die Langfchläferei, das lange Schlafen; der Langſchnabel, ein langer Schnabel; ein Thier mit langem Schnabel, 3. B. die Schnepfe; langfchnäbelig, Bw.z der Langſchub, f. v. w. Kegelfchub, Kegelbahn (f. d.), entg. Kurzſchubz der Langſchwanz, ein langer Schwanzz ein langgeſchwänztes Thier, bef. ein folhes Pferd, enta, Engländer; auch die Schwanzmeifes langſchwaͤnzig, Bw.; langfichtig, Bw., ſ. v. w. weit: ſichtigz langſilbig, Vw., aus einer langen Silbe od, aus langen Silben be: ſtehendz die Langfilbigkeitz das Langſtroh, Landw., langes, ungeknicktes Stroh, entg, Krummſtroh; der Langmwagen, Landw,, das lange Holz an einem Rüft: od, Bauerwagen, welches das Vorder- und Hintergeftell verbindet, Langbaum, = welle, ⸗wiede; die Langweile, oberd. r. f. das gew, Lange: weile, f. o. lange Weile; langweilen, untrb, Zw. 1) ziel, einen —, ihm Lange Weile verurfachenz 2) rückz. ſich —, lange Weile empfinden (fr, ennu- viren) langweilig, Bw., lange Weile verurſachend; überh, auf verdriekliche Art lange während; die Langweiligkeit; langwierig, Bw., lange während, ger, von unangenehmen od. doc ſchwierigen Dingen (Krankheit, Krieg, Arbeit); die Langwierigkeit, das Langwierigſein; Ableit, lange, Nw, (verfch. von lang), Comp. länger, Sup. längft, (altd. lango, lange) 1) Nw. ber 3eit, f.v.mw. lange Zeit (lange hernach, lange vorher ; lange warten ; ſprichw. was lange währt, wird gutz wie lange foll ich warten? fo lange bis... od. als 20.3 nur dicht. bisweilen abgek Lang, 3. B. fo lang hab’ ich geharrt; ich

$ / lang

kenne ihn länger, als du; je länger, je lieber; es hat am längften gewährt); 2) als verftärkendes Nw., welche Anwendung unmittelbar aus der zeitlichen Bed, fließt (3. B. was zauberft du lange? wer wird erſt lange fragen ? u. dgl.), bef. bei Vergleihungen mit einer Verneinung verbunden f. bei weiten (z.B. er ift noch lange kein Schiller; er iſt lange nicht fo geſchickt, wie fein Bruder); in der Volksſpr. auch f. hinlänglich, genug (das ift lange gut für mid) 3 die Länge, M. (niederd. Längde, engl. length) 1) räumliche Ausdehnung nach einer Richtung, ob. nach der Richtung, in weldyer eine Fläche od. ein Körper die größte Ausdehnung hat, entg. Breite, Dice (die Länge eines Weges meſſen; das Haus hat 60 Fuß in die Länge; ein Stück Holz in die Länge od. der Länge nad) fpalten) 5 Erdk. die Entfernung eined Drted von dem erften Mittagskreiſe nad Dften od. Weften (öftliche od. weftliche Länge) ; verhaͤltniſs⸗ maͤßig betraͤchtliche Ausdehnung, das Langſein, entg. Kürze (die Länge des Weges, des Halſes, feiner Haare ꝛc.) 3 2) zeitliche Ausdehnung, Zeitdauer überh., u. bef. beträchtliche Zeitdauer (die Länge der Zeit, einer Reife, einer Rede 2c.; etwas in die Länge ziehen, d. i. verzögern; indie Länge od. auf die Länge, d. i. bei längerer Dauer, mit der Zeit); 3) ein langer Körper, 3. B. ein ſchmaler Fifch aus dem Dorſch-Geſchlecht, au Langfiſch, Laͤng— ling 20,5 niederd. ein langes Seil od. Tau; dad Laͤngenmaß, Linienmaß, entg. Flächen- und Körpermaß; auch. ein zur Längenmeflung dienender wirklicher, oder gedachter Mafftab (z. B. Elle, Fuß, Zoll 3 Meile rc); langen, Zw., 4) ziellos m. haben, landſch. f. lang oder länger werden (die Tage langen) 3 gew. fich der Länge nach erftrecken, wohin reichen (das Kleid langt bis auf die Fuße); uneig. dem Werthe, der Güte, der Menge nach reichen, aus— langen, ausfommen (das Geld langt nicht weit 3 od. mit dem Gelde langt man nicht weitz das Tuch langt nicht zum Node z vergl. hinlänglic)) 3 in engerer Bed. mit ausgeftrecfter Hand an etwas reichen, (ich kann nit fo weit langen; in die Schüffel langen); auch die Hand nad) etwas ausſtrecken (das Kind langt nach dem Regenbogen) 5 uneig. mit dem Gemuͤthe nach etwas trachten, verlangen („langen und bangen’); 2) ziel. etwas —, mit audgeftreckter Hand nehmen u, darreihen (lange mir den Hut vom Nagel) landſch. überh. f. holen; langen, ziel. Zw. (altd. lengan, lengen) in die Länge dehnen, ftrecfen (die Bäder längen den Zeig mit dem Längeholz, im Bergbau längt man eine Grube, wenn man fie in die Länge fortfegt), gew. verlängen, verlängern; der Kängerling, - ed, M. -e, eine Art länglicher Klapperaͤpfel; länglich, Bw., ein wenig lang, etwas mehr lang ald breit (ein längliches Viereck, fr. Oblongum); langlichrund, Bw., eirund (fr. oval); langfam, Bw. u. Nw. (das althochd. lancsam bed. lange dauernd, ewigz unferlangfam ift entft, aus dem althochd. lancseime, mittelhodyd. lanksaene, v. seine, träge, ſäumig 3 vergl. ſäumen), überh. fich träge bewegend, in verhaͤltniſsmaͤßig beträchte licher Zeit wenig bewirkend, vollendend, ſinnv. gemach, faumig, entg. ſchnell, geſchwind, hurtig, (langfam gehen, effen, arbeiten; ein langfamer Menſch; ein langfamer Kopf, der ſchwer begreift) 5 die Langfamfeit, das Langfam= fein; lang, Vw. (nicht zu verwechfeln mit Yängft), der Länge nad) an einem Gegenftande hin, f. v, w. entlang, mit dem Ben. od. Dat. (längs des Fluſſes od. dem Fluffe, längs der Mauer hingehen 2c.); laͤngſt „Nw. (eig. Sup. von Lange), vor ſehr langer Zeit, feit langer Zeit (das habe ich längſt gewufit); langftens, Nw., auf das längfte, fpäteftens (ich erwarte ihn längftens in vierzehn Tagen). x ——

16 Zanfe Rappen

Lanfe, w., M. -n (altd. lancha, lanke, bef. ende; vergl, das franz. longe u, Flanke) landſch. f. Seite, 3. B. Fiſch. bie Seite bed Waffers, wo ge- fifcgt werden darf; bef, die Seite des Bauches, die Weiche; auch f. Lende, Schenkel eines Thieres, ;

anne, w., M.-n, landſch. f. Gabeldeichfel.

Lanfte, m., -en, M. - en (wahrſch. von Lehn) in Schleswig ein Bauer, der fein Gut zu Lehn befist, entg. Bonde,

Lanze, w., M.-n (griech. Roy lat, lancea, franz. u, engl, lance; von celt, Stamm, entfpr, dem franz, lancer, werfen); ein Spieß, insbef, ein langer und ſchwerer Spieß od, Speer, defien ſich ehem, die Ritter im Kriege und in Turnieren bedienten, (eine Lanze mit Jemand brechen, uneig, f, fich mit ihm in einen Streit einlaſſen); auch ein Spieß der Jäger bei der Schweinsjagd, und der Wallfifchfänger; Bildh,, eine Art Spatel zum Formen in weichen Marten; 3feg. dad Lanzenfeft, ein Feft in der röm. Kirche zum Andenken an bie Lanze, mit welcher Chrifti Seite durchftochen wurde, der Speerfreitag; der Lanzenfifch, eine Art Ktippfifch 5 lanzenförmig, Bw. 5 der Lanzenfnecht, Lanzenträger eines Ritters (verſch. Landsknecht); das Lanzenkraut, eine Art des Frauenhaares in Surinam (adianthum lancea L.); der Lanzenfchwin- ger; dad Lanzenfpiel, = fiechen, Zurnier ; der Lanzenftich, = wurf u; Ableit. der Lanzener, —s, Neuw., wer eine Lanze führt, mit einer Lanze ftreitet; die Lanzette, Verkl. mit fremdartiger Endung (franz, lancette), ein Kleines zweifchneidiges Werkzeug der Wundärzte, das Laſseiſen.

lapp, Bw., landſch. gem, f. ſchlaff (vergl, Laff); der Lapp od, Lappe, N, M.-ın, gem, f. Laffe, alberner Menſch; oberd, ein Blödfinnigerz die Lapperei, M. -en, ſcherzh. auch mit fremdartiger Endung Lappalie, M, -n, verächtl, f. eine unbedeutende, geringfügige Sache, Kleinigkeit, Albern= heitz laͤppiſch, Bw., einem Lappen oder Laffen ähnlich oder angemeffen, albern, Findifch.

Lappen, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Laͤppchen, (altd, lappa, engl, u. dän, lap, ſchwed. lapp; von dem vorftehenden lappz vergl, d, griech, Aoßög, Acipos; Lippe, Lumpen 26), überh. ein fchlaff herabhangendes biegfames Stück ohne beftimmte Geftalt, 3. B. der Ohrlappen od, gew, dad Ohrlaͤppchen, die Lappen der Hunde, d, i. die herabhangenden Ohren; die Lappen der Leber; das Bartläppden am Hühnerjchnabels Fleiſch., dünne Stüde Fleifh aus dem Bauche des Rindviehs gehadtz landſch. f. Kaldaunen; Pflanz., herabhangende Pflanzentgeiles in engerer Bed. ein Stuͤck Tuch, Lein— wand ıc, von unbeftimmter Öeftalt, 3. B. Wiſch-, Waſch-, Flicklappen 2.5 oberd. auch Stuͤcke Leder zum Ausbeffern der Schuhe, Flecke; be. aud) zer= riffene Stücke Zeugd, Kleider u. dgl., ſinnv. Lumpen, Hadern 5 Jäg./ſchmale Streifen Leinwand (Tuchlappen) od. Federn (Federlappen), an eine lange Schnur befeftigt, um das Wild abzufchreden (ein Wild geht durch die Lappen, wenn es deffenungeachtet durchſetzt; daher uneig. durch dietappengehen f. entwifchen, entfommen); uneig. Schloſſ., der viereckige Theil eines Thürban— des, welcher in das Holz getrieben wird; Zfes. die Kappenfchnede, das Lapphorn, verfchiedene Schnedenarten mit hervorragender Lippe; dad Lapp⸗ jagen, eine Jagd, wobei der Jagdbezirk mit Lappen umftellt ift; das Lapp⸗ reis, Jäg., dünne Stangen zum Aufſtellen der Federlappen; die Lappitatt, Jäg., ein mit Lappen umftellter Bezirk; Ableit. lappen, ziel. Zw., ee

dur

lappern Laſche 17

durch aufgeſetzte Lappen ausbeſſern, flicken; der Lapper, —s, wer lappt, Flicker (Schuh-, Keſſellapper 2c.); lappicht, Bw., einem Lappen ähnlich, ſchlaff und weich; lappig, Bw., Lappen habend, daraus beſtehend (ein lappiges Blatt).

laͤppern, Zw. 1) ziellos m. Haben (oberd. auch lappen, läppeln; vergl. Lippe u. das lat. libare), landſch., mit der Zunge trinken, wie der Bund; ſchluͤrfen; in Fleinen Zügen trinken, nippen ; uneig. in Fleinen Theis Yen ſich allmählich anhäufen (es läppert fi zufammen ; vergl. verkippern) ; daher die Laͤpperſchuld, gem. f. eine allmählich angewachſene Schuld; 2) ziel., landſch. f. in Tropfen befprengen, befprigen (den Garten).

Lärche, w., M.-n, od. der Larchenbaum, (andſch. au Lär-, Löhrs baum 2c.; engl. larch, griech. Aagı$, lat. larix), ein Nadelholzjbaum mit dicker, braunrother Rinde, herunterhangenden Aften und vielen quaftformig aus einer Scheide wachfenden Nadeln, aud) Brechtanne, Roth, Schönbaum ze. genannt ; daher: das Lärchenharz, =holz, der Kärchenzapfen ; der Laͤrchen— ſchwamm, an Läürchenſtämmen wachfender ſchwarzer od. weißliher Schwamm.

Lärm, m., -ed, od. der Lärmen, -8, M. ungebr. (v. d. ital. all’arme, zu den Waffen! franz. alarme, engl. alarmz niederd. u, dan. Larm), eig. Yauter Aufruf od. Aufforderung zu den Waffen durch Trommeln, Trompe— ten 2c. (Lärm ſchlagen, altd. lerman slahen; Lärm blafen), auch Auffor— derung zur Hilfe bei Feuers- 0d, fonftiger Gefahr (Feuerlärm 2c.) ; in weis terer Bed, der dabei entftchende mit verworrenem Gefchrei und Geräufch verbundene Volks = Auflauf, finnv. Getümmel (fr. Tumult; blinder Lärm, f. blind); überh, lautes, verworrened Geraͤuſch, finnv, Getdfe (fpielende Kinder machen Lärm) 3 große Unruhe, lauter Zank, Streit; uneig. lautes Gerede, großes Auffehenz der Larmbläfer, -macher; die Lärmente, eine laut fehnatternde Entenart, Schnatter:, Schnarr: Entez die Laͤrmglocke, Sturm- glode; dad Laͤrmzeichen ꝛc.3 laͤrmen, ziellof, Zw, m. haben, Lärm, d, i. lautes Geraͤuſch machen, finnv, toben; laut zanken, fchelten, ſchreien; der Laͤrmer, -5, die Lärmerinn.

Larve 1. w., M.-n, Verkl. dad Laͤrochen, (v, d. lat, larva), ein geformted hohles Menfchengeficht, von dem übrigen Körper abgefondert, bef. ein ſolches, welches man zur Verftellung feines wahren Gefidhts vor demfelben befeftigt, finnv, Madfe, ehem, Mumme (daher uneig, eine Larve vornehmen f. ſich verftellen; bie Larve ablegen, 8, i, fic) in feiner wahren Geftalt zeigenz einem bie Larve abziehen, vergl, entlarven)z; uneig, verächtl. f. das wirkliche Geficht feiner bloßen Form nad) (fie ifb eitel auf ihre hübſche Larve); ferner ein mifägeftalteted Geſicht, Schreckbild, gefpenftifche Erfeheinung ; Natur, ein noch unvollfommmes, der Berwandlung untermworfenes (alfo feine voll: kommnere Geftalt gleichjam noch verhüullendes) Inſect (die Raupe ift die Larve des Schmetterlings); der Larvenball, =tanz, das Larvenſpiel ꝛc. ſ. v. w. Maskenball, Mummereiz die Larvenblume, Pflanzen mit rahenförmigen Blumen, deren beide Einſchnitte dicht zufammenfchliegenz die Larvenſchnecke, eine Art afhgrauer Mondfchneden, s

Larve 2. w., M. -n (auch Lorve, Lorfe) Jäg., eine Kerbe auf der Stell- ftange, in welche die obere Leine des Jagdzeuges gelegt wird; b. Vogelftellern ein geferbted Holz zur Befeftigung der Schlagſtecken.

Laſche, w., M. -n (miederd, Laske, ſchwed. Jaska; v. dem isländ. laska,

Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 2

18 | lafchen laſſen

zerreißenz vergl, d. lat, Jacinia), ein Feil= od. zwickelfoͤrmiger Zeugftreifen,

an Kleidungsftücden angefestz auch f, Tafchenflappe, Patte; Schuhm,, ein vierecfiges Stück Leder, weldies an das Oberleder der Schuhe angefegt wirdz “Zimmerl, ein Einfchnitt zum Zufammenfügen des Bau- od, Zimmerholzes; laſchen 1. , ziel. 3w., mit Laſchen verfehen (einen Schuh); durch Laſchen zufammenfügen Gauholz) 3 die Lafchung. lafchen ?2., ziel. Zw, (engl, lasb, slash; landſch. au) Ealafchen) gem, f. derb prügeln, bef. mit ledernen Riemen Rn einer Peitſche. Lafe, w., Mn (oberd, Lofe, Loskanne, Laffe) landſch., ein bauchiges irdened Gefäß mit Henkel und Dille (Waffer:, Bier, Weinlafe), Lafiter, m., -8 (verderbt aus sal nitri ; bſtr. Saliter) oberd. f. Salpeter. laf$, Bw., Comp. lafjer, Sup. laffelt, (altd, laz v, lazan, lezan, nieberd, fetten, aufpalten, hemmen; angelf. lat, engl. lazy; vergl. lest; lat. lassus, franz. las) ohne Kräfte oder Ihätigkeitstrieb, ſinnv. matt, fchlaff, müde, träge, faul; daher die Lafsheit, felten f. Trägheit, Schlaffheitz Läflig, Bw., Lafsheit empfindend und zeigend, träge, gemächlich (Bist. Läffige Hand macht arm); die Läffigkeit, das Läffigfein, die Trägheit. Laſsduͤnkel, m. (von undeutlicher Abftammung), vlt. f. großer Dünkel, hohe Meinung von fid) felbft. WLaſſe, m., -n, M.-n (mittl. Tat. lassus, niederd. Lätz wahrfe,. v. laſſen „d. i. frei laſſen, der Leibeigenſchaft gegen einen Zins entlaſſen) landſch., eine Urt ziuspflichtiger Unterthanen; auch der Laſsbauer; daher das Laſs— gut (niederd. Lätgood)z der Laſsherr, Grundherr eines ſolchen Gutes; der Laſszins; laſspflichtig, Bw.z Die Laſsbank, der Gerichtshof der Laſſen, aus einem Laſsrichter und mehren Laſs fchöpyen beftehend. laflen, 3w. (altd. lazan, lazen, abgef. lan ; Impf. liaz ; liez od. lie; Mw. lazen, lan; goth. letan; niederd. laten, dän. lade, engl. ler; franz. laisser, ital. lasciare; vergl. los u. d. lat. laxare), ablaut. du läflelt (gem. läſſt), er laͤſſtz Imper. laſs; Impf. ließ, Conj. ließe; Mw. gelaffen; bed. überh. a) fih) unthätig od. leidend verhalten, nicht thun, unterlaffenz; daher nicht hindern oder aufhalten, einen Huftand uicht jfüren, eine Bewegung oder Tätigkeit nicht hemmen, fie befördern; daher b) erlauben, geftatten, zulaffen; c) veranlaffen od. veranftalten, bewirken, anordnen od. befehlen, dafs etwas gefchieht z insbef. fteht es 1) ziel. mit dem Acc. inder Bed. a) 3. B. lafs das; lafs das Tadeln; fein Thun und Laffen (d. i. Unterlaffen) ; lajs mid) in Ruhe oder zufrieden; eine Sache laffen, wie fie ift; die Thür offen laffen, den Acer wüſt —; auch f. liegen laffen zurück =, übrig laffen, » B. wo haft du das Buch gelaffen ? man hat uns nichts gelaſſen; daher auch f. raͤum⸗ lich unterbringen (vergl. Gelafs), z. B. feine Schäge nicht laffen können; uneig. id) weiß meine Freude nicht zu laffen, od. ich weiß mich vor Freude, vor Schmerz u, dal. nicht zu laſſen; überh. f. anbringen, verwenden, 3. B. wo haft du das viele Geld gelaffen? d. i. wozu haft du es verwendet ?; ferner alt u. dicht. f. verlaffen (ic) laſſe dich nicht); ablaffen, abjtehen (iellos: von feiner Mei- nung laffen); hingeben, aufopfern (fein Leben für Semand Laffen), uͤberlaſſen (dem Pferde den Zügel laſſen; um ben Preis Tann ich die Waare nicht Laffen) 5 die Bewegung einer Sache nicht hindern oder fie befördern (Wein aus dem Faſſe —, d. 1. fließen laſſenz Blut, zur Aber —; fein Waffer laffen, d. i. harnen; Jemand herein ober hinaus —; ihn vor ſich —, von fich laffen 2c.); in der

u

laffen 19

Bed. b) erlauben, geftatten, vergonnen, z. B. laſs mir Zeit; einem den Vorzug laffen 20.5 2) in Verbindung mit einem Infinitiv, inder Bed. a) 3. B. etwas geſchehen laſſen (d. i. nicht hindern); Iemand gehen laſſen; laſs mich machen; das Feuer ausgehen —, etwas fallen, fahren, liegen laffen; einen Vogel fliegen laffen 5 laſs es gut fein; etwas fein oder bleiben laſſen, d. i. es unterlaffenz; oft bloß umfhreibend, 3.8. fi etwas einfallen od. träumen laffen (das habe ich mir nicht träumen laffen, d. i. das hat mir nicht geträumt); bef. zur Umfchreibung des Paffivs, z. B. ih habe mir fagen laffen ac. (d. i. mir ift gefagt worden, man hat mir gefagt); in ber Bed. b) 3. B. laſs dich belehren, tröften ze. 3 laſs dir nichts einreden (d. i. laſs nicht zu oder geftatte nit, dafs 2c.)5 ich laſſe mich nicht täuſchen, er läſſt fich feine Mühe verdrießen; lafd ihn nur fommen (d. i. mag er kommen); laſs ihn nur älter werden (d. i. warte fein Älterwerden ab); auch umfhreibend für die erfte Derfon des Imperativs mit auffordernder Kraft, 3. B. laſs uns gehen, laffet uns beten u. dgl., d. i. wir wollen gehen 20.5 und rückz. zur Bezeihnung einer pafjiven Fähigkeit od. Möglichkeit, z.B. Holz läſſt fich nicht dehnen (d. i. kann nicht gedehnt werden), ein Buch, das ſich leſen läfit (ein lesbares Buch); das läſſt ſich nicht thunz das läſſt fich denken; davon läſſt fid) viel fagenz; die Gründe Lafjen fich Hören (verdienen gehört zu werden) 5 inber Bed. c) veranlaffen, den Grund der Möglichkeit oder Waheſchein— lichfeit enthalten (3. B. die Verhältnifje laffen Krieg vermutben ; fein Betragen läſſt mic) hoffen, d. i. veranlafft mich zu hoffen 2c.)5 veranftalten, bewirken, anordnen, dafd etwas gefchieht (Waaren od. Sachen kommen od. holen laſſenz ein Riefe läſſt fich fehenz die Sängerinn ließ fi; hören; Gott läſſt die Sonne feinen; ein Kind taufen —, ein Buch druden —, ein Kind etwas lernen laffenz lafs es mich wiſſen; laſs ihn nichts merken). Wird Laffen mit einem In: finitiv verbunden, fo fteht ſowohl der perfünliche Gegenftand im Accuf., welcher als das Ziel wort (Object) von Lafjen betrachtet werden Eann (3. B. lafs mic) gehen, d. i. hindere mich nicht, zu gehen; ich ließ den Schüler leſen, d. i. ich veranlafite ihn, zu leſen; er lich mid) wiffen, dafs zc,), als auch der Gegenftand, weldher das Ziel wort des hinzugefügten Infinitivs ift, in welchem Falle ein doppelter Acc, ftehen kann (z.B. er ließ mich den Brief leſenz er ließ mich feinen Zorn fühlen u. dgl.); bei diefer zwiefacdhen Abhängigkeit des Acc., einerfeitd von laffen, andrerfeitö von dem hinzugefügten Inf. werden Säge, wie „er ließ mic) rufen‘ (d. i. er hinderte mich nicht, zu rufen, ließ zu, dafs ich rief; oder: er veranftaltete, dafs man mich rief), „er ließ mich ſtrafen“ (d. i. er veranlafjte, beauftragte mic, zu ſtrafen; od. er veranftaltete, dafs ich geftraft wurde) zweideutig und beffer durch einen vollftändigeren Ausdruck erſetzt; im Dativ ſteht nur ein als Zweckwort (Zerminativ) von dem mit la ſſen verbundenen Infinitiv abhängiger perfönlicher Gegenftand (z. B. er ließ mir fagen, d. i. er veranftaltete, dafs mir gefagt wurde; verjch. er ließ mic) fagen; er ließ mir das Geld auszahlen, d. i. er veranftaltete, dafs mir das Geld ausgezahlt wurde; hingegen: er lieg mid) das Geld auszahlen, d. i. er veranlafite mich, dafs ich das Geld auszahlte; fo auch: ich Laffe ihm (meinem. Sohne) ein Kleid machen; id) laffe ihn (den Schneider) ein Kleid machen; er ließ mir den Brief vorleſen; er ließ mich den Brief vorlefen 2c.). Statt des Mw. geluffen fteht in ver Verbindung mit einem Inf, dem Sprachgebrauche gemäß in den umfchriebenen Beitformen der Juf. Laffen (vergl, dürfen, Eönnen,

x 2%

20 Lafsgut Luft

mögen 26.5 z. B. er hat mich kommen Laffen ft. gelaffenz er hatte mie fagen Taffen, ſich bei mir melden Laffen 2c.). 3) laffen, als ziellof, unp, od, doch nur in der Sten Perfon von Sachen gebrauchtes Zw, (vielleicht von eignem Stamme, verw. mit Antlig 5 ſchwed. lita, angelf, wlitan, fehen ; isländ, laeta, ſich ftelen), gem., beſ. niederd, f, ein gewiffes Anfehen haben, aus— fehen, ſich ausnehmen (es läſſt gut, ſchön 2c.)5 auch mit dem Da t, der Per: fon, ſ. v. w.»ftehen, Eleiden (wie läſſt mir diefer Anzug? felbft der Zorn Läfft ihr Schön), 3fes. das Lafsbeden, die Lafsbinde, Becken, Binde zum Aderlaſs; das Lafseifen, Aderlafeeifen, Schnäpper, Lanzette; der Lafskopf, ſ. v. w. Schröpffopfz das Laſsreis, Forſtw., |. v. w. Hegereis; die Lafs= fünde, in der röm. Kirche eine erläſsliche, geringe Sünde, entg. Todſünde5 der Lafszapfen, landſch. f. die Zapfröhre eines Fafjes, der Hahn; Ableit, laͤſslich, Bw., oberd. f. erläfälich, was erlaffen werden Fann (eine läſsliche Sünde); die Lafslichkeit.

Lafsgut, =herr, srichter, =fehöppe, =zin3, laſspflichtig, ſ. unter Laſſe.

Lafsheit, Yaffig, Laͤſſigkeit, f. unter laſs.

Loft, w. (alt u, oberd. auch m.), M,-en, (iöl, hlass, dan, u, ſchwed. last; von laden), überh, was aufgeladen ift, getragen wird; insbef, 1) etwas Schweres, Druͤckendes, finnv, Bürde, Ladung (Efel tragen große Eaftens die Laft eines Wagens, Schiffes 2c.); auch ald Gewichtmaß von beftimmter Schwere (eine Shiffslaft = 12 Tonnen od. 4000 Pfundz eine Laft Ge— treide, in verfchiedenen Gegenden von verfchiedenem Umfange, in Hamburg 3 Wiöpel 30 Scheffel; landſch. auch ein Maß zu Fluffigkeiten: eine Laft Bier, Wein 20,5 aud) eine Laft Häringe, Salz, Steinfohlen 2c,5 in allen biefen Anwendungen bleibt La ft als Maßbeftimmung in der Mehrh, unverändert, z.B, acıt Laft Korn, Wein 20,75 auch eine unbeftimmte großg Menge od. Maffe (eine Laft Steine; uneig, eine Laft Schläge u, dal.) uneig, etwas Beſchwer— Yiched, Läftiges, ſchwere Verbindlichfeiten, Leiltungen, Abgaben u, dgl, (einem Andern Laften aufbürden; das Land hat viele Laften zu tragen ꝛe.)5 2) ein hoher Grad der Schwere (der Stein hat eine große Laftz der Grund ift zu ſchwach für die Laft des Gebäudes), u. uneig. f. Befchwerlichkeit, laͤſtiger Druck, biew, mit dem Nebenbegriff der Menge (die Laft der Gefchäfte, der Jahre; viel Laft von etwas haben; des Zages Laft und Hige tragen; feine Bes fuche find mir zur Laft, d. i. läſtig; einem zur Laſt fallen, ſ. fallen; ſich ſelbſt zur Laft feinz einem etwas zur Laſt legen, d. i. ihm die Schuld aufs bürden, es ihm zum Vorwurf maden) 5; 3fes. der Laſtbalken, Schiff. ger wiſſe Balken unter dem erften Verdeckez dad Laftholz, die gemeine Linde; laſtlos, Bw., ohne Laftz das Laflpferd, ein zum Lafttragen gebrauchtes Pferd; der Laftraum, untere Schiffraums; das Laſtſchiff, Schiff zur Fort Schaffung von Laften; das Laſtthier, ein Laften tragendes Thier; der Laſt— - träger, die Laftträgerinn, wer Laften trägt, eig. u, uneig.; das Laftvieh; der Laſtwagen, Frachtwagen ; Ableit, laften, zielloſ. 3w, m. haben, Schwer drücken, einen hoben Grad von Schwere oder Beſchwerlichkeit ha— ben (Sand, Blei ꝛc. laften ſehr; fein Unglück laftet ſchwer auf ihm); auch f; zur Laft fallen (diefer Umftand Laftet am meiften auf ihmz fr. graviren); laſt⸗ bar, Bw., fähig und gefchieft Laften zu tragen (laftbare Thiere, d. i, Laft- thiere) 5; die Laftbarkeit; laſtig, Bw., Laft habend, führend, beladen ; die Laftigfeit, der Zuftand eines Schiffes, das Laften führt, und das Ge—

Laftadie Laterne 21

wicht der Ladung, die e8 führen kann; laͤſtig, Bw., nur uneig., Beſchwerde verurfachend, fehr befchwerlich, druͤckend, zur Laſt fallend (ein Läftiges Ge- ſchäft; ein Läftiger Menſch); die Laͤſtigkeit, Befchwerlichkeit, Laſtadie, w., M. -n (ſchwed. lastage; v, d. mittl. lat. lastadium, lasta- gium , u. dieſes von Caft) in den Hafenplätzen der Oſtſee der Landungsplatz der Schiffe, wo Waaren aus= und eingeladen werden,

Laftbalken, laftbar, laften, f. unter Laft.

Lafter, f., -8, M. w. E. (altd. lastar, laster; v. d. goth, laian, lahan, island, la, angelf. leahan, ſchmähen) alt u. oberd. f. Schimpf, Beſchim— pfung, Schande, Schmach (daher; läftern, ſ. w)5 ferner was befchimpft, vd. Schande macht: grobes Vergehen, grobe Unfittlichkeit, ſinnv. Sünde, Verbrechen 5 gew. die herrfchende Neigung zum Böfen, u. beſ. zu einzelnen unfittlichen Handlungen, finnv. Untugend, Fehler (das Lafter des Trunkes u, dal.) 3 3fes. der Lafterfnecht, wer Laftern fröhnt; das Laſterleben; der Laſterſtein, landſch,, ein Stein, auf welchen Verbrecher öffentlich ausge- ftelt werden, Schandftein; die Laſterthat; laſtervoll, Bw,; Ableit. lafterhaft, Bw., zu Laftern geneigt, Lafter uͤbend, Laftern ergeben (ein laſterhafter Menfch, ein lafterhaftes Lebenz die Lafterhaftigkeit, das Lafter- haftſein; laͤſterlich, Nw. u. Bw., 1) einem Lafter ähnlich od. damit ver— bunden, f[handlih, abfheulih, fündhaft (ein Läfterliches Leben führen); 2) einer Laͤſterung ähnlich, laͤſternd (Läfterfiche Reden führen); laͤſtern, ziel. 3w, (altd. lastaron, lastron, lasteren), ſchmaͤhen, ſchimpfen, ſchaͤnden; insbeſ. vorfäglich der Wahrheit zumider Andere grober Vergehungen be= ſchuldigen od. überh. Nachtheiliged von ihnen fagen, ſinnv. verunglimpfen, verleumbden, anſchwärzen (Gott läſtern; auch ziellos: er Läftert gern; auf Se- mand läſtern) ehem, auch überh, f. tadeln, Fehler bemerken; u. f, verun— ftalten, verftümmeln; daher: der Läflerer, die Läſtrerinn, mer gern läftert, ſinnv. Verleumder; die Läſterung, das Läftern, u. die Laͤſterrede u, deren Inhalt felbftz die Laftergefchichte, Schand-, Klatſchgeſchichte 3 das Läftermaul, eine Läfternde Perfonz die Läfterrede, =fchrift (fr. Pas- - quill)3 die Lafterfchuie, uneig. ein Ort, eine Gefellfhaft, wo geläftert wird z die Läſterſucht; läfterfüchtig, Bw. ; die Läfterzunge, f. v. w. Läftermauf,

Laftholz, laftig, läſtig ac. Laſtwagen, f. unter Laft.

lateinifch, Bw., u. als Nw. auch abgek. latein (altd, latin, lat. latinum), zum alten Latium gehörig, dort einheimifch, daher Fommend, altrömifch (die lateinische Sprache; Schiff. lateiniſche Segel, d. i. dreiedige) 5 bei. die altz _ römifche Sprache betreffend, derfelben eigen, gemäß, in Iateinifcher Sprache (ein lateiniſcher Ausdruck; er fpriht, fehreibt Lateinifh od. Yateinz Iateinifhe Küche, ſcherzh. f. Avothele); das Latein, -8, die Tateinifche Sprache (ein flieendes Latein fchreiben); der Lateiner, Die Lateinerinn, Bewohner des alten Latium; wer die lateinifche Sprache verſteht.

Laterne, w., M.-n, Bert. dad Laternchen, (aus d. lat. laterna), ein durchfichtiged od. durchſcheinendes Lichtbchältnifs zum Leuchten, eine Leuchte (Blend, Hand, Straßen, Stall: Laterne 2c.) 5 uneig. ein blecherner, an den Seiten offener Aufſatz auf Schornſteinen, um zu verhindern, dafs der Wind den Rauch zurücktreibtz ein durchfichtiges Thuͤrmchen auf einer Kuppel; gem, ſcherzh. f. Kopf (etwas in der Laterne haben, d. i. beraufcht fein); auch ein Fiſch: die Meerſchwalbe; eine Art dünnfchaliger Scheidenmuͤ—

22 latſchen lau

ſcheln; die Bläffe eines Pferdes, wenn fie weiter geht als die Nafez der La— ternenträger, ein Menſch od. ein Pfahl u, dgl., welder eine Laterne trägtz ein amerifan, großes Inſect mit einem blafenartigen Jeuchtenden Körper am Kopfe,

latſchen, ziellof, 3w, m. Haben (landſch. auch Letfhen, Loifchen), gem. f, nachlaͤſſig und fchlaff einhergehen mit fchleppenden od, auf dem Boden hin: ftreifenden Füßen, bef. in weit ausgetretenen Schuhen oder Pantoffeln, finnv, ſchlarfen; der Lätſch, —es, od. Lätſchel, —s, landſch. gem,, ein nach— laͤſſiger, ſchlaffer Menſch; die Latſche, M. -n, gem, f, alte niedergetre— tene Schuhe od. Pantoffeln, auch Schlarfen genannt; plumpe wollene Troddelſchuhe GBärlatſchen); niedr. f. eine unordentliche und unreinliche weibliche Perſon; latſchig, Bw., gem., latſchend, von ſchleppendem Gang; überh. f. nachlaͤſſig, unordentlich; landſch. vom Wetter f. Aa Mo naſs, kothig, niederd, ſchlackerigz auch f. weich, weichlich; die Latſchigkeit; der Latſchfuß, das Latſchbein, auf dem Boden hinſtreifender Fuß 3. B. des Bürenz aud) ein latſchig gehender Menſchz eine Art Tauben, auch Latſch—

tauben genannt; latjchfüßig, »beinig, Bw.

Latte, w., M.-n (altd, latta; franz, latte; engl, lath), eine lange, dünne, meift vierecfige Stange, 3. B. zu Geländern, Dächern (Dadjlatten, f. Dach) u, dgl, 3 Forftw, ein junger ſchlank aufgefchoffener Baum; landſch. f. Reis, junger Baumzweig; uneig, gem, f, einen ſchlanken, hageren Men: ſchen; die Lattenfifcherei, landſch. f. Angel- od, Ruthenfiſchereiʒ der Latten— od. Lattnagel, große eiſerne Nägel mit kleinen Köpfen zum Feſtnageln der Dachlatten; dad Lattenwerk, allerlei Latten durch einander; die ſämmtlichen Latten eines Daches; der Lattenzaun ꝛc.; latten, ziel, Zw., mit Latten verſehen (ein Dach); die Lattung.

Lattich, r. als Pattig, m., —es, M. (von mehren Arten) -e (aus d. lat, lactuca, franz, laitue, engl, lettice; niederd, auch Lätfche), der Gars tenfalatz daher der Lattichſamen ꝛc.

Latwerge, w., M. -n (aus d, lat, electuarium, griech. dxAeıyuardguor), ein Dickſaft, Saftmud, zu diem Brei eingefohter Kräuterfaft als Arznei: mittel, .

Lab, m., - 08, M. Laͤtze; Verkl. dad Lachen, (wohl verw, mit Lafche u. d. lat. lacinia), ein den Oberleib bedecfendes Stleidungsftuck ohne Armel für beide Geſchlechter, ſ. v. w. Brufttudy, Leibchen, vergl, Bruſtlatzz beim weibl, Geſchlecht ein über der Schnurbruft befefligtes, unten fpis zulaufendes Bruſtſtuͤck; auch die obere die Bruft bedediende Klappe an den Schuͤrzen; die Klappe vorn an den Beinkfleidern (Hofenlas).

lau, Bw, (altd, IJao, läw, lab, angelf, hliw, ſchwed. 1y; vergl, flau), in geringem Grade warm, mild warn, bef, von Slüffigkeiten (laues Waffer,

laue Luft); uneig. f, matt, fchlaff, wenig Lebhaftigfeit zeigend, Faltfinnig, gleichgültig (laue Freundfchaftz einen lau empfangen, behandeln ꝛc.) 3 3fes. lnublütig, Bw., laues Blut habend (fr. phlegmatifh) 3 die Laublütige keit; laugläubig, Bw., gleihgültig im Glauben (fr. indiffevent); die Lau— gläubigkeitz der Laufinn, Gleihgüttigkeit, Kaltfinn; laufinnig, Bw; laumarm, Bw., ſ. v, w. lau in eig. Bed,; Ableit, lauen, ziellof, Zw.

s

m. haben, (oberd, läuen, läunen, nieberd, lünen; isländ, hla; holl, lauwen),

tandfch, f, lau fein od, werden; thauen, aufthauenz daher oberd, die Läue,

Laub Laube 23 ſchweiz. Lauin, gew. die Lauwine od, Lawine, M.-n, in Hochgebirgen eine von den Bergen herabſtuͤrzende, im Herabrollen ſich immer mehr ver- grögernde Schneemaffe, (Schneelawine: Wind, Staub, Schlag: od, Grund— lawine); die Lauheit od. Lauigteit, dad Laufein, die laue Befchaffenheit, eig. u, uneigeʒ laulich, Bw., ein wenig lau, kaum lauz die Laulichkeit ; der Lauling, -ed, M.-e, Neuw., ein lauer, gleichgültiger Menſch (fe, Indifferentiſt).

Laub, ſ., es, o. M, (altd. Ioup; goth. Iaubs, lauf; engl. leaf, Btattz niederd. Loof, ſchwed, 1öfz vergl. Laube) Sammelw,, die Blätter der Bäume und Sträucher, insbef, des fogen, Laubholzes, entg. den Nadeln des Naber- holzes, (das Laub fat abz Eichen-, Linden-, Weinlaub 2c,)3 alt u. oberd,

auch f, ein einzelnes Blatt, M. Lauber (altd. Joubir); uneig. laubähnliche Verzierungen, 3. B. in der deutfchen Karte die grüne Farbe (daher: das Laubdaus, der Laubkbnig, zober zc.)5 Forftw., die Zeit, wo die Bäume fich neu befauben, daher f. Fahr (der Schlag fteht im dritten, vier: ten 2c. Laube) 3 Landfch. der Antheil an der Benusung eines Waldes (ein Gut hat das ganze Laub 26,)5 3feg. der Laubbaum; dad Laubdachz der Lauhfall, Forftw., das Abfallen des Laubes, u. die Herbftzeitz der Laubfink, Dompfaffez die Kaubflechte, laubähnliche Flechte; der Laubfroſch, ein Kleiner apfelgrüner Froſch, der ſich gern unter dem Laube auf Bäumen aufhält, Baum: feofch 5 gem. Fpöttifch f. Jäger; der Laubgang; das Laubgehänge, = gewinde (fr. Fefton); das Laubgewölbe; das Laubholz, mit eigentlichen Blättern bekleidete Büume u. Sträuder, z. U. v Nadelholzz das Laubhuhn, Birkhuhns die Kaubhütte, eine mit belaubten Zweigen bedeckte Hütte, veral. u. Lauber— hütte; der Laubkäfer ‚, auf dem Laube lebender Käfer, beſ. f. Mai-, Iohan: nis-, und Goldfäfer; laublos, Bm. unbelaubt; das Laubmoos, Pflanz., Moofe mit großen flach liegenden Blättern meift ohne Stengel; der Laubraufch, oberd., der rothe Brand an den Bäumen; laubreich, Bw.; die Laubrolle, Buchb., eine Rolle zum Aufdrucken laubahnlicher Terzierungen auf Bücherbände; der Kaubroft, der Brand des Weinſtockes; die Laubrüft, f. u. Lauberhütte; die Laubſäge, Handw. u. Künftl., eine feine Säge zum Ausfägen Taubähnlicher Zierathen; die Laubftreu, Laub,’ als Streu für das Vieh benustz der Paub- thaler, ein franzdf, Thaler, 14 Thaler an Werth (bon dem darauf geprägten Laubkranze); dad Kaubvögelchen, der Weidenzeifig, eine Art Wedelfhwanzz der Laubwald; das Laubwerf, Mal., das nachgebilbete Faub der Bäume; allerlei laubähnliche Zierathen; v. der alten M. Lauber (fi 0.): dad Lau— berblatt, öfter. f. Baumblattz dad Kauberhuhn, landſch. f. Zinshuhn; Die Lauberhütte, landſch. f. Laubhütte (f. 0.)5 bef. die Laubhütten der Juden bei ihrem Erntefeft im Herbſte; daher: das Lauberhüttenfeit, bibl. das Feft der Laubhütten od, der Laubrüftz der Lauberzug, Schloſſ., ein laubähnlicher Bie- rath; Ableit. lauben, Zw. (altd. louben), alt u. dicht. 1) ziellos m. haben, Laub befommenz 2) ziel, f. belauben; u, f. entlauben, des Raubes berauben ; laubicht, Bw,, laubaͤhnlich; laubig, Bw,, mit Laub verfehen, belaubt,

Laube, w., M. -n (altd, louba; niederd. Eve; nicht von Laub, aber mit diefem von gleihem Stamme, welcher decken bedeutet; vergl, d. goth, hlaiw, Grab; hlija, Hüttez hlifan, heimlich thun, griech, »Adrro), urfpr, überh, ein bedeckter Raum, Gemach; insbef, landſch. ein Schoppen; eine

24 Lauben laufen

bedeckte od, uͤberbaute, am den Seiten offene Halle, VBorhalle, Vorhaus; ein offener auf Säulen ruhender Saal; oberd, und fhweiz, ein Aufßerer bedecfter Gang (Gallerie) um das obere Stockwerk eines Bauerhaufes; gem, eine mit grünen Gewaͤchſen, Bäumen, Sträuchern ꝛe. umzogene bedeckte Hütte in Gärten zc,, grüne Laube; der Laubengang, ein Gang zwifchen dichten Bäumen oder Sträuchern, die ein Laubendad) bilden; auch ein bedeckter Gang an Häufern (f. 0,)5 der Laubenſtrauch, ein Pflanzengejchleht, der Hundswinde ähnlichz laubicht, Bw,, einer Laube ahnlich,

Lauben, m., -8, M. mw. €, (dfte, die Laube), der Weißfifch,

lauben, laubig; auberhütte, Laubfall ꝛc. Laubwerk, f. Laub,

Lauch, m, -ed, M. (von mehren Arten) -e, (altd, louch, nieberd, Loof, engl, leek, dan, log; urfpr, wahrſch. Gartengewächs u. Gewächs überh, 5 vergl. d. ſchwed. Iök, griech. Auyavorv), ein zu den Zwiebelgemächfen gehö= rendes Pflanzengefchlecht von mehren Arten: Knoblaud), Berg-, Gras-, Hohl:, Schnittlauch, gemeiner od, Äſchlauch, fait alle von flüchtigem, durch— dringendem Geruch und Gefhmad und als Küchengewürz gebraucht; in engerer Bed, der zahme od. fpanifche Lauch mit kugelrunder Dolde (fr, Porree); der Lauchapfel, ein weißgelblicher, weinfäuerlicher Apfel; dad Lauchgras, eine Art Rispengras; die Rauchfarbe, die gelbgrüne Farbe des Lauches; daher " lauchfarben od. =farbig, lauchgruͤn, Bw.; das Läuchel, -3, eine Art Lauch in ven Wäldern des nördl, Europa’s,

Lauer, m, -8, , M. (altd, lura; lat, lora ; landſch. auch Laur, Glaur, Lorke 2c.), ein geringed Getränk, welches man erhält, indem man auf die ausgeprefiten Ereftern Waffer gießt, fie noch einmal prefit u, den Ablauf gähren läſſtz auch Lauerwein, Nachwein, Trefter= od, Treberwein, Waſſermoſt 2c, genannt.

lauern, ziellof, Bw, m, haben (niederd, luren, ſchwed. lura, engl. Iurkz verw, mit d. oberd, loſen, luſen, laufihen), mit Verlangen und gefpannter Yufmerffamfeit auf etwas warten, ed durch das Gehör od, Gefiht wahr— zunehmen hoffen (auf etwas od, einen —) 5 bef, einem heimlich od, hinterliftig aufpaffen, nachftellen, vergl, auflauern, belauern; die Lauer, o. M,, dab Lauern, Aufpaffen, die Nachitellung, gew, nur: auf der Lauer fein, ftehen 20,5 der Lauerer od, Laurer, - 8, wer lauert; die Lauergrube, eine Grube, worin man dem Wild auflauert,

laufen‘, ziellof, 3w. m, fein, nur in einzelnen Fällen m. haben, (altd, hloufan, loufan; goth, hlaupan, niederd. lopen, ſchwed. löpa, dan, lobe; engl, leap, fpringen), ablaut, du läuft, er läuft (oberd, auch: laufft, Läuft); Imper. lauf; Impf. lief, Conj. liefez Mw. gelaufen (oberd. gem, geloffen); 1) eig. mittelft befchleunigter Bervegung der Füße ſich fort= bewegen, verſch. gehen, fpringen, finnv, vennen, (mit einem in die Wette laufen; lauf, was du kannſt); bisw, auch f. gehen ohne den Begriff der be ſchleunigten Bewegung (3. B. das Kind lernt laufen; der lahme Hund kann nicht Yaufen) ; in diefen Bed, nur dann m, haben, wenn die Thätigkeit des Laufens felbft der Zweck ift u, die Fähigkeit od, Geſchicklichkeit des Laufenden, bezeichnet werden fol (z. B. das Kind hat vor feiner Krankheit ſchon gelaufen ; der Schnell: Läufer hat heute gelaufen u, dgl.) 3 landſch. gem. (4. B. in Berlin) überh. f. gehen, dagegen ft. Laufen „rennen“ gefagt wird; bisw. in Verbindung mit einem Accuf. zur Bezeihnung des Raumes, den man durchläuft, u. der

laufen 25

Zeit, die man laufend zubringt (feine Straße, feinen Weg —3 einen ganzen Tag laufen), u, zur Bezeichnung der Urt und Weife des Laufen: (dad Pferd Läuft einen guten Trab; Sturm laufen, ſ. Sturm)z ferner ziel, od, rüdz mit einem beiwbrtlichen Zuſatze zur Bezeichnung eines Zuftandes, in melden man fic durch das Laufen verfest, m. haben (id; habe mir die Füße wund gelaufen; er hat fi müde, außer Athem gelaufen u, dgl.); in weiterem Sinne u, befonderer uneig, Anwendung: verächtl. f. oft u. viel gehen (er Läuft in bie Spiel- und Trinkhäuſer), einen Ort od. Zuftand fchnell verändern (aus dem Dienfte laufen) 5 fliehen, entfliehen, davonlaufen (der Feind lief); einen lau= fen laffen, gem, f. fih um ihm nicht befümmern, nichts mit ihm zu thun haben wollep ; nach etwad —, fich eifrig darum bemühen od, bewerben; Gefahr —, in Gefahr gerathenz Jäg. f. fich begatten von Hunden und Dachſen (der Hund hat gelaufen); Bergw. alö ziel, Zw. laufend oder ſchnell von der Stelle fchaffen (Erze laufen, d, i, in Lauffarren fortfchaffen) 5 2) uneig, von leblofen und unfinnlihen Dingen: überh, f. fi) bewegen (die Erde läuft um die Sonnez Schiff. ein Segel laufen lafjen, d, i, es durch Löfen der Taue niederfallen laffen 3 laufendes Tauwerk, d, i. bewegliches, nicht befeftigtes); auch von der Zeit (das laufende Sahr, d, i. das noch in der Bewegung begriffene, das gegenwär— tige; der laufende Monat 2c,5 fo auch: die laufenden Geſchäfte u, dgl., d. i, die gangbaren, regelmäßig fortdauernden)3 insbeſ. f. fließen (der Schweiß, die Thränen laufen über das Gefiht), Fluͤſſigkeit von ſich laffen, 'hervordringen laffen, m. Haben (die Augen laufen ihm; ein Gefäß läuft, wenn es leck iftz ein Licht, wenn es abſchmilzt); zufammenlaufen, gerinnen (die Milch ift ge- Laufen)3 feine Richtung wohin nehmen (das Schiff läuft in den Hafenz der Zeig läuft in die Höhe, d. i, dehnt ſich aus, vergl, auflaufen; das Gebirge läuft von Weften nad) Often, d, is erſtreckt fi); daher wider etwas —, zuwider laufen, d. i, dagegen verftoßen, ftreiten (es Läuft wider den Anftand 2); auf etwas hinauslaufen (ſ. hinaus) ; der Lauf, —es, M. Läufe, alt in eis nigen Bed, Läufte (v, der alt, Einheit louft, Lauft) 1) die Handlung des Raufens (ein Pferd im vollen Laufe); Jäg. f. Begattung der Thiere u. Begat- tungszeit, gew. die Caufzeitz ferner die Bewegung leblofer u. unfinnlicher Dinge (der Lauf der Geftirne, eines Stromes 2c, ; einer Sache freien Lauf laffenz ber Lauf der Zeitz im Laufe diefes Sahres, Monats 2c,, d. i. während dieſes Jahres 26.) 5 die im Fortgange der Zeit fich entwickelnde Reihe von Veraͤn— derungen (die Zeitläufte; der Lauf der Begebenheiten; mein Lebenslauf zc,), bef, fofern fie ald nothwendige in dem Weſen der Dinge gegründet find (der Lauf der Natur, der Dinge, der Welt); Tonk. auch f. Läufer, ſ. d.3 2) das Werkzeug des Laufens, daher Jäg. die Beine aller vierfüßigen wil— den Thiere: Läufe od. Läuftez 3) dasjenige worin od. worauf ein Körper laͤuft; daher niederd, f. Fluſöbett; ein Brettergang, worauf eine Karre fortgefchoben wird; Jäg., der Platz, auf welchem das Wild beim Abjagen vor: laufen muß, Laufplatz; be, die eiferne Nöhre an Schiefgewehren, durch welche die Kugel Läuft; 3fes, 9, laufen: die Laufbahn, eig, ein gebahnter Platz zum Wettlaufen, Rennbahn; gem, uneig, die Lebensweife, der Beruf, welchen man erwählt und verfolgt (fr, Garriere, z. B. die Laufbahn des Ges lehrten, des Gefhäftsmannes ꝛc.), und das ganze Leben alö eine Reihe zu durch. laufender Veränderungen betrachtet (er nähert fi) dem Ende feiner Laufbahn) 5 das Laufband, ſ. v. w, Gängelbandz die Laufbank, der Laufftuhl oder

26 laufen —* wagen, ein mit Rädern verſehenes Geſtell, worin Kinder gehen lernen; die Laufbohne, gemeine Bohne, die an Stangen in die Höhe läuftz daB Lauf— brett, Brett an der Buchdruderpreffe, auf welchem der Karren Läuft; die Lauf- brüde, ſchmale Brücke für Fußgänger z auch ein Brettergang für Karrenſchie— ber 20,5 der Laufburfche, ein Burfhe zum Ausſchicken; die Laufdohne, efchlinge, =jchneiße, Jäg., nah an der Erde aufgeftellte Dohnen zum Fange des Federwilds; das Lauffeuer, in eine lange Linie geftreutes und dann ange: zündetes Schießpulverz aud) das Abfeuern der einzelnen Gewehre einer Heerlinie in großer Geſchwindigkeit nach einander (daher fprichw, eine Nachricht verbreitet fi), wie ein Lauffeuer); der Lauffuß, zum Laufen dienender Fuß, z. U. v. Schwimmfuß; daß Laufgeld, Handw,, das einem verfchriebenen Gefellen ver: glitete Reiſegeldz landſch. auch f. Hand = oder Werbegeldz der Kaufgraben, Kriegsb,, Belagerungsgraben mit Bruftwehren verfehen, um ſich einem befa= gerten Orte ohne Gefahr zu nähern; der Raufhund, ein fchneller Jagdhund zum Verfolgen des angefayoffenen Wildes; aud) ein ftarker Sagdhund, welcher das Wild bis zur Ermüdung verfolgt (Parforce: Hund); das Laufjogen, ein Sagen mit Laufhunden, Renn-, Hetzjagen (Harforce: Sagd)z der Laufjunge,

ſ. v. w. Laufburſche; der Laufkäfer, ein fehnell Yaufendes Käfergeſchlecht mit -

borftenförmigen Fühlhernernz der Kauffarren, Bergw., Karren zum Fort: ſchaffen der Erze 2,5 die Kaufmagd, eine Magd zum Ausſchicken z der Lauf— pafs, ein Pafs für Semand, den man fortfgyict oder entläſſt; verachtl, einem den Laufpafs geben, d. i. ihm’ entlaffen, fortjagen; dad Lauffchießen, das Schießen eines im Laufe begriffenen Thieres, z. U, v. Flugſchießen z baher: der Lauffhüse; der Laufſchmied, landſch., ein herumziehender Dorfſchmied, entg. Wohnſchmied; der Laufftuhl, wagen, ſ. Laufbank; die Laufzeit, Be gattungszeit der Hunde, Dachſe, Bären 21,5 der Laufzirkel, ein Zirkel mit rechtwinklig gebogenen Spisen zur Erforſchung der Achfenpunfte der Welle eines Rades; Ableit, die Laufel, M. -n, landſch. f. Laufdohne (ſ. o.)3 Zäg. auch die Spur der Hühner im Grafe und des Viehes um die Wälder; laufen, gew, läufeln od, läufern, ziel, 3w,, eig. auslaufen machen, gew. nur: Bohnen, Erbfen u, dal. —, aus den dürren Schalen brechend herausneh— men; der Läufer, -8, die Läuferinn, M. -en, (oberd, auch Laufer) 1) eine Perfon, welche läuft_od, laufen Fann (er ift ein guter Läufer) z in en- gerer Bed, eigenthimlich gekleidete Bedienten, welche vor dem Wagen ihres Seren herlaufenz ehem, auch f, Eilbote u, überh, Fußbote (Botenläufer); im Schachfpiel zwei Figuren, welche uber die Ecken der Felder das ganze Schach— brett durchlaufen können; 2) ein ſchnell laufendes Ihier (dies Pferd ift ein guter Läufer); bibl, bei, f das Dromedar od, Lauffameelz Natur, eine Art Landfrabben; Spinnen, welche Feine Gewebe machen; Kaͤfer (f. Laufkäfer) ; b, Bogelftellern der auf dem Herd herumlaufende u, fingende abgerichtete Vogel (Caufervogel); Landw,, junge entwöhnte Schweine bis zur erften Beaut: tung35 3) ein Ieblofer beweglicher Körper, z. B. in Mühlen der obere ſich drehende Mühlfteinz der glatte Stein, mit welchem die Farbe auf dem Reib: fteine zerrieben wird; das bewegliche Blatt der Schere Ber Tuchbereiter z Schiff, Taue, welche über eine od. mehre Scheiben fahren und diefe zu einem Takel 2c, machen; gem, die Ranken der Erdbeeren 26,3 Tonk. eine Reihe nach der Ton leiter auf einander folgender Tone, weiche ſchnell nad) einander geſungen od, gefpielt werden; läufig, Bw,, einen gewiffen Lauf, eine Bewegung oder

,

Lauge Laune ; 27

Richtung habend, nur in Zſetz. wie gerab:, krumm-, beiz, weitläufigs auch f. geläufig; und f, läufiſch, Bw, von Thieren, bef, Hunden, den Trieb zur Begattung empfindend und aͤußernd; der Läufling, —es, Me, ein Neum, f, Flüchtling, Ausreißer, Lberläufer (fe. Deferteur),

Lauge 1., w., M.-n, (altb, louga; niederd, Loge; poln, Tug ; engl, lie; lat, lix, verw. mit dem altnord. lauga, ſchwed. löga, waſchen, baden; vergl, flauen u, d, lat, lavare), ein mit einem Pflanzenſalze verſetztes und dadurch fcharf gemachted Waſſer; insbeſ. Waſſer, welches eine Zeitlang über Aſche geltanden und die darin befindlichen Salztheile in fic) aufgenommen hatz uneig. f. Schärfe, Strenge, beſ. f, beißender Tadel, fcharfer Ver— weiß; Bes, die Laugenafche, ausgelaugte Afıhe; ie Taugenblume, ein Pflanzengefchlecht mit zufammengefesten Blumen; aud) f. gelbes Ruhrfrautz der Laugenkorb, ein grob geflohtener Korb, in welden man den Laugen= ſack od, dad Laugentuch, d. i. den mit Aſche gefüllten Sad legt, um das in Lauge zu verwandelnde Wafjer durchzufeihen; das Laugenfalz, aus Lauge ges zogenes Salz, Pottaſche, auch Pflanzenlaugenfalz z. U, v. dem mine: ralifhen Laugenfalze, welches aus dem Kochfalze u, mineraliihen Waf- fern gezogen wird; beide Arten heißen fenerbeftändige Laugenſalze, z. U,v,demflüchtigen Caugenfalze od, Ammoniak; Ableit. laugen— haft od. laugicht, Bw,, f. v. mw. laugenartig, laugenähnlich; laugen, Zw., 1) ziel. (oberd, laugnen), in Lauge einweichen, beuchen, niederd, büfen (Wäſche); mitteljt warmen Wafferd ausziehen (Salz aus der Aſche), aus— laugen; 2) ziellos, ein Faſs laugt, wenn es der darin enthaltenen Flüſſigkeit den friſchen men mittheilt,

Lauge ?., w., M, -n (landfc, auch Laute, Lauwe, Laugele), oberd,, eine Art Weißfiſche.

läugnen od, leugnen, ziel, Zw. (oberd. laugnen, niederd. Iögnen; goth. laugnjan; altd. Jougnan, —*5 vergl. lügen), urſpr. verbergen, verhehlen; jetzt: fuͤr unwahr, unichtig, falfch erflären, finno, verneinen, (einen Sag, eine Folgerung); dad Dafein eines Gegenftandes verneinen (Bott läugnen) 5 bef, der Wahrheit zuwider u, gegen fein befferes Wiſſen verneinen (er läug— net es gethan zu habenz der Verbrecher Küugnete Alles) ; der Läugner, - 8, die Läugnerinn, M. -en, mer laugnet (3, B. Gottestäugner); läugbar, Bw,, (0. laugen gebildet), was geläugnet werden Fannz entg, unläugbar; die Läugbarkeit.

Laugold, ſ., (nicht von Tau, ſondern wahrſch. verw, mit laugen, läug— nen, fd, alfo f. Lauggold), oberd, f. falſches Gold, Flitter⸗ gold; daher der Laugoldſchläger, Flitterfſchläger.

Lauheit, Lauigkeit, laulich, Lauling, T. unter lau,

Laune 1. 70, M. -n (nieberd, Lune; oberd der Laun; altd, lune, Zufall, Gefhie, v, einem alten Zw, liunan, lunun, widerfahren, ſich ereignen), überh, der veränderliche, ſchnell wechfelnde Gemuͤthszuſtand; die zufällige Ge— müthöltimmung u, deren Außerung (bei guter Laune fein; auch: guter, od, übler Laune ſein; Launen haben, d. i. fehnell wechfelnde, entgegengefeste Ge: mäthsftimmungen, finnv, Grillen; uneig. auch: die Launen des Glückes, des Schickſals); in engerer Bed, f. üble Laune, mirrifhe Gemuͤthsſtimmung (ee Hat heute feine Laune); und f. gute Laune, heitere Stimmung (feine Laune heiterte mich auf; er war gerade bei Laune ꝛc.); in den Redekünſten; die eigen:

28 Laune lauſchen

thümliche Auffaſſungs- und Darſtellungsweiſe, wonach die Gegenſtände nicht ihrer eignen weſentlichen Natur, ſondern der zufälligen Gemüthsſtimmung des Darſtellenden gemäß erfcheinen (fr. Humor) ; launen, zielloſ. Zw. m, h a— ben, landſch. f. Launen haben, launiſch feinz bef. oberd, f, muͤrriſch, ver— drießlich fein (niederd, lunen); launenhaft od, launifch (landſch. auch läu— niſch, niederd, lünek), Bw., Launen habend, won veränderlicher Gemuͤths— ſtimmung, bef, oft üble Laune habend; ſinnv. grillenhaft; verſch. launig, Bw., von heiterer, lebhafter, beweglicher Gemuͤthsſtimmung, gut gelaunt, ſcherzhaft (ein launiger Einfall; ein launiger Schriftſteller, fr, Humorift) 3 die Launenhaftigkeit; verſch. die Launigkeit.

Laune ?., m, M.-n, im Mühlenbau: Balken, welde über den Doden des Mühlengerüftes liegen,

Laus, w., M. Läufe; Verkl. dad Lauschen, (altd,, niederd, u, ſchwed. lus; engl. louse), eine Gattung Eleiner, Eriechender und mit Saugruͤſſeln verfehener Infecten, die fich auf lebendigen Ihieren aufhalten 3. B. Schafs, Hühner, Hundsläufe 2c.)5 in engerer Bed. die auf dem Körper unreinlicher Menfchen Iebenden Arten (Filz-, Kleider:, Kopflaus), vorzüglich die Kopfe laus; (ſprichw. gem. ſich eine Laus in den Pelz ſetzen, d. i. fich etwas Beſchwer— liches aufladen; die Laus läuft ihm über die Leber, d. i. er wird leicht unwillig und Hisig); von der Ahnlichkeit mit den Läufen auch einige andere Infectene Arten, 3. B. die Blattlaus, |. d.5 fo wie das Thier felbft, jo gehört auch) der Namen nicht in gute Gefelfchaftz die Abteit. (f. u.) gehören der niedrigen Bolksfpr. anz fo auch die Bfeg. mit Laufe, 3. B. der Laufejunge (oberd. Lausbub), Kaufemichel ꝛc., niedrige Schimpfwörter; das Laufegold, verädtl., f. ſchlechtes, nichtönugiges Gold; der Laufewenzel, der ſchlechteſte Stangen: tabad von inländifhen Blättern, Keller; andere Zſetz. mit Laus od. gem. Läufe find: der Laͤuſe- od. Lausbaum, f. Elfebeere, deren Holz: Läuſe— holz; auch f. Heden= od. Zaunkirſche, (beide als Mittel gegen die Läufe); der Läufefanım, enger Kammz die Läuſekrankheit od. = fucht, eine Krankheit, bei welcher verdorbene Säfte und Unreinlicdykeit eine Menge Läufe erzeugen; das Läuſekraut, verfejiedene Pflanzen, welche die Läufe vertreiben follen, 3. B. eine Art Ritterfporn, defien Samen: Läuſeſamen; die Waldneffel; der gemeine Hahnenkamm; Kellerhald zc.; das Käufepulver, ein Pulver zur Tödtung der Läufe; die KLausfliege, ein zweiflügliges Infect, welches bef. die Pferde plagt, fliegende Pferdefaus; Ableit. laufen, ziel. 3w., einen —, ihn von Läufen reinigen, ihm die Läufe abſuchen; niedr. f. züchtigen, unfanft zu— rechtweifen (vergl. Kolben, u. Kolbe 2.)5 einem den Beutel —, ibm fein Geld abnehmen, 3. B. im Spiele; der Lauſer, -$, die Kauferinn, M. -en, wer einen Andern Yaufetz uneig. niedr., ein ſchmutziger Menfch, Farger Filz; laauſig, Bw., Läufe habend; uneig. niede. f. ſchmutzig, gemein, verächtlic),

filzig (ein laufiger Menfch) 5 gering, armfelig (ein laufiges Gefchent u, dal.). lauſchen, ziellof, Zw. m, haben (altd, hlosen; losen; fdjweiz, Loßen ; oberd. lofen, luſen, lauftern ; niederd, luftern, gluftern 5 altnord, hlusta; hlust, Ohr; engl, listen), 1) aufmerffam auf etwas hören, finnv, horchen , bef. mit Wohlbehagen (auf den Gefang, od. dicht. dem Gefange —)5 heimlich und verſteckt etwas beobachten, finno. lauern, vergl. belaufchen 5 2) alt u. landſch. f. unentfchloffen,, nachfinnend fein, der Nuhe pflegen (im Bette Laufchen) 5 zögern, zaudern, träge fein (in dieſer Bed. gem. auch Laufenz daher der

laut 29

Lauſer, ein Zauderer; lauſigef. träge; oberd. die Ruſung, Muße, Ruhe: zeit; vergl. d. franz. loisir, engl. leisure); die Laufche, o. M., landſch. das Raufchen, u. der Ort, wo man lauſcht, ſ. v. w. Lauerz der Laufcher, -8, die Laufcherinn, M. -en, wer lauft, find. Horcher. laut, Bw. u. Nw., Comp. lauter, Sup. lauteft, (altd. blud, lut ; niederd, u. ſchwed. lut; engl. loudz; wohl verw. mit losen, lauſchen), hörbar, vers nehmlich, entg. ſtill (laut beten; laute Freude; etwas Laut werben Laffen, d. i, in Worten Außern); bef. ſtark ind Ohr fallend, ſtark fchallend, mit ftarfer Stimme, entg. leife (laut freien; mit lauter Stimme ausrufen 2c.) 5 lärmend, geräufchvoll (er ift ſehr lautz der laute Markt) 5 uneig. f. öffentlich, offen— bar, befannt (3. 3. man darf nicht laut davon fpredhens es ift laut geworden; ein lautes Geheimnifs); oberd. überh. f. ftarf in die Sinne fallend, 3. 8. ſtark ſchmeckend, riechendz fhön, glänzend (vergl. hell); der Laut, es, M.-e (altd. u. niederd. lut; dän. Iyd, ſchwed. 1jud), überh. alles dem Ohr Bernehmbare, Hörbare, jeder Schall, fofern er gehört wird (4. B. in der tiefen Stille der Naht vernahm man Feinen Laut; Jäg. f. Ton, 3. B. das Horn hat einen guten Laut); bef. jeder durch die Stimme eined Menfchen od, ei— ned Ihiered felbftthätig erzeugte Schall (Eeinen Laut von ſich geben); in engerer Bed. die gegliederten und bedeutfamen hörbaren Beltandtheile der menfchlichen Sprache: Sprachlaute; verfh. Ton, Klang (vergl. Gelbft:, Doppel:, Mit:, Empfindungslaut 2c.)3 oberd. auch f. Sinn od, Inhalt einer Rede oder Schrift (3. B. Briefe eines Lautes, d. i. desſelben Inhaltes; vergl. gleihlautend; nad) Laut eines Schreibens u. dgl.); daher: lauf, als Vw. mit dem Gen., einen Erkenntniß- oder Beweisgrund bezeichnend: nach dem Inhalte, finnv. zufolge, gemäß (laut feiner Ausfage, Laut des erhaltenen Be- fehles ac. 5; bisw. aud) mit d. Dat., wenn ein Hauptw, ohne Beftimmmort folgt, 3. B. laut Briefen, Berichten u. dgl.); 3fes. lautlos, Bw., ohne Laut, ftil, ſtumm; die Lautloſigkeit; Ableit. lautbar, Bw., ver= nehmlich, hörbar; mehren Menfchen bekannt, ruchtbar (in diefer Bed. viel: Veicht entft. aus leutbar, alt. liutpare, v. liut, Leute); die Lautbarkeit; lautig, Bw., einen Laut Habend, lautend, nur in Zfeg. wie hoch-, tiefz lautig; fautiren, ziellof. Zw. m. haben, Neum. mit fremdartiger Endung (vergl, buchftabiren), beim Lefenlernen die Buchftaben nicht nad) ihrem Namen, fondern nad) ihrem wirklichen Laute ausſprechen; lauten, ziellof. 3m. m. haben, (altd, hludan, lutan; dan. lyde; ſchwed. ljuda), überh. laut wer= den, den Ohre vernehmlich werden, finno, ſchallen, tönen (mein Saitenfpiel foll lauten); gew. mit Beifuͤgung der Art und Weiſe ded Lautes, finnv. Elingen (mohl, übel, hell lauten 2c.) z in engerer Bed. von der menfchl. Stimme und Nedes einen bedeutfamen Laut habenz daher: in gewiffen Worten audgedrückt fein od, daraus beftehen (feine Rede lautete anders; die ffreitige Stelle lautet fo 2c,) 3 einen gewiffen Sinn od, Inhalt haben (feine Nachrich— ten lauten traurigz das lautet nicht fein, nicht anftündig, d. i. es verſtößt duch feinen Sinn gegen den Anftend); Ableit. der Lauter, -8, M. w. E., Neumw., dad Schriftzeichen fiir einen Sprachlaut, der Buchftabe; die ‚Laute, M. -n (dän, u. ſchwed. lur; engl, lute; ital, Into; franz. luth), ein befaiteted Tonwerkzeug, defjen Saiten mit den Fingern geariffen werden (die Laute fpielen oder ſchlagen; ſprichw. er ſchickt fich dazu, wie der Efel zum Lautenfchlagen, d. i. er benimmt ſich höchſt ungeſchickt); uneig, eine Art Feigen:

30 lauter leben

ſchnecken; bei Wollfärbern eine lange hölzerne Krüde zum Aufrühren der Farbez der Kautener od. Lautner, die Lautnerinn, aud; mit fremdartiger Endung: der Lauteniſt, die Lauteniftinn, ſ. v. w. Lautenfpieler, Lautenfpielerinn,

Lautenſchläger 2.5 der Lautenmacher; das Laufenfpielz der Lauten— ton 2035 ziel. Zw, (das Factitioum von lautenz alt lüten, niederd.

lüden z landſch. unr. ablaut, litt, gelitten f. lautete, geläutet), urſpr.

überh, lauten machen, ertönen oder erfchallen Yaffen (Worte läuten; einen

Befehl ausläuten, d. i, befannt machen); jest nur son Glocken u. Schellen: fie durch Schwingung ertönen laſſen (die Gloden läutenz auch: mit den

Glocken oder Schellen läuten und bloß: läuten, 3. B, es wird ſchon geläutet,

man läutet; ferner unp, es lautet f. e3 wird geläutet; daher gem, auch: die

Glocke läutet f. wird geläutetz die Feuerglode lautete; r. wäre in dieſem Sinne: Lauten); durch Läuten etwas anzeigen (Feuer läutenz zür Kirche, zu Grabe 26,)3 der Läufer, -8, wer die Glocken läutet,

lauter, Bw, u, Nw,, Comp, Jauterer, Sup, lauterft, (altd, hluttar, Iuter; niederd, luterz; dan. u, ſchwed. lutter; wahrſch. verw, mit Licht, leuchten), alt

u, oberd. f. hell, klar, durchfichtig (ein lauteres Glas, lauterer Wein; der (autere Stall, d, ti, dasjenige Stallen der Pferde, wenn das Wafjer fo wieder abgeht, wie es getrunfen worden); gem, unvermifcht, unverfälfcht, rein (lauteres Waffer, lauteres Gold ꝛc.); fo auch in fittlihem Verftande f. unverfälfcht, wahrhaft, aufrichtig (die lautere Wahrheit; die lautere Lehre; eine lautere Liebe); ferner lauter in der ungebeugten Form eines Nw. f. vollig, ganz, durchaus, nichts ald (3. B. es find lauter Lügen; lauter Ge: Thwäs5 fie ift lauter Lebenz es waren lauter junge Leute da); Ableit, die Lauterkeit, das eig, u, beſ. uneig., ſinnv. Reinheit (die Lau— terkeit ſeiner Geſinnungen; lauterlich, Nw., vlt. f, lauter; läutern, ziel, Zw., lauter machen, d. i. durchfichtig, hell, Elar machen (die Luft läutert fih; Forftw,, einen Wald läutern, ſ. v. w. lichten); daher uneig, f, Elar, deut— lich, verftändlich machen, vergl, erläutern; beſ. Rſpr. eine Erklärung oder Milderung eines dunkel oder unbillig feheinenden Urtheild von dem Richter ver- langen (die läuternde Parteiz mitt, lat. leuterare, daher gem, auch leuteri- ven); gew. von Fremdartigem befreien, reinigen (den Zuder, Branntwein, Metalle; Kürſchn. u, Weißgerb,, Zelle —, d. i. von Fett oder Kalk reinigen);5 in ſittlichem Verftande: von Irrigem, Falſchem, Unreinem befreien u. da= durch veredeln (eine Lehre; die Liebe, die Leidenfhaften, Gefinnungen 2c. —)53 die Läuferung das Läutern, eig. u, uneig,; der Läuterer, —s, wer etz was laͤutert, reinigt, veredelt; das Läuterfeuer, ein Feuer, worin z. B. Metalle geläutert werden; der Läuterkeffet, die Läuterkifte, apfanne; der Läuterofen; das Läutertuch ꝛc.

lauwarm, Lauwine od. Lawine, ſ. unter lau,

; Lavendel, m, -d, o. M, (mittl, lat, lavendula, ital, lavandola, franz, lavande), ein Pflanzengefchlecht mit wohleiehenden Blumen und Blättern, im füdl, Europa einheimifch; der gemeine Lavendel, die Spifez daher: das Lavendelwaffer, öl, der Lavendelgeiſt; dad Luvendelgras, gelbes Ruch— gras, ein angenehm riechendes Futtergras,

le, oberd. verkieineende Endfilbe, abgek. aus lein, ſ. d., vergl. el (z. B Kindle, Hemdle u, dgl.). leben, zielloſ. zw. m. haben, (goth. liban, alt». lepen, leben ; nieberd.

leben 31

Yewen, engl. live, ſchwed. lefva; verw. mit Leib, altd. lib, f. d. u, vergl. bleiben), die Fähigkeit der willkuͤrlichen Bewegung haben, belebt fein, von Menfchen u. Thieren, entg. leblos od. todt feinz daher überh. f. fich regen u. bewegen (es lebt Alles an ihm); uneig. aud) von leblofen Naturförpern f. fich bewegen, fließen (lebendes Waſſer, ein lebender Quell); in weiterer Bed. überh. mit inneren Gefäßen zum Wachſen und zur Entwickelung begabt (organifirt) und in diefer (organifchen) Entwicklung begriffen fein, von Pflanzen (diefer Baum lebt noch); in beftimmteren Anwendungen von Thieren, Menſchen und höheren Wefen: überh. f. dafein und wirfen (es lebt ein Gottz ſo wahr ich lebe! eine Betheuerungsformel) 5 uneig. auch von Sachen, Ei— genſchaften 2c.: in Kraft, Wirkſamkeit, Gebraud) fein (eine lebende Sprachez es lebt in ihm ein Heiliger Eifer); ferner dafein mit Beziehung auf die Zeita dauer, fortdauern (Lange leben; ber Menſch lebt kurze Zeit), auf den Ort wo, das Berhältnifs in welchem, die Art u. Weiſe wie man lebt, und zwar zunächft hinfichtfich des finnlichen Dafeind, des Unterhaltes, der aͤuße— ren Erfcheinung (die Fiſche leben im Waffer, die Vögel in der Luft; er Lebt auf dem Lande, bei Hofez fie leben in glustlicher Ehe; von eines Andern Gnade lebenz gutleben, d. i. mit allen Genüffen und Bequemlichkeiten; vornehm, groß —; armfelig, kümmerlich —z lebe wohl! gewöhnlicher Abſchiedsgruß; nichts zu leben haben, d. i. keinen Lebensunterhalt; er hat zu leben, d. i. er hat ſein Auskommen; Leben und leben laſſen, ſprichw. f. ſelbſt fein Leben genießen, aber auch Andere daran nicht hindern; dicht. auch: ein Leben leben); hinſichtlich der ſittlichen Lebend= und Handlungsweiſe, tes Beneh— mens ꝛc. (gut, ordentlich, rechtſchaffen —; in den Zag hinein leben, vergl. Tag; erweißzuleben, di. fi anftandig zu benehmen; einem zu Willen leben, d. i. nad) defien Willen feine Handlungen einrichten), des Lebenszweckes (für die Seinigen leben), auch mit dem Dat. (den Seinigen, ſeinem Berufe le— ben; ich lebe mir ſelbſt); mit dem Gen. f. von etwas erfüllt fein, es hegen (id) Lebe der Hoffnung, des Glaubens 2c.); dad Leben, —s, M, (felten) w. &,, (altd. leben, u. gew. der lip ; vergl. Leib), die Fähigkeit der will- Fürlichen Bewegung, überh. Beweglichkeit, Bewegung (5. B. er ift lauter Leben; es ift Alles Leben an ihm u. dgl.), u. gem. f. Unruhe, Lärm (was ift dag für ein Leben ?); der Zuftand oder das wirkende Sein eines belebten, empfindenden Weſens, in weiterer Anwendung auch von Pflanzen (Pflanzen: leben), entg. Zod, (auf Leben und Tod, d. i. mit Gefahr des Lebens; bei mei— nem Leber, f. v. w. fo wahr ich lebe; für mein Leben gern, d. i. fo gern wie ich mein Leden habe; einem das Leben retten, nehmen, ſchenken; fein Leben daran fegen, wagen; ums Leben Eommen, f. kommen; am Leben ftrafen, d. i. zur Strafe das Leben nehmen; in diefem Leben, d. i. dem gegenwärtigen, irdifchen, entg. jenes Leben, d. i. das zukünftige, ewige), mit allen Neben— begriffen des Iw., z. B. Zeitdauer, Ausdehnung des Daſeins, Lebensdauer (Anfang, Ende des Lebens; das Leben vergeht; in meinem Leben, d. i. wäh— vend meines Lebens ; einem das Leben friften) 5 Lebenslage, = VBerhältnifs, Art und Weiſe ded Lebens (Land, Stadt:, Hofleben 2c.5 einem dag Leben ver: . bitten; ein vergnügtes Leben führen; ein ordentliches, tugendhaftes, ausſchwei— fendes Leben; fein Leben andern, beſſern; das bürgerliche, gemeine, Öffentliche, häusliche Leben 2c.)5 die Neihe der Veränderungen, Begebenheiten u. Hands lungen eined Menſchenlebens: Lebensgeſchichte u, = befchreibung (Semande

32 leben

Leben erzählen od. beſchreiben z Schiller's Leben u. dgl.) 5 uneig. ein Gegenſtand vorzüglicher Liebe, was man liebt, wie fein Leben (du bift mein Leben! Tanz u. Spiel ift fein Leben) ; in Kunſtwerken: die Naturtreue, Wahrheit, Leibhaf- tigkeit der Darftellung (ein Gemälde, ein Gedicht ec. hat Leben) 5 dicht. auch f. ein lebended Weſen (ein junges Leben; alles Leben wird Staub); in weiterer Bed. auch der gefunde u, empfindliche Theil an Ihier= und Pflanzenförpern, (den Huf bis auf das Leben auswirken, d. i. bis auf den fleifchigen heil des Pferdefußes; einen dürren Aft bis auf das Leben abfchneidenz daher: es geht od. dringt bis aufs Leben, d. i. ins Innerfte, durch Mark und Bein); 3feb. von dem Bw. leben: dad Lebehoch, der Wunſch, dafs Semand hoch Iebe (vergl. hoch z einem ein Lebehoch bringenz fr. Vivat); der Kebemenfch, wer finntiche Genüffe über Alles liebt; der Kebetag, gem. Lebtag, nur in der M. Lebtage gebr. in Verbindung mit einem zueignenden Fürw. f. Lebenszeit, -dauer (z. B. ich habe ihn meine Lebtage (gew. abgek. mein Lebtag) nicht gefehen, d. i. in meinem ganzen Leben nicht) 5 das Lebewohl, der Wunſch wohl zu leben, der Abſchied (einem Lebewohl fagen); die Lebzeit, gem. nur in der M. die Lebzeiten, die Zeit u. Dauer des Lebens (bei meinen Lebzei- tem 20.)5 dv. dem Hw. Leben: der Lebenerwecker, = geber u. dgl., dicht. f. Beleber, Schöpfer; dad Lebenlang, x. getrennt: das Leben lang, d. i. das ganze Leben hindurd) (mein ganzes Leben lang 5 vergl. Lang); der Lebens⸗ abend, dicht. f. das Alter; entg. Lebensmorgen f. Tugend; das Lebens⸗ alter, die verfchiedenen Lebensabſchnitte, od. Theile der Lebensdauer; die Le⸗ bensart, die Art u. Weife zu leben 1) in Anſehung der Nahrung, der Beſchäf— tigung, der äußeren Verhältniffe, der Bequemlichkeit 2c., in diefer Bed. gew. die Lebensweiſe; 2) in Anfehung der Sitten u. bef. des Betragens im ges felligen Leben (eine auöfchmweifende Lebensart; dies ift gegen die gute Lebensart) > insber. f. gute Lebensart, anftändiges Benchmen (er hat Lebensart, oder Feine Lebensart;) der Lebensbaum, ein immergrüner harziger Baum, deſſen Holz der Fäulnifs am längften widerftehen fol; der Kebensbefchreiber (fr. Bio: graph); die Lebensbefchreibung (fr. Biographie)s die Lebensdauer; die Lebenseiche, eine Art immergrüner Eichen in Virginien z das Lebensende; der Kebensfaden, bildl., die Lebensdauer unter dem Bilde eines Fadens bes trachtet (den Lebensfaden fpinnen, abſchneiden 2c.); dad Lebensfeuer, die Le— bensflamme, das Leben mit einem allmählich erlöfhenden Teuer verglichen; die Lebensfreude; der Lebensfrieden; die Lebensfriſche; lebensfroh, Bw.; die Kebensfülle, Fülle der Lebensträftes die Lebensgefahr, Gefahr, das Leben zu verlieren; lebensgefährlich, Bw. ; mit Lebensgefahr verbunden 5 der Kebensgefährte, -genoſs; die Lebensgefährtinn, »genoffinnz; der Lebensgeiſt, die innere wirkende Urſache des Lebens; M, die Lebenögeis fter, ein vermeintlider feiner und flüffiger Stoff, welcher, im Gehirn erzeugt, ſich durch die Nerven im Körper verbreitet, Nervenfeftz der Lebensgenufsz die Lebensgeſchichte; die Lebensgluth, höchſte Wirkfamteit der Lebenskräfte; das Lebensgluͤck; lebensgroß, Bw., f. v. w. in Lebensgröße, d. i. in der Größe, die ein Gegenftand im Leben od. in der Wirklichkeit hat (ein lebens— großes Bildnifs od. ein Bildnifs in Lebensgröße); dad Lebensjahr, ein Jahr als Theil der Lebenszeit; die Rebendflugheit, die Kiugheit, deren man im gefelligen Leben bedarf; die Lebenskraft; lebenskräftig, Bw.; lebenslang od. Tebenslänglich, Ni. u. Bw., fo lange man lebt, das ganze Leben hindurch

>

leben 33 dauernd; die Lebenslänge; der Lebenslauf, vergl, Lauf; die Lebenslehre (fr, Biologie, Zoonomie); das Kebenslicht, das Leben unter dem Bilde eines brennenden Lichtes betrachtet (einem das Lebenslicht ausblafen) ; die Lebensluft, zeine, brennftoffleere (fr. dephlogiftifiete) Luft, Sauerluftz die, Lebensluft; Vebensluftig, Bw.z das Lebensmittel, gew. M. die Lebensmittel, Alles, was zum Unterhalt des Lebens dient, Nahrungsmittel; lebensmuͤde, Bw, des Lebens Überbrüffigs der Lebensmuthz die Lebensoronung, regel; der Lebenspfad, =weg, bildl,, der Weg, auf welchem man durch das Leben wanz deit, Lebensgangz der Lebensplan; die Lebensreife, bildl., die Zurkefegung der Lebenszeit; der Lebensſaft, Nervenfaft 5 lebensfatt, Bw., ſ. v. w. lebene⸗ müde; die Lebensſtrafe, im Verluft des Lebens beftehende Strafe, Todes: ſtrafez der Lebenstag, ein Tag des Lebens; uneig. aud) f. das ganze Leben, feiner Kürze wegen als ein Tag betrachtet; der Lebensuͤberdruſs; der Le— bensunterhalt, die Erhaltung des Lebens, u, das dazu Erforderliche an Speife und Zranf; lebensvoll, Bw., mit Leben, 8, i, Lebenskraft erfüllt; Der Les benswandel, die fittliche Lebenöweife, das fittliche Verhalten, vergl, Wandels; die Lebenswärme, Wärme als Zeichen des thierifchen Lebens; das Lebens wafler, feiner Branntwein (fr, Aquavit); der Lebensweg, f. Lebenspfadz die Lebensweife, f. Lebensart; die Lebensweisheit, Weisheit, die ſich thä= tig im Leben außert und auf die Handlungen der Menfchen einwirktz lebens= wierig, Bw., durd) das ganze Leben während; dad Lebenszeichen; die Les benszeit, Dauer des Lebens; dad Lebensziel; leblos, Bw., ohne Leben, finnv, todt (ein leblofer Körper); uneig. wenig Lebenskraft oder Lebhaftigkeit habend; die Lebloſigkeit; Ableit, lebendig, Bw,, (altd, lEbendec 5 erft feit der Mitte des 17ten Jahrh. mit abweichender Betonung auf der 2ten Silbe), Reben habend, finnv, lebend, belebt, entg. Leblos, todt (lebendige Geſchbpfe); auch von Öewächfen (lebendiges Holz, weldes, wenn es abgetrieben worden, wieder ausfhlägts einlebendiger Zaun, der aus grü— nenden Gewächfen befteht) 5 u. von leblofen Körpern: beweglich, fließend (le: bendiges Waffer, ein lebendiger Quell); Bewegung od. Gährung entwickelnd (lebendiger Kalk, d, i, ungelöjchter, entg. dem gelöfchten od, todten); uneig. aud lebenden Dingen beftehend, daran befindlih, od. darin gegrimdet (der lebendige Zehnte, welder in Thieren beftehtz ein lebendiger Beweis von etwas fein); Reben hervorbringend, belebend, wirkſam (eine lebendige Kraft z lebendige Erfenntnife 3 ein lebendiges Gefühl, d, i, ein wirkfames, den Willen belebendes); auch f. lebhaft, lebenskraͤftig, fehr regfam (eine lebendige Ein— bildungskraft; ein lebendiger Vortrag; er iſt lebendiger, als fie); die Leben— digkeit, das Lebendigſein, bef, auch uneig, ſinnv. Wirkſamkeit, Lebhaftig— feit, Regſamkeit; lebhaft, Bw., viel Leben, d, i. Lebenskraft- u, Bes wegung habend (ein Lebhaftes Kind, lebhafte Augen; lebhaft ſprechen; eine lebyafte Stadt, d, i. eine volfreihe und durch Verkehr belebte; ein Lebhafter Handel; ein lebhafter Verftand, der ſchnell begreift); uneig. viel Unfchauliche Feit habend (eine lethafte Schilderung, Schreibart u. dgl.; ſich etwas lebhaft vorftellen, denken); einen hohen Grad der inneren Stärke habend (eine leb⸗ bafte Farbe; eine lebhafte Empfindungs die Iebhaftefte Freude 2c.); die Lebs haftigkeit, das Lebhaftfein, in allen Bed,; lebig, Bw,, Leben habend, lebend, nur in Zſetz. wie lang=, kurz-, hartlebig; leblich, Bw., vlt. f. zum Leben dienlich (Lebliche Luft); u. f. lebhaft, belebt. |

Heyfe’s Handwörterb, d. deutfchen Epr. 2. Theil, 3

34 Leber lechzen

Leber, w., M.-n, Verkl. dad Leberchen, (altd, lebera; nieberd,

Lower, dan, lever, ſchwed. kefver; angelf, Iyfer, engl. liver; verw, mit Lab, liefern, geliefeen 5 veral, d. griech, yreg), 1) ein Eingeweide im menſchl. u. thier, Körper, beſtehend in einer braͤunlich rothen drüfigen Maffe, melde unter dem Zwerchfeile in der Gegend der rechten Unterrippen lieat, und zur Ab: fonderung und Bereitung der Galle dient, daher ehem, ald Sit der Leiden— fchaften angefehen (von der Leber weg ſprechen, d. i. freimüthig, offenherzig,

‚ohne Rückhalt) 5 uneig, etwas Leberfarbiged z. B. Arſenik-, Schwefelleber, 1. d,3 -

2) Gwahrſch. von anderem Stamme, verw, mit d. franz. lever), alt u. landſch. f. eine Erhöhung, Hervorragung, insbef, öſtr. ein Örenzftein: Leber od, Leberſtein; Zfetz. die Leberblume, eine Wiefenpflanze, gegen Leberver: ftopfungen gebraucht: Einblatt, Steinblume, weiße Leberblumez braune Le— berblume, f. v. w. Wiefenfnopf, Blutfrautz der Leberbrand, Entzün— dungskrankheit der Schafe, und des Rindviehs; leberbraun, Bw., ſ. v. w, leberfarben; der Leberbraune, oberd,, eine Art leberbrauner Weintraubenz die Keberdiftel, gemeine Sau: od. Günfediftel 5; Gänfezungez wilder Salatz die Leberentzuͤndung; das Kebererz, Bergw., ein Ieberfarbenes Federerzz

ein dergl. Kupfer und Qxestfilber Erz 5 ein röthlicher Eifenftein, Leberſchlag; }

die Reberfarbe ; leberfarben od. = farbig, Bw., röthlic) braun; der Lebers fifch, ein leberfarbener Klippfiſch; der Leberfled od, =fleden, ein leberbrauner Flecken auf der Hautz der Leberflufs, von Lederverftopfung herrührender Bauchfluſs; der Keberfuchs, ein leberfarbiges Pferd; der Keberkies, Bergw,, Bräunlicher Rupferkies; der Leberklee, eine Art des gemeinen Klees mit leber— farbenen Blumenz auch eine Pflanze mit dreiblättrigem rauhem Blumenkelch u, gew. blauen Blumenblättern, Güldenklee, Herzkraut, blaue Holzblume; Die Leberkrankheit; leberkrank, Bw,, und als Hw. ein Leberkranker 26,5 daB Leberkraut, f. v. w. Leberblumez Leberklee; Hirſchgünſel od, Wafferdeft 5 Leber: mo08 5 Pfefferkraut 20,5 der Keberlappen, verſchiedene lappichte Theile det Les ber; dad. Lebermoos, Moofe ohne Stengel mit großen, flach liegenden Blättern; bef, eine Art derfelben mit lappigen, ſchuppenweiſe über einander liegenden Blät— tern, fterhfbrmiges Lebermoos, Steinleberkrautz die Leberraufe, Mondraute, - Mondkrautz der Keberreim, eine Art Scherzgedichte, welche man ehem, bei feftlihen Mahlzeiten bei Gelegenheit der Hechtleber zu machen pflegtez der Les berſchwamm, ein auf Baumftämmen wachſender leberförmiger Schwamm, Nufs-, Blutſchwamm; der eberftein, f. Leber 2)5 die Keberverhärtung, everfiöpfungz; der Keberwurm, ein langer, flacher Eingeweidswurm in der Leber der Thierez die Leberwurft, Wurft von gehackter Leberz Ableit, lebern (niederd, lewern), ziellof, u, rückz. Zw., landſch. f. laben, geliefern, gerinnen. Lebewohl, lebhaft, lebig, leblos, Lebtag, Lebzeiten, ſ. unter leben. Lebhonig, m. (wahrſch. von laben, verdicken; vergl, Leber, Laib, u, das Yat, libum), grober, gezeidelter, vermittelft eined Sackes ausgepreffter Honig, z. U. v. dem von felbft ausfließenden Honigſeimz daher: der Leb— tuchen, landſch. aud) Lebzelten, oberd, f. Honigkuchen, Pfefferkuchen z der Lebfüchler, = küchner, Lebkuchenbäder. lechzen, ziellof, Zw. m, haben (eig. das verft, oberd, lehen, lechnen; verw. mit Led, f. d., Loch; vergl, d, grich, Adoxo, Aazis), durch große Dürre od. Trockenheit Niffe bekommen (die Erde lechzt oder zerlechzt), bef, von hol:

led leden 35

zernen Gefäßen, f. v. m, leck werden, lecken; durch) Öffnung des Mundes und fchnelles Athmen den höchften Grad von Durft zu erfennen geben; uneig. nach etmad —, heftiged Verlangen danad) empfinden und verra= then, im höchften Grade begierig fein, vergl, dürften, finnv, ſchmachten.

leck, Bw. (hol, leck; oberd, lechz engl. leaky; altnord. leka, tröpfeln z altd, lecchjan, wäſſern; vergl. lechzen), von hölzernen Gefäßen, Schiffen zc, durch Zwifchenräume in den Fugen Flüffigkeit durchlaſſend (ein leckes Faſs; das Schiff wird Is); der led, -e8, M.-e, oberd, auch die Lecke (engl, leak), cin Zwifchenraum, ein Ritz, eine Spalte in einem hölzernen Gefäg, durch welche eine Flüffigfeit dringt; lecken 1. ziellof. Zw. (oberd. Yechen z ſchwed. läcka; vergl, lechzen), 4) m, fein, tropfenweife durch die Fugen eines Gefaͤßes dringen, ausrinnen (dev Wein ift aus dem Faſſe geleckt) 3 2) m,, haben, einer Flüffigfeit durch einen Leck Durchgang verftatten, rinnen (das Faſs, das Schiff leckt; uneig, landſch. ein Licht leckt f. fließt, läuft)s der Leckwein, f. v. w. Ausbruch z Tropf- oder Traufwein; das Leckwerk, in Salzſiedereien, die Anſtalt, wo man die Sohle durch Reisbündel-Schichten hin— durchlecken oder⸗trbpfeln läſſt, um fie zu reinigen, Gradirwerk.

lecken 2., ſ. laͤckken; lecken 3. zielloſ. und ziel, 3, (goth. laigon ; altd. lecchon; niederd. licken, engl, lick, griech, Aslyeıw; lat, lingere; franz,

lecher), mit der Zunge über eine Fläche hinftreicyen (an etwas 5 die Katze

leckt ihre Pfoten); durch Lecken mit der Zunge in fich ziehen, auflecken (die Bären lecken gern Honig; der Hund leckt das Waffer), leckend reinigen oder leeren (Zeller lecken; ſich die Finger lecken; unzig. die Singer nad) etwas lecken, d, i. ſehr lüftern danach fein); gem, verächtl. f. haufig kuͤſſen; dicht, von der gleihfam zungelnden Flamme, wenn fie einen Gegenftand berührtz geleckt ald Bw, f. uͤbertrieben glatt u. fauber (ex ift, wie geleckt ein Gemälde heißt geleckt, wenn die Farben auf fteife und ängſtliche Art vertrieben find) z Ableit, die Lede, M.-ın, Landw,, ein Trog oder Ort, wo man dem Rindvieh u. den Schafen Salz zu lecken giebt (Salzlecke) 3 der Leder, - &, die Leckerinn, M.-en, wer —8 vergl. Tellerlecker, Speichelleder; wer gern leckt, d, is naſcht oder Leckerbiſſen genießt, ein leckerhafter u; in wei: terer Bed, überh. ein finnlicher, genuſsſuͤchtiger Menſch; oberd. auch verächtl.f. Zunge; bef, die Zunge des Rindviche, u, (Jäg.) des Hirſches; leder, Bw. (fchwed, lecker) 1) gern leckend, nur auögefucht wohlſchmeckende Speifen gern genießend, eigen in der Wahl der Speifen u, uneig, der Genuͤſſe uͤber— haupt (ein leckerer Menſch) 3 2) ausgefucht wohlfchmeckend (eine leckere Speifez fe. delicat) 5 daher: der Leckerbiſſen, verkl. das Kederbifschen, ein leerer Biffen, überh, eine fehr wohlfchmedende, mehr zum Genufs, als zur Sättigung dienende Speifez fo auch: das Leckereſſen, gericht; die Lederfpeife; das Ledermaul, gemein leerer Mund; ein leckerer Menſchz der Lederzahn, nur in der gem. Redensart: ſich ben Leckerzahn ausreißen, d. i, fich die Begierde nach Leckerbiſſen vergehen laſſen; leckerhaft, Bw,, nur nach den Genuffe des Reckeren begierig (ein leckerhafter Menſch; landſch. auch lecker ig) z feltner in der 2ten

Bed, von lecker (eine leckerhafte Speiferz die Leckerhaftigkeit, dad Leckerhaft⸗

fein, die Begierde nach leckeren Speifen ; die Lederheit, felten f, das Lecker⸗

fein, die ausgeſuchte Schmackhaftigkeit einer Speiſe; leckern, ziellof, Zw. m.haben, gem, f.leckerhaft fein, nad) etwas, gierig verlangen; auch unp, es leckert mich danach; die Leckerei, 1) 0. M, dad Leckern, die Be—

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„36 Leder Lee -

gierde nach leckeren Sachen u. finnlihen Genüſſen überh.ʒ 2) M. Lecke⸗ reien, ſ. v. w. Leckerbiſſen.

Leder, fi -5, M. w. ©. (altd, ledar, niederd, Ledder, ſchwed. läder; engl. leather; währe, verw, mit Lid, Dede, Kleidaıc,), gegerbie Thier⸗ haut (Rinds-, Kalb-, Schaf-, Rehleder zc,; ſprichw. aus Anderer Leer Rie— men ſchneiden, d. i. auf Anderer Koſten freigebig ſein) z niedr. verüchtl. f. Haut, Fell (einem das Leder gerben, d. i. ihn derb durchprügeln) 3 auch ein zugeſchnit— tenes Stück Leder, ein aus Leder verfertigtes Ding (Hapd-, Hutz, Ober: leder u, dgl,5; vom Leder ziehen, gem, f. den Degen aus der Scheide zie— hen; Z3fetz. der Lederarbeiter, jeder in Leder arbeitende Handwerker z leverartig, Bw., lederähnlich, bef. in Anfehung der Feftigkeit und Zähigkeit z die Lederartigkeitz der Lederband, lederne Einband eines Buches; verfc, das Lederband, Riemenz der Keverbereiter, Gerber; die Kederbereitung z die Lederblume, Gewürzſtaude lederbraun, Bw., f. v. w. kaſtanienbraun z die Lederflechte, eine zähe, dicke Nabeiflehte; das Ledergras, Waffermoos 5 der Lederhandel; der Lederhaͤndler; die Lederhandlung; der Kederhand- ſchuh, gew. lederner Handfhuhz die Lederhaut, die dickſte Schiät der Men: ſchenhautz die Lederhofe, lederne Hofez der Kederkäfer, der größte, ſchwarze Lauftäfer in Europa z die Lederkirſche, fpäte, ſchwarze Herzkirſche der Les” derleim, aus Lederabgängen gefochter Leim; der Lederſchwamm, ein Blät— terſchwamm mit fhwarzen Strunke; lederweich, Bw., weid, wie Leder (gem, einen lederweich fchlagen, d. i. derb abprügeln) 3 das Lederwerk, mehre aus

Leder ®berfertigte Dinge, alles was an einem Dinge von Leder iftz der Leder wurm, eine Krankheit des Rindviehs, beftehend in Beulen unter der Kauf, in welchen fih eine Made ausbildet; der Lederzuder, mit Süßholzfaft und Eiweiß eingekochter Zucker, als Huftenmittelz Xbleit, ledern, Bw, (oltd, lidirin), von Leder, aus Leder gemacht; gem, f. ſchlaff, ſchlecht, elend (ein lederner Menſch); ledern, ziel, Zw., mit Leder verſehen, ausledern, (eine Pumpe); uneig. gem, einen —, derb auspruͤ— geinz der Lederer, —s, (altd, lederari), oberd. f. Lederbereiter, Gerber.

ledig, Bw., (altd. niederd. Leddig z ſchwed. ledig; wahrſch. verw. mit lidan, ſich bewegenz vergl, Glied, liederlich), urfpr, ungehemmt in der

‚Bewegung, entbunden, frei, los (alt. einen ledig laſſen; Rſpr. einen ledig ſprechen; dicht, des Leibes bift du ledigz los und ledig; frei und ledig von aller Schuld); jest gew. unausgefuͤllt, leer, jedoch mit dem Nebenbegriffe, dafs eine Sache ihres früheren Inhaltes beraubt fei, oder doch etwas aufnehmen und ent= halten könne (eine ledige Flaſche, ein lediges Haus ꝛc.); unbeſetzt, unbelegt, unbeladen (ein lediger Wagen, Stuhl 2c.) 5 uneig. ohne Beſitzer, Eigenthuͤmer (ein lediges Zehn, Amt u, dgl.), unverheirathet feine ledige Perſon); landſch. f. unbefchäftigt (ledig gehen f. müßig); Jäg. f. ſchlaff (das Hängeſeil ift ledig); Bergw. fe rein, unvermiſcht (lediger Stein, d. i. reiner Geifenzinnftein; eine ledige Bergart, die leer von Metal ift); die Ledige, M.-n, in Meißen f. Lehde, f.d,; ledigen, ziel, Zw. (altd, ledigon, ledegen), ait f, ledig, leer, 108 machen, vergl. ent, erledigen; die Ledigkeit, dad Ledigſein, bef. der

unverehelichte Zuftand (die Ledigkeit des Standes); lediglich, Nw, (aftd, le- declichen) gänzlich), völlig, ganz allein, ausſchließlich (es hängt Lediglich von ihm ab),

Lee, ſ., -3, o. M, (angelf, hleow, engl, lee; ſchwed. lä; vergl, d, griech.

Leene leg 87

Aauds, lat, laevus), Schiff., die unter dem Winde befindliche, d. i, vom Winde abgewandte, Seite, Windfeite, Leefeite, entg. Lufſeitez (Alles, was auf der Sce an diefer Seite oder in diefer Gegend befindlich ift, Liegt in der Lee oder leewärts)3 daher: der Leebord; die Leebraffen (f, Braſſe); die Lee- füfte; das Leefegel, ein Segel, welches an einer Seite eines Hauptfegels mit: telft Verlängerung der Rah ausgeſetzt und bei gunftigem Fahrwinde beigeſetzt wird; leewaͤrts, Nw,, f. o., entg. lufwärts,

Leene, n. U Lehne, w., M.-n 1) (auch Lenne, Löhne, Leinz, Lindaum, Leim: Ahorn; isländ, hlinr; ſchwed. lönn), eine Urt des Ahornd, Kleiner als der gewbhnliche, Breitlaub, Breitblattz 2) (franz. laie) landſch. fr eine Bache.

leer, Bw. (altd. lari, laere; oberd, lär), nichts in oder auf ſich enthal— tend, unausgefuͤllt, unbefeßt, finnv, ledig (f. d.), entg. voll (ein leerer Raum, ein leeres Gefäß; der Beutel, der Zeller ift leer; das Haus fteht leer, d. i, un: bewohnt; mit leeren Händen fommen, d. ti, ohne Geld oder Gefhenk; Leer ausgehen, nichts befommenz leeres Stroh dreſchen; uneig. f. eine unnütze Arbeit verrihtenz ein keeres Papier, d. i, unbefchriedenes) 3 uneig. f. gefchäftz frei, müßig (leere Stunden); gehaltlos, ohne Sinn, Bedeutung, Straft, Wirkung, finnv, nichtig, eitel (ein leerer Kopf, d. i, ein unmiffender Menſch; ein leeres Herz; ein leerer Schall, leere Worte, Verſprechungen 26.)5 3fek, der Leerdarm, ein dünner Darm im menſchl. Körper; der Leerhaͤusler, bair., ein Zagelögner, der nur ein Häuschen ohne Ader befistz; leerfüpfig, Bw, einen leeren Kopf habend, unwiffend; Ableit, die Leere, das Keerfeinz aud) der leere Raum ſelbſt; die Keerheit, das Leerſein, die leere Beſchaffen— heit, eig. (3. B. des Magens) u, uneig. (z. B. feines Kopfes, einer Schrift 26.3 leeren, ziel. Zw., leer machen (3. B. die Gtäfer) 5 [ich —, leer werden ; daher der Eeerbecher, das Leerfaſs, Papierm,, ein Gefäß, den Zeug aus bem Löcher: baume zu ſchöpfen.

Leerbaum, m., oder Leertanne, w., landſch. f. Laͤrchenbaum, ſ. d.

Leeſegel, —ſeite, leewaͤrts, ſ. Lee,

Lehe, w., Mi -n (altd. lefsa), oberd, f. Lippe; hochd. nur f. große, unfdrmliche Lippen ; herabhangende Lippen der Thiere, bef. Hundes lippen= ähnliche Raͤnder (Lefzen des Muttermundes, Schamlefzen 5 Lefzen einer Orgel: ‚pfeife, d. i, der ſchräge eingedrucdte Theil derfelben),

Leg, fer es, o. M. (wahrſch. v. legenz n. U. Lech, Lech), Hüttenw,, ein Gemiſch von Kupfer, Eiſen und Arſenik, welches ſich beim Machen des Schwarzkupfers zwiſchen dieſes u, die Schlacke legt, Kupferleg; auch die Schla— cken, die ſich beim Stahlmachen an den Stahl anhängenz das Leg- od. Lech— bett, Hüttenw., ein vertiefter Platz vor dem Schmelzofen, worin der geſchmol⸗ zene Stein ſich ſammelt; der Legſchmelzofen, ein Schmelzofen, in welchem die geringhaltigen Gold- und Silbererze aus Leg geſchmelzt werden.

leg. od, lege, Bw, (niederd. leeg, oberd. läg; isländ, lagr, ſchwed. lag, hol, laag, engl, low; die Wurzel von Legen), landfch., beſ. niederd, f, niedrig, niedrig liegend oder ſtehend (Teges Land, Waffer 20.5 einleges Moor oder Legmoor, entg, Hochmoor; Schiff. leger Wall oder Legerwall, eine Küfte, welche gegen die Richtung des Windes rechte oder fpige Winkel bildet)s uneig. (vielleicht v. anderm Stamme) nieberd, f. kraftlos, unſchmackhaft, matt, kraͤnklich (leges Bier, Leg ausfehen) 5 ſchlimm, böfe ; daher der Leger f. Noth, ſchlechte Umftände,

38 legen

legen, Bw, (goth, lagjan; altd, lekjan, legian, leggan; nieberd. leggen; dän. legga; engl. Jay; griech. Ayeır,; vergl. Liegen und das vorftehende Leg) 1) ziel., eig. etwas niedrig oder liegen machen; einem Sörper eine ſolche Stellung geben, dafd er auf feiner größten Fläche ruhe, verſch. fielen, fegen (ein Buch auf den Tiſch, das Kind ins Bett —; Holz ans Feuer, etwas an.die Luft, in die Sonne —; ſich fhlafen —, zu Bette —; auch bloß: fid “Legen, nüml. ins Bett, bef, als Kranker; ein Pflafter auf die Wunde, eine fpanifhe Fliege —; ein Pferdlegen, d. i. verfihneiden, weil es dabei auf die Erde gelegt wird; Eier legen, aud) bloß: Legen f. Eier hervorbringen, von Vögeln und Inſecten); in weiterer Bed. üherh. eine Sache an einen ge= wiffen Drt od. in eine gewiffe Richtung dringen, ihr eine Stelle annoeifen, oft mit dem Nebenbegriff ded Aufbewahrens, der Dauer, der Feftigfeit ıc, (etwas bei Seite, die Kleider in den Kaften 5 Schuhe an die Füße —; Fallen, Shlingen, Fußangeln —; auch uneig. einem eine Schlinge legen; ein Schloſs vor eine Thür —, ein Schiff vor Anker, einen Hund an die Kette, einen Ver— brecher in Ketten 5 ein Steinpflafter, einen Zußboden ; den Grund zu einem Gebäude, aud) uneig. den Grund zu Semands Wohlftande ze. legen, f. Erund; Behnen, Erbfen zc. legen, d. i. in die Erde ſtecken, damit fie wachſen; Befakung in eine Stat —; fi) vor eine Stadt —, d. i. lagern, von einem Heere; Hand an einen, an ſich ſelbſt, an etwas legen, ſ. Handz ein Haus in Aſche legen, d. i. es niederbrennen; Geld auf Zinſen legen, d. i. ausleihen;

fo aud) in vielen uneig. Ausdrücken, 5. B. einem etwas in den Weg legen, ,

d. i. ihm Hinderiich fein; die Hand auf den Mund legen, d. i. Stillfehweigen beobachten 5 einem etwas nahe legen, d. i. es ihn merken laſſen; fich auf die faufe Seite legen, d. i. faul, träge werden; etwas an den Tag legen, d. i. fihtbar werden laffen, zu erkennen geben; einem die Worte in den Mund legen, d. i. ibm fagen oder zu verftehen geben, was er fprechen follz5 einem etwas zur Laft legen, f. Laft; einem das Handwerk Yegen, f. Handwerk); 2) rüdz. fi —, nachlaſſen, fich beruhigen, aufhören (dev Wind, die Kälte, der Schmerz legt fih)z; fich aufetwas-, fich anhaltend u. fleißig damit befchäftigen, ſich deffen befleißigen (er legt fi auf Spraden ꝛc.; auf das Trinken ꝛc. 3 fi aufs Bitten legen, d. i. anfangen zu bitten); ſich ind Mittel —, eine Sache zu vermitteln, beizufegen fuchen 5 fich zum Ziele —, d. i. fi) nach eines Andern Abſichten bequemen; 3) ziellod m. haben, Schiff., den Lauf nad) cinem Drte richten, dahin feuern (nad Norden zu —, mit dem Schiffe von dem Ufer. legen, u. dal.)3; Zſetz. die Legangel, Fiſch., Angelfihnüre mit Haken, welche Abends ins Waffer gelegt werden, Nachtfchnürez dad Kegeifen, Bergw., gefhärfte Stücke Eifen zur Gewinnung des Geſteins; das Legefeuer, f. v. w. Laufe od. Leitfeuerz; dad Legegeld, landſch., beim Eingang erlegtes Geld, Eintrittögeld; die Leghenne, eine Eier legende Henne, entg. Bruthenne; die Legereufe, Fiſch, auf den Grund des Waffers gelegte Neufe, Fangreuſe; der Legeſchuſs, ſ. v. w. Selbſtſchuſs; der Legeſtachel, Stachel mehrer Infecten, mit welchem ſie ein kleines Loch ſtechen, um ihre Eier hineinzulegen; die Lege⸗ ſtadt, im deutſchen Staatsrecht ehem. eine Stadt, in welcher die Stände die Reichsanlagen niederlegten oder bezahlten; bſtr., Städte, in welchen Waaren—⸗ Borräthe aus fremden Ländern niedergelegt u. verzollt werden müſſen, Stapel-⸗ ftadtz der Legetiſch (niederd. Leg get iſch), in nicberd, Handelsftäbten, ein

Zifch, auf welhem Stücke Leinwand ausgebreitet, gemeffen, geprüft u. gezeichnet

Legermall Lehen 89

werden, auch die Legebank; wer die Meſſung und Zeichnung verrichtet heißt: der Legemeiſter; die Legezeit, die Zeit, in welcher die Vögel Eier legen; Ableit. die Legde, Mi -n, Waſſerb., die Schwelle einer Schleufe z die Lege, M. -n, landſch., dad Legen; dad Gelegte, bef. die Grundlage; niederd. (gem, Leg ge). eine Bretterlage, worüber die Leinwand, die man Leg e— (gem. Legge:) Linnen nennt, ‘gezogen wird, um fie zu mefjenz aud) jeder Bug Leinwand, fo lang das Brett ift (3. B. das Stüd enthalt 20 Legen); der Leger, —s, die Legerinn, M. -en, wer etwas legt, gew. nur in Zſetz.3 Schiff. Leger, platte Fahrzeuge oder Prahme, um Schiffe, die Ealfatert werden jollen, auf die Seite zu winden 2c., Kiellichter. Legerwall, Legmoor, f. unter leg. Lehde, wi, Men (andſche aud Lade, Laite; mittl. lat. leda; ſchwed. lät, unangebaut), Landw., wuͤſt liegendes, unbebautes Land; landſch. auch f. Brachland. Lehen, od. zgez. Lehn, fe, —8, M. Lehen, (altd. lehan, niederd. Leen, dän. län; v. leihen, ſ. dy), urſpr. überh. was einem Andern geliehen wird Garlehn, Anlehn) in engerer Bed, eine Sache, ein Recht, ein Vorzug, deffen Nießbrauch der Eigenthuͤmer einem Andern unter gewiffen Bedingun— gen und. Foͤrmlichkeiten uͤbertraͤgt (z. B. Pfarrlehen, Gnadenlehen zc.) ; insbef. ein auf foldye Weife einem Andern übertragened Grundſtuͤck oder Gut, Lehngut, fe. Feudum (ein adeliges od. Ritter: Lehen, Bürger, Bauerlehens Mann, Weiberlehen 20,5 ein Lehen verdienen, d. i. bie zu deffen Erlangung ‚erforderlichen Tedingungen erfüllen; ein Lehen muthen od. finnen, d. i. um die Belehnung anfuchen; einem etwas zu Lehen geben ; ein Gut von Jemand zu Lehen tragen); landſch. jeded Sind = oder Erbzinsgut; im engften Sinne nur ein adeliged od, Nitterlehen, mit welchem Adelörechte verbunden find; die Zehen als Mehrh. (nicht als weibl, Hw., wie Andere wollen) f. dad Lehendverhältnifs, Lehnsrecht und deffen Ertheilung, Belehnung (z. B. die Lehen empfangen; einem die Lehen reihen); auch f. Lehngeld, Lehnwaare (die Lehen entrichten); Bergw. dad E chen, Alles was einem an Fundgruben und Maßen forms lich übertragen wird; auch ein Flächenmaß von 7. Lachter Länge u, Breite; in Zſetz. u. Ableit. gew. zgez. Lehn od. Lehnsz Bfes. der Lehn⸗ od. Lehns⸗ brief, Urkunde über ein ertheiltes Lehnz der Lehnbauer, buͤrger ꝛc.ʒ das Lehnsbuch, Verzeichniſs der Lehen; der Lehndienſt; der Lehnseid, Gib der Treue, welden der Lehnsmann dem Lehneheren leiftet; der Lehn= od. Lehns— erbe, Erbe eines Lehns; das Lehnerbe, ſ. v. w. Schupflehen 5 die Lehnser⸗ oͤffnung, ſ. v. w.-⸗Erledigung, auch der Lehnsfall; lehn- cd. lehnsfaͤ⸗ hig, Bw., fähig ein Lehn zu empfangenz der Behnsfehler od. = frevel, Vers lesung der Lehnspflicht (fr, Felonie); der Lehnfiſcher, landſch., ein Fiſcher, der das Recht zu fiſchen von Jemand zu Lehn trägt; die Lehnsfolge, die Erbfolge in dem Beſitz eines Lehns, ehem. auch Lehnshandz die Verbindlichkeit des dem Lehnsherrn Folge zu leiſten, beſ. zu Kriegsdienſten; der Lehnsfolger, ſ. v. w. Lehnserbe; die Lehn- od. Lehnsfrau, eine Frau, welche ein Lehn zu verleihen, od. empfangen hatz das Lehn = od. Lehnsgeld, dasje— nige Geld, welches dem Lehnsheren bei der Belefnung zur ER RHÄRER feines oberen Eigenthumsrechtes entrichtet wird, aud) der Lehngrofchen, —ſchatz, die Lehnsgebuͤhr, Lehnwaare; das Lehngut, f. o. Leyen; der Zehn = oder Lehnsherr, der obere Eigenthumsherr eines Lehns, entg. Lehnsmannz daher

*

40 Lehm lehne

die Lehnsherrlichkeit, -herrſchaft; der Lehn- oder Lehnshof, Gerichtshof eines Lehnsherrn, aud) Lehnz oder Lehnskammer, =tafel, gericht; der Lehn= od, Lehnsmann, M, = männer, u, f. beide Gefäl. =Icute, wer von einem Andern Güter zu Lehn hat, ento. Lehnsheres das Lehn- oder Lehns⸗ pferd , ein Pferd, welches dem Lehnsherrn vom Lehnsmann gehalten werden muſs, bef. zum Kriegsdienfte, Ritterpferd; die Lehnspflicht; der Lehnpropft, Vorgeſetzte eines Lehnhofesz dad Lehnrecht, ein Recht od. Gefeg in Lehnsſachen; der Inbegriff aller Lehnsgeſete (fe. Feudalrecht); daher der Lehnrechtöfundige, lehrer (fr. Seudalift)z der Lehnrichter, Richter bei einem Lehnhofes ein Land: zihter, ber fein Umt zu Lehen trägt, entg. Erbrichter; die Lehnsſache; die Lehnsfhuld, auf einem Lehngute Haftende Schuld; der Lehnfchulze, ein Dorffchulge, welcher fein Amt als ein erbliches Lehn befigtz der Lehnträger, wer die Lehen im- Namen eines Andern empfängt und für ihn die damit verbuns denen Obliegenheiten erfüllt; die Lehnstreue, =untreuez; die Lehnsverbin— dung; die Lehnsverfaffung (fe. Seudalfyftem) 5 der Lehnsvertrag; die Lehnwaare, ſ. o. Lehngeld; dad Lehnswefen, Alles was bie Lehen, die Lehneverfaffung, das Lehnrecht ꝛc. betrifft (fr. Feudalismus); der Lehnzins, von einem Lehn entrichteter Zins; A bleit. lehnbar, Bw., der Belehnung fähigz die Eigenfchaft eines Lehns habend (ein lehnbares Gut); die Eigen— Schaft eines Lehnsmanns habend (einem Fürften lehnbar ſein)z die Lehn⸗ barkeit; der Lehener od. Lehner, -3, landſch., Beſitzer eines Lehngutes, Lehnsmann; lehnhaft, Bw., die Eigenfchaft eined Lehns habend, lehn— bar; zum Lehn gehörig, darin gegruͤndet; die Lehnhaftigkeit; die Lehn— ſchaft, Bergw., eine zu Lehen gegebene Zeche oder Grube; die zu ge= meinfchaftlichem Anbau eined Bergwerks verbundenen Gewerke od, Pers fonen,

Lehm, m., - es, 0. M. (altd. leimo, leim; oberd. Laim, Lamz niederd. Leem; engl. loam; vergl. Leim, Schleim, Schlamm, lat. limus), eine mit Kalk und Sand gemifchte Thonart von gelbröthlicher Farbe, zäh u. an der Luft od. im Feuer erhartend (Bau-, Ziegel, Toͤpferlehm ꝛc.)3 8 ſetz. der Lehmboden, lehmiges Erdreichz ein von Lehm gemachter Fußboden z die Lehm— grube, ein Ort, wo Lehm gegraben wird; die Lehmhütte, eine Hütte mit Lehmwänden ; der Lehmpatzen, landſch. f. Lehmſtein, Drauerfteine von Lehm, an der Luft getrocknet, oder gebrannt, Lehmziegel; die Lehmfchindel, Dach— fehindeln mit Lehm überzogen u. verfchmiert 5 die Lehmfchwalbe, eine in Lehm gruben niftende Schwalbenartz; die Lehmwand, eine aus Lchm gemad)te, od. mit Lehm ausgektebte Wandz dad Lehmwerf, aus Lchm gemachte Bau: Arz beitz Ableit. lehmen, gem. lehmern, Bw., aus Lehm gemacht; leh— mig, Bw., Lehm enthaltend, daraus beſtehend (ein Iehmiger Boden); leh— micht, Bw., dem aufgelöften Lehm ähnlich, truͤbe (lehmichtes Waffer) 5 lehmen, ziel. 3w., mit Lehm ausfüllen, aueflebenz der Lehmer, - 8, wer - Iehmt, 2ehmarbeiter, Lehmkleber, gem. = Flickr.

Zehn, f., nebft den Bfeg. und Ableit., ſ. Lehen,

Lehnbeet, Lehnbrett, f. unter Ichnen 1,

lehne, oder lehn, Bw. 1. (isländ. linr, ſchwed. len, v. islund, lina, er: weichen, ſchwächen; angelf. lith, lind; vergl. d. lat. lenis) oberd. f. weich, ſchwach; 2. (auch leen, Yöne, angelf. hlaene, engl. lean) niederd, f. mager, abgezehrt; 3. f. lehnen 1.

Ally Sehne lehren 4

Lehne, w., M. n, 1. landſch. f. Achſnagel, Luͤnſe, f.d.5 2. ſ. unter

lehnen 1.3 3. ſ. Leene.

lehnen 1., Zw. (altd. blinen, leinanz oberd. lenen, Yainenz ſchwed. läna, dän. läne, engl. lean; griech. #Alvew, lat. clinare).1) ziellos m. haben, in feiner Stellung von der fenfrechten Linie abweichen, bef. in diefer Stellung an einem andern Körper geftügt ruhen (der Stock lehnt an der Wand; er Ichnt in einem Seſſel)3 2) ziel. und rückz. etwa 6 od. ſich —, in Die bezeich— nete Richtung bringen und an einem andern Korper ruhen laffen (den Stod an die Wand, fih an od. auf etwas od. einen Ichnen) 5 uneig. von einem Kriegs— heere u. dgl. fich an einen Berg, Wald, Fluſs ꝛc. Ichnen, d. i. von einer Seite od. im Rüden dadurch gefhüst werden; lehne, Bw., landſch., bei. nie: derd. f. fanft abhängig, ſchraͤg auffteigend, entg. fteil (der Berg erhebt ſich ganz Iehne); die Lehne, M, -n, die fehräg aufiteigende Richtung oder Stellung (in der Lehne ftehen od. liegen), bef. die fanft und allmählich aufs fteigende Seite eines Berges oder Huͤgels (Sommerlehne, der mittäg: lihe..., Winterlehne, der mitternädtliche Berg = AUbhang), landſch. auch ein fanft anfteigender Hügel felbftz ferner der Theil eined Dinges, an welchen

man ſich lehnt (die Lehne eines Stuhls, einer Bank 2c.) 5 auch f. Gelaͤnder;

3fes.». lehnen: dad Lehnbeet, Gärtn., ein Beet, welches fi) an eine ſonnige Mauer gleicyfam —* das Lehnbrett, ein Brett, woran man ſich lehnt,

z. B. in einem Boo r Lehnſeſſel, Lehnſtuhl, ein mit Rück- und Arm: lehnen verſehener S lehnen 2., 3. (zgez. aus lehenen v. Lehen, ſ. d. u. leihenz altd. lehanon,

lehnon; niederd. leenen, angelſ. hlaenan, dän. laane) 1) ziel., landſch. gem.

f. leihen, borgen in beiden Bed. (einem etwas —, u. etwas von einem —; nur die Ableit. be-, entlehnen gehören der edleren Sprache an); 2) ziellos m. haben, bei Jemand zu Lehen gehen, als Lehen von ihm abhangen (das Gut lehnet dem Fürſten); zur Lehnwaare verpflichtet ſein; der Lehner, -8, alt und landſch. f. Leiher; der Lehnladei, ein auf kurze Zeit gedungener Be: diente, Lehn-, Miethladeiz das Lehnpferd, Miethpferd; der Lehnfaß, in der Denkiehre, ein aus einer andern Wiſſenſchaft entlehnter Satz, Hülfſatz, (fr, Lemma),

lehren, ziel, 3w, (geth. laisjan, altd. leran, leren; ſchwed. lära, tan, lärez urfpr, u. noc) landſch. laut reden, fchreien ?), überh, durch mündlichen Vortrag, uneig, auch fchriftlich od. auf jede andere Weiſe, gewiffe Wahr— heiten, Kenntniſſe, Fertigkeiten ꝛe. Andern mittheilen oder beibringen, entg. lernen; 1) ohne Zielwort (der Prediger lehrt auf der Kanzel, der Schullehrer in der Schule; Chriftus Lehrte öffentlich; 2) mit Bezeichnung des Gegenftandes duch einen Infinitiv (er lehrt lefen, fihreiben, fingen, tanzen 20,5 ſprichw. Noth Iehrt beten) od, durch ein Hw. im Acc, (eine Kunft oder Wiffenfchaft lehren, d, i. darin unterrichten; uneig, Leiden lehrt Geduld; das lehrt die Vernunft, die Erfahrung); 3) mit Bezeichnung der Perfon im Acc.: einen —, d. is unterrichten, unterweifen (er lehrt feine Kinder) 3 4) mit Bezeichnung der Perfon und des Gegenftandeg zugleich; wird leg: terer durih einen In fin, auögedrudt, fo bleibt die Perfon allgemein im Acc. (3. B. er lehrt das Kind, ihn ꝛc. Schreiben, rechnen, tanzen 26,5 einen Hund

tanzen, einen Vogel pfeifen Ichren ; uneig. Volksſpr. ich will dich freien, ſchla—

gen lehren u, dgl., als ironisch drohendes Verbot f, du ſollſt nicht fehreien 2.) 5

*

42 lehren

wird aber ber Gegenftand durch ein Hw. im Acc. ausgedrückt, fo fordert die neuere Sprachlehre nad) der herrfchenden Analogie den Dat, ber Perſon (alſo: ich Ichre dir die Sprache, das Rechnen und Schreiben; er lehrt mir (nicht mid) vie. Muſik; da man aud im Paffiv fagtz dir wird die Sprache, mir wird die Muſik gelehrtz nicht: ich werde die Sprache gelehrt; doc) hat fich ber Sprachgebrauch noch keinesweges durchgängig diefer Regel gefügt, die zwar theoretifh, aber nicht gefchichtlich begründet iſt; die Altere Spradye verbindet lehren durchaus mitdoppeltem Acc, z. DB. nod) Luther: lehre mich deine Rechte; lehret foldhes eure Kinder u, dglez vergl. das allgemein übliche: einen etwas fragen), Gtatt des Mw. gelehrt in Verbindung mit einem Infin, den Infin. Lehren zu fesen (nad) Art von dürfen, können ꝛc. vergl, d,) ift weder allgemeiner, noch nahahmenswerther Sprachgebrauch (alfo nicht: er Hat mic, ſchreiben Lehrenz ich habe dich ihn kennen lehren, fondern gelehrt); landſch. une. lehren f, lernen, 1. 8,5 das Mw, gelehrt als Biw,, f. ge: lehrt; das Lehr, 5, M. -e, bei Handw, und Künftlern, ein Maf, Mufter, eine Form (vergl. Kugellehr), gew. die Lehre; die Lehre, M. -n, die Handlung des Lehrens, Bebehrung, Unterricht, Unterweifung (durd) Lehre und Beifpiel erziehen; die Kinderlehre, ſ. d,)5 der Zuſtand des Belehrtz werdens oder Lernens, bef. bei Handw. und Künftlern (bei’einem Meijter in der Lehre fein oder ftehen 5 einen Anahen in die Lehre geben 2c.)5 was gelehrt wird, der Lehrftoff 08: = Gegenftand, das insbeſ. eine vorae= tragene Wahrheit, Erfenntnifs, Meinung (neue, Miſche ehren u, dgi.), aud eine Berhaltungsregel, Borfchrift zum Handeln (einem gute Lehren geben; das kann ihm zur Lehre dienen; es foll mir eine Lehre ſein); ferner der ganze geordnete Umfang der Wahrheiten und Vorſchriften einer Urt, jede Wiſſenſchaft, fofern diefelde mündlich od. ſchriftlich dargeſtellt od, gelehrt wird (in 3fes, wie: Glaubens-, Sitten-, Vernunft», Natur-, Sprachlehre 2c,)5 bei Handw, u, Künſtlern: ein Maß, Mufter, eine Form (fr, Modell) zur Unterfuhung und Beftimmung der Größe u, Beſchaffenheit eines Dinges (vergl, Lehr), 3. B. Maur, das Bogengerüft, über welchem Bogen u. Gewölbe aufge: führt werden (die Bogenlehre, der. Lehrbogen), verfüiedene Mefswerk: zeuge der Schloffer, das Strickholz od. Stridbrett der Jäger, u. Fiſcher 2.5 3 feg. v. lehren: das Lehramt z die Lehranftalt, finnv, Unterrihts- Anftalt, Schule; die Lehrart, od, =weife, fr. Methode; die Lehrbegierde, Begierde zu lehren z Begierde nad) Lehre od, Unterricht, b. Lernbegierde; lehrbegierig,

[2

Bw., begierig zu lehren; od, belehrt zu werden, b. lernbegierig der Lehrbe⸗

griff, der ganze Umfang eines wiffenfhaftlich geordneten Lehrftoffes, fr. Syſtem der chriftliche Lehrbegriff); auch ein Eurzer Abriſs einer Wiffenfhaftz der Lehr bogen, f. 0, Lehrez der Lehrbote, f. das fr, Apoftelz der Lehrbraten oder

das Lehrefien, Handiv., ein Schmaus, den die Lehrlinge geben, wenn fie Ge:

fellen werden; der Lehrbrief, belehrender Brief (didaktifche Epiftelz die Lehr: briefe der Apoſtel); Handw,, fhrifilihe Urkunde, welche bezeugt, dafs ein Lehrling ausgrlernt z; das Lehrbuch, ein Bud), worin eine Wiffenfchaft oder Kunft gelehrt wird, bef, in gedrängter Darftellung (fr, Compendium); der Lehrburſche, f. v. w. Lehrling, ſ. u.zʒ der Lehrdichter, lehrender (fr. didak: tifher) Dichter z die Lehrdichtung, belehrende Dichtkunſt (fr, didaktiſche Poefie) 5 auch j. v. w, das Lehrgedicht, ein befehrendes (fr, didaktifches) Grdichtz die Lehrfabel, ſ. Babelz lehrfähig, Bw, fähig zu lehren; die Lehrfaͤhigkeit;

BER lei 43 die Lehrfreiheit, Breigeit bffentlich zu lehren ohne Beſchränkung des Gegen: ftantes od. der Form, entg, Lehrzwang;z die Lehrgabe, natürliche Anlage zum Lehren; der Lehrgang, ſ. 0. w. Lehrart,-weiſe,‚-plan; auch ein den Be— dürfniſſen der Lernenden angepaffter Theil od. Abſchnitt eines vorgetragenen Lehr— gegenftandes (fr, Gurfus); das Lehrgebaude (fr. Syftem), ſ. Gebäude; dad Lehrgedicht, f. unter Lehrdichtungz der Lehrgegenftandz; das Lehrgeld, Bezahlung für den Unterricht eines Lehrlings; uneig, Lehrgeld geben od, bezahlen müſſen, d, i. durch Schaden Eiug werden 5 dad Lehrgeruͤſt, Bauk., Lehrbogen zu großen Gewölbenz der Lehrherr, bei Künfttern u, Kaufleuten, der Vorge: feßte eines Lehrlings (fr. Principal) 5 bet Handw. gew, Meiſter; das Lehrjahr, M. Lehrjahre, die Sahre, welche ein Lehrling in der Lehre zubringt, die Lehr: zeitz der Lehrjunge, gem, fi Lehrlingz der Lehrfreis, der Kreis von Zuhb— rern, Schlilern, Lehrlingen, in welchen Semand lehrt; auch ein zufanımengeords neter Inbegriff mehrer Wiffenfhaften ; die Lehrkunft (fr. Didaktik); die Lehr— meinung, ein für wahr angenommener u, aufgeftellter Sag, bef. in der Glau: benelehre (fr. Dogma); der Lehrmeifter, die Zehrmeijterinn, überh. f. Lehrer,

Rehrerinn in Bezug auf den Lernenden; bef, ein Handwerfömeifter in Bezug auf

den Lehrling z das Lehrmittely die Lehrordnung; der Lehrplan; lehrreich, Bio, reich an belehrenden Wahrheiten, bef, für das Verhalten; der Lehrfaal, die Lehrftube, das Lehrzimmer; der Kehrfaß, jeder Sat, der eine Lehre, eine wiſſenſchaftliche Wahrheit od, Behauptung enthält (fr, Dogma, Theorem) 5 die Lehrſchrift, Schrift von belehrendem Inhalt u, Zwed; die Lehriparren, Zimmerl., Sparren, welche die Lehre, d. i, die Form des Daches angeben; der Lehrſpruch, ein Spruch, welcher eine Lehre für das Verhalten, eine Lebens: od. Sittenregel enthält, Sittenſpruch (fr. Sentenz, Gnome) ; der Lehrftand, -Stand des Lehrers und die Gefammtheit der demfelben anaehörigen Perfonenz die Kehrftelle; der Lehrſtoff; das Lehrſtuͤck, Abſchnitt od. Theil eines Lehr⸗ ſtoffes; der Lehrſtuhl, erhöheter Sitz des Lehrers (fr, Katheder, Kanzel); uneig, f. Lehrſtelle, Lehramt (einen neuen Lehrſtuhl für eine Wiſſenſchaft errichten); die Lehrſtunde, Uunterrichts-, Schulſtunde; der Lehrvortrag; die Lehrwand,

Waſſerb., Wände vor einem Wehr, welche dem Fluthbette ſeine Geſtalt und

Feſtigkeit geben; der Lehrweg, die Lehrweiſe, ſ. v. w. Lehrgang, Lehrart; lehrwidrig, Bw., einer Lehre widerſprechend; die Lehrwidrigkeit; der Lehr— zwang, 1. 0, Lehrfreiheit; Ableit. der Lehrer, -8, die Lehrerinn, M. - en, wer etwas lehrt (Sprach-, Schreib, Zeichenlehrerz Haus-, Kinder: lehrer) z bef, wer ein öffentliched Lehramt bekleidet (ein Schullehrer; ein Leh: ver der Rechtswiſſenſchafl 20); daher der Lehrerfiand, die Lehrerftelle ꝛe, f. v. m. Lehrſtand 2c.5 der Lehrling, —es, M. -e, (für beide Geſchlechter) überh. wer unterrichtet wird, wer lernt, ſinnv. Schuler; gew. in engerer Bed. wer bei einem Handwerker oder Kuͤnſtler in der Rehre ift, gem, Lehr— burfche, sjungez lehrbar, Bw., was gelehrt werden kann; die Lehrbar— keit; lehrhaft, Bw., vlt., ‚gefchisft und geneigt zum Lehren; Ichrreichz lehrfam, Bw., felten, Neigung zum Lehren yabend, gern lehrend; auch: willig Rehre annehmend; die Lehrfamfeit. |

lei, ehem. gew. Ley gefchr., urfpr. ein weibl. Hw. die Lei (alte. leige, oberd. laij, holl. ley, ſchwed. led), der Weg, die Urt und Weiſe, die Gat—

tung; jegt nur in Form einee Endſ. zgef. mit dem weibl. Gen. von Zah und Fürwörtern zur Bildung unbiegfamer Beiwbrter, welde die Art

44 | Rei Leib

od. Befchaffenheit bezeichnen, z. 8. einerlei (d. i. einer Art), zweier-, dreierlei, beiderleiz fo auch von undiegf. Zahlw. mit Einſchaltung derſelben Endung er: ſechſerlei, zwanzigerlei, hunderterleiz ferner: aller, vieler, mancher, Xei- nerlei 3. B. Geld, Dinge, Menfhen ꝛc.z bie Zfeg. mit Fürwbrtern, z. B. derlei, dieſerlei, welcherlei, folherlei, meiner, deinerlei zc. find großentheils vlt. u. nur noch landſch., bef. oberd.; ber Beugung find alle Bildungen diefer Art unfähig (alfo nicht: mit manderleien Waaren, fondern: mit manderlei Waaren u. dgl.)

Lei, fe, -e6, Mi. -e, landſch. f. Decke, Schirm, vergl. Lee,

Leib 1., m., —es, M, -er; Verkl. das Leibchen, (altd.lib, lip, f. Leben, Leib, Perſon; niederd. lik; engl. life, Leben z v. leben, f. d.) 1) ein beſeelter thier, oder menfchl. Körper, f. d., entg. Seele (dev Menſch beiteht aus Leib u, Geelez die Glieder des Leibes; feinen Leib od. feines Leibes pflegen z gut bei Leibe fein, d. i. wohlgenährt, fleiſchigz bei lebendigem Leibe, d. i. wäh— send man noch lebt; auch: bei Leibes Lehenz einem zu Leibe gehen, d. i. ihn angreifen; bleib mir vom Leibe, d. i. nähere dich mir nicht, berühre mid) nicht; Leib u. Leben daran wagen, verlieren 20.5 bisw. fteht im Leibe alö überflüffie ger Zuſatz um des Nahdruds willen, z. B. das Herz im Leibe thut mie weh3 er hat Fein Herz im Leibe); in engerer Bed. der Theil des Leibes zreifchen den Urmen und Beinen, der Numpf (einen um den Leib faffenz einen ſchlanken Leib Haben); in noch engerer Bed, der Unterleib, als edlerer Ausdruck f. Bauch, entg. dem Oberleibe od. der Bruft (z. B. ein dider, aufastziebener Leib; Schmer— zen im Leibe haben; offnen Leibes fein; gefegneten Leibes, d. i. ſchwanger, feinz vergl. Mutterleib)5 uneig. der Theil eines Kleidungsſtuͤckes, welcher den Rumpf bedeckt (dev Leib eines Hemdes; das Kfeid ift im Leibe zu weit); aud) ein felbftändiges Kleidungsſtuͤck ohne Armel, welches diefen Theil bedeckt (Bruft:, Schnürleib 26), bei. dad Leibchen, ein Furzes, knappes Klei⸗ dungeftück der Frauen; 2) die Perſon, der ganze Meñſch ſelbſt, vlt. u. landſch. (3.8. ein Lehen auf drei Leib, d. i. bis auf den Enkel; etwas für feinen eigenen Leib halten, d. i. für feine eigene Perſon), außer in Zſetz. wieteibarzt, z pferd, =gericht, Leibeigen, u, dgl, [. wm; 3) dad Leben, vlt. (4. B. den Leib verlieren), außer in der Redensart: bei Leibe nicht! als warnendes Derbot f. bei deinem Leben nicht, ja nicht, wenn dir dein Leben lieb ift; u. in Zſetz. wie Leibrenten, ſ. u. Zſetz. mit Leib: die Leibbiene (vielleicht v. anderm Stamm?), ein Bienenſtock, den man zur Zucht ſtehen läſſt, auch der Leibſtock, Mutterſteock, Stammſchwarm; die Leibbinde, Binde um den Leib; der Leibdienft, perfönticher Frohndienſt; leibeigen, Bw., mit feinem Leibe, d. i. feiner Perfon, einem Andern als Eigenthum angehdrig, aud) hörig (f. d.), eigen; daher: ein Zeibeigener, der, die Leibeigene, als Hw.; die Leibeigenfchaft, der Zuftand, das Berhältnifs der Leibeigenen; dad Leibeigen- thum, Eigenthumsrecht über die Perfonz der Leibfäll, landſch., Rückfall des Gutes eines Leibeigenen nad) deſſen Tode an den Eigenthumsherrn; leibfällig, Bw., dem Leibfall unterworfen (leibfüllige Güter, f. v. w, Fallgüter, Schupf: leben); die Leibfarbe, Fleiſchfarbez ſ. auch u.5 dad Leibgedinge, (vergl. Gedinge), ausbedungener Unterhalt auf Lebenszeit, bef. für die Gemahlinnen vornehmer Perfonen (das Witthum); auch die Güter, auf welche diefer Unter— halt angewiefen iſt; ferner Unterhalt, Wohnung und was außerdem ein Bauer bei Abgebung feines Bauerhofes ſich von feinem Nachfolger ausbedingt, die Leib:

*

: Leib 45

zuchtz auch f. Leibrente, f. d.5 das Leibgeld, jährliche Abgabe der leibeigenen Unterthanen an den Leibesheren, aud der Leibpfennig, = fchilling, u. wenn die Abgabe in Natur > Erzeugniffen entrichtet wird: das Leibhuhn, die Zeib- gan, der Leibhafer zx. genannt; dad Leibgeld auch landſch. f. Kopffteuer, Perfonengeld; die Leibguͤtte, f. v. w. Leibgedinge, Leibrente; der Leibgurt, od. =gürtel; dad Leibgut, ein zum lebenslänglichen Unterhalt oder zum Leib: gedinge Jemand angewiefeneg Gut; ber Leibherr, f. u. Leibesherrz die Leib— pacht, Pacht uf Lebenszeit; dad Leibrecht, ſ. v. w. Leibeigenthum ; die Leib⸗ vente, gew. M. Leibrenten, auf Lebenszeit zu geniegende Einkünfte; bef. erhöhete Binfen, weldye man fid) von einem daraeliehenen Stammgelde auf Le: benszeit ausbebingt, dagegen das Stammgeld nad) des Verleihers Tode dem Zinsgeber zufälltz der Leibrod, ein Rod, welcher bloß den Oberleib bededt, Frack; entg. Überrock; die Leibſchaar, eine Soldaten Schaar, welche die Per: fon des Herrn bewacht, Leibgarde; der Leibfihmerz, das Leibfchneiden, Leibweh, Schmerzen im Unterleibe, gem. Bauchſchmerz zc.5 der Leibſtock, f. o. Leibbiene; der Leibftuhl, anftändiger' als: Nachtſtuhlz die Leibwache, Schutzwache für die Perfon eines Fürften, Garde; die Leibwäfche, Wäſche, welche man am Leibe trägt, z. U. v. Bett:, Tiſchwäſche 2c.; dad Leibzeichen, oberd. Nſpr., gerichtlich erkanntes Zeichen gewaltfamer Ermordung an einem Leichnam; die Leibzinfen, f. v. w. Leibrenten, ſ. 0.3 die Leibzucht, ſ. Leib: gedinge; daher der Leibzuͤchter, ein Bauer, der gegen ein Leibgedinge feine Wirthfchaft einem andern übergeben hatz der Leibzwang, Stuhljwang 5; in vielen Zſetz. zeichnet das vorgefegte Leib diejenigen Perfonen, Thiereu. Dinge aus, welche unmittelbar u. auöfchlieglich die Perfon eines Fürſten ac, bes dienen oder für diejelbe gehalten werden (verih. Hof, ſ. d.), z. B. der Leib- arzt, =bäder, =jager, =Foch, =Fürfchner‘, = Eutfcher, -lackei, = fchnei= der, =fchufter, -ſchuͤtz, -wundarzt, die Leibwäfcherinn; der Leibhund, dad Leibpferds; der Leibwagen 2.5 in weiterer Anwendung bezeichnet das vorgefegte Leib im gemeinen Leben überh. ſolche Dinge, die irgend einer Per: fon vorzüglich Lieb od, angenehm find, f. v. w. Lieblings: (f. d.), z.B. das Leibefien, = gericht, die Leibfpeife, f. v. w. Lieblingsefien 2c. (es ift mein od. fein 2c. Leibgericht); ſo auch : die Leibfarbe, dad Leibgetraͤnk; der Leib— fuchen, Lieblingstuhenz. landſch. ein zu Neujahr aus feinem Weizenmehl ges badener runder Kuchens der Leibfpruc), Wahlſpruch (fr. Symbolum, Devife) 5 das Leibftück oder-ſtuͤckchen, Lieblingsſtück, z. B. von einem Braten 5 vor- züglich beliebtes Tonſtück, u. dgl. mez Zſetzz. mit Leibes: die Keibesbe= ſchaffenheit (fr. Sonftitution); dieLeibesbewegung ; die Leibesbuͤrde, Lei— besfrucht, ein Kind im Mutterleibe; der Leibeserbe, Sohn od, Tochter als Erbe, leiblicher Erbe; aud) der Erbe eines Eigengutes (fr, Allodiel: Erbe) z. U. v. Lehnserbe; der Leibesfehler, das Leibesgebrechenz die Leibesgefahr, Le: benegefahr; die Leibesgefchicklichkeit ; die Leibesgeftalt, = größe, = längez der Leibesherr, vlt., Herr eines Leibeigenenz; die Leibeskraft, körperuche Kraft oder Stärke, entg. Sceelenkraftz beſ. M, aus Leibesträften, ni, fo ſtark man kann; das Leibesleben, entg. dem Geiſtesleben (bei Leibesleben, d. i. bei Lebzeiten); die Leibesnahrung, = pflege, = forgez die Leibesſtaͤrke; die Leibesftrafe, am Leibe volzogene Strafe, Züchtigung, verſch. Lebensftrafez die Leibesuͤbung, körperliche Übung zur Beförderung der Gefundheit, Stärke und Gewandtheit (fr. gymnaſtiſche Ubung); Ableit, leiben, Zw. 1) ziellos

46 R Leib, Leiche ,

m. haben, einen Leib haben, leiblich dafein oder befchaffen fein; nur in der Nedensart: wie erleibtundlebt, d, i, wie er geftaltet ift und ſich be: wegt; 2) rüdz. fich —, landſch. f. an Leibe zunehmen, wachfen, vergl, belei- ben; leibhaft od. leibhaftig, Bw., (altd, liphaft, Yebendig) mit einem Reibe verfehen, in finnlicyer Geſtalt, perſoͤnlich, in eigner Perfon, (der leibhaf— tige Teufel; er ift es Leibhaftig); wirklich, wahrhaft, bis zur Täufchung aͤhnlich (er ift das leibhafte Bild feines Vaters, od, ber leibhaftige Vater); Die Leibhaftigkeit, ſinnliche Lebendigkeit u. Unfchaulichkeit (z. B. einer Eünft: leriſchen Darftellung); leibig, Bw., einen Leib habend, landſch. f. wohlbe— leibt; außerdem nur in Zſetz wie dick-, hartleibig ec.z leiblich, Bw. u, Nw,, dem Leibe nach, dem Leibe angehoͤrig, denſelben betreffend od. in ihm ge— gruͤndet, ſinnv. Eörperlich, entg, geiftig und geiſtlich (in leiblicher Geftalt 5 Leib: liche Eigenſchaften; etwas mit leiblichen Augen fehenz der leiblihe Tod, dr i. der natürlihe, zeitliche, entg, dem ’geiftlichen, ewigen) 5 in weiterer Beb., bef. bibl. der Koͤrperwelt angehörend, finnv, irdiſch, zeittich (leibliche Güter, Dinge); von einem Leibe, d. i. einer Perfon, Förperlich genommen, audgehend (ein Yeiblicher Eid, f. Eid), herrüihrend, erzeugt, u. in diefer Herkunft gegriindet, dem Leibe nach zuſammenhangend (leibliche Kinder, Altern, Gejchwifter, entg. Stieftinder 2c.5 ein leiblicher Exbe, ſ. v. w. Leibeserbe, ſ. 6); die Leiblichkeit, das Reiblichfein, die leibliche Befchaffenheit,

Leib ?2., m., ſ. Laib.

Leich 1., m., —es, M. -e (altfranz. lai, engl, lay; verw, mit Zei, leige, Meg, Weife (f. lei), od, von dem altd, leichen, oberd, la ichen, fpielen ?), in der Minnefängerzeit eine Gattung fingbarer Gedichte, aus ungleihförmigen Versſätzen beftehend und durch diefe ungebundene Form von dem Liede unter: ſchieden.

Leich 2., fe ed, M. -e, (oberd. Laichz von leichen, laich en, ſpielen; n. A. v. leige, Weg; celt, leuga, franz. lieue), landſch., beſ. in Thüringen u, Franken, der ebene Pla zum SKegelfpiel (Kugelteich 5 das fange, oder Eurze - Leich, |. v. w. Lang-, Kurzſchub)z in weiterer Bed, ein Streif Landes an der Grenze; eine Gaſſe (4. B. das Endleidh in Erfurt); ein Maal eder Ziel beim Ballfpielen, Wettlaufen u, dgl. (das Leich geben, abfteden ꝛc.).

Leich 3., m. od. ſ.; die Leiche, Leichen, die Leichzeit ꝛc., ſ. Laich.

Leiche, w., M. -n (goth, leik, altd. lih, liche, Fleiſch, Leibz altniederd, liek, daher Liekteken nicderd, f Narbe), urfpr, überh, der menfchliche Sörz per, lebend od. todt, das Fleifch (daher Leich dorn, ſ. u.)z jest nur der entfeelte Körper eines Menfchen, bis, auch eined Ihiered, bef. fofern er beerdigt werden foll (die Leiche begleiten, näml, zum Grabe); aud f. Reichen begängnifs (eine große Leiche; zur Leiche gehen; einen zur Leiche bitten); uneig, Buchdr. ausgelaffene Stellenz Nadl. mifsrathene Nadelköpfez Zſetz. das Leichbier, der Leichtrunk, oberd., Alles womit die Leichenbegleiter im Sterbes haufe bewirthet werden; der Leichdorn, (niederd, Liekdoorn, ſchwed. liktorn ; f. o), ſ. v. w. Hühnerauge, ſ. d. vergl, Dorn; dad Leichhuhn, ſ. u, Leichen:

eulez der Leichkorb, landſch. f. Todtenbahrez der Leichnam, es, M-e

(altd, lih -hamo, lichamo; feltner lihnamo, lichname; niederd, Licham; v. lih, Leib, und ham, Hülle, Dede (vergl, Hemd); alfo eig. Leibeshüllez isländ. likamr, Haut), urſpr. überh. der Leib eines Menſchen, lebend od, todt, (daher noch ſcherzh. feinen Leichnam pflegen u, dgl.)z gew. der todte Körper eines

leihen leicht 47

Menſchen, allgemeiner als Leiche, welches beſ. den Körper eines kürzlich Ver— ftorbenen bezeichnet vor u, bei der Beerdigung; der Zeichenader, Begräb— niſsplatzz; leichenartig, ſ. v. w. leichenhaft, ſ. u.; das Leichenbegängnifg, feierliche Leichenbeſtattung; dans Leichengepraͤnge; der Leichenbegleiter, -folger; die Leichenbegleitung; der Leichenbitter, Einlader zur Leichen— begleitung; leichenblaß, =weiß, =fahl, blaſs wie eine Leiche, ſehr blaſs; die Leichenblaͤſſe; das Leichenbuch, Todtenverzeichniſs in der Kirche; der Leichenduft, = geruc) ; die Leicheneule oder das Leichenhuhn, Nachteule, große Baumeule, deren Gefhrei ald Vorbedeutung eines Sterbefalls giltz daB Leicheneffen, =mahl, der Leichenſchmaus, feierlihe Mahlzeit nad) einem Leihenbegängniffesz die Keichenfeier, Todtenfeier 5 das Leichenfeld, mit Leichen bedecktes Schlachtfeld; die Leichenfrau, Tedtenwäſcherinn; das Leichenges Dicht, Trauergedicht, Lobgedicht auf den Verſtorbenen; das Zeichengefolge, -geleit; das Keichengerüft, ein mit Decken behängtes, geſchmücktes Gerüft, auf welches der Sarg geftellt wird (fr, Katafalk); der Leichengefang, Trauerz/ gefang, Grabgeſang oder = lied; dad Leiihengewand, =hemd, -kleid; die Leichengruft, das Leichengewoͤlbe; die Zeichenhalle, das Leichenhaus, die Leichenfammer, Haus, Kemmer zur Aufbewahrung, auch wohl zur Zerz gliederung von Leihen; die Leichenferze, -fackel; die Xeichenkoften, Bes gräbnifekoften; das Leichenkraut, Waffergarbez die Leichenöffnung, ärzt: liche od, gerichtliche ffnung einer Leiche (fr, Section, Obduction); Die Leichen⸗ rede, beim Leichenbegängniſſe gehaltene Trauerrede, Leichenpredigt, wenn ſie von einem Geiſtlichen in Form einer Predigt gehalten wird; der Leichenredner, -predigerz die Leichenſchau, -beſichtigung, =unterfuchung, gerichtl. Un: terfuchung einer Leiche, um die Todesart zu ermitteln; der Keichenfchleier, das Leichentuch, worein eine Leiche gehüllt wird; der Leichenfchmüder, die Leichenſchmuͤckerinn, wer die Leihen wäſcht u. Eleidetz die Keichenftatt od. eftätte, Beftattungsort der Leihen; der Reichenftein, Denkftein auf einem Grabe, Grabſtein; der Leichenträgerz der Leichenwagen, Wagen, auf wel- chem die Leichen zu Grabe gefahren werben ; der Leichenzug, feierlicher Zug der Leichenbegleiter Ableit, leichenhaft, Bw., einer Leiche aͤhnlich, leichen⸗ artig. ; leichen,, 3w, 1, ſ. laihenz 2. ziellos (aud) Laichen), ſchwäb, u, ſchweiz. f. ftinfen; 3, ziel, (auch liechen, lüchen, altd, Jiuhhan) oberd, u. ſchweiz. f. auk— raufen, rupfen (Flachs, Heu 2c,); aushauen, lichten (einen Wald). Leichnam, ſ. unter Leiche. leicht, Bw., Comp. leichter, Sup, leichteft, (altd. lihr, lihte; niederb, licht z angelſ. leoht, engl, light; ſchwed. lätı, dän, lär; Tat, levis; v. lichten, nieberd, liften, engl, lift, Tat, levare, heben), eig, geringe Schwere habend, fo dafs es den Mittelpunkt der Schwere zu flichen feheint, wie Dünfte, das Feuer, 26,5 überh, einen verhältnifsmäßig geringen Grad der Schwere ha— bend, entg. ſchwer (leicht wie eine Federz Holz ift leichter als Eifen, Eifen leichter ald Bleiz Leihtes Gewicht, 3. B. das Krämergewicht, in Vergleich mit dem Fleiſchergewicht; auch f. nicht vollwichtiges; ſo auch: leichtes Geldz leichte Kleidung, Bewaffnung u. dgl.z daher leicht gekleidet fein, d, i, in wenige u, dünnere Kieidungsftüdez Leichte Reiterei, d. i. leicht bewaffnete) 3 uneig. fi) rafch, ungehemmt, ohne Unftrengung oder Zwang bewegend, Feinen Zwang verrathend (leichtes Blut 5 ein leichter Gang, entg. einem ſchwer—

48 leicht

fülligen, plumpenz leichte Füße haben; Teicht tanzenz eine leichte Hand haben; eine leichte Sprade, Schreibart, d, i. eine ungeziwungene, gefällige)z; in fitt lichem Verftande: von Angſt u. Sorgen befreit, munter, lebhaft (das Gerz wird mir leicht z ein leichter Sinn), auch f. leichtfinnig, leichtfertig (er ift etwas leichtz eine leichte Perfon u, dgl.)3 ferner: einen geringen Grad innerer Stärfe habend, finnv, ſchwach, gelind (ein leichter Schmerz; eine leichte Strafe; ein leiter Schatten auf einem Gemälde); wenig Mühe, Anſtren— gung, Überwindung erfordernd, (eine leichte Sache; eine leichte Sprade, d, i. die leicht zu erlernen iſt; das ift leicht, etwas Leichtes; einem etwas Leicht maden, d.i, erleichtern), haufig mit nachfolgendem zu und einem Inf. (z. B. das ift leicht zu Jagen, zu thbunz die Sprache ift leicht zu lernen 2c,)5 als Nw, ohne Mühe od. Schwierigkeit (das Fann ich Leicht fagen, thun 26,5 man Eann ihn leicht zernig machen; du kannſt leicht denken, dafs ꝛc.), oft auch zur Be— zeichnung der MöglichFeit od. Wahrſcheinlichkeit, od, zur Verftärkung diefer Begriffe, finnv, wohl (das Tann Leicht fein, ift leicht möglich; wie leicht ift ein Unglück gefhehen!), daher: nicht leicht, ſ. v. w. fchwerlich, kaum, felten (eine fo gute Gelegenheit kommt nicht leicht wieder); Zſetz. leichtbeflügelt, = befchwingt, =geflügelt, leichtbewaffnet u, dal, Bw.; leichtblütig, Bw, (fr. fanguinifcy); Die Leichtbluͤtigkeit; leichterdings, Nw,, oberd, f. leicht, ohne Mühe; leichtfährig, Bw., leicht oder fehnell fahrend (von Fahrzeugen); Yeichtfertig, Bw., eig. ſich mit Leichtigkeit bewegend, hurtig, raſch, in dieſer Bed, nur noch niederd. (gem, lichtfardig od, = farigz ein leichtfertiger Gangz bie Arbeit geht ihm leichtfertig von der Hand); uneig, unbefonnen, unbedachtſam, vorſchnell (ein leichtfertiges Urtheil, Benehmen u. dgl); unüberlegt Handelnd, bef, gern luftige Streiche machend, doch ohne böslihe Abficht, finnv, Leichtfinnig, muthwillig (ein leichtfertiger Knabe); ohne gehörigen fittlichen Ernft, ohne ſitt— lihe Strenge, nicht fittfam, ſinnv. frei (ein Leichtfertiges Frauenzimmer); die Leichtfertigkeit, das Eeichtfertigfein, ſinnv. Leihtfinn, Muthiwillens Unfitt- lichkeitz aud) eine leichtfertige Handlung ; leichtfluͤſſig, Bw., leicht in Fluſs gerathend, leicht ſchmelzend, entg. ſtrengflüſſig (Metalle) ; die Leichtfluͤſſigkeit; leichtfüßig, Bw. G. B. ein leichtfügiger Tänzer), uneig. f. leichtfertig, Leichte finnig; die Leichtfüßigfeitz leichtglaͤubig, Bw., leicht und ſchnell und ohne Prüfung glaubend; die Leichtgläubigfeit,; das Leichtholz, eine Art des Stahlbaumes mit fehr leichtem Holz; der Keichtfinn, leicht bewegliche, flüchtige Denk: und Gemüthsart, als fehlerhafte Eigenſchaft (verſch. leicht er Sinn), unüberleate Handlungsweife; die Geneigtheit, aus vorſätzlicher Unterlafjung der Überlegung wichtige Dinge für unwichtig zu nehmen, Mangel an Ernft u, fefter Geſinnung; leichtfinnig, Bw, , Leichtſinn befigend, darin gegründet, finnv, Yeichtfertig, flatterhaft, (ein Leichtfinniger Menſch, leidhtfinnige Reden); die Reichtfinnigfeit, das Leihtfinnigfein, ſinnv. Leichtfertigkeitz auch eine leicht: finnige Handlung ; Ableit. die Leichte, Leichtheit, gew. (u, in uneig. Bed, ausſchließlich) Leichtigkeit, das Leichtſein, die leichte Befchaffenheit, eig (z. B. eines Körpers, Gewichtes 2c.), u. uneig. in allen Bed. v. leicht (3. B. des Ganges, einer Sache), geringe Mühe od. Schwierigkeit (die Leichtigkeit einer Sprache; feine Leichtigkeit zu fhreiben u, dgt.); leichten, ziel. Zw. 1) fel- ten fs leicht machen; 2) (m. U, feuchten; vielleicht verw, mit laden, hauen) Landfch. f. verfchneiden (Lüämmer) ; daher die Leichte, landſch. f. Verfchneidung der Schafe; leichtern, ziel. 3m, , vlt, f. leichter machen, erleichtern, Gibl.

h leichtere

leid 49

teichtere das Zoch 2c.)5 leichtlich, Nw. von leicht, meift vlt. f. ohme Mühe, ohne Schwicrigfeit,

leid, Bw,, Comp, leider und Sup, leideft felten gebr,, (altd, leit, leide; oberd, faib, ſchwed. led u, angelf, lath, zornig, hafslichz ital, laido, franz, laid, häſslichz wahrſch. verw, mit ver=-Legen, lat, laedo; alfo eig, verlegend), ehem, überh. eine unangenehme od, fchmerzliche Empfindung verurfachend, daher f. häfslich, abfcheulich, befchwerlich, betriibend (ein Leider Anblick, die leiden Gäſte u, dgl.)5 jest nur in ungebeugter Form (leid) in Verbindung mit fein, thun u, werden u, dem Dat, der Perfon f. Schmerz, innere Unruhe, Neue erregend, entg, Lieb (fein Vergehen ift ihm leid, d. i. er be- reut es; es ift od, thut mir leid, dafs es gefchehen ift, d, i, dauert od, reuet mich; es wird ihm einmal leid werben z es thut mir leid um ihn, d, i,ich bedaure ihn 5 laſs dir das nicht leid Eu 2c.)3 gebeugt wird es nur in der Form eines ſächl. Hw,: Leides oder ein Leides in den Redensarten: einem Leides thun, d. i. ihm Leid zufügenz fich ein Leides thun, d. i. ſich ein Übel zufügen, bef, fi) ums Leben bringen ; das Leid, es, 0. M. (oberd, Laid, niederd, Leed, ſchwed. led) 1) (altd, daz leit) was fehmerzliche Empfindung erregt, ein Übel, eine Kränfung, Beleidigung (einem ein Leid thun, gew. ihm etwas zu Leide thunz es fol dir kein Leid gefchehen, widerfahren zc,) 5 2) (altd, diu leide) die ſchmerzliche Empfindung uͤber etwas Geſchehenes, über eine Wi— dermwärtigkeit, einen Verluſt 2c,, ſinnv. Kummer, Gram, Betruͤbniſs, entg. Freude (Freud' u, Leid mit einander theilen; einem fein Leid klagen); in engerer Bed, Trauer um einen VBerftorbenen (um Semand Leid tragen); landſch. f. Beileiddbezeigung (das Leid einnehmen), auch f, Trauerfleidung, Leichenbe— gaͤngniſs, Leiche (im Leide gehen; das Leid begleiten ꝛc.)3 daher landſch. Zſetz. wie Leidbbitter f, Leichenbitter; Leidhaus, Leidkleid, f. Trauerhaus, = Heid 26,5 leiden, Zw. (altd, lidan, liden f. leiden; leidon f. Leid verur: ſachen; niederd, liden, ſchwed. lida, dan, lide) ablaut, Impf. litt, Conj. littez Mw, gelitten; 1) ziellos m, haben, ehem, f. Leid verurfachen, leid oder unangenehm fein (was Einem liebt, Veidet dem Andern)z jest: Leid, Körpers 0d, Gemüth3 = Schmerz empfinden, finnv, dulden (dev Kranke leidet ſehr; an den Augen, an-der Gicht leidenz der Leidende Theil; mein Herz leidet da= bei 2c,); Nachtheil, Schaden, Verluſt erfahren, ohne den Nebenbegriff der fhmerzlihen Empfindung (er hat bei diefem Handel gelitten, d. i, verloren), daher au) von Sachen (das Haus hat durch Feuer gelitten; die Bäume ha— ben durch Froft gelitten 26,5 meine Ehre leidet darunter); überh, eine Veraͤn— derung erfahren, indem man ſich unthätig (paffiv) verhält, entg. thun (das leidende Ding, der leidende Theil, entg. dem thätigen; dieleidende Form, b. Leideform, Sprachl. f. das fr. Paſſivum)3 2) ziel. etmad als ein Übel mit Unluft empfinden (Schmerzen, Hunger und Durft, Noth, Mangel, Gewalt, Unredit, Strafe leiden); in weiterer Bed, etwas Nachtheiliged un— soillfürlich erfahren, ohne den Nebenbegriff der Unfuft (Schaden, Verluſt lei- den; der Unfchuldige mufs viel leiden); in noch weiterer Bed, etwas willfür= lic) ertragen, dulden, gefchehen laffen, nicht hindern, zulaffen, erlauben (das kann ic) wohl Yeidenz ich mag es nicht vor Augen leiden; ih mag ihn wohlleiden, di. ich habe ihn lieb; entg, ih mag od. fannihnnidt

teiden, di, er ift mir unangenehm, unerträglichz daher: in einem Haufe

wohl gelitten fein, d, i, gern gefehen z ſolche Unordnung darf ich nicht leiden, Heyſe's Handwörterb, d, deutſchen Spr. 2, Theil. 4

50 | leid

di, zugeben; ich leide es nicht, dafs 2c,5 hier werden Feine Hunde gelitten u, dgl, m,), uneig. auh von Sachen (die Sache leidet Teinen Auffhub, d i, darf nicht aufgehoben werden); das Leiden, -8, M. w. E., 1) der Zuſtand ded Leidend (das Leiden Chriftiz im Leiden gebuldig fein); insbef. Kummer, Betriibnifs über unglückliche Ereigniffez 2) ein Ubel, welches Körpers od. Gemüthöfchmerz verurfacht (ein fehweres Leiden ertragen; Freu: den und Leiden mit Semand theifen), finnv, Leid (ſ. 0,), welches mehr ein von _ Menfchen zugefügtes Übel, ein erlittenss Unrecht bezeichnet; Leiden hingegen ein verhängtes od, felbft verfchuldetes, 3, B. Krankheit, Mangel, Noth 20.5 3fes. von Leid: das Leidweſen, —s, 0. M., das Leidfein, Bedauern (zu meinem Leidwefen); die Betrubnifs, das Wehklagen; von Leid: der Keid- bitter; das Leidhaus; das Leidkleid, ſ. 0, Leids fo auch: das Leideſſen landſch. f. Leichenmahl; der Leidgefang, f. Zrauergefang; der Leidtag, f. Zrauertags leidtragend, Bw., betrübt, trauernd um einen Verftorkenen, beis als Hw, der, die Leidtragende ac. 5 leidvoll, Bw,, voll Leides, ſchmerz— . voll; von Leiden: der Leidensbecher od. =felch, ſ. d.5 der Leidens— geführte, =genoffe; die Leidensgefährtinn ꝛc.; die Leivensgefchichte, bef. die Gefchichte der Leiden Jeſu (fr. Paffionsgefhichte); das Leidensjahr, Unglüdsjahrz der Leidenstag; die Keidenswoche, bef, die Woche, in welche der Leidens und Todestag Jeſu fallt (die ftille Woche, Char-, Paffionswoche); leiden3 = od, leidenvoll, Bw.; Ableit, von Leid: leider (altd. leidor, leidir, eig. Compar, von Leid: was nodj leider, d, i. fchlimmer ift), ein Empfin— dungswort, weldes Bedauern oder Betruͤbniſs ausdrüdt (leider ift es ſoz er ift leider todtz gem. auch leider Gottes! d, i, es fei Gott geklagt); von Leid: leidig, Bw., 1) vlt, f. Reid abend, tragend, betrübt (die Leidigen f. Leidtragenden); 2) Leid, Unluft verurfachend, leidbringend, ſchaͤdlich, Yäftig, beſchwerlich (das leidige Geld; ein leidiger Troſt, der feines Zweckes verfehlt), haͤſſlich, abfcheulich, boͤſe (der leidige Geiz, Teufel); von Lei- den: der Leider, -8, wer leidet, nur in Zfeg, wie Mitleider, Hungerleider; leidbar, Bw,, felten, was gelitten, ertragen werden kann; leidlich, Bw,, was ſich ohne merffiche Unluft empfinden laͤſſt, ſinnv. erträglich (dev Schmerz ift leidlich; eine leidlihe Wärme, Kälte); überh. f. mittelmäßig, ziemlich gut (eine leibliche Geftalt, Stimme u, dgl. 5 fich Leidlic) befinden) ; die Leidlichkeit, leidliche Befchaffenheit, Ertraͤglichkeit; leidſam, Bw., felten, geneigt u. bereit zu leiden, geduldig leidend, ſinnv. duldſam; die Leidſam— keit; leidentlich, Bw. (vom Mi, leidend; f. lich; vergl. hoffentlich, wiffent: lich), oberd. f. leidlich; Neuw. f. leidend (fr, paſſiv), entg. thätlich (ſich lei— dentlich verhalten; der leidentliche Handel f. Paſſivhandel; beſ. Sprachl. das leidentliche Verhältniſs, die leidentliche Form, f. Paſſivum)z die Leidenſchaft, M. Sen, überh. das leidentliche Verhalten eines Dinges, entg. Handlung; gew. in engerer Bed. eine fuͤhlbare Veraͤnderung des Gemuͤthszuſtandes, “eine heftige, den Willen beherrſchende Empfindung, Begierde, anhaltende Gemuͤthsbewegung, wobei ſich die Seele leidend verhält, fr, Affect (Liebe, Haſs, Eiferfucht, Zorn find Leidenschaften ; etwas mit Leidenfchaft lieben, hoffen; feine Leidenfchaften beherrfchen 2c.)5 insbef. heftige Liebe u, uneig. der Gegenftand derfelben (eine Leidenfhaft für Semand empfinden 3 fie ift feine Leidenſchaft; fr. Pafjion) ; leidenfchaftlich, Bw, u. Nw., Leidenfchaft zeigend, darin gegruͤn— det, mit Reidenfchaft (ein leidenfchaftlicher Menſch; ein leidenſchaftlicher Eifer 5

Leie leihen 51

etwas leidenſchaftlich Lieben); die Leidenſchaftlichkeit, das Leidenſchaftlich— fein, finnv, Heftigkeit, Lebhaftigkeit; leidenſchaftlos, Bw., frei von Leiden: fhaften, ruhig, gemäßigt; die Leidenfchaftlofigkeit,

Leie, m., -n, M. -n (niederd, Leiden; v. dem alten ley, Fels), landſch. fe Schiefer; daher: das Leiendach, der Leiendecker f. Schieferdadh,, - decker ; der Leienftein fi Thonſchiefer; der Leienſticken f. Schieferftiftz der Lei— fuchen, in den Salzkothen, Stücke Schlotter, die auf den Rand des Herdes u. der Salzpfanne gelegt werden,

Leier, ehem, gew, Leyer, m, Mi -n, Verkl. dad Leierchen, (altd. lira ; nieberd, Lier; griech. Auge, lat. Iyra) 1) ein befaitetes Tonwerkzeug der Alten, in der beften Zeit der altgriedh, Tonkunſt fiebenfaitig, dad mit den Fingern gerührt wurde, be. zur Begleitung des Geſanges; daher häufig als Sinnbild des Gefanges und der Sangdichtung (die Leier ergreifen, ertönen laſſen 26); Sternt,, Namen eined Sternbilded; 2) jest: ein eintöniges Tonwerfzeug, deffen Saiten durch ein Rad mit einer Kurbel in Schwin— gung gefeßt werden, Drehflimper; gem, auch f. Drehorgel; daher uneig. f. die eintönige Wiederholung einer Sade, der einförmige hergebrachte Gang (es ift immer die alte Leierz die alte Leier anftimmen 2c,); aud) Benen— nung verfchiedener Werkzeuge, welche wie das Rad einer Reier gedreht werden, 3.8, ein Drebftod der Bortenwirker; eine bewegliche Walze der Vogel: fteller ; ſchweiz. ein Butterfafsz eine Art Bratenwender (Bratenleier)a,;— 3fes. leierförmig, Bw.; der Leiergang, einförmiger, hergebrachter Gang; leierfundig, Bw,, uneig, dicht, des Singens und Dichtens Eundig; der Leier— mann, wer die eier, d, i, die Drehflimper od. Dreborgel fpielt; fo auch: die Leierfrau, das Leiermaͤdchen; dad Leierſtuͤck, Tonſtück für die Leier ; Ableit. leiern, ziellof. und ziel. 3w., auf der Beier, d. i. Drehorgel, ſpie— Ion; landſch. überh. f. drehen; uneig. eintönig u. langweilig fingen, fpielen, fprechen (einem die Ohren voll leiern; einen in den Schlaf leiern); ſich lang= fan bewegen, faumfelig in feinen Verrichtungen fein (dem ganzen Tag an etwas leiern); geringfügige Dinge thun (fprichw. beffer geleiert, als gefeiert) ; der Leierer, - 3, die Leirerinn, M, - en, f. v. w. Reiermann, = frau; uneig. ein eintöniger, fchlechter Dichters; ein Zauderer.

leihen, ziel. Zw. (goth. laihvan, altd. lihan, Impf. leh, Mw. giliuuan ; vergl, Lehen, lehnen 2.), ablaut. Impf. lieh, Conj. liehe; Mw. geliehen; 1)einem etwas —, ihm den Gebrauch oder Nießbrauch einer Sache auf einige Zeit geſtatten, bef. nur von beweglichen Dingen, finnv. borgen, verſch. vermieihen, verpachten (einem ein Buch, ein Pferd, ein Hausgeräth; Geld ohne od. gegen Zinſen; Geld auf Pfänder 2c.)5 ehem. auch f. zu Lehen geben ; uneig. überh. f. mittheilen, verleihen (dicht.); zufchreiben, andichten; 2)etwasvon Jemand —, zum Gebrauch auf eine Zeitlang entnehe men, ald Darlehn empfangen, finnv, entlehnen, borgen (Bücher, Geld

von Jemand —; geliehene Saden.zc.); 3 fe. die Leihbank, das Leihhaus, eine Öffentliche Kaffe, od. eine Privat: Anftalt, welche gegen hinlängliche Sicher: heit, Pfänder 2c. Geld ausleihtz der Keihfauf, das Angeld, f. d.; auch das nach gefchloffenem Handel von keiden Theilen zufammengelegte Geld zum Ber: trinken und Verfhmaufen (den Leihkauf geben, trinken; vergl, Leitfauf); auch

\ f- Lehnwaare, ſ. d.5 Ableit. der Leiher, -8, die Leiherinn, M, -en, wer etwas ausleiht,

3

Leik Lein

d

Leif, ſ., - 08, M.e, niederd. Schiff, dad Tau, womit das Segel umfafjt wird Ai woran die Kanten feftgenäht werden; auch das Öerippe eined Schiffes; leifen, ziel. 3w., dad Leif an dad Segel nähen,

Leifuchen, f. unter Leie.

Leilaken, 9 -8, M. w. E., oberd. dad Leilach, -8 (altd. lih.lahhan, lilachen, d. i. Leiblaken, f. Leiche; doch auch linlachen, d. i. Leinlaken; vergl. Laken), landſch. f. Betttuch.

Leim 1., m., -es, M. (von mehren Arten) -e, (altd. u. ſchwed. lim; nie- derd. Liem; engl. lime; verw. mit Lehm, Schleim, Schlamm, f. d.), überh. ein weicher, zäher, Flebriger Körper, ald Bindemittel gebraucht, 3. B. Vogelleim (ſ. d.), Maler-Leim, aus Harz und Honig bereitet und zu Gold: gründen gebraucht; in engerer Bed. ein ſolches aus thierifchen Stoffen, als Knohen, Lederabgängen, Haufenblafe 2c., gefottened Bindemittel, ver. Kleifter, Kittz 3. B. der gemeine Zifchlerleim, der Buchbinderleim 20.5 3fer. die Leimbank, der Keimbod, ein Geftell der Vogelfteller, auf welches die Leimruthen geſteckt werden 5 der Leimbaum (v. anderem Stamm, f. Leene) landſch. f. Ahorn, Ulme; die Leimfarbe, mit Leimwaſſer angemachte Farbe; dad Leimfraut, ein Elebriges Pflanzengefchleht mit zehn Staubfädenz die Leimfumme, das Leimwafferfafs der Papiermacher; das Leimleder, Leber: Abgänge zum Leimfigden; der Keimpinfel, Pinfel zum Auftragen des Leimes; die Leimruthe od. = fpindel, mit Vogelleim überzogene Ruthe zum Vogelfang; der Keimfieder, wer Leim fiedet, Leimbereiter; die Leimfiedereiz die Leim— eine lange Stange, in welche die Leimruthen geſteckt werden; der

Leimtiegel od. =topf, Gefäß, worin der Leim durch Kochen aufgelbſ't wird; das Leimwaſſer, mit aufgelbſ'tem Leime vermifchtes Waſſer; die Leimzwinge, Tiſchl., zwei ſtarke Bretter mit ſenkrechten Zapfen, zwiſchen welche zuſammen— geleimte Bretter feſtgekeilt werdenz Ableit. leimen, ziel. Zw., mit Leim verbinden, BEIN (ein Brett); mit Leim überziehen; mit Leimwaffer tränfen oder Durch Leimwaſſer zichen (Papier —, damit haltbarer werde und Bsp Zinte nicht durd)laffe, fr. planiven); leimig, Bw., Leim enthaltend, mit Leim beſchmiert; leimiht, Bw., leimaͤhnlich, zähe wie Leim.

Leim 2., m., -eö, oder der Leimen, -$, landſch. f. Lehm, f. d.

lein, (altd. -ili, ©. -ilines; fpäter - as vergl. d. lat. -lus, olus, ulus, illus 26.5 f. auch Hein), eine Nachfilbe zur Bildung von Berfleinerunge= wörtern (Diminutiva) von Hauptwörtern, welche dann ſämmtlich fachlichen Gefchlechts werden u. in der Kegel den Umlauf annehmen, in der Mehrh. aber unverändert bleiben (5. B. das Kindlein, Fräulein, Blümlein, Bäumlein, Dörflein, Knäblein 26,5 Mehrh. die Kindlein, Fräulein (nit: Fräuleins), Blümlein 20.5 von: das Kind, die Frau, Blume, der Baum ꝛc.). In der ges wöhnlichen hochd. Schriftfprache ift diefe Silbe meift veraltet u. durch die gleich— bed. hen (f. d.) verdrängt, außer wo durd) Anhängung des en eine Härte

entftehen würde (3. B. Bächlein, Büchlein), und aud wohl in der Dichterfpr., bef, um dem Ausdrud eine alterthiimliche Farbung zu geben. In der Volkefpr. lebt die Silbe Lein vorzugsweife in ben oberd. Mundarten, bef. als Ausdruck der Vertraulichkeit u. Zärtlichkeit, jedoch meiſt verkürzt in el, I (z. B. Kindel, Büchel, Fingert), le, li, la ꝛc. (Büble, Büoli, Bübla f. Büblein, Bübchen).

Lein, m, —es, o. M. (altd. lin, niederd. Lienz ſchwed. lin; griech. Alvor, lat. linum, ital, lino, franz. lin), der Flachs (ſ. d.)5 insbeſ. die Flachs⸗

Leinbaum leife 93

pflanze, fo lange fie noch auf den Felde ſteht (def. niederd.5 z. B. der Lein

fteht gut 5 den Lein güten 2c.); ferner der Samen diefer Pflanze, Leinſamen (Lein ſäen, aus Lein Öl fchlagen) ; ehem. u. noch dicht. u, in Zfes. f. leinened Gewebe, Leinwand; 3fetz. der Reinader, «boden, dad Leinfeld, ebeet ꝛc.; der Leinbau, Anbau des Leins; die Leinbluͤthe; die Leinbluͤth⸗ farbe, fhöne blaue Farbe der Leinblüthe; leinboͤdig, Bw., bei Zeugwebern, einen Boden oder Aufzug von Leingarn habendz der Leindruder, wer bunte Mufter auf Leinwand drudt, Leinwanddruder; der Leinfink, eine Art des Hänflings; der Leinfifch, die Schleie, wegen der leingrünen Farbe; das Leingarn oder Leinengarn;z leingrau, Bw., eine graue Farbe aus Bleiweiß, Lad u. Berlinerblau gemiſcht; leingrün, Bw., blafsgrün, wie die Leinpflanze; der Leinknoten, Samenkapfel des Leines; das Leinkraut, ſ. Flachskraut; der Leinkuchen, die nad) dem Hlſchlagen übrig bleibenden sufammengeptefften Hülfen des Leinfamens, in vieredige Stücde geformt u. 'zum Viehfutter benußt ; das Leinoͤl, aus Leinfamen geſchlagenes, d. i. geprefftes DL; die Leinpflanze; die Leinſaat, ver Leinſamen, ſ. o.ʒ die Leinwand, gem. Leinewand, (altd. liowat; oberd. Leinwatz von wat, Wand, Gewand, . d.), aus leinenen Faden gemachtes Gewebe (grobe, feine, gebleichte, Haus-, Kaufleinwand 2c.)5 in weiterer Bed. auch) ein Gewebe aus Hanf (hänfene Seinwand); leinwanden, Bw., aus Leinwand gemacht, gem. leinen, ſ. u.ʒ der Leinweber, -8, die Leinweberinn, M, - en, gem. Leinemeber 2c., wer Leinwand u. leinene Seüge webt; die Leinweberei; Ableit. leinen, Bw. (altd. linin, niederd. u. engl. linnen), aud gefponnenem Lein oder Flachs gemacht (leinenes Garn, Zeug 2c.)5 aus Leinwand gemacht, leinwanden (ein leinenes Hemd, ein lei- nener Kittel 2c.)5 daher als Zfeg. dad Leinengarn, =tuch, =zeug ꝛc.; das Leinen -3,.0 * (niederd. Cinnen, engl. linnen), leinenes Garn, u. be. | Reinenzeug, Leinwand und alled daraus Verfertigte; die Leine, M.-ın, Verkl. dad Leinchen, (altd. u. ſchwed. lina, nieder). u. dän. line; engl. line ; gried. Alvov, lat. linea, franz. ligne), ein langes und verhält: nifsmäßig duͤnnes hänfened oder flächfenes Seil, ftärker als eine Schnur, dünner als ein Seil, Tau, länger und ſchwächer als ein Strict, zu verfchiebe: nem Gebraud) (3. B. Wäſch-, Zeug-, Pferdes, Acker-, Sagdleine 20.) 5 daher: der Leinenfchießer, ein Matrofe, welcher beim Wallfiſchfange die Leine an dem geworfenen Hakenſpieß ſchnell nachſchießen, d. i. von der Rolle ablaufen läſſt; der Leinochfe, der Ochfe, welcher vor dem Pfluge rechts geht u. mit der Leine gelenkt wird, entg. Handochſe; der Leinpfad, die Leinftraße, (andſch. ver: derbt in Leimftraße), Uferweg für diejenigen, welche Fahrzeuge an Leinen fortziehen 5 der Reinzieher, wer ein Schiff an der Leine zieht; - der Lein⸗ ling, -8, M.-e, Glahefink, Bluthänfling,

Reinbaum, m., ſ. Leene.

Leine, w., Leinen, ſ., leinen, Bw., ſ. unter Lein.

leinen, Zw. 1) landſch. gem. f. Ihnen 1.5 2) (o. dem oberd. Ten, isländ. linr, lat. lenis, weich), Lind; vergl. lehne) oberd. f. thauen, aufthauen (es leinet 53 aufleinen 2c.).

Leiner, m., -8, M. w. E., die Schnatter = oder Schnarr = Ente:

Leinfink, Leindi, Leinwand, Leinweber te. ſ. unter Lein.

leiſe, Bw., Somp. leifer, Sup, "teifeft (alt. liso, lise; oberd. leis, niederd. life; vergl, lauſchen), ſchwach ins Gehör fallend, ſchwach fehallend, finnv.

54 Leife Leiſten

facht, entg. Laut (leife fprechen, gehenz Yeife auftreten, uneig, f. behutfam verfahren) 3 fähig auch den ſchwaͤchſten Schall zu vernehmen (ein leiſes Ge- hör; Leife Schlafen, einen leifen Schlaf haben, d, i, durch jedes Geräufch leicht erweckt werden); überh, f. ſchwach, gelind, fanft, ſich wenig Außernd (oberd. leife gebadenes Brod, d. i. weich gebadenes 3 ein leifer Miſsmuth u, dgl.) 3 auch f. allmählich, unmerklich; der Leifetreter, uneig, f. Schleicher, Hocker, Lauerer, Kundſchafter; leishörig, Bw., ein Leifes, d. i, ſcharfes Gehör habend,

Reife, w., M. -n, landſch. f. dad Geleiſe, ſ. d.

Leiſe, w,M.-n, Bert, dad Reiftchen, (alt, lista; verw, mit Leife, Geleiſe, |. d., u, d. goth, laistjan, folgen, worin der’&rundbegriff eines Er: firedens in die Länge liegt), überh. ein langer und verhältnifsmäßig dünner u. ſchmaler Körper, der an od, auf einem breiteren befeftigt ift, bef, als Rand, Einfaffungz ꝛc. insbef, am Rüftwagen: ein langes, oben gekruͤmmtes runde liches Holz, welches vermiztelft des eiftenring es (od, Leuchſenringes) hinter der Lünfe an die Achfe befeftigt wird, auch die Stemmleifte, das Leiſtenholz genanntz Buchdr. ſchmale Stöcke od, in Holz geſchnittene Figuren (Schlu ſs— Leiften, wenn fie am Ende eines Buches oder Abfchnittes gebraucht werben) 5 bei Holzarbeitern ein langes fchmales Querholz zum Zufammenhalten zweier Bretter Querleiſt e); jeder lange, ſchmale, flach od. rund erhabene Theil eines Körpers, bef. ald Verzierung oder Einfaffung (engl, ledge; bie Felder einer Thür mit Leiften einfaffen); in weiterer Bed, auch ein flacher Nand, Saum, Borte, Einfaffung an Kleidern ec., bef, Tuchm. der angefchrotene grobe Zuhrand (Sahlleifte, Anſchrote ꝛc.); die gefchliffenen Ränder eines Spiegels; Anat, fehmale und lange Hervorragungen an den Kuochen (Linien); an Pferden der erhabene Theil am Hinterfchenkel nad) dem Bauche zu; au eine Krankheit der Pferde, wenn die Knorpel am oberen Rande der Feſſel zu

‚Knochen werben, (beides auch: der Leiſt); oberd, f. harte Schwielen an Hän:

den und Füßenz ferner: lange und fchmale Vertiefungen, Rinnen zur Ver: zierung und Einfaffung (Hohl-, Kehlleiften, ſ. v. w. Hohlfehlen); die Vertiefung zu beiden Seiten des menfchl, Unterleibed von den Hüften bis zu den Schamtheilen: die Reiften (Mehrh.), gem, auch der Leiſten; aud) f, die Weiche; 3feg. der Leiftbügel, an Rüftwagen ein breiter eiferner Bügel mit zwei Ringen, in deren einem die Leiſte (ſ. o.), im andern die Runge ftedtz die Leiftenbeule, Luftfeuchenartige Beulen in den Leiften am Unterleibe (fr, Bu: bonen) 5 der Leiftenbruch, ein Bruch in der Leifte oder Weiche; der Leiften- hobel, Hobel zur Verfertigung von Leiftenz das Leiftenholz, ſ. 0.5 der Leiftennagel, eine Art breiter Nägel mit langlihem Kopf, 1 bis 14 3oll Yang (Halbe und ganze Leiftennägel); der Leiftenfchein, ſ. v, w. Schnittſchein (fr, Coupon); der Leiftenvers, M. Leiftenverfe, Verfe, deren Anfangsbuchftaben der Reihe nad) (gleichf, in einer Leifte) zufammengelefen einen Namen od, Spruch bitden (fr, Afroftihon); der Leiſtenwein, ein vorzüglicher Würzburger Wein,

- an einem Abhange wachfend, welcher „die Leiſte“ heißt (vielleicht verderbt aus

Leite? f.8.); Ableit. leiften, ziel, Zw., Web, mit einer Leifte (Sahl— teifte) verfehen; bei Fuhrleuten: an die Leiſte haͤngen (die Leitern eines Wagens —),

Leiſten, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Leiſtchen (oberd. Laiſt, Laiftenz niederd. und holl. lcest; engl, last; dän. und ſchwed, läst; bbhm. lista; von gleichem Stamm mit Leiſte, ſ. d.), ehem. überh, Geſtalt, Form, Muiter ;

;

leiften leiten 55

daher noch bei den hohen Öfen: bie vertiefte Form, in welche das geſchmolzene Eiſen geleitet wirdz gew, in engerer Bed. das nach der Geſtalt eines Men— ſchenfußes geſchnittene Holz, deſſen ſich die Schuhmacher als einer Form be: dienen, der Schuhleiften (ſprichw. Schufter, bleib bei deinem Leiften, d,i, bleibe bei dem, worauf du did; verftehft 5 uneig, Alles od, alle Menfhen auf od. . über einen Leiften ſchlagen, d. i, auf einerlei Art behandeln, mit gleihem Maße meffen) 3 der Leiftenfchneider, ein Handwerker, welcher die Schuhleiften ſchneidet. leiften 1., ziel. Zw. (altd. leistan, oberd, laiften, nieberd, Löften, angelf, laestan ; dv, d, goth, laistjan, folgenz vergl, Leifte, Geleife) , eig, befolgen z

° ausüben, verrichten, verwirklichen, thun, gewähren, wad man verfprochen

hat oder zu hun verpflichtet ift (ee hat nicht geleiftel, was er verfprachz eis nem Befehle Folge —, der Obrigkeit Gehorfam ; einem Freunde Hülfe, Schuß, Dienfte leiften); in weiterer Bed, ohne den Nebenbegriff der Verbindlichkeit: darbringen, erweifen, gewähren, geben (Bürgfhaft, Sicherheit —z einem Geſellſchaft leiftenz; Widerftand Leiften, d. i. ſich widerfegen) u, überh, f, thun, verrichten, ausführen (ev hat viel geleiftet) 3 ehem, auch ziellos in engerer Bed, f. fi als Bürge ftellen, die Bürgfchaft vollziehen; Ableit, leiftbar, Bw., was geleiltet werden kann; die Leiftung, M. -en, das Leiftenz das Geleiſtete, Gethane, VBerrichtete (feine Leiftungen übertreffen meine Erwar— tung); ehem. bef. die perfünliche Stellung eined Buͤrgen.

leiften 2., Zeiftenbeule, =bruch ꝛc. = wein, ſ. unter Leifte,

Leit, ſ., es, o. M. (goth, leithus, altd. lid, lich) alt oberd. ein geifti= ges Getränfz daher der Leitgeb, -en, M. -en, (verderbt: Leutgeb, Leutgeber) oberd, f. Schenkwirth; dad Leithaus f. Schenke, Wirthshaus; der Leitkauf (verderbt: Leikaufz vergl, Leihkauf), das Geld, welches nach gefchloffenem Handel der Käufer außer dem Kaufpreife zum Vertrinken od, Ver: ihmaufen giebt, der Weinfauf,

Leite, w., M. -n, 1) (oberd, die Leiten, altd, lita, angelf. hlidhe, fchott, lithe; isländ. hlid, ſchwed. lid; wohl verw, mit litan, ſ. leiten), Landfch,, beſ. oberd, die fanft abhängige Seite eines Berges oder Hügeld, Abhang (Sommer:, Winterleite, je nachdem fie gegen Süden od, Norden liegt); auch ein fanft abhängiger Hügel ſelbſt; fränf, eine Landeögrenze (Landleite)z 2).(oberd, Leit, Laitz v. leiten, führen, fahren), landſch. ein Faſs mit wei— ter Offnung ftatt des Spundes, worin die Weinbeeren aus dem Weinberg zur Kelter gefahren werden (fränf,)z; ein ähnliches mit Waffer gefülltes Fafs, in

- welchem lebendige Fifche verführt werden (dftr,),

leiten, ziel, Zw. (oberd, laiten, niederd. leiden, engl, lead, dan, lede; altd, leitan,, angelf, lädhban, isländ, leidha, ſchwed, leda ; und daneben alg ziellofes ablaut, Zw, f. fich bewegen, gehen: goth, leithan, altd, litan, angelf, lidhan, isländ, lidha, ſchwed. lida, hol, Iyden), die Richtung des Ganges oder der Bewegung eined Gegenſtandes beftimmen, finnv, Ienfen (ſ. d.), führen, von engerer Bed, als diefes, da in leiten immer Beziehung auf Ziel u. Zweck der Bewegung, oft aud) der Nebenbegriff der Sicherung vor Gefahren liegt (einen Blinden, ein Kind am Gängelbande ; einen-auf den rechten Weg —3 das Waffer ins Thal, einen Fluſs durd) die Stadt 2c, —) Naturl, einen Stoff nach gewiffer Richtung verbreiten und andern Körpern mittheilen (4. B, bie

Wärme, die Eleftricität —z ein leitender Körper); uneig, einen Unfchlag,

Pan u. dgl, —, deffen Fortgang und Ausführung anordnen; einen zum Gu—

Leiter Lende

ten —, anleiten; ſich von ber Vernunft leiten Laffen 2,5 3 fes, dad Leit⸗ band, Gängelband, Laufzaumz der Leitfaden, uneig, dasjenige, wodurch man feinen Gang od. fein Verhalten in einer Sache beftimmen läſſt; beſ. eine kurze Anleitung zu einer Wiffenfchaft oder Kunftz das Leitfeuer, nad) einer beftimmten Richtung geleitetes euer, Lauffenerz der Leitgeſang, ein mehr: ftimmiger Gefang, bei weldjem ein Sänger allein anfängt und die andern ihm nachſingen (fr, Kanon)z der Leithammel, ein abgerichteter, die Heerde an— führender Hammel; uneig. ſcherzh. wer Andere durch feinen Vorgang leitetz der Leithund, die Leithündinn, am Hängefeil geführter Hund, der den Zäger auf die Fährte Teitetz der Leitriemen, dad Leitjeil, der Leitzaum, Riemen ꝛc. zur Leitung von Pferden oder Hundens die Leitroͤhre Röhre zur Wafferleitung ; die Leitfeite, rechte Seite an der Wagendeichfel, entg. Sattel- feites der Leitftern, ein Stern, fofern er Reifenden, bei. Schiffenden, zum Merkmale für die Richtung des Weges dient (uneig, ein Leitftern durchs Leben u, dgl,); dad Leitzeichen, Tonk., Zeichen am Ende einer Notenzeile, welches die nächſtfolgenden Noten im voraus andeutet (fr, Cuftos, Guidon) z; Ableit, der Reiter, -3, die Leiterinn, M. -en, wer einen od, etwas leitet, ſinnv.

Führer, Lenfer (der Leiter eines Blinden; die Vernunft iſt die befte Leiterinn

im Leben); ein Körper, ein Werkzeug zur Beltimmung der Richtung eines andern Körperd, 3 B. Schiff. ein Tau, an welchem ein Klüver aufgehifft u, wieder geftrichen wird; Naturl, ein leitender Körper, ſ. o, leiten (3. B. Wärme: leiter, Leiter der Eleftricität 2c,); die Leitung, dad Leiten in allen Be, des Zw., finnv, Führung, Lenkung, Anleitung, oberd, auch die Leit, Leiter, w., M.-n, Berkt, dad Leiterchen, (andſch. gem, Letter; oberd, Kaiter, niederd, Ledder, hol, u, engl, ladder; altd, hleitar, leitra ; angelf, hläddrz; alfo wahrſch. v, Elettern, ſ. d., wie Stiege v. fieigen), ein bervegliches Werkzeug zum Steigen, beftehend aus zwei gleichlaufenden Stan- gen, die durch gleich weit abftehende Querhölzer (Sprofjen) mit einander ver- bunden find, verfh, Treppe, (Feuer-, Sturm:, Baum:, Gartenleiter 20,3 Stridleiter, ein ſolches aus Stricken zufammengefestes Werkzeug); jeded ähnlich geftaltete Werkzeug, wenn es auch nicht zum Gteigen dient, . B. die Leitern an den Bauer: und Rüftwagen (Wagenleitern), ein Gerüſt in Mühlen, in welchem der Rumpf ftehtz ehem, cin Martergeräth, auf welchem ein Berbrecher auögefpannt wurde; Süg, fpiegelicht od. viereckig geſtrickte Garne; uneig. jede Stufen = od, Öradfolge, abgetheilte Steigerungdlinie (fr. Scala) 3. B. bie Gradleiter der Wärmemeffer u, Wettergläfer, die Tonleiter in ber Tonk.; die Leiter der Wefen, d. i, die Stufenreihes; 3 fe, der Leiterbaum oder die Leiterſtange , die beiden ſtarken und geraden Hölzer einer Leiter, in welche die Leiterfproffen eingezapft find (vergl, Sproffe) 5 der Leiferwagen, ein auf den Seiten mit Leitern verfehener Wagen, Leitfaden ꝛc. Leitzeichen ſ. unter leiten, Leitgeb, =haus, =Fauf, ſ. unter Leit, lemmern, ziel, Zw, (verw, mit lahm, lähmen) nieberd, f. hemmen, hin— dern, vergl, belemmern.

Lemming, m., -ed, Me -e, die große Zug- oder Wandermaud im -

nprdl, Europa, Lende, w., Mi -n, Verkl. dad Lendchen, (altd, lenti, lendi; dän, u, ſchwed. länd; island, u, angelf, lend), der Theil ded menfchl, und thier—

- 0 Ienten Leiche 57

Koͤrpers zunaͤchſt hinter u, unter dem Hüftknochen (lat, lumbus; bie Lenden umgürten), gew, in weiterer Bed, dad ganze Dicfbein, der Schenkel; 3fes. der Lendenbraten, die Langen ſchmalen Fleiſchſtücke, welche inwendig am Rüdgrat des Schlachtviehs über den Hüften und Nieren auögefchnitten wer- den, auch Mehr: (vr, Mör:) braten genannt (ſ. d.)3 vom Rindvieh der untere Theil des Rückgrats; der Kendengries, in der Gegend der Lenden, bef, in den Nieren, ſich erzeugender Gries (f. d.)5 der Lendenfnochen, Hüftknochen; die Lendenkrankheit, ſ. v. w. engliſche Krankheit, |. d.ʒ das Lendenfraut, eine Art der Grindwurzel od, des Ampfers; lendenlahm, Bw., lahm in der Lendengegend, hüftenlahmz der Lendenflein, ein harter Körper, der ſich zuweilen in ber Lendengegend bildet, Nierenfteinz dad Lendenweh oder der Lendenſchmerz; der Lendenwirbel, die fünf Wirbel des Rückgrats in ber Gegend der Lenden,

lenfen, ziel. Zw. (dan, länke; wohl v, Lanke, Seite; vergl, gelenk), nad) einer Seite hin biegen, bewegen, richten, überh, die Nichtung der Bewegung eined Gegenftandes durch einen auf denfelben gemachten Ein druck beftimmen (die Pferde, den Wagen, einen Kahn —)5 uneig, eine Ver— änderung, den Gang einer Sache ıc, mit befonnener Abſicht beftimmen, finnv, leiten (Gott lenät die Schidfale der Menfchenz ſprichw. der Menſch denkt's, Gott lenkt's; das Geſpräch auf etwas lenken 26,)3 ſich —, fich diefe od, jene Nichtung geben, finnv, fi) wenden, eig. u, uneig. (fh zum Guten —)5 von Leblofen Dingen: eine gewiffe Richtung nehmen (der Weg Ienkt ſich um einen Berg) 5 3fes, der Lenfriemen, das Lenkfeil, der Lenkzaum, zum Lenken eines Pferdes oder Gefpanns dienender Riemen 26,5 der Lenkfchämel, ein auf dem Rungſtocke eines gemeinen Wagens liegendes bewegliches Holz, der Wende- ihämel; das Lenffcheit, das zum Lenken des Wagens nötdige lange Holz an dee Langwelle, welches das Vorder- und Hintergeftell verbindet; Ableit, der Lenker, -5, die Lenkerinn, M, -en, wer etwas Ienft, eig. (4. B. ein Wagenlenker) u. uneig, (dev Lenker unfrer Schickſale); auch ein Ienfendes Werkzeug, 3, B. in Sägemühlen: die hölzerne Stange, welche die Säge auf: und abbewegt; lenkbar, Bw., was gelenkt werden kann; die Lenkbarkeit; lenkfam, Bw., ſich gern und leicht lenken laffend, eig. (4. B. ein lenkſames Pferd), u, bef. uneig,, finnv. fügfam, folgfam, nachgiebig (ein lLenkſamer Menſch)3 die Lenkſamkeit.

Lenz, m., —es, Mi -e, oberd. -en, M. -en (altb. lengizin, fpäter lenzin, lenzo; oberd. Längefs, Länge, Länz, Länzing; angelf. lencten, holl. lent; v. einem alten Zw. lengizan, engl. lengthen, verlängern, in Bezug auf das Lüngerwerden der Tage), alt und dicht. f. Frühling, auch uneig. (der Lenz des Lebens); fränk. f. Sommerfaatz die Lenzblume, Frühlingsblume; ein Pflanzengefchlecht mit röhrenförmigen Blumen, Erdblume; die Lenzflur, das Eenzgefilde, das Lenzgrün ıc.5 der Lenzmonat (altd. lengizin - od, lenzin- manod), der Monat März, Frühlingsmonat; der Kenztag, die Lenzzeit 20.5 lenzen, ziellof. Zw. m. haben, 1) landſch. (=leinen, f. d.) f. aufthauen, lau werden; 2) dicht. Neuw., grünend und blühend werden,

Leopard, m., -en, M. -en (lat. leopardus), ein afrifan. Raubthier, fahlgelb mit ſchwarzen Flecken, verſch. vom Panther, T. d.

Lerche 1., w., M.-n, (altd. lerihha, lerahha, ſchwed. lärka, engl.

‚dark; 985. aus d. angelf. laferce, niederd. Lewerke, holl. lauwerick , fdott.

58 | Lerche leſen

laverock), ein Vogelgeſchlecht mit geradem, walzenfbrmigem, ſpitz zulaufendem Schnabel und einer langen Hinterkralle, beſ. die gemeine ſingende Acker = od. Feldlerhe, Sanglerche, (die Lerhen ſtreichen, d. i. fie ziehen im Herbſte fchaarenweife fort; man ſtreicht die Lerchen, d. i. man fängt fie in Regen); 3feg. die Lerchenammer, Schneeammer; die Lerchenblume, Schlüſſelblumez der Lerchenfalf, eine Art Eleiner Falken zur Lerchen = u. Rebhühnerjagdz auch f. Baumfalk, u. f. Bleifalk, Halbweihe, Lerchengeier; der Lerchenfang; das Lerchengarn, -netz; der Lerchenherd, ein Vogelherd zum Lerchenfang dad Lerchenkaͤuzchen, Keine Leiheneule, Kleiner Kauz; die Lerchenklaue, Ritterſporn; der Lerchenfperber, Thurmfalk; der Lerchenſpieß, Kleine Spieße od. Stäbchen, Lerchen daran zu braten; der Lerchenſtoͤßer, Sperber; das Lerchenftreichen od. der Kerchenftrich, das Streichen od. Ziehen der Ler— chen z der Lerchenfang mit Nesen. Lerche 2. w., ober der Lerchenbaum, f. Lärche. lernen, ziel. und ziellof. Zw. (altd. lirnan, lernen, angelf. leornan, engl. learn; v. lehren, ſ. d.), Begriffe, Kenntniſſe, Fertigkeiten ſich aneignen, fei es mit Hülfe eines Lehrers durch fürmlichen Unterricht, oder für fid) allein, durch Übung, Erfahrung zc. (von einem Anderen etwas lernen; ein Handwerk, eine Kunft, eine Sprache lernen; fchreiben, lefen, fingen lernen 20.5 etwas auswendig —, |. d.z man lerne aus Anderer Schaden Flug werden; aud ziel: los: man mufs lernen, fo lange man lebt; der Lehrling lernt bei einem Mei: ſter, d. i, er ift in der Lehre); einen od, etwas Fennen lernen; d. i. befannt damit werden, Befanntfhaft machen; ftatt des Mw. gelernt in Verbin— dung mit einem If. den Inf. Lernen zu fegen, ift ein nicht zu billigender Sprachgebrauch (3. B. id) habe fihreiben lernen, ich habe ihn kennen lernen, r. gelernt; vergl. lehren); in der älteren Sprache und der gem. Volksſpr. wird lernen (wie das fehwed. lära, niederd. leren, franz. apprendre) aud) f. leh— ven gebraucht (5. B. bibl. ich will euch lernen, was ihr thun ſollt; bef. Handw. der Meifter lernt den Lehrburjchen) 5 das Mw. gelernt in thätliher Bed. als Bw. wer ausgelernt hat, wer ein Handwerk, eine Verrichtung ꝛc. förmlich erlernt hat, verfch. gelehrt (ein gelernter Koch, Kutfcher u. dgl. 5 vergl. ge dient, gefhworen u. a.); 3fes. die Lernbegierde, -luſt; lernbegierig, -luſtig, Bw.; der Zerneifer, =fleiß; der Lernſtoff; das Lernftüd, die Lernftunde, gew. Lehrſtoff 2.5 die Lernzeit 2,5 Xbleit. leenbar, Bw, was ſich lernen läfft od. gelernt werden Fannz die Lernbarfeit; lernſam, Bw, Selten, gern und leicht lernend. lefen, ziel. Zw. (goth, lisan, altd. lesan, ſchwed. läsa, dan. läſe; wahrſch. verw. mit Leiſe, Geleiſe, leiſten, f. d.3 Grundbegriff: in einer Reihe od. Folge durchgehen, vergl. d. lat. legere), ablaut. ich leſe (oberd. ich Lies), du lieſeſt, er lieſet od. lieſſt, wir lefen 2.5 Imper. lied (unr. leſe), leſet; Impf. las, Conj. läfez Mw. gelefenz; 1) mehre Dinge einer Urt einzeln nach einander “aufs od, abnehmen, aufheben, zufammen fuchen, fammeln (engl. lease; Ahren, Hclz, Steine vom Ader —, aufleſen; Wein —, d. i. die Trauben abbrechen u. fammeln)z; durch Abnehmen od. Aufleſen leer machen od, reis nigen (den Weinberg —, von Trauben leer machen; den Acker —, von Steinen reinigen; den Salat —, von den untauglichen Blättern reinigen; Erbſen, Lin: fen, Bohnen lefen oder verlefen, d. i. alles Unreine ausfuchen und abfondern 5 Federn —, das Weiche von dem Kiele abziehn und von dem Gröberen fondern) 5

x

leſen 59

2) die Schriftzeichen mit den Augen gleichſam zuſammenfaſſen u. in hörs bare Raute Ubertragen, entweder laut ausfprehend, od. ftill und nur in Ge: danken (franz. lire; etwas laut oder fill lefen; ein Bud, einen Brief 2c. —3 ein viel gelefener Schriftfteller, d. i. deſſen Schriften viel gelefen werben; uneig. einem ben Tert lefen, d. i. ihmeinen derben Verweis geben; Meffe lefen, in der röm. Kirche: die Meffe ablefen oder herfagen, ein Mefsamt halten; auch ohne Bielw.: leſen lernen, ſchön, mit Ausdrud leſen; in einem Buche lefen) ; auf hohen Schulen: Iefend Iehren oder vortragen, auch überh. f. mündlich

lehren, frei vortragen, (4.8. Naturrecht, Kirchengeſchichte 2c. leſen; heute wird nicht gelefen, d. i. feine Vorleſung gehalten); uneig. aus fichtbaren Zeichen

od. Merfinalen innere verborgene Zuftände erfennen (3.2. in Semande Ge: fichte od. Mienen Freude, Zufriedenheit, Gram zc. leſen; in den Sternen bie Zukunft leſen und dgl.)5; 3fes. die Lesart, die Art wie ein Wort od, eine Schriftſtelle in diefer od. jener Handfchrift od. Ausgabe eines Buches gefchrieben ift und gelefen wird (abweichende Lesarten, fr. Varianten); die KLefebegier od, gier, -luſt, »fucht, =wuth; Tefebegierig, -luſtig, =fühtig, Bw. 5 das Lefebuch, ein Buch zum Lefenlernen oder zur Ubung im Lefen; auch zur Unterhaltung, zum Zeitvertreib; dad Leſeholz, dürres, abgefallenes Holz,» Spüne u. dol., welche im Walde aufgelefen werden dürfen; die Leſekunſt; der Leſemeiſter, ein Meifter im Lefen; in Kidftern: der Vorlefer (Lector) 5 oberd. ein beeidigter Auffeher bei der Weinleſe; die Lefeprobe, Probe im Leſen; bef, Probe eines Bühnenftüdes, indem die Schaufpieler ihre Rollen leſend vortragen ; das Lefepult, Pult, auf weldes man das Buch beim Lefen legt; die Leſe⸗ ſchule; der Lefefchüler, die Lefefchülerinn ; der Lefeftein, Bergw., veid: haltige Eiferfteine, welche einzeln gefunden und zufammengelefen werden; der Leſeſtoff, Stoff, Gegenftand des Leſens; die Lefewelt, die Gefammtheit derer, welche Bücher zc. zu lefen pflegen (fr. das Publicum) ; das Lefezeichen, Schrift: zeichen zur Erleichterung des Lefens, bef. die Satzzeichenz die die Zeit des Leſens od. Einſammelns, z. B. des Weines (Weinleſe); auch die zum Leſen von Büchern 2c. beftimmte Beitz dad Lefezimmer, die Lefeftube, der Lefes faal, ein Zimmer 2c. welches zum Leſen von Büchern, Beitfchriften 2c. beftimmt ift; auch f. Lehrerzimmer, Hörfaal; der Lefezirkel, ein Verein von Perfonen, welche Bücher oder Zeitſchriften 2c. gemeinfhaftlich halten und in einer gewiſſen Reihenfolge nach einander Iefen ; fefenswerth od. würdig, Bw., werth gelefen zu werden (ein leſenswerthes Bud); Ableit. die Leſe, M.-n, dad Auf- oder Zufammenlefen, Einſammeln (Ähren-, Obſt-, Weinleſe); dad YAuf= od. Zuſammengeleſene, z. B. Kartenſp. die gemachten Stiche 5 uneig. eine Sammlung des Vorziglicheren, Auswahl (vergl. Stumenlefe); der Lofer, -3, die Leferinn, M. -en, wer lieft, d. i. 1) wer etwas auflieft, einfammelt oder audlefend reinigt (ühren-, Wein-, Erbfenlefer); 2) wer Geſchriebenes oder Gedruckted lieſ't (ein fertiger, ein ſchlechter Leſer); bef. wer Bücher zur Belehrung od, Unterhaltung lief’t (das Buch hat viele Lefer und Leferinnen gefunden; geneigter Lefer! 2c.)5 die Leſung, das Lefen, gew. nur in der Bed. 2); die Leferei, verwerfend: das Vielleſen ohne Plan und Auswahl; lesbar, Bw., was gelefen werden kann, be. in Hinficht der Schreibart (des Stils), der Verftändlichfeit, oder der GSittlichfeit des Inhalts (dies Buch ift für die Sugend nicht lesbar); tie Lesbarkeit; le— ſerlich, felten leslich, Bw., mas gelefen werden kann den Schriftzeichen

60 Leske letzt

Kor Schriftzuͤgen nach (leſerlich ſchreiben; eine leſerliche Hand); die Lefer- ichFeit.

Leske, m., -n, M.-n, landſch. f. Kernbeißer, Kirſchfink.

Ketten, m., —s, M. w. €, (altd. leddo, isländ. ledia, lat. Jutum, Schlamm, Koth), beſ. oberd. f. Thon, od. Lehm; Bergw. eine zaͤhe, fette u. ſchleimige Bergart von verſchiedener Farbe, auch der Lettenſchmitz genannt; lettengelb, Bw., gelb wie Letten, d. i. Lehm; die Lettenhaue oder Letthaue, Bergw., eine Haue zum Durchhauen des lettigen Gebirges; lettig, Bw., Letten enthaltend oder daraus beftehend; letticht,, Bw., Iettenähnlich.

Letter, w., gew. nur die M. Lettern (v. d. lat. litrera), aus Metall gegoflene Druckbuchltaben, Schriften; bisw. auch die abgedruckten Buch— ftaben, die Druckſchrift.

(eb, Bw. (landſch. auch let ſchz verw. mit legen 2.2), oberd. f. verkehrt, link, der rechten Seite entgegengefeßtz unrechtz übel, ſchlecht, ſchlimm, boͤſe; krank; daher die Lege 1., f. der üble, fehlimme Zuſtand; legen 1., 3m. f. verfehrt handeln, freveln.

legen 2., ziel. Zw. (angelf. u. goth. latian, isländ. letia, niederd. letten, engl. lett; von laz, lat, f. unter legt; veral. d. lat. laedere) urfpr. eig. auf- halten, verzögern, hindern; dann beeinträchtigen, befchädigen; jest vollig vlt. außer in verlegen; daher die Lege ?., M.-ın, (gem. die Les oder Legen) oberd. f. Schlinge, Schleife zum —— z. B. beim Vogelfang; Schutzwehr zum Abhalten des Feindes, Landwehr an der Örenze,

legen 3., ziel. Zw. (verw. mit d. lat. laetus, laetari, vergl. d. oberd, der Lip, eigen f. das Gelüftz od. mit legen 2. in der Bed. zurückhalten, feſſeln?) alt u. dicht. f. erquicken, laben, erfreuen (einen mit etwas —; ſich an einer Sache 20.) ; in engerer Bed. ehem. fih mit einem —, fid) beim Abſchied noch ‘einmal mit ihm vergnügen; daher bie Letze 3 3., alt und oberd. (gem. Letz) f. Erquickung, Ergoͤtzung ; bef. oberd. ein Abſchiedsfeſt, = Schmaus u. tgl. od, ein GefchenE, das man einem Scheidenden macht (daher: zu guter Leg, d. i. zum freundlichen Abſchiedz der Lestuß,:fhmaus, dietegpredigt, oberd. f. Abſchiedskuſs 2c.5 in Anwendung fließt das Wort mit lest zufammen, ſ. d.).

legt, der, die, das lebte ꝛc, Bro. der Zeit und Ordnung (altd. lezzisto, letzistz gem. ober = u. niederd. left, engl. last; eig. Superl. von laz, laſs (ſ. d.), angelf. u. nieberd. lat, engl. late; isländ. latr, langfam, träge, ſpät; vergl. Vegen 2., u. das griech. AoioFog) ordnet den Öegenftand, welchem es beigelegt wird, allen andern damit zufammengeftellten nach u. zwar dem Orte od, der Zeit, dem Nange, der Würde oder Wichtigkeit nach, finnv. der hin— terfte, aͤußerſte, fpätefte, unterfte ꝛc., entg. der er ſte (3. B. das letzte Haus der Straße; der legte Tag im Jahre; er mufs immer das legte Wort haben; er ift immer der Letzte, d. i. am fpäteften Kommende; in den legten Bügen liegen, d. i. im Begriff fein zu fterbenz der legte Willen, fr. das Teſta— ment; einem die legte Ehre erweifen, d. i. feiner Beerdigung beiivohnenz das legte Malz dieLesten (dem Range nach) werden die Erften fein) 5 oft aud) zur Be: zeichnung eines Gegenftandes, auf den bis jeßt Fein anderer feiner Urt gefolgt

iſt, ohne dafs er deſshalb für immer den Beſchluſs macht, finnv. neueft, jüngft (3. B. der letzte Krieg; ich erſehe aus ihrem legten Briefe 20.)5; den Eompar.

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leu leuchten 61

Iehterer, e, es, der, die, dad letztere gebraucht man nur zur Hinwei— fung auf den (eftgenannten von zwei Gegenftänden , entfor. erfterer zc, ſ. d.z lebt als Nw., auch letztens, b. letzthin, altu . oberd. letztlich, Nw. dev Zeit: vor Furzem, Eürzlich, unlängft, neulich, jüngftz letztlich oberd. auch f. zuletzt; die Letzte od. gew. Lebt, gem. f. dad Ende, der Bes . ſchluſs (auf die Letzt, d. i. am Ende, gegen das Ende; zırguter Letzt, d. i. zum guten Beſchluſs; vergl. Lee 3.)5 legterwähnt, legtgenannt u. dgl, Bw. f. zulegt erwähnt 2.5 letztjaͤhrig, Bw., im letzten, d. i. nächftverfloffenen Jahre geſchehen; lektwillig, Bw., den legten Willen betreffend od. demfelben angehörend (fr. teftamentarifch). leu, Bw., Schiff., nicht genug gebogen. Leu od. Leue, m., -en, M.-en, alt u. dicht. f. Löwe, ſ. d. Leuchfe, w., M.-n, (fhwäb. Leuchfel), oderd. f. die Leiſte, Stemm— leiſte am Ruͤſtwagen; der Leuchſenring f. Leiftenring (f. Leiſte). leuchten, ziellof. Zw. m. haben (altd. liohtan, liuhtan; engl. light, lighten; von lioht, Licht, ſ. d.), eigenes Licht ausftrahlen u, dadurd) andere Körper erhellen, Kine: foheinen, glänzen 2c, (die Sonne, der Mond leuchtet den Menfhen; das Wetter leuchtet, gem. f. es blist, beſ. ohne hörbaren Donner); überh. lebhaften Glanz verbreiten (leuchtende Augen, Edelſteine; von Gold und Edelfteinen leuchten ꝛc.) 3 uneig. fi) durch Ölanz aͤußern oder verrathen (Freude leuchtet aus ihren Augenz dicht. aud mit dem Acc.: ihr » Antlig leuchtet Liebe 26.)5 deutlich erfennbar oder leicht einzufehen fein (das leuchtet in die Augen; vergl. einleuchten); in engerer Bed. durch VBortragung oder Borhaltung eined Lichtes, einer Leuchte ꝛc. Helligkeit verbreiten, mit d. Dat. der Perfon (leuchte einmal! er leuchtete mir die Treppe hinunter, nad) Haufe 20.5 uneig. gem, einem heim od. zu Saufeleudten, d. i. ihn an führen, ablaufen Lafien); 3fes. dad Leuchtfeuer, ein zum Leuchten un: terhaltenes Feuer, bef. auf hohen Bergen od. Thürmen als Zeichen für Seefah— ver; der Reuchtkäfer, Leuchtwurm, im Dunkeln leuchtender Käfer, bef. der Johanniskäfer; die Leuchtkugel, in der Feuerwerkskunſt eine Feuerkugel, welche an einen Ort geworfen wird, um ihn zu erleuchten; auch gewiſſe hell glänzende Feuerkugeln bei Luſtfeuern; die Leuchtpfanne , eine mit brennbaren Stoffen gefüllte eiferne Pfanne zur Erleuchtung eines Platzes unter freiem Simmel; die Leuchtröhre, Bäck., eine Röhre od. ein Loch an der Seite des Ofens, worin zur Erleuchtung desſelben Holz angezündet wird, auch: das Leuchtloch; die Leuchtſaͤule, Bauk., eine inwendig hohle, mit einer Windeltreppe verſehene ur durch Seitenbffnungen zu erleuchtende Säule; der Leuchtſtein, ein faferiger | Schwerſpath, der im Finftern leuchtet, wenn er einige Zeit im Freien an der Sonne gelegen hat (fr. bononiſcher od. Bologneſer- Stein) ʒ der Leuchtthurm, ein Thurm an der Seeküſte, auf welchem Leuchtfeuer für die Seefahrenden un— terhalten wird, Feuerthurm, Feuerwarte (fr. Sharus); Ableit. die Leuchte, M, -n, Verl. dad Leuchtchen, (altd. liubta; niederd. Luchte, dan. Iychte, ſchwed. Iykta), urfpr. überh. ein leuchtender Körper, ein Licht (dee Mond eine Leuchte der Nacht 2c,)5 gew. in engerer Bed. f. v. w. Laterne, ſ. d.e3 Naturk. eine Urt der Scefeder, welche einen Lichtglanz verbreitet; dag Bergijsmeinniht: blaue Leuchte; der gemeine Andorn: weiße Leuchte; \ der Leuchter, —s, M. w. E., mer leuchtet, d. i. das Licht od. die Leuchte vorträgt (der Beuchter geht voran); ein Geraͤth od, Geftell, welches ein Licht

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B2 leuen lich

trägt (sinnerner, filberner, Arms, Kron-, Wandleuchter 2c.)5 auch ein Pflan- zengefchlecht,, deſſen hangende Blüthendolden mit aufgerichteten Blumen einem Armleuchter ähneln; der Leuchterfnecht, f. v. w. Lichthalterz die Leuchter- fäule od. der Leuchterftuhl, ein Geftell, einen Leuchter darauf zu ftelen, aud) Leuchtergeftell, = tifch ꝛe. (fr. Gueridon) 5; die Leuchtung, das Leuchten, gew. Bez, Erleuchtung; der leuchtende Schein, bef. Landfch. f. Blitz.

leuen 1., ziellof. Zw. (angelf. hlewan, engl. low; verw. mit Löwe?), niederd. f. brüllen, vom Rindoieh und vom Lbwen; 2. ziel. Zw., Schiff., Stücfgüter auf eine gewiffe Art ausladenz daher: dad Leutau, beim Leuen gebrauchte Zaue. 1 .

leugnen, f. läugnen.

Leumund, m., -d, 0. M. (oberd. aud) Leumuth, Leumat, Leumde; altd. hliumunt; nicht aus „der Leute Mund’ zgez., fondern v. d. goth. hliuma, Ohr, isländ. hlioma, erfchallen, rufen, und der Endf. unt, gem. uth, end (3. B. Armuth, Jugend; daher: verleumden, |. d.5 vergl. d, griech. »Aveıw u, das lat. clamare) meift vlt. f. Gerücht, Ruf, allgemeine Meinung; bef. der gute Auf, gute Namen (Semands Leumund kränken; böfen Leumund machen, einen in üblen Leumund bringen 2c.).

Leute, die, o. E., Verkl. die Reutchen, (goth. lauths, der Menſch; altd. dazu. der liut, (M. liudi) angel. leod, island. Iydr, ſchwed. Iyd, bbhm. lid, poln. lud, das Volk; vergl. d. griech. Auos ; oberd. noch das Leut f. Volt u. f. eine einzelne Perfonz niederd. nur -Mehrh; Linde), überh. Menfchen, Derfonen jedes Geſchlechts, bef. Erwachfene, meift als unbeftimmte, unge: zahlte Menge gefafit (geringe, vornehme, gute Leute 2c.; Land und Leute; wenig unter die Leute kommen, d. i. wenig in Gefellfchaft gehen; aus Kindern werden Leute, d. i. Erwachfene; wir find gefchiedene Leute 2c.); bef. in Zſetz. zur Be- zeichnung von Perfonen beiderlei Gefchlechtd, 3. B. Eheleute, Landleute 26,5 oft auch vorzugsweife auf das männl. Gefchl. gehend f. Männer, (3. B. Kaufz, Kriegs-, Handwerköleute 2c.); in engerer Bed. f. die Menge, das Volk, der große Haufen (etwas unter die Leute bringen; in der Leute Mäuler Eommen) 5 dienende od. Jemand unterworfene Perfonen (meine Leute, d. i. Dienſtboten; Land und Leute verlieren, .d. 1. das Land und die Unterthanenz ehem. bef. Kriegsvdlker) ; der Leuteplager, =fcherer, härter: = fchinders leuteſcheu, Bw., f. v. w. menſchenſcheu, f.d.5 leutjelig, Bw. (vergl. felig), gern und wohlmollend mit Menfchen umgehend, finnv. umgänglich, freundlich, lieb— reich, bef.-von Vornehmen gegen Grringere (ein leutfeliger Fürſt; ein Leutfeliges Betragen); alt u. oberd. auch: von vielen Leuten befucht, volkreich, lebhaft (ein leutfeliger Ort; fr. freguent), wofür landfch. auch: Leutlichz die Leut— jeligfeit, dad Leutfeligfein, finnv. Wohlwollen, Freundlichkeit.

Leuwagen, m., -8, M. w. E,, niederd. f. Scheuerbürfte, Schrubber,

Levfoje, w., M. -n, ein befanntes Gartengewächs, in Spanien wild werhfend, mit wohlriechenden, vielfarbigen Blumenz eig. nur die weiß: blühende Gattung (v. d. griech. Azvxdiov, d. i. weißes Veilhen, ehem. weißer Beil genannt, wegen des Veilchengeruchs).

lich, Endf. (goth. leiks, angelf. lic, altnord. likr; ſchwed. u. dan. lig; altd. lih, lich, leich; eig. das alte Hw. lih, Leib, Geftaltz vergl. Leiche, gleich) bezeichnet überh. dem Stammbegriffe gleiche oder ähnliche Geftalt, Beichaffenheit, Art und Weife des Zuftandes oder der Handlung, und

lich licht 63

bildet 1) Beiworter a) von Dauptwörtern und zwar von Perfonen- Namen, mit dem Begriffe der Ähnlichkeit od. Ungemeffenheit (5. B. menſch— ich, männlich, weiblich, kindlich, fürſtlich, königlich, d. i. eines Menſchen, Mannes ꝛc. Art, Beſchaffenheit habend; ſinnv. iſch, ſ. d.), oft auch nur des Angehoͤrens, Betreffens, Ausgehens von der Perſon, wofür ehem. iſch gebr. (3. B. die kbniglichen Staaten, ein fürſtlicher Befehl, der gräfliche Stand, die göttlichen Eigenfhaften f. die Eigenfchaften Gottes ; die bürgerlic;en Freihei— ten); . ferner von Verbal— Hauptwodrtern und Sachnamen überh., die Art und Weiſe, das Wie einer Handlung oder eines Zuftandes be: zeichnend (3. B. künſtlich, ſchriftlich, bildlich, mündlich, wörtlich, gründlich 2c.; fo aud) in zeitbeftimmenden Wörtern, wie jährlich, täglid, ſtünd— Lich 2c. welche die Art und Weife der Handlung als Wiederholung berfelben in gewifjen Zeiträumen darftellen:: was in jedem Sahre, an jedem Zage ꝛc. geſchieht; verfh. jährig, tägig, fündig, welche die Dauer während des bemerkten Zeitraumes bezeichnen); b) von Beiwbrtern, eine Unnäherung an den Stammpbegriff und daher einen geringeren Grad, eine Verminderung des— felben bezeichnend (z. B. weißlich, ſchwärzlich, röthlich, bräunlich zc., d. i. ‚dem Weiß, Schwarz ꝛc. ſich nähernd, in dieſe Farben fallend; kältlich, härtlich, weichlich, kleinlich, ältlich, ſüßlich, d. i. dem Kalten, Harten zc. ſich nähernd, ein wenig kalt ꝛc.; landſch., beſ. oberd. lautet die Silbe in dieſer Anwendung ticht, u. gem. Let, z. B. weißlicht, gem. weißlet ꝛc., welches jedoch nicht aus lich verderbt, ſondern die altd. Endſ. leht ift, entſt. aus eht (icht) u. dem ver: Heinernden I)3 c) von Zeitwörtern, u. zwar von ziellofen, überh. das Borhandenfein des Stammbegriffs bezeichnend, finnv. mit dem thätlichen Mw. (3. B. tauglich, ſchädlich, nützlich, behaglich, ſchmerzlich, ziemlich, beharrlich, gebührlich ꝛc., d. i. was taugt, nützt, behagt zc., ſinnv. taugend, nützend ꝛc.; ſterblich, d. i. dem Sterben unterworfen)z ferner von ziel. Zw. entweder mit dem Begriff der thaͤtigen Wirkſamkeit (3. B. hinderlich, förderlich, erſchreck— lich, erfreulich f. dv. w. hindernd, erfchrediend ꝛc.; erbaulich predigen, d. i. fo dafs man Andere erbaut; eine bewegliche Rede, d. i. eine bewegende, rührende), od. gew. mit dem Begriff einer leidentlichen Möglichkeit, f.v.w. bar, ſ. d. (3. B. begreiflid, erweislich, thunlich, glaublich, verächtlich, 16blich, d. i. was begriffen, erwiefen 2c. werden kann; fo aud) unabſehlich, untröftlich 2c. neben unabfehbar, untröſtbar u. dgl. m.) 5 insbef. aud) von dem thätlihen Mittel: wort zur Bezeichnung der Art und Weiſe, wobei jedoch das d des Mw. in t verwandelt wird (3. B. wiſſentlich, hoffentlich, flehentlich, wejentlich, von wiffend , hoffend 20.53 nach diefer Analogie findet fidy auch in anderen Bildungen von Hw. u. Bw. auf en zwifchen diefer Endung und der Silbe Lich ein t einge: ſchaltet, 3. B. namentlich, gelegentlich, öffentlich, eigentlich, gefliffentlich, ver: fehiedentlich, ordentlich, wöchentlih); 2) diente die Endf. Lich (mie das engl. 1y) ehem. mehr als jest, um Nebenwoͤrter von Beiwörtern zu bilden (3. B. klärlich, höchlich, ſichtbarlich, ſäuberlich, kühnlich, ewiglich, gnädiglich, d. i, auf klare, hohe, ſichtbare ꝛc. —* dieſe Bildungen find jetzt meiſt vlt.; doch hat in folgenden Wörtern die Silbe Lich auch jetzt noch rein nebenwörtliche Be: deutung: freilich, kürzlich, neulich, ſchwerlich, wahrlich, erftlich, gütlich, gröblich, 7 bitterlich, gänzlich, ſicherlich u. e. a.). licht, oberd. Endſ., ſ. unter lich 1) b). licht, Bw, Comp. lichter, Sup. lichteſt, (altd. licht, leohr, lieht:

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niederd. Leit), viel eignes Licht habend, Teuchtend, Hell (eine Lichte Flamme); von fremdem Licht erleuchtet od. beleuchtet, hell (eine lichte Wolke, bei Lich: tem Tage; gem. es ift heller Lichter Tag); von Farben: dem Weißen fich nähernd, heil, entg. dunkel (lichtes Haarz lichtbraun, -grün zu; lichte Hölzer, d. i. Laubhölzer von hellerem Grün, ald die Nadelhölzer); uneig. von geiftigen Vorftellungen, vom Verftande zc. deutlich, Flar, aufgeklärt (Lichte, Begriffe, ein lichter Kopf); ferner viel Licht durchlaffend, weite Zwiſchen— räume habend, weitläufia, duͤnn (ein liter Wald; einen Wald liht machenz Jäg. lihte Maſchen, f. weite, der Lihte Zeug, d. i. Garne und Netze, entg. dem finfteren Zeuge, ſ. finfter) 5 das Lichte, Forftw., ein baumleerer Pat in einem Waldez im Lichten bezeichnet in der Bauf. den inneren freien, erhellten Raum (4. B. die Stube ift im Lichten 20 Fuß lang, Wi. ihrem inneren Raume nad), die Wände nicht mitgerehnet) ; 3 ſetz. lichtblau, braun, =gelb, «grün, =toth ıc. Bw., ſ. v. w. hellblau, = braun ꝛc. (f. 0.)3 der Lichtfuchs, ein Fuchs, d. i. ein eöthliches Pferd von Lichter Farbe, Hell: fuchs, z. U. v. Rothfuchs; lichterloh, Nw. (zgez. aus „mit Lichter Lohe“), mit Lichter od. heiler Flamme (3. B. das Haus brannte lichterloh); das Licht, - es, M.-er und -e (fu), Verkl. dad Lichtchen (Mehrh. in ver Volksſpr. Lichterchen) oberd. Lichtlein, (goth. liuhath, altd. lioht, liehr; oberd. Liecht, niederd. Lucht, Lecht; engl. light; lat. lux; vergl. d. griech. Azvzos, 4.0000, Aöyvog 2c.) 1) o. M. der von leuchtenden Körpern audgeftrahlte uns wägbare Stoff, welcher die Körperwelt fihtbar macht, auch die dadurch verurfachte Helle und die erhellende Eigenfchaft Teuchtender Körper, entg. Dunkel, Finfternifs 2c. (das Licht des Tages, der Sonne, der Sterne, einer Lampe; der Mond hat ein entlehntes Licht) 5 insbeſ. f. Sonnen = od, Tages— liht, Tageshelle (das Licht fällt durch die Fenſter; die Treppe hat zu wenig Licht; einem das Licht verbauen; mit anbrechendem Lichte, d. i. Tage; etwas gegen das Licht Halten, beim Lite befehen, auch uneig. f. genau be- trachten und unterfuchen; etwas, 3.8. ein Gemäldeins rehte Licht ftel- len, d. i. ſo dass das Tageslicht von der gehörigen Seite darauf füllt; auch uneig. eine Sache fo darftellen, daß fie richtig erkannt und beurtheilt werde; entg. etwas in ein falſches Licht fellen, .in falſchem Lichte fehen 2c.5 fo auch: etwas in ein günftiges, od. ungünftiges, vortheilhaftes oder nachtheiliges Licht ftellen 20.5 einem im Lichte fteehen, 2. i. ihm durd) feinen Körper das Licht entziehen, aud) uneig. überh. f. im Wege od. hinderlich fein; fich feldft im. Eichte ftehen, d. i. ſich ſelbſt Hinderlid) fein oder fchadenz einen Hinter das Licht führen, d. i. täufchen, hintergehen; das Licht der Welt erbliden, d. i. geboren werden; etwas ans Liht bringen, d. i. offenbar, befannt machenz ans Licht kommen, d. i. bekannt werden ; das Licht ſcheuen, d. i. die Hffent⸗ lichkeit); ferner: der Schein eines kuͤnſtlich eingerichteten leuchtenden Koͤr— pers, das Kerzen-, Lampenlicht ꝛc. (bei Licht arbeiten, fihreiben)s; auch f. Mondliht, Mondfchein u. f. den Mond felbft (das volle Licht, d. i. der - Vollmond; das neue Licht, d. i. das erfte Viertel; im zunehmenden Lite, d. i. Monde 2c,)5 uneig. f. deutliche, Flare Erkenntniſs, Einficht, Aufſchluſs (das Licht der Vernunftz laſſet euer Licht leuchten 2c.; in einer Sache Licht bes kommen; jest geht mir ein Licht auf, d. i. die Sache wird mir deutlich); auch f. das Leben, die Lebenskraft (das Lebensiiht); 2) M. -er, ein leuchtender Körper (die Sonne # das Licht des Tages; bibl. Gott machte zwei große Lichter

* J i fi J licht 65 Lichter ec.; die Sterne find die Lichter der Nacht; Himmelslichter, Irrlichter 2c. ; die Lichter (d. i. brennenden Kerzen) brannten trübe) 5 uneig. f. Auͤgen, Jüg. die Augen des Hirfhesz Mal. die hell gehaltenen Stellen eined Gemäldes, entg. Schatten, (die Lichter anlegen); aud) f. Perfonen von hoher Einficht, erleuchtete Lehrer 2c. (Chriſtus ift das Licht der Weltz die Lichter der Kirche, d. i. erleuchtete Kirchenlehrer, u. dgl.); 3) M. -e (oberd. jedoch auch -er) von Talg od, Wachs gezogene oder gegoffene, mit einem Dochte verfehene walzenförmige Körper, welche angezuͤndet zur Erleuchtung dienen, oberb. gew. Kerze, (Wachs-, Talglichte; Lichte ziehen, gießen; ein Pfund Lichte; die Lichte aufſtecken, anzünden, pußenz einem das Licht halten, d. i. ihm leuch— ten, u. uneig. zu etwas behülflich feinz die leuchtenden Flammen der Lichte aber heißen: Lichter); Zfep. die Lichtader, die weiße Ader der Thiere, woran Herz u. Gefihlinge bangen; aud; eine Ader am Kopfe der Pferde, Kol: leraderz die Lichtarbeit, Arbeit beim Schein eines brennenden Lichtesz der Lichtbaum, ein ausländ. Baum, deſſen fhotenartige Früchte die Geſtalt eines gezogenen Lichtes haben, eine Art des Wurzelbaumes, Leuchterbaum, Leuchter: wurzelbaum; das Lichtblatt od, verkl.-blaͤttchen, ein Metallbtättchen, wel- ches den Edelfteinen bei der Faſſung untergelegt wird zur Erhöhung des Glan- zes (fe. Folie); der Lichtblick, der augenblickliche Schein eines Lichtes; uneig. ein augenbliclicher Schein z. B. von Hoffnung 2c. 3 ein heller Blick des Auges, od. des Geiſtes; die Lichtblume, Herbtzeitlofes der Kichtbraten, Handw,, ein Braten od. kleiner Schmaus, weicher den Gefellen gegeben wird, wenn fie anfangen bei Lichte zu arbeiten; der Lichtdaͤmpfer, ein Werkzeug zum Aus: (öfchen eines brennenden Lichtes; die Lichteule, eine Art Nachtfalterz die Lichtform, Form zum Lichtgießen; der Lichtfreund, ein Freund des Lichte, bef, uneig, der klaren Einfiht, der Aufklärung; die Lichtgeſtalt, dicht, eine leuchtende od. von Licht umfloffene Geftaltz fo auch das Lichtgewand u, dgl. ; der Lichtgießer, wer Talglichte gießt; der Lichtglanz, Glanz tes Lichtes, leuchtender, heller Glanz; lichtglängend, Bw.; der Kichthalter, wer ein Licht haltz ein Werkzeug, weldyes man auf einen Leuchter fest, um Lichtſtümpf— hen darauf zu fleden und ausbrennen zu laffen, auch Lichtknecht, Lichtſtecher, Leuchterknecht genannt; lichthell, Bw., von Licht erhelit, fehr Hell; das Lichtholz, Kien= u. anderes Holz, defien Späne die Landleute auf dem Herde ſtatt der Lichte brennen; Forſtw. f. Laubholz (ſ. Ticht) 5 der Lichthut, ein hohler bleherner Kegel zum Auslbſchen eines brennenden Lichtes; die Lichtfammer, Kammer zur Verwahrung der Lichte, bef. an Höfen; auch die zur Aufſicht

darüber beftellten Perfonen, deren VBorgefegter der Lichtkaͤmmerer ift; der Lichtknecht, |. Lichthalter; das Lichtfrauf, großes Schöllkraut;z lichtleer 0d, 108, Bwe, Fein Licht habend, dunkel; uneig, ohne Einficht od, Deutlich: keit; die Lichtlehre, die Lehre von der Natur des Lichtes, ein Theil der Natur: lehre (fr, Optik); das Lichtloch, ein Loch, durdy welches das Tageslicht ein:

fällt; der Lichtmarder, Baum: od. Feldmarderz die Lichtmaffe, eine große Menge Licht, beſ. Mal, eine große fehr heil gehaltene Stelle; das Kichtmeer, dicht, eine große Fülle hellen Lichtes; die Lichtmefle, gew. abgek. Lichtmeſs, das Feſt der Reinigung Mariä am 2ten Febr., an weldhem in der röm, Kirche = Kerzen zu feierlichen Umgängen geweiht werden, Lichtweihe, Kerzenweihe; der Lichtmeſſer, ein Werkzeug zur Meſſung des Grades der Lichtſtärke (fr, Photo: - meter); die Lichtmotte, eine Art Nachtfalter, welche nad) dem Lichte fliegen,

Hey ſe's Handwödrterb, d. deutfchen Spr. 2. Theil. >

66 lichten lieb

Lichtfliege, Lichtmuͤcke; der Lichtpunkt, ein Heil beleuchteter Punkt; uneig. ein einzelner erfreuliher Umftand, ein Hoffnungsfchein u, dgl. z die Lichtpuße od, Eichtfchere, ein Werkzeug zum Pusen der Lichtſchnuppe; das Lichtrecht, das Recht, durh die Wand eines Nachbarn ein Fenfter- zu bredenz lichtrein, Bw., rein wie das Lihtz Fichtfcheu, Bw., das Licht, u, uneig, die Öffent: lichkeit 0d, die Aufklärung ſcheuend; die Lichtſcheu, Scheu vor dem Lichte, eig, u. uneig.; auch eine Augenkrankheit; der Lichtſchirm, ein Schirm, die zu hellen Lihtftrahlen von den Augen abzuhalten; die Lichtſchnuppe, ſ. Schnuppe; die Lichtſeite, die dem Lichte zugewendete Seite; uneig, die vortheilhafte Seite einer Sache, entg. Schattenſeitez der Lichtſtock, landſch., ein einfacher hölzerner Leuchter z der Lichtſtoff, das Licht, als ein